Montag, 15. April 2013

Earthbend im Interview: "Wir taugen nicht als Entertainer"

Das Leben ist nicht fair. Earthbend wissen das. Die Band aus Finsterwalde hat vier Alben mit überzeugendem Rock zwischen Indie, Prog und Kraut gemacht und sieht nun trotzdem keine Perspektive mehr. "Serenity" erscheint nur als Download, eine Tour dazu gibt es nicht. Aufgelöst hat sich die Gruppe zwar noch nicht, aber es sieht nicht gut aus. Sänger und Gitarrist André Kunze hat Tinnitus Attacks ein paar Antworten gegeben. Ehrlich und ziemlich schonungslos. 

Tinnitus Attacks: Euer neues Album ist eine zwiespältige Angelegenheit: einerseits ein Highlight in Eurer Diskographie, andererseits eine Zäsur. Was macht Euch das Weitermachen so schwer? 

André Kunze: Die Würfel sind da schon 2010 gefallen. Tilo, unser Drummer, hatte damals die Band verlassen und wir haben die Flucht nach vorn gesucht. Aber wir mussten uns eingestehen, dass Earthbend leider nie eine Band war, die viele Leute zu Konzerten bewegen konnte. Das ist wirklich der Hauptgrund. Als Band brauchst du Fans, Fans, Fans und keine guten Plattenkritiken. Nicht, dass ich was gegen guten Reviews hätte, auch so was hilft einer Band, weiterzumachen, aber es geht um das live mit Leuten eine Party feiern, oder mit einer größeren Menge von Leuten schönen musikalischen Momenten zu huldigen. Da braucht man schon mehr als immer nur 20 Leute. Mit Mitte 20 steckst du das weg und sagst dir halt: Aufbauarbeit. Und die haben wir gemacht, umsonst bis nach Mannheim oder für 100 Euro ins Allgäu, aber nach vier Alben muss dann eine Band auch mal das Aufbauthema hinter sich lassen. Das haben wir nie geschafft.

TA: Können wir Euch noch irgendwie umstimmen? Oder habt Ihr mal über Kickstarter-Projekte nachgedacht? 

Kunze: Offiziell haben wir uns (noch) nicht aufgelöst, weil wir immer noch gucken, ob wir nicht regelmäßig zusammenkommen, um im Jahr eine handvoll Konzerte zu zocken. Diese Fundraising-Sachen mag ich nicht so – irgendwie setzt du dich und die Leute unter Druck, so nach dem Motto: „..wenn das jetzt nicht klappt und das Geld nicht zusammenkommt, seid ihr ja schuld ...“

TA: Ihr wart für "Serenity" erneut mit Kurt Ebelhäuser im Studio. Wie ist das Verhältnis zum Blackmail-Soundpapst?

Kunze: Das Verhältnis war immer gut und könnte nicht besser sein. Wir sind über seine großartige Arbeit hinaus über die Jahre nicht nur Bewunderer, sondern auch Freunde geworden und man hofft immer, dass sich die Wege wieder kreuzen.

TA: Wenn Du zurückschaust, wie empfindest Du die Zeit mit der Band?

Kunze: Jetzt, da ich einer geregelten Tätigkeit nachgehe, wieder sehr positiv. Ich habe einen großen Teil meines Lebens das Glück, aber auch den Mumm gehabt, meinen Traum zu leben! Wir konnten vier Alben veröffentlichen, wenn auch am Ende mit Einschnitten, aber hey: In ein paar Jahren wird es das alles nicht mehr geben. Als wir mit den Beatsteaks gespielt haben, wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, dass wir keine richtig geile Liveband sind und als Entertainer überhaupt nicht taugen und dass das mit unserer Musik und unser limitierten Karriere schon voll in Ordnung geht.Wir durften ein paar Leute treffen wie Jesse Hughes (EAGLES OF DEATH METAL) oder Jack White damals in Berlin, wir waren doch des öfteren in guten Radios wie FLUX FM zu hören etc. Wir hätten nur schon 2010 erkennen können, etwas massiv zu verändern oder aufzuhören. Der Prozess einer langsam abdankenden Band ging einfach zu lange.

TA: Ihr seid eine der eigenständigsten und unverwechselbarsten Bands des Landes. Was sagen Eure Fans eigentlich zum Ende? 

Kunze: Wie gesagt, so offiziell ist es ja nie gesagt worden, aber ich denke, sie werden es überleben.

TA: Was hättet Ihr gerne noch gemacht in der Zukunft? 

Kunze: Mal wieder als richtige Band (alle leben in derselben Stadt und treffen sich regelmäßig wöchentlich) neue Songs erjammen und sofort aufnehmen. Zwei von uns leben ja in Berlin, Chris und ich in Finsterwalde. Aber vielleicht erfinden wir noch eine neue Arbeitsweise, wie man in dieser Konstellation wieder kreativ wird.

TA: Lass uns mal noch über euer neues Album reden. Wie, wann und wo sind die Songs entstanden? Inwiefern unterscheidet sich die Platte für Dich von ihren Vorgängern? 

Kunze: Also bereits 2010 gab es Ansätze dazu und wir haben nach Tilos Ausstieg weiter mit James Schmidt in Finsterwalde an den Songs gearbeitet und durch Kurt und seine Ideen wurde das Ganze nochmal gesteigert. Auch Andi Jung hat beim Mastering noch ein paar sehr gute Ideen umgesetzt, aber es war ein verdammt langer Prozess bis zum letztendlichen (online) Release. Ich finde, wir waren keine echte Band, die ins Studio ging. Im letzten Teil der Aufnahmen kam dann noch Olli Wong dazu, aber so viel gab es auch nicht mehr einzuspielen. Wir hätten zu der Zeit mit ihm schon besser eine komplette neue Platte machen sollen, fanden das unfertige Material aber auch zu gut, um es einfach in die Tonne zu hauen. Aber dem Ergebnis hört man das ganze Durcheinander glücklicherweise nicht an.

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