Montag, 18. März 2013

Hörtest: Johnny Marr - The Messenger

Das wird wohl nichts mehr mit der Smiths-Reunion in diesem Jahrhundert. Aber wen stört das schon, solange wir stattdessen wie das neue Soloalbum von Johnny Marr haben? "The Messenger" vereint britische Tugenden und State-of-The-Art-Songwriting. Message angekommen. 

Man muss ja nur mal diese Suchmaschine anstrengen. In regelmäßigen Abständen kommen die Gerüchte auf, und sowohl Morrissey als auch Johnny Marr treten ihnen jedesmal entschieden entgegen. Wie viele "never ever" da schon gefallen sind. Und dass das auch gar nicht nötig ist, beweist der Gitarrist, der im Oktober 50 Jahre alt wird, mit seinem ersten regulären Soloalbum. Bisher war tanzte Marr immer wieder gerne auf anderen Hochzeiten, veredelte etwa das Modest Mouse-Album "We Were Dead Before The Ship Even Sank". Daran muss man etwa denken, wenn der Disco-Beat in "Upstarts" die Gitarre flattern lässt wie ein Segel bei Windstärke drölf. Marr zeigt mit seinem drahtigen Fender-Gitarrenton einmal mehr, warum Insel-Rock immer als der coolere Variante von Gitarrenmusik galt, während US-Mucker doch meist mehr dicke Hose-Soundmischungen bevorzugen. Understatement eben, wenn man Klischees bemühen will, die natürlich hier und da ihre Abweichler haben. Um das noch weiterzutreiben: Stellt Euch einen Mini Cooper vor, der aber dem Hummer trotzdem davonfährt. Ich meine, lasst nur mal "Lockdown" auf Eure Ohren wirken. Britrock is back. Und auch die Rhythmen sind hier wesentlich variabler als anderswo, bedienen sich geschickt bei anderen Musikstilen (sieht Titelsong) und swingen cool ("Generate! Generate!") oder sexy ("Say Demesne"). Wavige Keyboards sind ebenso an Bord wie melancholische Momente in "New Town Velocity" (siehe unten). Man würde gerne den Gallagher-Brüdern den Genuss dieser Scheibe empfehlen, damit sie mal hören, wie man klingen muss, um große Töne spucken zu dürfen. Wobei sich das erledigt: Oasis sind Geschichte - und Johnny Marr hat es nicht nötig, zu protzen. Obwohl er in Manchester, Berlin und London war für sein neues Werk. Understatement eben. 

"The Messenger" von Johnny Marr ist am 1. März erschienen bei Rykodisc (Warner). Mehr unter www.johnny-marr.com

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