Sonntag, 30. Juni 2013

Frequency-Vorglühen: Awolnation gratis sehen



Der Gig kommt zu Dir: Bevor das diesjährige FM4 Frequency Festival am 15. August in St. Pölten beginnt, gibt's zwei Aufwärm-Gigs mit den US-Indiepop-Electros von Awolnation. Die Band um Aaron Bruno tritt mit dem Red Bull Brandwagen auf. Der Energy-Drink-Hersteller lässt nicht nur Menschen aus dem All wieder auf die Erde fallen und Menschen in albernen Fluggeräten abheben, sondern hat auch eine mobile Konzertbühne im Portfolio. Letztes Jahr war Cro auf dem sogenannten Brandwagen zu sehen, dieses Jahr werden Awolnation die fahrende Bühne betreten. Eine Möglichkeit, sich das Konzert anzuschauen, ist am 12. August. Als Support sind Purple Souls dabei. Beginn ist um 18.30 Uhr im  Volksgarten Park in Salzburg. Am Tag drauf ebenfalls um 18.30 Uhr ist der Gig in der Freiluftarena B, Messegelände/Zugang Fröhlichgasse, in Graz. Support sind Neodisco. Der Eintritt ist jeweils frei. Awolnation treten auch am Frequency auf, und zwar am 16. August. Da braucht's allerdings dann ein - logo - Festivalticket.

Freitag, 28. Juni 2013

Ausgegraben: Rage 1998 im E-Werk



Aus unserer Rubrik "Clips von anno dazumal" wieder ein Griff in die Mottenkiste: Während meiner Metalhead-Phase hatte es mir eine Band ganz besonders angetan. Rage. Nicht against the machine, sondern einfach Rage. Die Ruhrpott-Institution aus Herne. Heute ein Trio, das durch den Gitarristen Viktor Smolski zu den musikalisch besten zählt, ist mir doch die Vierer-Besetzung Ende der 90er-am liebsten gewesen. Und bevor Metallica ein Orchester an die Wand schroteten, spielten Rage schon mit einem Orchester. Das "Lingua Mortis"-Projekt war geboren. Ein Auftritt im Kölner E-Werk, den ich auf einer Videokassette rumliegen habe, zeigt, wie gut das funktioniert. Auch nett: Sänger und Bassist Peavy hat noch Haare. Die Glatze- und Bart-Phase kam erst später. Inzwischen hat die Band auch durch Raab-Präsenz an Popularität gewonnen. Ich fand sie allerdings nie stärker als zu "13"-Zeiten.

Donnerstag, 27. Juni 2013

Hörtest: City Light Thief - Vacilando

Begeistern soll sie, sprachlos machen, verzücken und Dich mit einem ungläubigen Grinsen im Gesicht zurücklassen. Wer solche Wunderdinge von Musik erwartet, ist mit "Vacilando" von City Light Thief gut gewickelt. Definitiv eine der Platten, die man dieses Jahr gehört haben sollte.

Die Hölle entfesseln und dann wieder Versöhnung zelebrieren: Die größte Stärke von City Light Thief, sechs jungen Männern aus Nordrhein-Westfalen, sind die Kontraste. Nun ist das Spiel mit Stille und Sturm nichts Neues und auch nichts besonders Innovatives mehr. Jedoch: City Light Thief beherrschen es, als seien sie beste Freunde mit dem, der die Regeln dazu geschrieben hat. Da empfangen sie uns in "Battue" mit hallenden und flirrenden Gitarren, bevor sich nach angetäuschtem Gesang gleichmal der Screamo-Willkommensgruß ins bild schiebt. Es soll ja auch nicht zu harmonisch werden. Wenn die Gitarre zu clean scheint, trifft der Fuß im richtigen Moment voller Wucht auf das Bodenpedal, um wieder ein bisschen Zerre zu besorgen ("Of Armistice").

