Freitag, 27. Dezember 2013

Jahresrückblick 2013, Teil 2: Die zehn besten Alben des Musikjahres

2013 ist rum. Das Jahr, in dem sich Arcade Fire neu erfanden. Das Jahr, in dem Dave Hause endgültig solo unterwegs sein wollte. Das Jahr, in dem...ach lest doch einfach, was ich zu meinen Top-Platten dieses Jahres zu sagen habe. Wie bereits im vergangenen Jahr gilt: Der Wertung liegt ein auf pseudomathematische Art und Weise gebildeter Koeffizient zugrunde: Häufigkeit des Anhörens mal Heftigkeit des Beeindrucktseins, und das irgendwie korreliert. Mit einem Klick auf Bandnamen und Albumtitel kommt Ihr nochmal zur regulären Rezi.  


10.) Beastmilk - Climax
Wäre ich ein Laden, wären Beastmilk kurz vor Ladenschluss reingestürmt und hätten wohl mit Grabesstimmen gebrüllt: "Halt, Du darfst noch nicht zumachen." Und ich hätte Ihnen zugehört und mich überzeugen lassen. Kurz vor Jahresende kam das Debütalbum der Finnen wie aus heiterem Himmel - wobei, heiter und Himmel treffen es in dem Kontext nun mal wirklich komplett gar nicht. Düster, aber melodisch - hier weht der Geist von Joy Division und den Editors, wird aber in einen noch Gitarren-lastigeren Sound transportiert. Kein Wunder, dass Kurt Ballou (Converge) diese Premiere klangtechnisch veredelt hat. 

9.) Frightened Rabbit - Pedestrian Verse

Indierock aus Schottland. Hat beim Southside dieses Jahr wirklich nur ein paar ganz spezielle Nerds interessiert. Schade, denn die Band aus Glasgow hat 2013 mit "Pedestrian Verse" ein Album vorgelegt, das eine langzeitige Sogwirkung entwickelt. Diese raumgreifenden Melancholie-Monolithen will man immer wieder besichtigen. Dazu der unverkennbare Akzent von Scott Hutchison und Song-Monumente wie das majestätisch voranschreitende "The Woodpile", mit dem die Schotten sogar in Conan O'Briens Latenight-Talksendung auftraten - fertig ist der Geniestreich. Indie-Rock ist nicht tot. 

8.) Imperial State Electric - Reptile Brain Music
Natürlich fehlen The Hellacopters. Aber Imperial State Electric helfen einem, über den Schmerz hinwegzukommen. Mit Nicke Andersson steht ja auch der Kreativkopf der Schwedenrocker am Mikro. Wobei, nicht nur: Dolf de Borst, bekannt durch The Datsuns, nimmt es ihm hin und wieder weg und macht seine Sache exzellent. "Reptile Brain Music" ist dabei sogar noch besser als die auch schon starken Vorgängeralben. Eine Blaupause in Sachen guter Rock, wie ihn Jack Black auch seinen Schulkindern in der "School of Rock" beibringen würde. Ich meine, hört doch nur mal "Underwhelmed" an. Für die nächsten Jahre hat Andersson ein höheres Tempo beim Veröffentlichen von Platten angekündigt. Immer her damit! 

7.) The Thermals - Desperate Ground

Sie schaffen es doch immer wieder, diese drei aus Portland, Oregon. Auch mit Album Nummer fünf haben Hutch Harris, Kathy Foster und Westin Glass ein Schrammelrock-Kleinod ausgepackt, das sich in die Gehörgänge fräst. Aber anders als zuvor. Wenn "Personal Life" (2010) ein Film gewesen wäre, dann vielleicht sowas wie "(500) Days of Summer". "Desperate Ground" hingegen ist düster und begibt sich auf die Flußfahrt, die auch in Joseph Conrad's "Herz der Finsternis" und der in die Gegenwart transportierten Filmadaption "Apocalypse now" von Francis Ford Coppola prägend ist. Und zu "The Sword By My Side" gibt's sogar ein kleines Videospiel

6.) The National - Trouble Will Find Me

Rotwein-Musik für Rotwein-Trinker und solche, die es noch werden wollen. The National sind so schwer, so wehmütig - und trotzdem erreicht der Hype um die Band 2013 einen Höhepunkt, Vergleiche mit R.E.M. machen die Runde. Mir fällt da eher die optische Ähnlichkeit von Sänger Matt Berninger mit Tom Hanks auf. Und diese Songs wieder. "Don't swallow the cap" ist ja beinah schon lebhaft, "Demons" hat diesen Text, der hängenbleibt, und der Rest ist einfach nur ganz große Songwriterkunst. Lange erwartet - und ein perfekter Nachfolger für das Durchbruchsalbum "High Violet".  

5.) Dave Hause - Devour
Dass er dafür The Loved Ones aufgegeben hat, wird man Dave Hause ("It's pronounced like pause, or cause, damnit.") verzeihen. Denn auf seinem zweiten Soloalbum macht Hause Künstlern wie Bruce Springsteen ernsthafte Konkurrenz. Thematisch dreht sich alles um den amerikanischen Traum - und wie es sich anfühlt, daraus zu erwachen und der weit weniger glamourösen Realität ins Auge zu blicken. Die Songs sind Heartland-Rock, Folk, alles nur kein Punkrock. Davon hat er genug. Macht aber nix. Denn das Album ist von der ersten bis zur letzten Minute durchdacht und auf den Punkt. Und Dave sammelt weiter Herzen.

