Donnerstag, 12. September 2013

Hörtest: The Flatliners - Dead Language

Alle werden softer, melodiöser, kommerzieller? Nix da. The Flatliners reißen auf "Dead Language" die Regler auf, spielen konstant nach vorne, machen ihn rein und feuern sich dabei selber so hart an, dass jede Torchance zum Volltreffer wird. Und das, obwohl man immer denkt, dass im Punkrock eigentlich mal alles gesagt sein müsste. 

Das Cover sieht total nach Hot Water Music aus. Und klar, rauhbeinig und gitarrenlastig sind die die Kanadier hier ja auch. Aber eine weitere Kopie sind sie nicht. Mich haben sie schon bei den Punkrock Holidays kassiert, die vom Bierbecher-Desaster bei NoFX gekrönt wurden. Wie, hab ich mich an diesem Sommertag damals gefragt, wie können so junge Burschis so hochhackig professionellen Punkrock rausdreschen? "Count Your Bruises" überwältigte mich, "Monumental" nahm mich gefangen. Waren aber die melodiöseren Nummern der Band um Jungspund Chris Cresswell. Da muss ich bei "Dead Language" erstmal durchatmen. Aufdringliche Hits gibt es hier nicht. Derb, roh wuchtig - selten hat man bei einer Platte das Gefühl, mitten im Club zu stehen und die Gitarrenriffs direkt an die Rübe gesägt zu bekommen. Das hier ist aber so eine. Nur, weil man sich umschaut und merkt, dass niemand um einen herum pogt, ist man dann wieder in der Realität.

Die ersten Sekunden im Opener "Resuscitation of the Year" fühlen sich noch nach The Weakerthans" an, abe dann kommt das Distortionpedal, der raue Gesang, die erste Hookline. "I'm coming back to life again"....Aber hallo. Das Schöne an solchen Songs ist ja: zuerst findet man sie etwas sperrig, nicht im proggigen Sonne, sondern weil sie rau und unpoppig sind. Dann will man es aber gar nicht mehr anders. Nach dem dritten Hören entfaltet sich die Schönheit, man freut sich am Spiel von Zuckerbrot und Peitsche. Dabei sind The Flatliners vor allem durch ihre nach vorne drängende Art heftig. Positiver Stress. Aber sie täuschen die Hits auch gut an: "Caskets Full" beginnt, als ob es immer mit dieser Melodie wuchern will, schlägt dann aber nochmal Haken und bleibt am Ende fies im Ohr hängen.

Im Gegensatz zum Vorgänger "Cavalcade" wirken die Stücke noch homogener, durchdachter. Mag auch an den Gigs liegen, die die Band seitdem absolviert hat. Es waren nicht eben wenige. Reife Leistung. Und danke, Männer: Seit dieser Band muss ich beim Wort "Flatliners" nicht mehr an den Thriller denken. Sondern an gute Musik. Aber das nur nebenbei.

"Dead Language" von The Flatliners erscheint am Freitag, 13. September, via Dine Alone Records. Mehr unter www.theflatliners.com/dead-language. Bei Alternative Press streamt die Platte in voller Länge. Hier noch "Drown in Blood":

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