Freitag, 11. Januar 2013

Hörtest: Dropkick Murphys - Signed And Sealed In Blood

Zwischen AC/DC-Syndrom und Pub-Beschallung: Die Dropkick Murphys können sich auf "Signed And Sealed In Blood" nicht dazu durchringen, wieder mehr aufs Gaspedal zu treten. Ansonsten alles wie immer. Pathosschwangere Saufsongs für harte Kerle und ehrlich arbeitende Familienväter mit festgefügten Moralvorstellungen. Aber es taugt für die Pogoparty. 

Als Tinnitus Attacks am 17. März 2011 auf Sendung ging, war die erste Rezi folgerichtig eine über die Dropkick Murphys. Seitdem sind über 150 Platten dazugekommen, und jetzt ist wieder Murphys-Mitsing-Zeit. Klar, die Themen wiederholen sich. Das hat Folk so an sich. Und die Dropkick Murphys scheinen nicht mehr unbedingt das Hooligan-Mixtape dominieren zu wollen. Ganz klar scheint die Bewunderung für Pioniere wie The Pogues durch. Ähnlich weich sind nämlich die Klänge in Songs wie "Jimmy Collins Wake". Der Härtegrad der Gitarren scheint noch weiter zurückgefahren zu sein, insofern brechen die Boston-Punks mit einer Tradition: Sonst wechselten sich härtere ("The Meanest Of Times") und softere ("Going Out In Style") Alben immer mal ab. Einmal quer durch den irischen Instrumentenshop, hat man den Eindruck. Ein bisschen was hat die eigentlich unnötig martialisch betitelte Platte von einem zweiten Teil: Ich kam mir vor wie als ich den zweiten Teil von "Der Blutige Pfad Gottes" gesehen hab: Eine Fortsetzung, deshalb nicht mehr ganz orginell, dafür weiß man, was man kriegt. Gewalttätig und gläubig, an einer Stelle zitieren sie sogar mal den bekannten irischen Reisesegen. Männlich hoch zehn, aber auch mit einem Augenzwinkern - was gut aussieht, wenn das Auge noch ein Veilchen ist. In manchen Momenten denkt man, ob das ernst gemeint sein soll, aber irgendwie ist doch alles richtig so. Klar scheint jedenfalls: Wenn diese Songs laufen, lassen auch harte Rocker mal ihren Gefühlen freien Lauf und liegen sich in den Armen. Die Melodien sind jedenfalls mal wieder frisch gezapft, während manche Songidee hingegen abgestanden wirkt, und Gang-Shouts sind auch nicht mehr so neu. Auch wenn mir Flogging Molly lieber sind: Dropkick Murphys' Neue kann man sich schon reintun. Nicht umsonst feierte sie ihre Stream-Premiere auf der Internetseite von Amerikas lustigstem Talk-Leprechaun Conan O'Brien. Nur beim Cover hätte man sich etwas mehr Mühe geben können. Wirkt wie das Ed Hardy-Shirt unter den DKM-Plattencovern.

"Signed And Sealed In Blood" von Dropkick Murphys erscheint heute bei Cooperative Music. 

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