Sonntag, 24. März 2013

Hörtest: The Strokes – Comedown Machine


Es gab tatsächlich eine Zeit, da fand ich diesen Sound fad. Da hielt ich mich an die Metalpresse, die Hives und Konsorten als „Dünnbrettbohrerei“ disste und den Songs die Klasse absprach. Diese Zeiten sind – Satan sei's geklagt – vorbei. 

The Strokes habe ich mit einiger Verspätung entdeckt, aber seit 2005 sind die New Yorker nicht mehr aus meinen Toplisten wegzudenken. Okay, 2011 vielleicht. Das lang daran, dass die Begeisterung über „Angles“ eine Art Vorschusslorbeeren waren. Zum einen sehnte man sich nach einem neuen Album der Ex-Kunststudenten, zum anderen fachte die Single „Under Cover Of Darkness“ die Vorfreude extrem an. Über die volle Länge konnte die Platte das Niveau dann nicht halten, auch wenn Perlen wie „Taken For A Fool“ begeisterten.

Zwei Jahre später nun also „Comedown Machine“. Nicht selbstverständlich, dass wir dieses Album nun in Händen halten. Es war nicht klar, ob die Band so weiterbestehen könnte, das zeigte sich schon bevor die Vorgänger-Platte rauskam. Aber sie haben sich nochmal zusammengerissen, vielleicht auch, um nochmal zu beweisen, dass sie einen Klassiker wie „This is it“ widerholen können. Ganz so epochal ist es nun nicht geworden, aber immerhin. Julian Casablancas und Co. Haben nun ja immer damit zu kämpfen, dass sie damals Vorreiter waren, inzwischen aber viel passiert ist und der ehemals hippe Indiesound Patina angesetzt hat. Wobei wir mal wieder von diesem In-Scheiß wegkommen sollten. Gute Musik ist zeitlos, und nur weil irgendwer neue Trends ausruft, werden Songs ja nicht schlechter. Außer es dreht sich um Fear Factory, aber dieses Fass machen wir hier mal nicht auf.

Die gute Nachricht: Julian Casablancas singt nicht nur so hoch wie auf „One Way Trigger“ - und die Band hat gemeinsam im Studio aufgenommen, anders als bei „Angles“. Herausgekommen sind elf Songs, die ihren Platz in den Tanzpalästen, auf Studentenpartys und in Lohas-Wohnzimmern finden werden. „Tap Out“ groovt dezent und funkig, „All The Time“ dürfte die Debüt-Fans begeistern. Es ist immer noch da, dieses Gefühl, dass Julians gelangweilter Gesang gemeinsam mit den cremigen Gitarren versprüht. Der Titelsong steht in der Tradition von „Ask Me Anything“ und setzt mehr auf seine Lavalampen-Atmosphäre als auf Coolness. Klar, den drahtigen Rock von „Reptilia“ vermisst man hier. Wer sich aber nicht daran stört, dass die Strokes auch mit elektronischen Sounds liebäugeln, kann bei „Comedown Machine“ trotzdem bedenkenlos zugreifen. Beim Booklet hätte man sich übrigens mehr Mühe geben können. Sechs Köpfe im Scherenschnitt - braucht kein Mensch. Lieber Lyrics.

„Comedown Machine“ von The Strokes ist am 22. März bei RCA erschienen. 
Mehr unter www.thestrokes.com

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