Donnerstag, 7. Februar 2013

Hörtest: Navel – Loverboy

Auch auf die Gefahr hin, Klischees breitzutreten: Das klingt alles nicht nach eidgenössischer Bergidylle, sondern nach der weiten Welt, der neuen Welt. Navel zelebrieren ihren psychedelisch angehauchten Bluesrock-Bastard mit Coolness, Souveränität und einem Gespür für prägnante Melodien. Ein Glanzlicht des noch jungen Jahres. 

Es gibt eine Szene, wenn man das so nennen kann, auf „Loverboy“, da glaubt man, sich an ein Country-Lagerfeuer verirrt zu haben. „I'll Bury My Luck In This Town“ heißt der Song und schürt mit akustischen Tupfern und wehmütiger Pedal Steel Guitar die Sehnsucht nach Urwüchsigkeit. Aber dieser Moment ist nicht von Dauer, denn dann erdet Dich „Barrels of Love“ mit knarzendem Bass und stampfendem Rhythmus, ein Song, auf den Oasis ein bisschen beidisch wären, gäbe es sie denn noch. Den ebenfalls von den Gallagher-Brüdern verehrten 60er-Jahren nähert sich dann der „Sweetest Song“ stark an, mit surfiger Gitarre und Roy-Orbison-Gedenk-Beats. Navel haben mit ihre großartigsten Momente, wenn sie völlig vom Leder ziehen wie in „Hollow Sky“. Kein Wunder, dass sie schon als Vorband von den Queens Of The Stone Age oder Wolfmother im Einsatz waren. Ähnlich wie die gefallen sich die Musiker aus Basel in coolen Riffgewittern, monströsem Rock und hin und wieder auch swingenden Boogie-Wogen, siehe „Love Her (Before She's Gone)“. Das Ganze profitiert davon, dass es genügend Ecken und Kanten gibt, an denen man sich stoßen kann, glattpoliert überlässt man anderen. Auf bestechende Weise geben sich hier Blues-Sprengsel, Stoner-Einflüsse und Rock-Rüpeleien die Klinke in die Hand. Und dann in „Right Next To The Fire“ gibt es Pathos ohne Kitsch, Solieren ohne Peinlichkeiten. Muss man auch erstmal können. Viel Zeit lassen sie sich dann am Ende in „Shine On“, über zehn Minuten geht der Song auf dynamische Reisen und sie bringen ihn heile heim. Ein bisweilen düsterer, aber extrem spannender Trip durch einen vertrauten, aber eigenwillig interpretierten Klangkosmos.

„Loverboy“ von Navel erscheint am 8. Februar via Noisolution. Mehr unter www.navelband.com 
Hier seht Ihr das Video zu "The Sun For Me". 

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