4.) Queens of the Stone Age - ...Like Clockwork
Anfangs wusste ich nicht so recht, was ich mit diesem Album anfangen sollte. Es ist ja auch sperrig. Aber am Ende verwandelt sich genau diese störrische Unangepasstheit in wahres Songglück. Nichts wäre nach dem Meilenstein "Songs for the deaf" (2002) leichter gewesen, als immer dieselbe Platte aufzulegen. Aber QOTSA machten es anders, landeten mit "Lullabies to paralyze" auf dem Boden der Tatsachen (weil es zu nah am Vorgänger war), verstörten mit "Era Vulgaris" und zeigen sich nun offen für alles, aber weiter als Rockband, die so viel mehr als simple Gitarrenriffs zu bieten hat.

3.) Kvelertak - Meir
Kvelertak haben das Talent gezeigt, aus Musikstilen, die sie nicht erfunden haben, etwas komplett Eigenes zu formen. Ihr umjubeltes Debüt aus dem Jahr 2010 ließ mich noch zweifeln, dann bin ich aber eingestiegen - und "Meir" ist zwar etwas gediegener, aber noch lange nicht artig. Und wer irre Gitarrenriff-Bandwürmer wie in "Undertro" in die Welt setzt, von dem erwarten wir noch so viel Gutes. Oder die Bandhymne "Kvelertak". Oder das mit rasenden Blastbeats unterlegte "Spring Fra Livet". Oder...
Da ist das stylishe Cover von John Baizley (Baroness) nur noch die Sahnehaube.

2.) Minor Alps - Get There
Ozzy und Kelly Osbourne. Lanz und Hunziker. Klaus und Klaus. Die Geschichte ist voller grottiger Duette. Da freuen wir uns, dass Juliana Hatfield und Matthew Caws (Nada Surf) das perfekt harmonierende Paar sind. Ihre Stimmen verschmelzen zu einer untrennbaren Einheit, von der man sich in den Schlaf singen lassen möchte. Und die Songs passen
auch. Da gibt es treibende Indierocker, leicht elektronisch angehauchte Beats (aber ganz harmlos) und so viel mehr zu entdecken. Kam ganz still und heimlich um die Ecke und war doch eines der Highlights des Jahres.

1.) Arcade Fire - Reflektor
Die Marketing-Kampagne ging mir sonstwo vorbei. Auf Elektrogeschwurbel und Discogedönse steht ich null komma gar nicht. Und trotzdem: Arcade Fire kriegen mich mit Album Nummer vier. Weil die Songs gut sind. Immer noch. Auch wenn die Streicher Vergangenheit sind und das fahrende Zirkusvolk um die Gebrüder Butler sich jetzt lieber aufbrezelt und tanzen geht. Das ist immer noch Arcade Fire. Und wer will ihnen schon verübeln, dass sie sich weiterentwickeln wollen? Würden sie wie AC/DC enden, hätte auch niemand was davon. Wenn es um Indierock und meine Vorliebe dafür geht, zitiere ich wohl Southpark: Blame Canada!

Die Jahre zuvor waren auch nicht von schlechten Eltern. Hier der 2012er, hier der 2011er

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Donnerstag, 26. Dezember 2013

Jahresrückblick 2013, Teil 1: Die zu kurz Gekommenen

So viele Platten, so wenig Zeit. Wenn ich fürs Musikhören und das Schreiben darüber bezahlt würde, wäre ich nicht nur reich, sondern könnte auch alles, aber auch wirklich alles hier unterbringen, was ich gut finde. Da dem aber nicht so ist, fallen manche Platten unter den Tisch. Am Jahresende-Wrap-Up kommen aber nochmal die Releases auf den Tisch, die hier auch hätten stattfinden sollen. Zehn Stück, die im Schrank stehen, aber nicht die erforderliche Aufmerksamkeit bekamen.

10.) Vampire Weekend - Modern Vampires of the City
Die ersten beiden Alben der New Yorker Indiefüchse waren nichts weniger als Meisterwerke. Mit dem dritten Album spielen sie weiter in der Oberliga. Denn so oft man diese Platte auch hört, mit Entdecken ist man nie am Ende. Die Songs halten so unglaublich viele Details und Spielereien parat, dass man es auch nach Monaten noch nicht komplett erfasst hat. "Unbelievers" mit seinem Jubel-Moment ab 2:29, das hibbelige "Diane Young", das zwischen stressig und relaxt hin und her pendelnde "Ya Hey" - alles Songs, die zeigen, dass die Musikstreber noch lange nicht zuende erzählt haben, was sie uns sagen wollten. Gut so.

9.) Obits - Beds & Bugs
Wie konnte ich nur irgendwann mal in meiner schon ewig zurückliegenden Jugend davon ausgehen, dass Gitarren nur rocken, wenn sie bis zum Anschlag verzerrt sind? Hätte ich das weiter geglaubt, wären schrammelige Rockbiester wie das 2013er-Album der Obits spurlos an mir vorbeigegangen. Dem Rockgott sei es gedankt, dass dem nicht so ist. Die Obits sind ja im Grunde eine Supergroup, Rick Froberg war früher bei den Hot Snake
s und Drive Like Jehu, aber was erzähl ich Euch. Herrlich ruppiger Garagenrock mit Stones-Rotzfaktor. Bonuspunkte gibt's für die schnieke Aufmachung und das orange-transparente Vinyl in der "Loser Edition".

8.) The Joy Formidable - Wolf's Law
Fängt an wie ein Soundtrack zu einem Fantasyfilm oder Online-RPG. Aber dann kommen die Schraddelgitarren und Sängerin Ritzy Bryan und Du weißt Bescheid. Wobei epische Momente beileibe nicht zukurz kommen, und man etwa bei "Bats" Angst um die Gitarre hat. Der Song lässt Dich in einer Batcave stehen und tausende schwarze Tierchen um Deinen Kopf wirbeln. Heiliges Batmobil! Muss das live reinhauen. Das Trio aus Wales gilt ja nicht erst seit diesem vierten Album als Macht. Aber den Status dürften die nach London umgesiedelten Mucker locker zementieren. Abgehen in drei, zwei, eins...

