Montag, 8. April 2013

Hörtest: Emperor X – Nineteen Live Recordings

Musik wie die untergehende Abendsonne in der Vorstadt, während der Staub über Deiner Schulter tanzt. Emperor X - Chad Matheny - bremst die Welt aus und nimmt Gefühle unter die Zeitlupe. Als Einstimmung auf ein Live-Gastspiel: eine Live-Platte, der man kaum anmerkt, dass Publikum dabei ist.

Das liegt vermutlich daran, dass Live-Alben gerne damit angeben, wie die Fans Gitarrensoli mitsingen oder die Rockstars Rockstar-Scheiße wie das abgenutzte
„Ohhohoho“-Spielchen treiben. Hier gibt’s das alles nicht. Dafür jede Menge beruhigende Akustikklänge. Ich gebe zu, ich muss oft an Vanilla Sky denken. Auch und gerade, wenn ich die Songs auf dem neuen Live-Album von Emperor X höre. Vielleicht sind es die perlenden Gitarrentöne am Anfang von „Low Orbit Ion Cannon“, die mich an Soundtracks zu Filmen von Cameron Crowe erinnern, weil sie das melancholische, das introspektive so schön einfangen. Vielleicht, weil die Songs Erinnerungen an die leise Traurigkeit von Jeff Buckley ebenso evozieren wie die beschauliche Behaglichkeit von Josh Rouse.

Und doch ist es immer schwierig, solch Name Dropping zu betreiben, denn damit kann man zwar immer die Richtung angeben, wird dem Künstler als solchem aber doch nie gerecht. Alleine, weil niemand auf dieselbe Art wie ein zweiter Gitarrist in die Saiten greift. Weil die Stimmbänder durch kleine Unebenheiten völlig unverwechselbare Stimmen hergeben, so dass jemand zwar WIE, sagen wir mal, John Lennon klingen kann, aber niemals EXAKT SO. Wobei der Name hier nur der Prägnanz halber aufgeführt wird. In den ersten Momenten von „Compressor Repair“ erinnert mich die Stimme von Chad R. Matheny eher an Frank Turner, aber nur für wenige Sekunden. Denn wie gesagt.

Wir haben es hier mit Kompositionen zu tun, die Zeit brauchen, sich Zeit nehmen. Man höre nur „The Magnetic Media Storage Practices Of Rural Pakistan“, das mit Klangspielereien beginnt, Gitarrentupfer einstreut und sich langsam hochschaukelt. Das mag Indie-Rock sein, aber ein sehr verträumter, einer, der die Stromgitarre in die Ecke gestellt und stattdessen die Akustikklampfe aufgepackt hat. Die Songs wurden auf Shows zwischen 2008 und 2013 mitgeschnitten. 19 Live-Aufnahmen inklusive vier neuer Songs sind vertreten. Wir hören Handclaps, Kopfstimme, kleine Chöre und immer wieder dieses kontemplative Fingerpicking. Und das Publikum, das zwischendrin mal klatscht und johlt. Alles in allem: Hier kann man zu sich kommen.

Emperor X  - mehr Infos hier - kommt bald auf Tour. Hier sind die Daten:

25.04.2013 Cologne (DE), King Georg
26.04.2013 Trier (DE), Villa Wuller
27.04.2013 Fuerth (DE), Loewenbar
28.04.2013 Vienna (AT), TBA
02.05.2013 Berlin (DE), Schokoladen
03.05.2013 Leipzig (DE), Frueh Auf
04.05.2013 Duesseldorf (DE), Kassette
05.05.2013 Darmstadt (DE), Gute Stube @ HoffArt Theater
06.05.2013 Hamburg (DE), Astra-Stube

Das Video zu „Compressor Repair“ seht Ihr hier:

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