Ein bisschen was hat das auch von den texanischen Wahnsinnigen ...Trail of Dead, aber At the Drive In dürften auch im Plattenschrank des Sextetts zu finden sein. Wobei Name Dropping hier gar nicht so arg hilfreich ist, denn City Light Thief streben hörbar nach Eigenständigkeit. Nur ein Name vielleicht noch: Der Hard-Chor in "Helicopter Youth" gemahnt an die Blackmail-Chöre auf "Tempo Tempo". Die Gitarren pendeln zwischen Indie-Weitläufigkeit und Postcore-Punch, dazu rammt das Drumkit starke Pflöcke in den Boden und der Bass dribbelt leichtfüßig drumherum. Wenn man das alles hört, denkt man sich jedenfalls nicht "Oh, die kommen sicher aus Köln, Grevenbroich und Much". Wobei auch dieses Verortungsding immer schwierig ist. Wie klingt denn bitteschön Berlin? Und schließlich müssen Musiker ja irgendwo herkommen, oder nicht? Wenn man aber davon redet, dass eine Band nach "internationaler Klasse" klingt, dann gilt das sicher auch für City Light Thief.

Eine junge Band, die noch viel vor sich hat und mit ihrem eigenen Stil überzeugt - wie aufregend! Mit der Weg-ist-das-Ziel-Attitüde, die ein "Vacilando", ein ziellos Reisender, an sich hat, hat die Band übrigens nichts am Hut. Denn sie wissen, was sie tun. Pures understatement. Tinnitus Attacks wünscht jedenfalls: gute Reise!

"Vacilando" von City Light Thief ist am 31. Mai via Midsummer Records erschienen.
Mehr unter www.city-light-thief.de. Hier noch ein Video zu "Armistice":

Mittwoch, 26. Juni 2013

Ausgegraben: Rammstein 1996 beim Bizarre Festival



Ob wir die Renaissance der Videokassette je erleben werden? Vorstellbar, dass jemand sagt "Och, dieses ganze HD ist mir viel zu scharf und gerade für Fantasy doof, weil man den Maskenansatz sieht"? Oder "Da kann ich nicht von Szene zu Szene springen, sondern muss mich voll auf den Film konzentrieren - ein ganz anderes Gucken"? Fände ich gar nicht mal schlecht. Denn ich hab etliche Konzertmitschnitte auf Videokassetten, die ich mir gern mal wieder zu Gemüte führen würde, allesamt so Ende der 90er. Durch das diesjährige Southside wurde jetzt ein alter Rammstein-Auftritt in mein Gedächtnis gespült. Das war 1996 auf dem Bizarre Festival, das es inzwischen ja leider auch nicht mehr gibt. Ein Jahr bevor der Zweitling "Sehnsucht" erschien, kam die Band noch weitgehend unperfektionistisch daher: Keine übertriebenen Kostüme, sondern eher zusammengestückelt wirkende Outfits, Sänger Till Lindemann in Kettenhemd und Schamschutzkapsel, eine abgeschossene Gummipuppe un bei Minute 14:44 ein völlig durchdrehender Keyboarder Flake. Es hat was, weil der Gig weder so durchgestylt ist noch so überbordend prop-beladen wie die späteren Shows der Band. Anhand des fast 40-minütigen Auftritts - mehr Songs gab es damals fast noch nicht - lässt sich auch wunderbar darüber streiten, ob Rammstein ohne ihre spektakuläre Feuershow heute da stehen würden wo sie es hingeschafft haben. Ob alleine der Mix aus Laibach-artigem Gesang und harten Gitarren, wie sie Oomph und die Krupps auch schon hatten, dafür gereicht hätte? Ich hab da so meine Zweifel.

Dienstag, 25. Juni 2013

Southside 2013: Der Wahnsinn in Worten - meine musikalischen Eindrücke

Ein Festival und drei Erkenntnisse: Rammstein-Fronter Till Lindemann wird immer gruseliger (schaut ihn Euch nur mal an). The National sitzen auf dem Indierock-Thron. Und: Warum hab ich nicht schon viel früher ein Feldbett gekauft? Das Southside 2013 ging rasend schnell vorbei, viel zu schnell, und hier kommt mein musikalischer Nachbericht. Heute auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr meine Gedanken lesen - naja, zumindest jene, welche ich mir über die Highlights gemacht habe. Ein Tipp: Checkt mal die Internetseite von Thomas Melcher, der für die Schwäbische Zeitung als Fotograf im Einsatz war. Da gibt's auch die Links zu noch mehr Fotos vom Festival. Lohnt sich!

