Donnerstag, 3. Oktober 2013

Hörtest: Arliss Nancy - Wild American Runners

Abseits von stupider Truck Stop-Fernfahrer-Mucke gibt es ein Country-Land, in dem sich großartige Musik entdecken lässt. Dorthin sind Arliss Nancy gefahren, haben Grill und Bier-Zapfanlage aufgebaut und servieren uns Rock'n'Roll für Gourmets. Gut durch, pikant gewürzt und rauchig gelungen. „Wild American Runners“ ist Heartland-Rock der guten Sorte, der sich auch offenen Punkrockern erschließen dürfte. Dass die Bruce Springsteen schon länger in ihr Herz geschlossen haben, ist ja auch Konsens.

Wenn Cory Call, Gitarrist und Sänger, die ersten Töne im Opener „Benjamin“ anstimmt, hat man das Gefühl, dem jungen Rod Stewart zuzuhören, der sich in ein holzvertäfeltes Pub verirrt hat. Kaum eine Minute ist rum, als das erste gleisende Gitarrensolo einem die Lachfalten ins Gesicht treibt. Simpel, zupackend, kraftvoll – Arliss Nancy sind der Holzfäller unter den Rockbands. Mit ihrem Mix aus Gitarrenriffs und Klaviersprenkeln erinnern sie unweigerlich an die Thekenrocker von The Hold Steady. Aber während deren Frontmann Craig Finn eher nach Milch mit Honig klingt, scheint Cory Call abends dann doch eher mit Whiskey und zerstoßenen Rasierklingen zu gurgeln. Auf „Wild American Runners“ bekommen wir Lebensweisheiten serviert, die auch Songs wie Lynyrd Skynyrds „Simple Man“ so dauergültig gemacht haben. „The GB Shuffle“ zum Beispiel, hört mal selbst, was sie da erzählen. Apropos: Dass Kyle „GB“ Oppold auch mal Vocals beisteuert, tut dem Sound in punkto Vielfalt gut, der ansonsten verlässlich auf Stilmittel wie Klavier, Gitarren und Drums setzt. Ansonsten fällt es schwer, Songs herauszuheben. Ein Radiohit, der alle anderen aussticht, ist nicht dabei, aber das spricht für das Albumformat. Live dürfte das auch prächtig funktionieren. Mit dem literarisch inspirierten „Vonnegut“ klingt ein Album aus, das Nostalgie atmet, aber dem man mit dem Wort Retrorock auch nicht gerecht wird. Die „Wild American Runners“ starten fulminant und kommen auch ins Ziel. Um den Bogen zum Anfang zu schlagen: Dazu empfehlen wir einen schweren Cabernet Sauvignon aus Kalifornien oder eine bernsteinfarbene Flüssigkeit im Tumbler, deren Name übersetzt „Wasser des Lebens“ heißt. Cheers.

„Wild American Runners“ von Arliss Nancy erscheint am 4. Oktober via Gunner Records. Hier gibt's noch den Opener "Benjamin" zu hören.  


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