Samstag, 23. November 2013

Hörtest: Minor Alps - Get There

Manchmal sind es die unspektakulären Platten, die Perlen am Wegrand, die Geschichte machen. Der Name Minor Alps passt da ganz gut. Kleine Alpen - das sind immer noch verdammt große Berge. Und genauso unverrückbar und faszinierend ist diese Platte, die Nada Surf-Frontmann Matthew Caws und Juliana Hatfield (Some Girls, Blake Babies) zusammen aufgenommen habe. 

Es beginnt mit programmierten Drums und Gitarrenzupfern. Und dann sind da diese beiden Stimmen, die ineinander verschlungen sind wie die Linien eines keltischen Musters. “In certain ranges, the tones of our voices are so similar I can’t tell which is which. I haven’t experienced that with any other singer.” So zitiert die Plattenfirma Juliana Hatfield, und man ist beruhigt, dass es ihr auch so geht. Duette können fürchterlich danebengehen. Aber das hier, was uns auf "Get There" geboten wird - perfekt. Welche Zufälle, Fügungen oder Begegnungen dieses musikalische Traumpaar auch möglich gemacht haben, es ist gut, dass es sie gegeben hat. Sonst wären uns geschmeidige Indierock-Perlen wie "I 
Don't Know What To Do With My Hands" verborgen geblieben. Sonst hätten wir uns nicht zu den elektronischen Beats von "If I Wanted Trouble" wiegen können, und nicht den Sonic Youth-Wahnsinn von "Mixed Feelings" atmen dürfen. Wir hätten nie die Massive-Attacks-Beats von "Wish You Were There" ins Herz geschlossen und nie das nah an Nada Surf gebaute "Waiting For You" genossen. Während Hatfield und Caws ihre Instrumente spielen, steuern Parker Kindred (Jeff Buckley, Antony and The Johnsons) und Chris Egan (Solange, Computer Magic) Schlagzeug und Programmierung bei. 

Die Songs, die in mehreren Sessions in Caws’ Studio in New York, seiner Zeit-Heimt Cambridge (England) oder in Cambridge, Massachusetts, bei Juliana Hatfield entstanden sind, atmen den Geist des 90er-Alternative-Sounds. Keiner der Beteiligten kann aus seiner Haut, aber das ist auch gut so. Aufgenommen in Hoboken, haben wir es hier mit einem Werk zu tun, das "Juno"-Gucker genauso begeistert dürfte wie Fans der Klangspieleren von The Postal Service. Und natürlich dürfte das entschleunigte Stück Popmusik auch jenen gefallen, die die Hauptbands von Hatfiled und Caws goutieren. Wie zeitlupenhaft die verwischten Harmonien von "Away Again" an einem vorbeiflirren. Wie die schwingenden Gitarren in "Lonely Low" sich plötzlich zum singenden Lick erheben. Wie sich "Radio Static" leise anschleicht und nicht mehr aus den Gehörgängen verschwinden will. Alles hier ist bescheiden und unaufdringlich, dadurch aber umso liebenswerter. Fast zu spät für den Herbst kommt diese Platte. Aber wetten, wenn der Winter rum ist, werden wir uns dazu im Frühjahr verlieben und im Sommer durchs Strandbad schlendern? Auch wenn das Cover eher nach Frost aussieht. 

"Get There" von Minor Alps ist am 15. November via Barsuk Records erschienen. Mehr unter http://minoralps.tumblr.com hier seht Ihr noch das Video zu "I Don't Know What To Do With My Hands".

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