7.) Coheed and Cambria - The Afterman: Descension
Verdammt, was mach ich falsch. Seit ein paar Jahren komm ich nicht mehr hinterher und nicht mehr mit. Irgendwann, das verspreche ich Dir, Claudio Sanchez, setze ich mich in Ruhe hin und arbeite alle Nerd-Scheiben durch, die Du uns beschert hast. Ich nehm die Sci-Fi-Story auseinander und verinnerliche sie. Und wenn sie verfilmt wird, dann bin ich der erste, der die Kinotickets ordert. Aber bis dahin muss ich immer hinterherhinken, obwohl 2005 die Scheiben der Prog-Wasauchimmer-Zauberer rauf und runter liefen. Und sie machen ja immer
noch gute Musik. Wie dieses Album eigentlich beweist.

6.) The Swellers - The Light Behind Closed Doors
"Klingt doch alles gleich", muss man sich immer anhören, wenn eine neue Holzfällerbartkarohemden-Band im Plattenschrank heimisch wird. Moment, sag ich dann. The Swellers haben gar keine Bärte. Trotzdem klingen sie nicht, als ob sie noch grün hinter den Ohren sind. Nach der famosen "Running out of places to go"-EP vergangenes Jahr ist nun das neue Album des Quartetts aus Flint, Michigan, da. An mir etwas vorbeigegangen, dieses Punkrock-Wurzelholz. Wir haben da was nachzuholen.

5.) Kevin Devine - Bubblegum & Bulldozer
Zwei Alben von Kevin Devine sind besser als eines: Was Anhänger des amerikanischen Sängers und Songwriters denken, dürfte auch für den Mittdreißiger die Devise gewesen sein. "Between The Concrete and Clouds" war 2011 ein absolutes Highlight. Diese Doppelpackung hier ist nicht so hitverdächtig, aber dafür sehr sehr vielschichtig. Immer wieder kam mir beim Hören Nada Surf in den Sinn. Jedenfalls: Muss mit.

4.) Bill Callahan - Dream River
Wäre Musik Literatur, würde man in VorApocalypse" war ja auch schon so ein Hammer. Mit "Dream River" hat er sich aber nochmal gesteigert. "I really am lucky man flying this small plane". Folk mit tanzbaren Rhythmen verzahnt, aber nicht das Discogehopse, sondern eher wiegend-elegisch. Von Dauer.
lesungen an den Unis über Bill Callahan etwas lernen können. Und wie Wein wird auch der Singer/Songwriter aus Maryland mit jedem Album noch besser. "

3.) Okkervil River - The Silver Gymnasium
"The Stage Names" war ganz großes Kino 2007. Ein Jahr später schien "The Stand ins" immer noch genügend Songs zu haben, um nachhaltig zu faszinieren. Aber "I Am Very Far" war mir 2011 dann zumindest im Rückblick doch etwas zu seltsam. Gut, dass "The Silver Gymnasium" wieder an alte Stärken anknüpft. Will Sheff hat mit dieser Retrospektive von Kindheit und Jugend ein herzerwärmendes Album geschrieben, das erst auf Vinyl seine volle Schönheit entfacht. Dann kann man nämlich im Artwork versinken, als sei man in Charlies Schokoladenfabrik gelandet.

2.) Mazzy Star - Seasons of your day
Ach, war das schön damals,
als "Among my swan" zum Herbstsoundtrack verregneter Nachmittage wurde. Dann hängten Hope Sandoval und David Roback ihre Band an den Nagel. Keiner rechnete damit, dass sie nochmal auftauchen würden. Sind sie aber dann doch. Und haben uns mit "Seasons of your day" eine Lavalampe von einem Album geschenkt, das so gar nicht in unsere von hektischen Twitter-Updates und Facebook-Feeds passt. Entschleunigung als musikalisches Prinzip. Wunderschön. Zuhören neu lernen. Aber keinesfalls im Auto. Sonst driftet Ihr in den Weltraum ab.


1.) Superchunk - I Hate Music
Genialer Titel schon mal. Superchunk sind auch so eine Band, die ich eigentlich viel zu spät entdeckt habe. Die Indierocker aus North Carolina sind bereits seit 1989 unterwegs. "I Hate Music" ist erst ihr zehntes Album überhaupt. Und wieder sind da diese Titel, die klingen, als hätten Rush die Thermals eingepackt und mit ihnen eine lustige Punkrockparty organisiert. "Me & You & Jackie Mittoo" zum Beispiel. Mein Highlight: "Out Of The Sun". Und das Plattencover ist eine Prophezeiung für mich. Aber das würde den Rahmen sprengen.

Die zu kurz Gekommenen: So sah's letztes und vorletztes Jahr aus.
Die besten Platten des Jahres folgen in Kürze. 

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Samstag, 14. Dezember 2013

Video: Imperial State Electric - Reptile Brain



Sind Imperial State Electric eigentlich eine Supergroup? Für mich jedenfalls schon. Denn Nicke Andersson (ex-The Hellacopters, ex-Entombed, Death Breath, The Solution) und Dolf de Borst (The Datsuns) finde ich beide super. Und wenn man sieht, wie sie hier Party machen im Videoclip zum Quasi-Titelsong des neuen Albums "Reptile Brain Music, findet man eine Unbeschwertheit, die man im Rock'n'Roll manchmal schon verloren glaubte.

