Samstag, 16. Februar 2013

Hörtest: Biffy Clyro – Opposites

Ob Zeps „Houses of the Holy“,  „In Your Honor“ von den Foo Fighters oder, ähm, „Gräusch“ von Die Ärzte: Die Geschichte des Rock ist voller ambitionierter Doppelalben, die mal besser, mal weniger gut gelungen sind. Nun fügt das schottische Trio Biffy Clyro seine eigene Vorstellung vom dualen Rockdoppel dem Kulturkanon hinzu. 

In den vergangenen Jahren haben die drei Musiker aus Ayrshire einen großen Sprung gemacht: Zwar gelten auch ihre Alben vor „Only Revolutions“ als Perlen, aber mit dem 2009er-Album brachten Biffy Clyro es zum kommerziellen Erfolg. Wenn Deine Musik als ZDF-Fußballuntermalung dient und Du im Wembley-Stadion spielst, weißt Du: Das ist jetzt ganz oben. Manche vergleichen Biffy Clyro schon mit den Foo Fighters – und was sie da an Hymnen auf „Opposites“ auffahren, kommt das schon ganz gut hin. Und ähnlich wie Dave Grohl und Co. sind auch Simon Neil, James Johnston und Ben Johnston Experten im Aufeinanderhetzten von wunderschön weichen Klängen und monströs-muskulösen Hulk-Ausbrüchen. Beides gibt es auch auf „Opposites“ in Reinform.

Man muss allerdings dazu sagen: Wer das Werk in seiner vollen Form genießen will, muss sich die Doppel-CD holen. Sechs Songs mehr gegenüber der einfachen Variante, die sich dagegen wie ein Destillat ausnimmt – wenn auch mit den zugegebenermaßen besten Songs. So ist etwa das sich emporschwingende „Stinging Belle“ ein Beispiel dafür, dass Dudelsäcke in Songs nichts mit penetrantem Mittelalterrock zu tun haben müssen. Oder „Black Chandelier“, das so balladesk anfängt und sich zum oberheftigen Ohrwurm entwickelt. Rasante Rockausritte finden sich ebenso wie zarte Momente, die wie Regen von einem Fenster abperlen. Und ganz ehrlich: Hier gibt es so viel zu entdecken, dass ich immer noch dabei bin, die vielen Facetten zu erkunden. Mal schauen, wann ich fertig bin. Eine Kaufempfehlung kann ich jedenfalls schon aussprechen.

„Opposites“ von Biffy Clyro ist am 25. Januar bei Warner Music erschienen. 
Mehr: www.biffyclyro.com

Hier noch das Video zu "Black Chandelier":

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen