Dienstag, 11. Juni 2013

Galerie der Klassiker: Kings of Nuthin - Punk Rock Rhythm and Blues

Mit viel Pomade in den Haaren, Kippen im Mundwinkel, fein angezwirnt und immer das nächste Bier in der Hand: Punk Rock Rhythm and Blues ist der Soundtrack zur Rock'n'Roll-Party im Siff-Club. Selten eine Platte gehört, über die man einfach nicht sagen kann: Klingt wie die und die Band. 

Boston ist die Heimat vieler Bands, die Punkrock auf eigenwillige Art mit anderen Elementen anreichern. Dropkick Murphys. Everbody Out. Ducky Boys. Die Kings of Nuthin stechen besonders heraus. Auch wenn böse Zungen behaupten, dass ein Song wie der andere klingt: Eigenwilliger kann man als Band kaum klingen, und vor allem kaum unverwechselbarer. Dabei ist die Mischung im Grunde simpel. Man nehme Rock'n'Roll und Rockabilly, spiele den aber so berserkernd, dass von der Attitüde her Punkrock draus wird - fertig. Wobei man besonders den Gesang herausheben sollte. Torr Skoog spuckt seine Skepsis, seine Angepisstheit, sein Unverständnis heraus wie Verachtung in Vokale gegossen. Wobei man eigentlich in der Vergangenheitsform schreiben muss. Denn am Wochenende verstummte diese markante Stimme. Torr Skoog ist tot. Die Umstände sind unklar, ungewöhnlich wenige Infos dringen nach außen. Man kann nur spekulieren und trauern. 

Auf einmal wirken die Platten wie ein Vermächtnis, wirken Zeilen wie "Only Time Can Heal A Wound" bedeutsamer. "Punk Rock Rhythm and Blues" war meine Einstiegsdroge, anfangs fand ich die Platte gar nicht so besonders. Dann kam aber dieser Abend im Club Vaudeville. Das hatte ich noch nicht erlebt. Dass Saxofon, Piano, Gitarre und Waschbrett plus Drums, Kontrabass und mehr so heftig rocken können, wusste ich nicht. Aber gib sie den entsprechenden Leuten in die Hand und es geht. Zuhause sofort die Platte aufgelegt und nie mehr davon weggekommen. 

Alle Songs auf diesem Album prägen sich ein, lassen sich mitgrölen, machen Dich willenlos. "If I Were You", diese Anti-Attacke, das geradezu entspannte "Only Time", das Blödheit verdammende "No Brains" und das abschließende "I Smell A Rat" - nur ein paar Anspieltipps auf einer makellosen Platte. 

Übrigens lohnen sich alle Platten dieser Band. Ob es weitere Aufnahmen geben wird? Man kann sich den Sound nicht ohne Torr Skoogs Stimme vorstellen, diese lispelnde Reibe, die davon kommt, dass er das Gebiss vor dem Singen rausnimmt. Herrje. Death sucks.

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