Freitag, 21. Juni 2013

Ab aufs Southside



So, Herrschaften. Ich meld mich mal ab. Vorsichtshalber. Gestern fürs Southside gepackt, und heute geht's hin. Im Dienste der Schwäbischen Zeitung stehen Interviews mit Bouncing Souls, Boysetsfire und City and Colour auf dem Programm. Und wer weiß, was sich noch so ergibt. Ob ich zum Bloggen komme, weiß ich noch nicht - auch, weil man das mit dem WLAN ja nie im Griff hat. Aber wir sehen uns eh dort, oder? Oben übrigens der Song, auf den ich mich am meisten freue.

Mittwoch, 19. Juni 2013

SZene-Hörtest: Portugal.The Man - Evil Friends

Sie hatten mich verloren. Portugal.The Man waren die ersten beiden Alben meine neuen Fixsterne am vinylschwarzen Plattenhimmel. Aber die Euphorie legte sich Album für Album. Und jetzt? Kommt mit Danger Mouse einer, dem ich eigentlich skeptisch gegenüber stehe, aber durch seine Arbeit für Beck und die Black Keys hat er da auch schon Boden gutgemacht. Und jetzt bringt er Portugal.The Man wieder auf Kurs. "Evil Friends" ist echt gelungen. Nachzulesen in der Schwäbischen Zeitung vom Dienstag, 18. Juni. Die Plattenkritik könnt Ihr Euch zu Gemüte führen, wenn Ihr auf das Bild nebenan klickt. Die Auflösung gibt's her, einfach zoomen, wenn's zu klein ist.

Ach ja, kleiner Eindruck gefällig? Portugal.The Man spielen "Modern Jesus" bei 91X X-Sessions.

Dienstag, 18. Juni 2013

Billy Bragg beim Tiny Desk Concert



Billy Bragg zu Gast bei NPR: Der britische Songwriter hat ein 20-minütiges Tiny Desk Concert gegeben. Nehmt Euch die Zeit. Lohnt sich definitiv.

Montag, 17. Juni 2013

Hörtest: Idle Class - The Drama's Done

Sie hauen rein wie Red City Radio, stehen anscheinend auf Star Wars und machen heiseren Punkrock, der mit dem raketengetriebenen Skateboard beherzt die Halfpipe runterstürzt: Die Münsteraner von Idle Class legen mit ihrem Debütalbum gut vor. Hüte ab. 

Eigentlich müssten HNO-Ärzte die Punkrock-Szene subventionieren. So wie Sänger Tobi und seine Crew hier ihre Stimmbänder strapazieren, wäre das das Mindeste, was man ihnen Gutes tun könnte. Zehn atemlose Songs, zehn Mal drückende Euphorie, getragen von dicken Gitarren, polkatanzenden Drums und bierseliger Faustindieluft-Attitüde: Sowas können auch die Kolleschen von jenseits des großen Teichs nicht besser. Vom ersten Ton an wird hier nach vorn gespielt, Druck gemacht - wenn's ne Fußballmannschaft wäre, Günther Netzer wäre begeistert. "Home? Prove it" begeistert mit cleveren Breaks, an anderer Stelle schreien einen die Gangshouts an, als ob man nicht gut genug zuhört. Und wenn sie sich dann in "Han Shot First" noch als Krieg der Sterne-Nerds outen, haben Idle Class uns eh schon kassiert. Großartig auch der "Bridges Blues" mit seiner Verschnaufpause. Manchmal reicht eine halbe Stunde, und bevor ich jetzt noch länger drüber schreibe, geb ich lieber meine Kaufempfehlung ab, einen weiteren Songtipp, nämlich für das knapp zweiminütige "Angus One" und empfehle Euch der Obhut des Plattenverkäufers an, der diese Platte haben sollte.

