Freitag, 27. Dezember 2013

Jahresrückblick 2013, Teil 2: Die zehn besten Alben des Musikjahres

2013 ist rum. Das Jahr, in dem sich Arcade Fire neu erfanden. Das Jahr, in dem Dave Hause endgültig solo unterwegs sein wollte. Das Jahr, in dem...ach lest doch einfach, was ich zu meinen Top-Platten dieses Jahres zu sagen habe. Wie bereits im vergangenen Jahr gilt: Der Wertung liegt ein auf pseudomathematische Art und Weise gebildeter Koeffizient zugrunde: Häufigkeit des Anhörens mal Heftigkeit des Beeindrucktseins, und das irgendwie korreliert. Mit einem Klick auf Bandnamen und Albumtitel kommt Ihr nochmal zur regulären Rezi.  


10.) Beastmilk - Climax
Wäre ich ein Laden, wären Beastmilk kurz vor Ladenschluss reingestürmt und hätten wohl mit Grabesstimmen gebrüllt: "Halt, Du darfst noch nicht zumachen." Und ich hätte Ihnen zugehört und mich überzeugen lassen. Kurz vor Jahresende kam das Debütalbum der Finnen wie aus heiterem Himmel - wobei, heiter und Himmel treffen es in dem Kontext nun mal wirklich komplett gar nicht. Düster, aber melodisch - hier weht der Geist von Joy Division und den Editors, wird aber in einen noch Gitarren-lastigeren Sound transportiert. Kein Wunder, dass Kurt Ballou (Converge) diese Premiere klangtechnisch veredelt hat. 

9.) Frightened Rabbit - Pedestrian Verse

Indierock aus Schottland. Hat beim Southside dieses Jahr wirklich nur ein paar ganz spezielle Nerds interessiert. Schade, denn die Band aus Glasgow hat 2013 mit "Pedestrian Verse" ein Album vorgelegt, das eine langzeitige Sogwirkung entwickelt. Diese raumgreifenden Melancholie-Monolithen will man immer wieder besichtigen. Dazu der unverkennbare Akzent von Scott Hutchison und Song-Monumente wie das majestätisch voranschreitende "The Woodpile", mit dem die Schotten sogar in Conan O'Briens Latenight-Talksendung auftraten - fertig ist der Geniestreich. Indie-Rock ist nicht tot. 

8.) Imperial State Electric - Reptile Brain Music
Natürlich fehlen The Hellacopters. Aber Imperial State Electric helfen einem, über den Schmerz hinwegzukommen. Mit Nicke Andersson steht ja auch der Kreativkopf der Schwedenrocker am Mikro. Wobei, nicht nur: Dolf de Borst, bekannt durch The Datsuns, nimmt es ihm hin und wieder weg und macht seine Sache exzellent. "Reptile Brain Music" ist dabei sogar noch besser als die auch schon starken Vorgängeralben. Eine Blaupause in Sachen guter Rock, wie ihn Jack Black auch seinen Schulkindern in der "School of Rock" beibringen würde. Ich meine, hört doch nur mal "Underwhelmed" an. Für die nächsten Jahre hat Andersson ein höheres Tempo beim Veröffentlichen von Platten angekündigt. Immer her damit! 

7.) The Thermals - Desperate Ground

Sie schaffen es doch immer wieder, diese drei aus Portland, Oregon. Auch mit Album Nummer fünf haben Hutch Harris, Kathy Foster und Westin Glass ein Schrammelrock-Kleinod ausgepackt, das sich in die Gehörgänge fräst. Aber anders als zuvor. Wenn "Personal Life" (2010) ein Film gewesen wäre, dann vielleicht sowas wie "(500) Days of Summer". "Desperate Ground" hingegen ist düster und begibt sich auf die Flußfahrt, die auch in Joseph Conrad's "Herz der Finsternis" und der in die Gegenwart transportierten Filmadaption "Apocalypse now" von Francis Ford Coppola prägend ist. Und zu "The Sword By My Side" gibt's sogar ein kleines Videospiel

6.) The National - Trouble Will Find Me

Rotwein-Musik für Rotwein-Trinker und solche, die es noch werden wollen. The National sind so schwer, so wehmütig - und trotzdem erreicht der Hype um die Band 2013 einen Höhepunkt, Vergleiche mit R.E.M. machen die Runde. Mir fällt da eher die optische Ähnlichkeit von Sänger Matt Berninger mit Tom Hanks auf. Und diese Songs wieder. "Don't swallow the cap" ist ja beinah schon lebhaft, "Demons" hat diesen Text, der hängenbleibt, und der Rest ist einfach nur ganz große Songwriterkunst. Lange erwartet - und ein perfekter Nachfolger für das Durchbruchsalbum "High Violet".  

