Dienstag, 6. August 2013

Hörtest: Bouncing Souls - Comet

New Jersey scheint ein familiärer Bundesstaat zu sein: Bouncing Souls beeinflussen The Gaslight Anthem, Bouncing Souls freuen sich, dass The Gaslight Anthem sie toll finden und alle schwören auf den Boss. Ein Beispiel dafür hört man auf dem neuen Album der Punkrocker aus dem Garden State.

Das Album ist gerade zehn Minuten alt, da funken die Ohren ans Hirn: Song kommt uns bekannt vor. Bitte Erinnerung auslesen. Das Hirn macht sich auf die Suche, gleicht "Coin Toss Girl" mit der Plattensammlung ab, die vorsorglich in den Windungen gespeichert ist, falls mal alle CDs
von siliziumfressenden Bakterien zerstört werden und alle MP3s unbrauchbar werden. Unter "Springsteen, Bruce" wird der menschliche Zentralrechner schließlich fündig. "Born To Run" heißt der Song, gilt vielen als bester Rock'n'Roll-Song aller Zeiten (zurecht) und stand deutlich Pate dafür. "Wir haben ihn noch geändert, ursprünglich klang er noch mehr nach Born To Run", gab Sänger Greg Attonito im Interview mit mir zu (das ihr hier demnächst lest). Das macht den Song allerdings nicht schlechter, im Gegenteil: "Coin Toss Girl" ist ein Highlight auf "Comet", dem neunten Album in 20 Jahren Bandgeschichte.

Das Album kommt leicht verspätet in Europa auf den Markt. "Comet", war da nicht was? Ach richtig, die Apokalypsenhysterie wegen Silvester 2012. Aber genau wie es nicht zum Millenium Bug kam, sind wir immer noch da, und die Bouncing Souls widmen der Lebensfreude ihr Album. Dass auch Punkrocker älter werden und mit technischen Entwicklungen mitunter ihre Probleme haben, zeigt "Fast Times": Es geht um die wahnsinnige Beschleunigung, die das Internet in alle Lebensbereiche gebracht hat und dass man sich ruhig mal ausklinken darf. Die Bouncing Souls sind dabei sowas wie eine Konstante. Weiterentwicklung gibt es nämlich nur insofern, als dass die Songs alle bekannten Zutaten verquicken, die die Band so populär gemacht haben - dabei aber eben die Erfahrung von zwei Jahrzehnten hörbar ist. Im Titelsong etwa. Das könnte auch an der dicken Produktion liegen, die Bill Stevenson (Descendents) der B and aus New Brunswick im Blasting Room beschert hat. In typischer Souls-Manier geht es neben sozialkritischen Tönen '("Infidel") dabei auch mal ruhiger zu ("In Sleep"). Ein Album, das gleichermaßen nostalgisch wie zeitlos wirkt. Wirklich 20 Jahre?

"Comet" von den Bouncing Souls ist am 28. Juni als Joint Release bei Chunksaah und Rise Records erschienen. Mehr Infos unter www.bouncingsouls.com.
Das Video zu Infidel" seht Ihr hier:

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