"The Drama's Done" von Idle Class ist am 31. Mai bei Black Star Foundation erschienen. Unter 
http://listento.idleclass.de gibt's zwei Songs als Gratis-Download. Bei Youtube könnt Ihr ein Video zur Platte sehen, das die Songs erklärt. 
Hier noch ein paar Tourdaten: 

04.07.2013 DE - Oberhausen - Druckluft         (NEU)
05.07.2013 DE – Fürth – Fürth Festival
06.07.2013 AT – Micheldorf – Baraka Open Air
07.07.2013 AT – Graz – SUB
08.07.2013 AT – Wien – EKH
19.07.2013 DE – ülmen – Open Air
03.08.2013 DE - Beelen - Krach Am Bach Festival +Motorpsycho (NEU)
09.08.2013 DE - Köln - Underground +Belvedere
30.08.2013 DE - Holzenrath - Roedsrock Festival
21.09.2013 CH – St. Gallen – Grabenhalle
Die Tour wird von Ox, Livegigs.de, Fuze, Allschools.net, Gaesteliste.de präsentiert.

Samstag, 15. Juni 2013

Die Ärzte läuten die Nacht der Dämonen ein



Man kann nie genug Die Ärzte-DVDs haben. Die gute Nachricht: Bald gibt's noch eine mehr. Am Freitag, 13. September, erscheint "Die Nacht der Dämonen". Wow, ist "Die Band, die sie Pferd nannnten", wirklich schon neun Jahre her? Dann wird's ohnehin höchste Zeit für neue Live-Eindrücke.  Die DVD enthält Aufnahmen von der "Das Ende (ist noch nicht vorbei) Tour". Oben seht Ihr einen Trailer.

Donnerstag, 13. Juni 2013

Top 5: Italo-Western in der Pop-Musik

Viele Bands experimentieren im Laufer ihrer Karriere mit den Klängen, die man mit Italo-Western in Verbindung bringt. Hier meine fünf Lieblingsstücke aus dieser Kategorie.

Farin Urlaub - ...und die Gitarre war noch warm


 Murder By Death - Theme (For Ennio Morricone)



The Heavy - Short Change Hero



Turbo A.C.'s - Sonora



Metallica - The Unforgiven

Mittwoch, 12. Juni 2013

Iggy & The Stooges live im Konzert

Iggy Pop ist unfassbar. Der lederhäutige Punkrocker geht auf die 70 zu, steht aber trotzdem noch auf der Bühne als ob alles ein Spaziergang wäre. Bei NP3 gibt's jetzt einen Dreiviertelstunden-Auftritt mit den Stooges zu sehen. Ach ja: Wusstet Ihr, dass Iggy sogar man bei Star Trek einen Gastauftritt hatte? Quizfrage in der aktuellen Star Trek-App. Nur dass Ihr vorbereitet seid.

Dienstag, 11. Juni 2013

Galerie der Klassiker: Kings of Nuthin - Punk Rock Rhythm and Blues

Mit viel Pomade in den Haaren, Kippen im Mundwinkel, fein angezwirnt und immer das nächste Bier in der Hand: Punk Rock Rhythm and Blues ist der Soundtrack zur Rock'n'Roll-Party im Siff-Club. Selten eine Platte gehört, über die man einfach nicht sagen kann: Klingt wie die und die Band. 