5.) Dave Hause - Devour
Dass er dafür The Loved Ones aufgegeben hat, wird man Dave Hause ("It's pronounced like pause, or cause, damnit.") verzeihen. Denn auf seinem zweiten Soloalbum macht Hause Künstlern wie Bruce Springsteen ernsthafte Konkurrenz. Thematisch dreht sich alles um den amerikanischen Traum - und wie es sich anfühlt, daraus zu erwachen und der weit weniger glamourösen Realität ins Auge zu blicken. Die Songs sind Heartland-Rock, Folk, alles nur kein Punkrock. Davon hat er genug. Macht aber nix. Denn das Album ist von der ersten bis zur letzten Minute durchdacht und auf den Punkt. Und Dave sammelt weiter Herzen.

4.) Queens of the Stone Age - ...Like Clockwork
Anfangs wusste ich nicht so recht, was ich mit diesem Album anfangen sollte. Es ist ja auch sperrig. Aber am Ende verwandelt sich genau diese störrische Unangepasstheit in wahres Songglück. Nichts wäre nach dem Meilenstein "Songs for the deaf" (2002) leichter gewesen, als immer dieselbe Platte aufzulegen. Aber QOTSA machten es anders, landeten mit "Lullabies to paralyze" auf dem Boden der Tatsachen (weil es zu nah am Vorgänger war), verstörten mit "Era Vulgaris" und zeigen sich nun offen für alles, aber weiter als Rockband, die so viel mehr als simple Gitarrenriffs zu bieten hat.

3.) Kvelertak - Meir
Kvelertak haben das Talent gezeigt, aus Musikstilen, die sie nicht erfunden haben, etwas komplett Eigenes zu formen. Ihr umjubeltes Debüt aus dem Jahr 2010 ließ mich noch zweifeln, dann bin ich aber eingestiegen - und "Meir" ist zwar etwas gediegener, aber noch lange nicht artig. Und wer irre Gitarrenriff-Bandwürmer wie in "Undertro" in die Welt setzt, von dem erwarten wir noch so viel Gutes. Oder die Bandhymne "Kvelertak". Oder das mit rasenden Blastbeats unterlegte "Spring Fra Livet". Oder...
Da ist das stylishe Cover von John Baizley (Baroness) nur noch die Sahnehaube.

2.) Minor Alps - Get There
Ozzy und Kelly Osbourne. Lanz und Hunziker. Klaus und Klaus. Die Geschichte ist voller grottiger Duette. Da freuen wir uns, dass Juliana Hatfield und Matthew Caws (Nada Surf) das perfekt harmonierende Paar sind. Ihre Stimmen verschmelzen zu einer untrennbaren Einheit, von der man sich in den Schlaf singen lassen möchte. Und die Songs passen
auch. Da gibt es treibende Indierocker, leicht elektronisch angehauchte Beats (aber ganz harmlos) und so viel mehr zu entdecken. Kam ganz still und heimlich um die Ecke und war doch eines der Highlights des Jahres.

1.) Arcade Fire - Reflektor
Die Marketing-Kampagne ging mir sonstwo vorbei. Auf Elektrogeschwurbel und Discogedönse steht ich null komma gar nicht. Und trotzdem: Arcade Fire kriegen mich mit Album Nummer vier. Weil die Songs gut sind. Immer noch. Auch wenn die Streicher Vergangenheit sind und das fahrende Zirkusvolk um die Gebrüder Butler sich jetzt lieber aufbrezelt und tanzen geht. Das ist immer noch Arcade Fire. Und wer will ihnen schon verübeln, dass sie sich weiterentwickeln wollen? Würden sie wie AC/DC enden, hätte auch niemand was davon. Wenn es um Indierock und meine Vorliebe dafür geht, zitiere ich wohl Southpark: Blame Canada!

Die Jahre zuvor waren auch nicht von schlechten Eltern. Hier der 2012er, hier der 2011er

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