Dienstag, 8. Oktober 2013

Hörtest: The Horrible Crowes - Live at the Troubadour

Meine erste Enttäuschung ist verflogen. "Elsie" war nicht der große Wurf, den ich erhofft hatte. Aber mit der Zeit und dutzenden Hördurchläufen wuchsen die Songs, die Gaslight-Anthem-Fronter Brian Fallon mit seinem Gitarrentech Ian Atkins geschrieben hat. Und zwar nicht im Sinne von "Ich hör mir die Platte schön". Das Debüt der Horrible Crowes ist so eine Platte, die mit Bedeutung aufgeladen werden will. Deren Songs einen erst eine Zeitlang begleiten müssen, bis man diese und jene Situation mit ihnen erlebt hat. Man kann sich mit Songs auch anfreunden. Das klingt negativer als es ist. Heißt ja eigentlich nur, dass man jemanden erst nach und nach kennen und schätzen lernt.

Entsprechend groß war dann doch die Vorfreude auf das Paket "Live at the Troubadour". Ich hab mir die Vinyl-Edition bestellt. Zwei orange-gelbe Platten, eine DVD und ein MP3-Downloadcode. Und ein schickes Shirt in Burgunderrot. Lohnt sich, kann ich empfehlen. 

Dass das Cover der Debüt- und dieser Live-Scheibe nahezu identisch aussehen, hat seinen Grund. Denn wer nach der ersten Platte gleich eine Live-Aufnahme raushaut, hat kaum mehr Songs zu bieten. So ist "Live at..." denn auch die Nacherzählung des Einstands. Mit zwei Ausnahmen: "Teenage Dream" von Katy Perry und "Never Tear Us Apart" von INXS sind in schönen Interpretationen vorhanden. Ansonsten merkt man den Songs an, dass Brian sie engagierter vorträgt: Es scheint, als ob er sich der Wirkung der Stücke stärker bewusst ist, kein Wunder, die Songs wird er unzählige Male gesungen haben. Man spürt, wie dieser Mann mit der zwischen rauchig und hauchig changierenden Stimme es genießt, seine Songs auf die Bühne zu bringen. Dass er sich mit den Horrible Crowes wie Tom Waits fühlt, wie er mal gesagt hat, ok. Das Hütchen und das schicke Outfit, in Ordnung. Dabei sind solche Vergleiche doch eigentlich Blödsinn. Waits ist Waits, Fallon ist Fallon. Bei der DVD gibt's trotz Extras einen Meckerpunkt: Das Bild rauscht gewaltig. Kann nicht an meiner Technik liegen. Schade. Ich brauch ja kein HD, aber so körnig muss es auch nicht sein. Trotzdem: Lohnt sich. 

"Live at the troubadour" ist am 20. September via Side One Dummy erschienen. Mehr unter http://thehorriblecrowes.com. Hier noch das Video zu "Never Tear Us Apart". 

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