Donnerstag, 3. Januar 2013

Hörtest: Hugo Mudie - Miracles

Vor ein paar Jahren war es noch eher die Ausnahme, dass Stromgitarren-Rocker zur Akustischen griffen. Heute ist es umgekehrt. Kaum ein Punk, der kein Unplugged-Projekt am Start hat. Hugo Mudie (The Sainte Catherines) reiht sich in die Riege der bärtigen tätowierten Songwriter ein. Nicht jeder Song ist zwingend, aber Spaß macht "Miracles" - auch wenn man dem Namen zum Trotz keine Wunder erwarten darf.

Chuck Ragan hat was losgetreten. Der Hot Water Music-Sänger hat mit seinem Folk/Country-Gebräu eine regelrechte Welle an Nachahmern auf den Plan gerufen. Hugo Mudie sang einst bei den Sainte Catherines, die sind nicht mehr, jetzt machen er und sein Kumpan Fred Jacques gemächlichen Folk. Gitarrenklänge, hier ein verirrter Bläser, da nach Weite klingende Einsprengsel - es ist eine Mischung, die durchaus zu gefallen weiß und im Großen und Ganzen funktioniert. Die ganz große Begeisterung will sich jedoch nicht einstellen, aber darauf zielen die Songs scheinbar auch gar nicht ab. Sie schreien nicht um Beachtung, sondern sind einfach da. Die Platte dauert keine halbe Stunde, manche Stelle wirkt uninspiriert: Die Tex Mex-Bläser in "I'll Marry You Mary" klingen nicht ganz so prall und wenig authentisch. "My Worst Enemy" zitiert Country-Standards, macht aber trotzdem Spaß. So ist es auf der ganzen Platte: Manches ist schon verbraucht und schon zigmal gesagt worden, anderes hört man gern, weil es trotzdem eigen ist. Das gilt auch für den letzten Song: "L'esprit de l'escalier (For The Kids)" verbeugt sich vor Tom Waits, ist aber trotzdem oder gerade deshalb äußerst hörenswert. Kein Meilenstein, aber für Folk-Komplettisten geeignet. Das Cover wird sicher auch einige Käufer überzeugen.

Hugo Mudies erste Soloscheibe "Miracles" erscheint am 18. Januar via Flix Records (Cargo Records) und Asian Man Records (Vinyl). Ein kurzer Höreindruck:

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