Sonntag, 25. August 2013

Hörtest: Franz Ferdinand: Right Thoughts, Right Words, Right Action

Von allen Bands der New Wave of Britsh New Wave haben Franz Ferdinand das Leben nach dem Hype am besten im Griff. Die Band, die den Stromgitarren das Tanzen beigebracht hat, liefert mit Album Nummer vier den Beweis, dass Zeit nicht an der Relevanz nagen muss. 

Das Quartett trennt sich in Spreu und Weizen: Während die Arctic Monkeys den Brit-Sound hinter sich gelassen haben und Bloc Party mit halbgaren Songs und Off- und On-Bandbeziehung nerven, liefern Maximo Park solide Hausmannskost, der nur bedingt die Aufregung des Debüts ausstrahlt. Franz Ferdinand zeigen, wie es auch laufen kann. Lange hat man von ihnen zwar auch nichts gehört und er Split stand auch zur Debatte. Aber Alex Kapranos, Nicholas McCarthy, Paul Thomson und Robert Hardy bleiben auch auf "Right Thoughts, Right Words, Right Action" das, was sie ohnehin immer waren: die beste Indierock-Tanzband der Insel. Besonders live will man sich einfach nur auf die Tanzfläche vor der Bühne werfen und diese lässige-nonchalanten Songs genießen. Das vierte Album der Schotten macht es einem leicht. Zu Beginn gibt es mit dem Titelsong "Right Action" die unmissverständliche Ansage, wo wir hier gelandet sind: Leichtfüßig tänzelnd und gleichzeitig ungelenk polternd kommen Gitarren und Drums auf den Punkt. "How can we leave you/ To a Saturday night or a Sunday morning?" fragt Alex Kapranos, dandyhafter Charmeur mit Händchen für Hits mit Haltbarkeitsdatum. Manche Bands schafft es es mit neuen Alben nur, sich selbst zu zitieren, ohne dem Gesamtwerk neue Songs hinzuzufügen, die man auch immer und immer wieder hören will. Anders das Quartett aus Glasgow. "Evil Eye" ist ein verspulter Abstecher in die Seitengasse, wenn man aus dem Club kommt, "Love Illumination" will wieder, dass alle wild auf und ab hüpfen. Zwischendurch fallen hingetupfte Orgel- oder Keyboard-Sounds auf, die aber nicht so elektronisch wirken wie noch auf  "Tonight". Und dann "Sweet Strawberries": Eine wavige Gitarrenlinie gibt sich beatleskem Harmoniegesang hin. Hier schwebt man schon auf Indiewolke sieben.

Aber das war erst die erste Hälfte. Auch in der zweiten bleibt es stark, überraschend, relevant. Pop mit Hang zum Drama ("Treason! Animals"), beinah reggaehaft Entspanntes ("Brief Encounters") und seltsam experimentell Anmutendes ("Goodbye Lovers and Friends") wechselt sich hier ab. Und was ist das für ein Bekenntnis? "Don't play pop music/ You know I hate pop music" singt Kapranos. Auch helle Farben kann er nicht ab. Wären Franz Ferdinand ein Gemälde, würden sich kühle Farbtone mit stürmischem Strich verbinden. Jetzt müssen nur noch die anderen Schotten gleich ziehen, dann ist mein Musikjahr perfekt.

"Right Thoughts, Right Words, Right Action" von Franz Ferdinand ist am 23. August via Domino Records erschienen. Mehr unter www.franzferdinand.com.
Hier noch eine Live-Version von "Love Illumination":

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