Ein Interview, das ich mit Nicke geführt habe, findet Ihr auf dem Blog an dieser Stelle - Plattenkritik inklusive.


Donnerstag, 12. Dezember 2013

Radio Havanna: Neuer Song "The Struggle" im Netz

Endlich mal ein Sender, bei dem man nicht
umschalten muss: Radio Havanna.      Foto: Uncle M
Radio Havanna haben einen neuen Song raus: "The Struggle" hat heute bei Ampya Premiere gefeiert. Da steht auch, wie es dazu kam - und dass sie 2014 an neuen Songs arbeiten wollen. Gut so, denn "Alerta!" war eine Platte, die mit jedem Durchgang noch besser wurde und die bei mir regelmäßig im CD-Schacht landet. Nachschub ist immer erwünscht!

Mittwoch, 11. Dezember 2013

The Thermals: Mini-Game zum Song "The Sword by my Side"

The Thermals haben ein Mini-Game im Stile alter 8-Bit-Computerspiele veröffentlicht. Das Spiel heißt "The Sword by my side" und bezieht sich auf den gleichnamigen Song vom diesjährigen Album "Desperate Ground". Man steuert Bassistin Kathy und muss sich durch Horden von bösen Geistern schlagen. Mehr soll hier nicht verraten werden. Anzocken lohnt sich - zumal der Soundtrack superb ist.

Dienstag, 10. Dezember 2013

SZene-Hörtest: Beastmilk - Climax

Hab ich Euch eigentlich schon von Beastmilk erzählt? Als ich die Platte letztens für Finestvinyl mit einer News versehen habe, war ich schon geplättet von dieser Scheibe. Klar: Dieses Debüt musste ich besprechen. Dann gesehen: Platte des Monats in der Visions, Platte des Monats im Slam.

Meine Plattenkritik zum Einstand der finnischen Düsterlinge ist heute auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr sie lesen.

Montag, 9. Dezember 2013

The Kiss'n'Kills: rocken auf Platte - und am Freitag live in Ulm

Wohl der Band, die zwei Städte als ihre Homebase bezeichnen kann. Denn dann hat man im Falle eines Heimspiels immer einen Schlafplatz. The Kiss'n'Kills zum Beispiel, obwohl es bei sieben Bandmitgliedern gut kuschelig werden dürfte. Jedenfalls: In Ravensburg haben sie erst vor kurzem gezeigt, was schweißtreibender Rock mit Bläsern ist - jetzt ist die zweite Heimat Ulm an der Reihe. Am Freitag, 13. Dezember, spielt das Septett im Hemperium. Ein Unglückstag wird das also nicht. Das neue Album "Dead & Gone" liegt seit November vor. Und zählt zu den besseren Veröffentlichungen, wenn es um Rockbands aus der Region Oberschwaben geht. 

Rocken hart: The Kiss'n'Kills.
                     Foto: Daniel Drescher
Klar war das schon länger. Beim Southside-Bandwettbewerb der Schwäbischen Zeitung mussten sich The Kiss'n'Kills vergangenes Jahr um Haaresbreite den Reutlingern von Walter Subject geschlagen geben. Aber eben ganz ganz knapp. Die Band um Fronter Alex Wiest zeigt auf ihrem ersten Studioalbum in voller Länge, wie man punkig angehauchten Rock'n'Roll mit Bläsern zusammenbringt, ohne dabei peinlich zu klingen. "Dead & Gone" hat viele schöne Momente, die hängenbleiben. Die leicht wehmütigen Bläser in "Night Owl", die an die großartige Mardi Gras.BB erinnert. Zuvor schon den derben Einstieg mit dem Titelsong, der die Platte eröffnet. Die akkurat zurecht gezimmerten Gitarren in "Slow Rider". Den Stakkato-Beginn von "Caught Between". Immer wieder kommt Alex Wiests Stimme dazwischengebrettert und wirkt mit ihrem leichten Bon Scott-Timbre rotzig und entschlossen. Einen balladesken Moment und Reggae-Feeling erleben wir in "Breakthrough", und überhaupt ist immer wieder mal ein Off-Beat im Spiel.

Die Songs sind simpel gehalten, die Zutaten wiederholen sich. Progressive-Rock-Geschwurbel überlassen die Sieben anderen - hier herrscht der Rock. Oder, um die Band beim Wort zu nehmen: der "Kick-brASS-Punk'n'Roll", wie die Musiker ihr höchst tanzbares Klanggebräu nennen. Aufgenommen haben sie das Album mit Produzent und Tontechniker Matthias Mezger.

Fazit: Auch auf Platte überzeugen The Kiss'n'Kills. Weil es sich aber schlecht alleine im Wohnzimmer pogt, sollte man die Chance nutzen, wenn man die Band live sehen kann. Wie gesagt: Freitag in Ulm.

Mehr von der Band: Das Album kann man bei Bandcamp kaufen. Die offizielle Internetseite: www.thekissnkills.com. Hier gibt's übrigens noch eine akustische Version des Titelsongs zu sehen: 


Sonntag, 8. Dezember 2013

Was haben Kiss und Dinos gemeinsam? Nicke Andersson von Imperial State Electric klärt im Interview auf

Die Hellacopters sind so eine Band, die mich über Jahre begleitet. Eigentlich schon seit "Payin' The Dues". Und der Split 2008 war nicht schön. Aber: Mit Imperial State Electric hat Nicke Andersson für adäquaten Ersatz gesorgt. Und da auch sowohl auf Kiss als auch auf The Datsuns steh (naja, zumindest ein paar Kiss-Sachen, die Riffs, auch wenn sie sich das Macho-Gehabe immer hätten sparen können), bin ich da echt voll an Bord. Jetzt ist die neue Platte "Reptile Brain Music" von Imperial State Electric raus. Ein Interview plus Plattenkritik aus meiner Feder dazu ist am Samstag, 7. Dezember, in der Wochenendbeilage der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr den Text lesen.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Zeit, mal wieder Ash zu hören