Boston ist die Heimat vieler Bands, die Punkrock auf eigenwillige Art mit anderen Elementen anreichern. Dropkick Murphys. Everbody Out. Ducky Boys. Die Kings of Nuthin stechen besonders heraus. Auch wenn böse Zungen behaupten, dass ein Song wie der andere klingt: Eigenwilliger kann man als Band kaum klingen, und vor allem kaum unverwechselbarer. Dabei ist die Mischung im Grunde simpel. Man nehme Rock'n'Roll und Rockabilly, spiele den aber so berserkernd, dass von der Attitüde her Punkrock draus wird - fertig. Wobei man besonders den Gesang herausheben sollte. Torr Skoog spuckt seine Skepsis, seine Angepisstheit, sein Unverständnis heraus wie Verachtung in Vokale gegossen. Wobei man eigentlich in der Vergangenheitsform schreiben muss. Denn am Wochenende verstummte diese markante Stimme. Torr Skoog ist tot. Die Umstände sind unklar, ungewöhnlich wenige Infos dringen nach außen. Man kann nur spekulieren und trauern. 

Auf einmal wirken die Platten wie ein Vermächtnis, wirken Zeilen wie "Only Time Can Heal A Wound" bedeutsamer. "Punk Rock Rhythm and Blues" war meine Einstiegsdroge, anfangs fand ich die Platte gar nicht so besonders. Dann kam aber dieser Abend im Club Vaudeville. Das hatte ich noch nicht erlebt. Dass Saxofon, Piano, Gitarre und Waschbrett plus Drums, Kontrabass und mehr so heftig rocken können, wusste ich nicht. Aber gib sie den entsprechenden Leuten in die Hand und es geht. Zuhause sofort die Platte aufgelegt und nie mehr davon weggekommen. 

Alle Songs auf diesem Album prägen sich ein, lassen sich mitgrölen, machen Dich willenlos. "If I Were You", diese Anti-Attacke, das geradezu entspannte "Only Time", das Blödheit verdammende "No Brains" und das abschließende "I Smell A Rat" - nur ein paar Anspieltipps auf einer makellosen Platte. 

Übrigens lohnen sich alle Platten dieser Band. Ob es weitere Aufnahmen geben wird? Man kann sich den Sound nicht ohne Torr Skoogs Stimme vorstellen, diese lispelnde Reibe, die davon kommt, dass er das Gebiss vor dem Singen rausnimmt. Herrje. Death sucks.

Montag, 10. Juni 2013

Zum Tode von Torr Skoog

Torr Skoog ist tot. Der Sänger der Kings of Nuthin ist am Samstag gestorben. Die Hintergründe sind bisher nicht bekannt, mehr als das, was beim Verbicide-Magazin steht, hab ich nirgends gefunden. Aber es scheint zu stimmen. Auf Facebook und Twitter sprechen viele Nutzer ihr Beileid aus.

Ich war geschockt, als ich es heute früh gelesen habe. Die Kings of Nuthin waren eine der besten Bands, die das schier unerschöpfliche Reservoir in Boston hergibt, wenn es um Punkrock geht. Wobei die Kings immer dadurch herausstachen, dass sie eben nicht den Nullachtfuffzehn-Punkrock machen, sondern Rockabilly und klassischen Rock'n'Roll extrem lässig einarbeiten. 

Vor ein paar Jahren  - am 4. Juni 2006 - hab ich die Band im Club Vaudeville live gesehen. Sowas hatte ich bis dahin nicht erlebt. Eine derart schweißtreibende Rock'n'Roll-Show hab ich wirklich noch nirgends erlebt. Bevor es losging, kam ein Gitarrist der Band zu uns und wollte meinem Kumpel die weiße Lederkrawatte abkaufen, die er trug. Ging aber nicht, die hatte er sich von seinem Vater geliehen. Wir waren hin und weg: dass jemand dieses geschmacklose Ding haben und dafür Geld bezahlen wollte, war für uns in dem Moment ein Signal für den einzigartigen Geschmack der Band. Dann legten sie los und niemand stand still in der Ecke. Kollektives Ausraspeln. Torr Skoog war dabei der charismatische Fronter, der seine bissig-humorvollen Parolen ins Publikum bellte. Wie unfassbar die Story - eine Legende? -, dass er vor dem Singen das Gebiss herausnimmt, weil er es schon mal in die Menge gespuckt hatte und alle darauf herumgetrampelt waren. Ich weiß nicht viel über Torr Skoog. Ich bin sicher nicht sein größter Fan. Aber die Platten hab ich im Regal. Dass die Kings mal wieder nach Lindau kommen, darauf habe ich immer gewartet. Einmal stand ein Termin fest, wurde aber dann gecancelt. 

