Sonntag, 17. Februar 2013

Sonntags-Matinée: Frightened Rabbit – Pedestrian Verse

Vielleicht wird man in ein paar Jahren auch über den Insel-Indie sagen, dass er nicht tot ist, so wie ja auch der Punk immer wieder für reanimiert erklärt wird. Wenn das der Fall sein sollte, liegt es an Bands wie Frightened Rabbit.

Der New Wave of British New Wave-Hype liegt auch schon wieder ein paar Jahre zurück, und mancher muss die Erfahrung machen, dass das Musik-Biz von heute extrem schnelllebig. Ich meine, schaut Euch die Arctic Monkeys an. War es nicht erst gestern, dass sie gemeinsam mit Franz Ferdinand und Bloc Party dem Gitarrenrock neue Tanzschritte beigebracht haben? Und heute? Klingen sie wie ein müder Black Sabbath-Ableger, und in der Lyrics-Abteilung ist auch nicht mehr viel los. Oder die Editors: Suhlen sich inzwischen in gotisch-tristen Electro-Sachen, während die Gitarre im Eckt verstaubt. Klingt wie der alte Opa, der aus seiner großartigen Jugend erzählt? Und hat bitteschön jetzt was genau mit Frightened Rabbit zu tun? Geduld, darauf komme ich ja gleich noch zu sprechen.

Aaalso. Dem vor neun Jahren gegründeten Quintett ist es mit „Pedestrian Verse“ gelungen, ein Indie-Juwel abzuliefern, das eben im Lichte dieser Kurzlebigkeit von Trends einerseits fast schon nostalgisch anmutet, andererseits aber so zeitlos ist, dass es durchaus das Zeug zum Klassiker, mindestens aber zum Referenzwerk der Band aus Glasgow hat. Die hallenden Soundscapes des Openers „Acts of Man“ sind von einer irritierenden Schönheit, setzen auf Klavierklänge und rumpelige Samples, während Scott Hutchison mit diesem typisch leidenden Tonfall von Weltschmerz singt, den junge Männer eben so an sich haben, wenn sie in verkopften Bands spielen.  „I have never wanted more to be your man/And build a house around you/But I am just like all the rest of them/Sorry, selfish, trying to improve.“ Besonders hoffnungsvoll ist das nicht, wenn es um die im Garten vegrabenen Schädel geht, deren Grinsen sich nicht auslöschen lässt. Aber aus der religiösen Ecke ist auch keine Hilfe zu erwarten, wie sich in „Holy“ andeutet. Zu zweit lässt sich die ganze Verwirrung besser aushalten, vor allem wenn man sich versteckt und in Geheimsprachen redet: „The Woodpile“ ist der unbestrittene Höhepunkt dieser Platte, eine schleppende Hymne, düster aber doch noch halbwegs hoffnungsvoll.

„The winter of Mixed Drinks“ war schon stark, aber diesmal ist es ein Quantensprung. Die Band macht dafür auch Leo Abrahams verantwortlich, der als Produzent mit an Bord war: Er habe die Musik der Band in Gefilde gebracht, die man sich vorher nicht habe vorstellen können, sagt Scott Hutchison. Aufgenommen wurde im Monnow Valley Studio in Rockfield, South Wales. Abrahams hat in der Vergangenheit schon mit Brian Eno, David Byrne oder Grace Jones zusammengearbeitet.

Aber zurück zur Musik: Auch an anderer Stelle auf dieser Platte finden sich hallende Gitarren, die sich manchmal dramatisch auftürmen wie Wogen, manchmal andeuten, man könne ja auch tanzen hierzu. Nach einer knappen Dreiviertelstunde, in der man die Kauzigkeit von Wintersleep ebenso hier findet wie das Stylishe von Interpol, endet die Platte nach all den dunklen Wolken mit einem winzigen Silberstreif: „We’ve still got/Hope so I think we’ll be fine/In these disastrous times, disastrous times.“ Aber dass sie unselig sind, daran besteht kein Zweifel.

„Pedestrian Verse“ von Frightened Rabbit ist am 15. Februar bei Atlantic Records erschienen. Mehr unter www.frightenedrabbit.com. Auf dem Youtube-Kanal der Band gibt es ein dreiteiliges Making of des Albums. Hier seht Ihr noch einen Live-Auftritt bei der schottischen BBC, wo eben das geniale „The Woodpile“ gespielt wird.

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