Dieser Moment, wenn Dir eine "alte" Platte wieder in die Hände fällt und Dir wieder einfällt, warum Du die damals rauf und runter gehört hast.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Cloud Nothings machen Lust aufs neue Album



Es sind nur 42 Sekunden, aber manchmal reicht das - und 42 ist bekanntlich die Antwort auf alles. Im Falle von Cloud Nothings ist die Frage nur noch, wann genau das neue Album kommt und wie es heißen wird. So oder so: Ick freu mir. Den Teaser, der heute veröffentlicht wurde, gibt's hier per Klick zu sehen. Buon Appetito! Ach ja: Ihr 2012er-Album "Attack on Memory" war meine zweitliebste Platte 2012. Hier nochmal die Rezi.

Dienstag, 3. Dezember 2013

Frank Turner live bei Studio Q



Studio Q ist ja auch immer eine gute Adresse, wenn es um Musik im Netz geht. Frank Turner war jüngst zu Gast und spielte eine akustische Version von "The Way I Tend To Be".

Montag, 2. Dezember 2013

Video: The Movement - Karl Marx (live)



Ja, das war einer der ersten Songs, die ich von The Movement kannte. Unvergessen die Show, als sie Support für die Mad Caddies im Club Vaudeville waren. Die dänischen Modrocker sind so gut. Und immer noch: Die Live-Aufnahme von "Karl Marx" zeigt eine Band in Hochform.

Mehr dazu: Hier gibt's ein Interview und hier die Plattenkritik zu "Fools Like You".

Sonntag, 1. Dezember 2013

Oh weh Du Fröhliche: Besser durch die Vorweihnachtszeit mit guter Musik

Wer Weihnachten nicht mag, hat ein Problem. Und zwar in doppelter Hinsicht. Denn zum einen kommt niemand am Fest der Liebe vorbei. Und die Penetranz, mit der die Muzak im Kaufhaus vor sich hin düdelt, kann ja auch furchtbar sein. Aber trotzdem: Ist doch eine wunderbare Zeit im Jahr. Das sehen auch Musiker unterschiedlichster Coleur so. Ich hab mal ein bisschen gestöbert und meine fünf Faves zusammengetragen. Damit lässt sich die Vorweihnachtszeit ertragen. Oh weh Du Fröhliche!

The Ramones - Merry Christmas (I Don't Want To Fight)



Josh T. Pearson - O Holy Night



Emmy The Great & Tim Wheeler - Christmas Day (I Wish I Was Surfing)


 The Dropkick Murphys - The Season's Upon Us



The Pogues - Fairytale of New York

Samstag, 30. November 2013

Kvelertak steigen uns aufs Dach



Wenn die Norweger von Kvelertak uns aufs Dach steigen, kommt was Großes dabei raus. So wie bei diesem Auftritt bei P3 Gull. Dort gaben die Eulen-Jünger ein Gastspiel, das in Kinoqualität fürs Netz abgefilmt wurde. Wow. Die Bandhymne stammt vom diesjährigen Album "Meir". Wer meine Story über die Band noch nicht gelesen hat: hier entlang bitte.

Dienstag, 26. November 2013

Metal-Flashback: Rage lassen den Himmel voller Geigen hängen



 Früher, also wirklich früher, im vergangenen Jahrtausend, war ich Metaller. Was keine bis elf verzerrten Gitarren hatte, war egal. Egaler ging nicht. Auf den Trichter gebracht haben mich allerdings nicht die Klassiker. Nicht Maiden, nicht Priest. Okay, als Kind fand ich Deep Purple toll. Aber zum Metal haben mich andere gebracht. Rage. Nicht against the machine, die machten Rap-Rock. Rage. Einfach Rage. Aus Herne. Kennt heute jeder, der "Der Schuh des Manitu" gesehen hat. Stirb, Mainstream, stirb.

Aber warum ich das alles erzähle: Flashbackville grüßt mal wieder. Manchmal hat man so Phasen. Und Rage haben mich damals mit "Lingua Mortis" bekommen. Metal plus Orchester. Macht heute jeder? Und was höre ich da? Metallica mit ihrem S&M waren Pioniere? Naja...Rage waren 1996 sehr viel früher dran und sind wirklich Pioniere. 

Jetzt bin ich wieder auf den Auftritt im E-Werk in Köln gestoßen, den ich damals auf Video (!) aufgenommen hatte. Ja, es waren die 90er. Damals hatte Peavy noch lange Haare (die zugegebenermaßen schon recht dünn wurden, weswegen sie irgendwann abrasiert wurden). Und ein paar Kilo weniger brachte der da auch noch auf die Wage. Seine Stimme war allerdings damals wie heute unverkennbar. Im Konzert zelebrieren Rage die Songs von "XIII", dem zweiten Klassik-Album. Bis heute haben sie immer wieder die Nähe zum Orchester gesucht. Und ich höre immer wieder hin. Wie beim Kino: Es muss nicht immer Autorenkino sein. Ich will auch mal epische Schlachten wie im Herrn der Ringe erleben. Rage liefern mit ihrem Klassik-Metal den Soundtrack dazu. 

Samstag, 23. November 2013

Hörtest: Minor Alps - Get There

Manchmal sind es die unspektakulären Platten, die Perlen am Wegrand, die Geschichte machen. Der Name Minor Alps passt da ganz gut. Kleine Alpen - das sind immer noch verdammt große Berge. Und genauso unverrückbar und faszinierend ist diese Platte, die Nada Surf-Frontmann Matthew Caws und Juliana Hatfield (Some Girls, Blake Babies) zusammen aufgenommen habe. 

