Sonntag, 7. Juli 2013

Galerie der Klassiker: The Fratellis - Costello Music

Sie kamen aus dem Nichts und eroberten unsere Herzen. Nach Album Nummer zwei war dann plötzlich alles vorbei. Aber die Geschichte hat ein gutes Ende - und wir warten sehnlichst auf den dritten Longplayer des schottischen Dreigestirns. Bis es soweit ist, dreht sich das Debüt von Jon, Barry und Mince Fratelli auf dem Plattenteller. Ein Pubrock-Referenzwerk mit der Halbwertszeit von Thorium (14 Milliarden Jahre). 

Das Geniale an The Fratellis fand ich immer, dass sie wie nichts klangen, was ich schon gehört habe. Ok, schon klar, Glamrock und so. T.Rex haben sie ja auf dem Soundtrack zum obergenialen "Hot Fuzz" (mit Simon Pegg und Nick Frost) gecovert. Und da g
eht's schon los: "Henrietta" mit den aufmüpfigen Gitarrenriffs springt einem entgegen wie der selig angtrunkene Saufkumpan im Pub, drückt Dir ein schäumendes Pint in die Hand und zieht Dich mittenrein ins Getöse. In "Flathead" bricht die Party dann richtig los. The Fratellis, die übrigens nicht wirklich Brüder sind, haben die Gabe, Melodien zu schreiben, die nicht im Meer der Mittelmäßigkeit untergehen, sondern darin eher als Bojen oder Anker schwimmen. "Whistle for the Choir" ist die Candlelight-Hymne fürs romantische Essen beim Italiener mit Susi-und-Strolch-Szene, "Chelsea Dagger" der schmissige Oberklopfer, den sich die erfolgsverwöhnten Bayern-Kicker zur  Torhymne erkoren haben. Kann man nichts machen, aber da von wird der Song ja nicht schlechter (auch nicht durch den Einsatz in einer Vox-Kacksendung). Dazu kredenzen uns die Fratellis Geschichten über schräge Zeitgenossen ("Vince The Loveable Stoner"), Menschen, die einen Bluebird fahren, aber kein Geld fürs Benzin haben ("Baby Fratelli") und die traurigen Seiten des Partylebens ("Everybody Knows You Cried Last Night"). Lebensfreude gibt's hier mit der Schaumkanone auf die Zwölf. Ein einziges Vergnügen. Nach der Dreiviertelstunde braucht man keine Stimmungsaufheller mehr, hat Muskelkater vom Grinsen im Gesicht. Kein Wunder, dass die Fratellis damit auf Platz zwei der UK-Charts einstiegen und vom NME als nächstes großes Ding gehandelt wurden.

Der Nachfolger "Here We Stand" war dann gut, konnte aber nicht ganz mit der Wucht des Debüts mithalten. 2009 verkündete die Band, dass es vorbei ist. Aber manchmal kommen sie wieder. 2012 kam es zur Reunion. Gibt es klare Ansagen für ein neues Album? Meines Wissens nach nicht. Aber warten wir ab. Bis dahin unterhält uns die "Costello Music" bestens.

"Costello Music" von The Fratellis ist am 26. Januar 2007 bei Island Records erschienen. Hier Live-Clips zu "Henrietta" und "Chelsea Dagger". 



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