Freitag, 27. September 2013

Hörtest: Touché Amoré - Is Survived By

Der erste Satz entscheidet. Ein großartiger Schriftsteller hat das Talent, einen mit den Worten am Beginn in seinen Text zu ziehen. Wenn man so an die neue Platte der US-Post-Hardcore-Band Touché Amoré herangeht, haben wir es bei "Is Survived By" mit einem John Irving zu tun, den ich nicht mehr aus der Hand legen werde.

In diesem Fall ist der Satz, der einem klar macht, dass man mehr hören will, dieser hier: "I was once asked how I’d like to be remembered and I simply smiled and said “I’d rather stay forever.”" Das sind Worte. Mal abgesehen davon, dass man sie sicher irgendwann auf irgendeinen (und nicht nur einen) Arm tätowiert sehen wird. Touché Amoré sind nicht umsonst ein Teil der "Wave", dieser Bewegung, die uns gelehrt hat, dass Hardcore mehr ist als Wifebeater, Prollgehabe und Biohazard. Wie auch die Kollegen von La Dispute haben sie etwas ganz schlimm Herzzerreißendes an sich. Wo Justin Dreyer aber immer kurz vorm Hyperventilieren und Heulen ist (was ich liebe), kommt Jeremy Bolm eine ganze Kante rauer und angepisster rüber. Touché Amoré, für mich strahlt das trotzige Teenage Angst aus, und man kann sich das auch nicht immer und dauernd anhören. Aber wenn, dann muss es sein und danach geht's einem besser, weil man das Gefühl hat, man habe einen Tausendmeterlauf hinter sich und die Lungen seien voller Sauerstoff. 

Und was ist das? Dur-Klänge? Mag ja sein, dass das Album zugänglicher klingt und melodisch wie nichts bisher. Aber trotzdem bleibt es treibend, bitter, emotional und tiefgründig. Produziert hat das Ganze Brad Wood (Sunny Day Real Estate, Smashing Pumpkins). Ein roher Live-Sound, der an den richtigen Stellen kratzt. 

Die Texte könnte man auch bei sich tragen und immer mal wieder einen Blick reinwerfen, damit man etwas über das Leben lernt - oder sich selbst darin wieder erkennt. Solche Kaliber: "There’s people that changed me. There’s songs that saved me from all of this. There’s days that defined me. There’s nights that gave me strength from all of this." Wie in Anyone/Anything. Oder sowas hier: "Without you I’m not pure. Without you I’m not clean. But if I’m going down with you, then you’re going down with me." So heißt es in Harbor. 

Und dann wird es plötzlich ruhig. "Non Fiction" nimmt sich anfangs ganz zurück und lässt auch musikalisch durchscheinen, dass hier nicht mehr nur die Dunkelheit regiert. Und dann ist es doch wieder das alte Arschloch Liebe, das alles retten kann. "This is survived by a love. This is survived by a fear; that all
that’s left when said and done is words you will never ever hear." Ach ja, auch der letzte Satz in großartigen Büchern ist meistens großartig. 

"Is Survived By" ist am 27. September erschienen via Deathwish. Mehr Infos unter http://www.toucheamore.com/

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