Es beginnt mit programmierten Drums und Gitarrenzupfern. Und dann sind da diese beiden Stimmen, die ineinander verschlungen sind wie die Linien eines keltischen Musters. “In certain ranges, the tones of our voices are so similar I can’t tell which is which. I haven’t experienced that with any other singer.” So zitiert die Plattenfirma Juliana Hatfield, und man ist beruhigt, dass es ihr auch so geht. Duette können fürchterlich danebengehen. Aber das hier, was uns auf "Get There" geboten wird - perfekt. Welche Zufälle, Fügungen oder Begegnungen dieses musikalische Traumpaar auch möglich gemacht haben, es ist gut, dass es sie gegeben hat. Sonst wären uns geschmeidige Indierock-Perlen wie "I 
Don't Know What To Do With My Hands" verborgen geblieben. Sonst hätten wir uns nicht zu den elektronischen Beats von "If I Wanted Trouble" wiegen können, und nicht den Sonic Youth-Wahnsinn von "Mixed Feelings" atmen dürfen. Wir hätten nie die Massive-Attacks-Beats von "Wish You Were There" ins Herz geschlossen und nie das nah an Nada Surf gebaute "Waiting For You" genossen. Während Hatfield und Caws ihre Instrumente spielen, steuern Parker Kindred (Jeff Buckley, Antony and The Johnsons) und Chris Egan (Solange, Computer Magic) Schlagzeug und Programmierung bei. 

Die Songs, die in mehreren Sessions in Caws’ Studio in New York, seiner Zeit-Heimt Cambridge (England) oder in Cambridge, Massachusetts, bei Juliana Hatfield entstanden sind, atmen den Geist des 90er-Alternative-Sounds. Keiner der Beteiligten kann aus seiner Haut, aber das ist auch gut so. Aufgenommen in Hoboken, haben wir es hier mit einem Werk zu tun, das "Juno"-Gucker genauso begeistert dürfte wie Fans der Klangspieleren von The Postal Service. Und natürlich dürfte das entschleunigte Stück Popmusik auch jenen gefallen, die die Hauptbands von Hatfiled und Caws goutieren. Wie zeitlupenhaft die verwischten Harmonien von "Away Again" an einem vorbeiflirren. Wie die schwingenden Gitarren in "Lonely Low" sich plötzlich zum singenden Lick erheben. Wie sich "Radio Static" leise anschleicht und nicht mehr aus den Gehörgängen verschwinden will. Alles hier ist bescheiden und unaufdringlich, dadurch aber umso liebenswerter. Fast zu spät für den Herbst kommt diese Platte. Aber wetten, wenn der Winter rum ist, werden wir uns dazu im Frühjahr verlieben und im Sommer durchs Strandbad schlendern? Auch wenn das Cover eher nach Frost aussieht. 

"Get There" von Minor Alps ist am 15. November via Barsuk Records erschienen. Mehr unter http://minoralps.tumblr.com hier seht Ihr noch das Video zu "I Don't Know What To Do With My Hands".

Donnerstag, 21. November 2013

Video: Arcade Fire - Afterlife



Es bleibt dabei. Album des Jahres. Oh, hätte ich Spoiler-Alarm sagen müssen? Egal. Arcade Fire haben jedenfalls mit "Reflektor" ein Album abgeliefert, das zwar gänzlich anders ist als alles, was sie vorher gemacht haben. Genial ist es trotzdem - oder gerade deshalb. Jetzt liefern die Kanadier ein Video zum Song "Afterlife" ab, das so herzerweichend ist, dass...dass...ach, schaut's Euch doch einfach selber an.

Mittwoch, 20. November 2013

Restorations live im Konzert



Restorations hab ich Euch ja schon vor einiger Zeit mal nähergebracht (hier nochmal die Plattenkritik dazu). Jetzt gibt's für die, die die Band live verpasst haben, den Mitschnitt eines Konzerts in Los Angeles.

Dienstag, 19. November 2013

Dave Hause auf Tour

Am Mittwoch beginnt Dave Hause' Deutschland-Tour. Das alleine wäre ja schon Grund zur Freude genug. Aber dann ist da auch noch diese Akustik-Version von "We Could Be Kings", die es bei Visions zu hören gibt. Das Video zum Song ist auch online, aber dank Gema mal wieder nicht so ohne weiteres zu sehen. Aber mit entsprechenden Proxy-Tools...

Und falls Ihr noch nicht genug von Dave habt, hier gibt's meine Geschichte aus der Schwäbischen Zeitung vom 12. Oktober zu lesen. Und ein großes Interview findet Ihr unter diesem Link.

Die Tourdaten:

20.11. DE - Hamburg - Knust
21.11. DE - Bremen - Lagerhaus
22.11. DE - Hannover - Gig Linden (ausverkauft!)
23.11. DE - Dresden - Beatpol
24.11. DE - Berlin - Bi Nuu
26.11. DE - Köln - Gloria
27.11. DE - Frankfurt - Batschkapp
28.11. DE - München - Strom (ausverkauft!)
29.11. CH - Zürich - Dynamo
01.12. AT - Graz - PPC
02.12. AT - Wien - B72
03.12. DE - Stuttgart - Universum
04.12. BE - Antwerp - Kavka

Tickets gibt's bei FKP Scorpio.

