Montag, 25. März 2013

Hörtest: Rigna Folk - Sól

Eine alles versengende Sonne und jede Menge Dunkelheit: Vermutlich sind Rigna Folk nicht die Typen, die sich in ihrer Freizeit auf die Solarbank legen. Adelige Blässe hat aber ohnehin mehr Charme. Kombiniert man das mit Schwarz, ist man nah am Kern der Ulmer Artrocker. "Sól" zieht den Kreis der Konzeptalben weiter und zeigt eine Band, die Talent, Verstand und große Melodien hat. Und von allem ziemlich viel. 

Nach etwas mehr als einer Minute trifft einen die erste Gitarrenwelle. Wuchtig, melodiös, der Bass schiebt mit an, dann fast andächtige Stille. "I was looking for a thrill/but you made me feel my age", singt Viktor Nordir, Sänger und Gitarrist von Rigna Folk. Und dann kommt sie wieder im eröffenden Titelsong, die große Gitarrenlandschaft. Rigna Folk sind Träumer, das hört man ihrem Sound an. Der umgekehrte Felix-Baumgartner-Effekt. So muss es sich anfühlen, ins All rausgeschleudert zu werden - ohne Kollateralschäden, versteht sich. "Isolation" ist ein kompakter Ohrwurm, "Pablum" kennt man schon, plötzlich treten Bass und flächige Keyboards in den Vordergrund. Das zweiteilige "Criminal" zeigt eine Band, die Mut zum instrumentalen Exzess hat, dabei aber nicht langweilt und den Song nicht dem Selbstzweck opfert. Und wer einen Hit sucht, sollte sich "Paradox" reintun. Natürlich hört man die Einflüsse heraus, kann sich vorstellen, dass Pink Floyd eine Rolle spielen, man ...Trail of Dead verehrt. Aber das ist alles nicht dramatisch. Denn Viktor Nordir, Jens Schalle, Vlad Müller, Chriss Fakler verschmelzen diese Einflüsse mit ihrer Vorliebe für Noir-Filme und ihre konzeptuelle Science-Fiction-Welt. Für Postrock- und Shoegaze-Fans ein heißer Tipp. Bleibt nur die Frage: Wann können wir die Band wieder live sehen? Dann dieses Album hört sich zwar auch gut über die heimische Stereoanlage an - auf der Bühne sind Rigna Folk aber noch besser. Liegt daran, dass man dann die Dunkelheit noch besser transportieren kann. Schön und eigen. 

"Sól" von Rigna Folk ist am 2. Februar erschienen. Mehr Infos unter www.rignafolk.de

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