Es heißt, dass man oft erst merkt, was einem etwas bedeutet, wenn es weg ist. Das gilt auch für Bands, deren Mitglieder sterben. Jetzt leg ich die Kings of Nuthin auf.

Sonntag, 9. Juni 2013

Hörtest: Boysetsfire - While A Nation Sleeps

Dass "While A Nation Sleeps" in den Bestenlisten des Jahres landen wird, ist wohl schon geritzt. Selten wird ein Album so mit Vorschusslorbeeren bedacht und mit so viel Euphorie in die Arme geschlossen wie dieses hier. Der Hardcore-Zug rollt unaufhaltsam - und wer zusteigen will, dem wird es jetzt einfach gemacht.

Eine der Reunions, bei denen es nicht um Rentenkasse oder Sentimentalität geht, haben Boysetsfire zu verantworten. 2010 wollte es Nathan Gray noch mal wissen, wagte mit Boyetsfire einen Reboot. "While A Nation Sleeps..." ist das erste Album seither und macht klar, dass es verdammt schade gewesen wäre, wenn der kleine Pyromane zu den Akten gelegt worden wäre. 

Die Stakkato-Riffs rücken einem die Nackenwirbel zurecht, Nathan Gray kotzt sich die Seele aus dem Leib. Aber das ist nur eine Momentaufnahme wie in "Everything Went Black". Denn den Reiz bekommt diese Musik aus dem Spiel mit Kontrasten. "Closure" ist fast schon AOR oder Powermetal...ansatzweise zumindest, der Refrain gehört zum Melodischsten was man in dieser Sparte hören kann. Eine Songperle, die sich festsetzt. Dazwischen Festival-Abräumer wie "Heads Will Roll" oder die zurückgenommene Ruhepause "Altar of God". Produziert hat das Ganze Lou Giordano (Hüsker Dü, Sunny Day Real Estate). 

Ein Konzept gebe es nicht, so Gray, aber man spürt deutlich, dass Boysetsfire auch gegen die Welt anbrüllen, die ihnen nicht passt. Das hat man auch schon beim Clip zu "Bled Dry" deutlich vor Augen geführt bekommen. Auf diesem Album kommt besonders einem Sample eine wichtige Bedeutung zu, dass sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Die Mehrheit der Songs enthält Ausschnitte "Der Große Diktator", dem Film, mit dem Charlie Chaplin eine Satire auf den den Nationalsozialismus und Adolf Hitler schuf. Durch seine frappierende Ähnlichkeit mit dem Diktator Anton Hynkel gelingt es dem jüdischen Friseur, den Chaplin spielt, eine Rede zu halten, die ein bewegender Appell an Menschlichkeit, Vernunft, Toleranz, Aufklärung und Humanismus ist. Erstaunlich Die Rede hat nichts von ihrer Aktualität verloren und wird gerne gesampelt, so auch auf dem aktuellen Album von The Movement im Song "Put The Lights On". Im Video unten könnt Ihr sie sehen. 

Fazit: Boyetsfire fahren alles auf und liefern einen modernen Meilenstein ab. Chapeau, meine Herren. 

"While A Nation Sleeps..." von Boysetsfire ist am 7. Juni via End Hits Records erschienen. 
Hier noch das Video zu Closure.



Und die erwähnte Rede aus dem großen Diktator.

Samstag, 8. Juni 2013

SZene-Hörtest: Black Sabbath - 13

Wer beruft sich nicht auf Black Sabbath? Ohne die englische Metal-Legende wären Bands wie Corrosion of Conformity, Down, St. Vitus und viele viele andere nicht möglich. Das neue Album ist gestern erschienen, heute gibt es dazu eine ausführliche Besprechung aus meiner Feder in der Wochenendbeilage der Schwäbischen Zeitung. Per Klick aufs Bild könnt Ihr die ausführliche Geschichte lesen.