Montag, 18. November 2013

Video: Queens of the Stone Age - The Vampyre of Time and Memory

Dahinter watet nicht der Zonk...versprochen.
                                                Screenshot: Tinnitus Attacks
Queens of the Stone Age waren immer eine extrem visuelle Band. Darüber hat mir auch Josh Homme kürzlich im Interview etwas erzählt. Nun gibt's ein interaktives Video zu "The Vampyre of Time and Memory" auf der gleichnamigen Internetseite. Regie führen Kii Arens und Jason Trucco. Zu viel will ich gar nicht verraten. Einfach ausprobieren. Und hier könnt Ihr auch den Director's Cut sehen.

Sonntag, 17. November 2013

Hörtest: Matt Pryor - Wrist Slitter

Zum Glück hat es Matt Pryor weder auf der Ökofarm noch im Imbisswagen ausgehalten. Ansonsten hätten wir diese Songs hier wohl nie gehört. Abgesehen von dieser egoistischen Betrachtung: Manchmal muss man wohl was ganz Anderes machen, um zu merken, was einem wichtig ist. Vielleicht klingt das düster betitelte "Wrist Slitter" deshalb so positiv. 

Die ersten Assoziationen sind dunkel. Zerknittertes Papier, wie ein Abschiedsbrief wirkt das Albumcover. Matt Pryor, den viele von Bands wie The Get Up Kids oder The New Amsterdams kennen, mag zwar nicht suizidgefährdet sein. Doch er hätte um ein Haar seine musikalische Karriere zu Grabe getragen. Denn bei einem Blick auf seine bisherige Biografie fiel ihm auf, dass er schlechte Karten bei einer Bewerbung hätte. "Seit ich 18 bin, bin ich als Musiker unterwegs", zitiert ihn das Liebhaber-Label Arctic Rodeo Recordings im Presseinfo. Da sei ihm klar geworden, dass er gar nichts anderes machen könne: "Mein ganzes Erwachsenenleben habe ich damit verbracht, mir etwas in dieser Richtung aufzubauen, und nun soll ich einfach alles über Bord werfen und von vorne anfangen?" 

Die neu entdeckte Lust an der Musik springt uns im Opener "The House Hears Everything" entgegen, wenn die Klänge einer Dixieland-Kapelle wie aus der Ferne an das Ohr dringen. Dann schmeißt sich das erste Gitarrenriff an Dich heran, der Song braucht keine Fahrt aufzunehmen, weil er von Anfang an nicht stillstehen kann - und Matt Pryor klingt wie einer, der Bock hat. Seine Mannschaft spielt die meiste Zeit nach vorne. Drummer Bill Belzer und Bassist Eric McCann sind mit dabei, man kennt sich von "The New Amsterdams". Im Titelsong plötzlich ein Banjo, "O-Brother-Were-Art-Thou"-Feeling. Dazwischen Songs, die auch Daria gefallen hätten, jener unterbewerteten Zynikerin, die nach Beavis and Butthead ihr eigenes Spin-off bekommen hat: "Before My Tongue Becomes A Sword" erfreut mit einem Text, den man gern an manche Zeitgenossen mailen würde. Vom Weltschmerz des Vorgängers "May Day" ist nicht viel geblieben. Am melancholischsten wirken da noch "As Perfect As We'll Ever Be" mit seinen Celloklängen, in die sich dann auch noch andere Streicher mischen, und "There Is No Us". Aber die Regel sind Songs wie "Say What You're Gonna Say", die temporeich und aufmunternd wirken. Es endet wie es begann: "Won't Speak To Me" verabschiedet sich mit Dixie-Klängen. Und der Songtitel gilt nicht für mich und diese Platte. 

"Wrist Slitter" von Matt Pryor ist am 15. November via Arctic Rodeo Recordings erschienen. Mehr unter www.matt-pryor.com. Hier noch der Opener "The House Hears Everything": 

Samstag, 16. November 2013

Hörtest: Mountain Witch - Cold Mountain

Diese Plattenkritik gäbe es nicht ohne Black Sabbath. Klar, dass da Ozzy & Co. auch in diesem Text vorkommen müssen. Denn wo andere Bands sich auf das englische Protometal-Ungetüm berufen, aber dann Stoner, Doom oder was anderes spielen, kommt diese Platte wie ein verschollenes Demo der Briten daher. Mit dem Nachteil der späten Geburt: Originell ist das nicht. Aber es rockt. 

Gleich die ersten Töne von "Cold River" gemahnen an eines der sanfteren Sabbath-Stücke, doch die trügerische Idylle währt nicht lange. Der "Snake Wand" zaubert saftige Riffs in die Boxen, die so fuzzig und unpoliert klingen, dass es eine Freude ist. Dass 70er-Jahre-Retrorock in letzter Zeit mal wieder einen Boom erlebt, verdanken wir Bands wie Wolfmother (har!), Kadavar (ui!), Graveyard (hossa!) und ganz lange schon den Spiritual Beggars (seufz!). Aber auch Sachen die Rival Sons oder The Answer (nicht meine Kragenweite, aber ok). Bei "Mountain Witch" lebt mit Tobert Knopp auch der Bassist von Turbostaat seine Vorliebe für die Dekade aus, die für ungekünstelte Songkunst steht. Der Reiz der 70er liegt in der Urspünglichkeit, in der Unbedarftheit. Klar gab es Cockrocker wie Led Zeppelin. Aber ihre Songs - Monumente der Megalomanie. Die 80er mit ihrem prätentiösen Pop-Pomp, uagh. Bis ich die NWoBHM entdeckt hab, waren die 80er für mich nur schrecklich. Insofern hab ich großes Verständnis dafür, dass man diese Epoche immer wieder aufgreift. Und "Retro" ist in dem Zusammenhang kein Schimpfwort, sondern Gütesiegel.

