Montag, 23. September 2013

Musik vs. Politik - Wenn Volker Kauder Karaoke singt



Solche Bilder hatten die Toten Hosen wohl nicht im Kopf, als sie den Song geschrieben haben: Angela Merkel, Ursula von der Leyen, Volker Kauder und mehr CDU-Prominenz auf der Bühne - und als Siegerhymne "Tage wie diese" von Campino & Co. Nun müssen wir gar nicht aus musikkritischer Sicht anfangen, die Qualität der Gesangseinlagen zu bewerten. Ob der Erfinder des Karaoke sich da eine Zeitmaschine wünscht, um seine Errungenschaft rückgängig zu machen? Ausgerechnet die Hosen. Erst Ende August hatten sich die Düsseldorfer Punkrock-Veteranen klar davon distanziert, dass ihr Hit vom Album "Ballast der Republik" im Wahlkampf missbraucht wird. Hierzulande tut man sich damit schwer. Vor allem, wenn konservative Politiker Rockbands einspannen wollen. Wobei man sich nichts vormachen muss: Wetten, dass auch CDU-Wähler die Hosen hören? Auch wenn man das als Künstler nicht immer wahrhaben will: Fans kann man sich nicht aussuchen. In den USA ist es gang und gäbe, dass Künstler sich politisch profilieren: Bruce Springsteen oder Katy Perry gingen für Obama in den Ring.



Fakt ist: Musik und Politik, das ist ein zweischneidiges Schwert. Und wenn Politiker versuchen, Musiker oder ihre Kunst für ihre Zwecke zu nutzen, reagieren sie allergisch. Die Smiths etwa. Die gibt's nicht mehr, und Johnny Marr und Morrissey sind sich eigentlich nicht grün. Aber als sich der britische Premier David Cameron als Fan outete, fuhren sie ihm unisono über den Mund. "This Charming Man" - das ist Cameron für den Mozfather und seinen Gitarrenkollegen sicher nicht.



Motörhead-Legende Lemmy beispielsweise sagte mal in einem Interview mit dem Szene-Blatt Rock Hard, dass Rock'n'Roll immer am besten sei, wenn es um "a wop bop a loo bop a wop bam boom" geht - also sinnfreie Singalongs, die man auch nach drölf Whiskeyinfusionen noch mitgrölen kann. Für ihn hat Politik in der Musik nichts zu suchen - gerade weil Musik quasi Unterhaltung und Zuflucht vor der rauen Welt sehen soll. Auch neuere Songs wie "Rock Out" spricht mit seiner legendären Textzeile "Rock out with your cock out" in dieser Hinsicht wohl Bände.



Komplett anders sehen das Ministry. Al Jourgensen, Mastermind der Industrial-Pioniere, sagte in einem Interview mal, dass die Platten seiner Band immer am besten seien, wenn ein Republikaner im Weißen Haus sitzt. Mit George W. Bush hatten Ministry ihren Meister gefunden. "Lies Lies Lies" zeugt davon.



Auch die dänischen Mod-Rocker von The Movement machen keinen Hehl aus ihrer politischen Überzeugung. In Songs wie "They Wont Help You" beziehen sie klar Stellung und bekennen sich zu Antifaschismus, Kapitalismuskritik und heute schon wieder nostalgisch anmutenden sozialistischen Positionen.


Aber so wird dann eben wieder ein Schuh draus. Musik soll nicht nur Partyberieselung sein, finde ich. Rage Against The Machine haben vieles richtig gemacht. Auch wenn die Parolen plakativ waren.


 Würdige Nachfolger fanden sie in System of A Down. Wobei es auch Menschen gibt, die am folgenden Song nur den Refrain toll finden - und die Ironie und die Message nicht kapieren.

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