Donnerstag, 6. Juni 2013

Endlich Neues von den Nine Inch Nails

Die Nine Inch Nails haben es mir schon seit langem angetan. Den Anfang machte glaube ich das großartige Cover des Joy Division-Songs "Dead Souls", der im noch großartigeren Düstercomicverfilmungsfilm The Crow auftauchte. Überhaupt hatten Trent Reznors Sounds immer was mit Visuellem für mich zu tun. "The Perfect Drug" zum Beispiel auch mit dem verdrogten Video, das auf dem Soundtrack zu David Lynchs Verwirrspiel "Lost Highway" auftauchte. Jetzt, nachdem Reznor einen Oscar für die Filmmusik zu "Social Network" bekommen hat, den Score für die Stieg Larsson-Hollywood-Verfilmung "Girl With The Dragon Tattoo" gestemmt hat (beides mit Atticus Ross gemeinsam) und mit seiner Frau Mariqueen Mandig das Debüt von How To Destroy Angels veröffentlicht hat, macht er endlich wieder - haha - Nägel mit Köpfen. Im September kommt das neue Album "Hesitation Marks", den Song "Came Back Haunted" gibt's schon zu hören. Und das klingt gut.

Mittwoch, 5. Juni 2013

Szene-Hörtest: The National - Trouble Will Find Me

Es ist ein bisschen wie bei "Während Du schliefst", dieser Kitschromanze mit Sandra Bullock. Ne Menge ist passiert in der Zeit, in der das Blog umzugsbedingt auf Eis lag. Viele gute Platten sind erschienen. Aufarbeiten heißt es jetzt. Fangen wir gleich an. The National, wow. "Trouble Will Find Me" ist stark. Eine Rezension von mir dazu ist am Samstag, 25. Mai, in der Wochenendbeilage der Schwäbischen Zeitung erschienen. Einfach aufs Bild hier klicken, dann könnt Ihr sie in groß lesen.

Dienstag, 4. Juni 2013

Andrew Stockdale: Neues Album im Quasi-Stream

Ach Andrew. Was machst Du bloß, dass Dir dauernd alle Bandmitglieder davonrennen? Nachdem auch die zweite Wolfmother-Besetzung den musikalischen Löffel abgegeben hat, ist der Lockenkopf von down under zwar weiter aktiv. Wenigstens allerdings so konsequent, dass er seine neuen Songs nicht mehr unter dem Wolfsmutter-Banner veröffentlicht. "Keep Moving" erscheint am 7. Juni via Universal. Von den Songs gibt's jetzt jeweils 90-sekündige Ausschnitte bei Soundcloud zu hören. Unten beispielsweise "She's a Motorhead", mehr auf der Soundcloudseite von Universal.

Hach jo. Wolfmother, ruhe in Frieden. Ihr hättet so groß werden können.  Aber verdammt, ich werd das Album sicher trotzdem haben müssen.

 

Montag, 3. Juni 2013

Szene-Hörtest: Queens of the Stone Age - ...Like Clockwork

Einer meiner Lieblingssätze aus Star Wars - ich glaub, in "Das Imperium schlägt zurück" - ist der, als C3PO sagt: "Jetzt geht es endlich wieder los." Damit halten wir es heute auch. Nach einer längeren Blogpause, die mir endlos vorkam, nach Kartons packen, Umzug organisieren, Bürokratie erledigen und Ankommen lebt Tinnitus Attacks wieder. Ich muss euch noch etliche Rezis nachliefern und es sind auch noch nicht alle Umzugskartons verstaut. Meine Augenringe sind papst-like, aber ab heute wird es wieder regelmäßige Updates auf dem Blog geben. Fangen wir mit den Queens of the Stone Age an. Die enttäuschen auf "...Like Clockwork" nicht und liefern eine Platte, die mit dem Erwartungsdruck elegant umgeht. Am Samstag ist eine ausführliche Geschichte aus meiner Feder dazu in der Wochenendbeilage der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr sie lesen.