"Cold River" ist das dritte Album nach einer LP und einer EP. Wenn in "School of Night" erst die Grillen zirpen und dann der Trintonus, der "Diabolus in Musica", Unheil verkündet, wenn der Titelsong in sich zusammenfällt und jazzige Tupfer neben hallende Gitarren setzt, geht hier alles klar. Kaum ein Song unter fünf Minuten, viel Platz für instrumentale Passagen, die nicht virtuoses Prog-Kino sind, sondern eher Jam-Charakter haben. Live im düster-verrauchten Club sicher auch eine gute Wahl.

"Cold River" von Mountain Witch ist am 25. Oktober via This Charming Man Records erschienen. Bei Bandcamp könnt Ihr das Album hören.

Mittwoch, 13. November 2013

Frank Turner live bei Jimmy Kimmel



Yeah, Frank Turner bei Jimmy Kimmel! Mehr brauch ich da gar nicht sagen. Außer: Kommt bald wieder nach Lindau, Frankieboy!

Dienstag, 12. November 2013

Hörtest: The Bouncing Souls / The Menzingers Electric Split 7''

Die Seven Inch ist vielleicht ein noch besseres Download-Gegenmittel als eine ganze Platte. Denn die Siebenzoll-Scheibe ist hochkonzentrierte Reduktion aufs Wesentliche. Vier Songs. Mehr geht kaum. Dadurch hört man vielleicht genauer hin. Die Bouncing Souls und The Menzingers zeigen, wie's geht. Ihre Split-7'' ist ein echtes Highlight. Und mit einer schmalen Auflage von 100 Stück auch schon ausverkauft. 

Verdammt. Zu lange gezögert. Denken sich viele, die dieser Tage im Netz unterwegs sind. Man kauft so viel, und es wird vieles nicht wertvoller. Wie mit dem Kleinwagen, der die Hälfte an Wert verliert, wenn man vom Hof des Autohändlers fährt. Diese Split hier könnte eine Kapitalanlage werden. Pff, Kapitalanlage. Was ein bescheuertes Wort in einer Musikrezi über eine Punkrock-Kollaboration. Das Schöne: Wer sie hat, wird sie wohl nicht mehr verscherbeln. Denn die schwarzgelbe Miniplatte kann was. Seite eins haben die dienstälteren Punks aus New Jersey gepachtet. "Blackout" eröffnet den Reigen und hat alles, was man an den Bouncing Souls liebt. Tempo, gute Melodien, den prägnanten Bass, die anschiebenden Drums und Greg Attonitos schon so gewohnte Stimme. Der Song rangiert in der selben Hitliga wie "Comet", das Titelstück des aktuellen Albums der Band. Mit "Burn After Writing" haben sich die Souls dann meinen Lieblingssong der Menzingers ausgesucht. Und es ist schon erstaunlich: Es ist derselbe Song, die Instrumente unterscheiden sich vermutlich auch nicht groß - und trotzdem bekommt das Stück einen ganz anderen Charakter. 

The Menzingers dann mit ihrem durchdachten, frischen Sound. "The Shakes" hätte auch auf dem genialen "On The Impossible Past" stehen können. Tom May reißt mit seiner Stimme hier alles raus, und man würde sich wünschen, diesen Song mal von Social Distortion nachgespielt zu hören. Würde sicher auch gut passen. "Kate Is Great" büßt dann den Reggae-Touch, den das Boucing Souls-Original hat, weitgehend ein, bekommt dabei aber einen verdammten Arschtritt und rockt hart.  Aufgenommen haben die Musiker alle Songs unter der Regie von Bouncing Soul-Gitarrist Pete Steinkopf im Little Eden Studio in New Jersey. 

Vier Songs. Vier Volltreffer. Sieben Zoll. So einfach kann das Leben sein. 

Die Split Seven Inch von Bouncing Souls und The Menzingers ist am 8. November via Uncle M erschienen. 

Montag, 11. November 2013

Video: The Sensitives - Old Fashioned Fuck Off



 "Please understand that I don't want to see you dead. But if one day there is justice you'll burn in hell":  Diese schöne Zeile begegnet uns im Song "Old Fashioned Fuck Off" der schwedischen Punkrocker The Sensitives. Das Trio aus Falun hat jetzt auch ein Video dazu veröffentlicht. Das Stück stammt vom aktuellen Album "Boredom Fighters". Anlässlich des Debütalbums "Poetry as hollow as can be" hab ich im April 2012 etwas über die Band geschrieben und sie haben extra fürs Blog ein Videointerview aufgezeichnet. Hier entlang, solltet Ihr das verpasst haben.

Sonntag, 10. November 2013

Hörtest: The Sky We Scrape - Divides

Rauer Punkrock mit Hardcore-Einflüssen. Schnarch? Au contraire, wie der Franzose sagt. The Sky We Scrape schaffen es, nicht zu langweilen mit ihren kompakten Kraftpaketen von Songs.

Wenn Biffy Clyro nicht auf verschachtelte Mini-Epen setzen würden, wie sie auf dem diesjährigen Doppelalbum "Opposites" zelebrieren, könnten sie klingen wie The Sky We Scrape. Dieser Eindruck zuckt einem zumindest bei den ersten beiden Songs "Sing your way home" und "Nocturnal Americans" durch den Kopf. Ansonsten sagen aber eher Gastmusiker und Produzent des Albums etwas über die Richtung aus, die das Quartett aus Chicago hier einschlägt: Bei "Albatross" singt Garrett Dale (die Reibeisenstimme vom Roten Stadtradio) mit, das Mastering besorgte ausnahmsweise mal nicht Bill Stevenson, aber dafür Stephen Egerton (The Descendents).

Die Musiker haben ihre Lektion gelernt: Da gibt es etwa in "The Shortest Distance" den Drama-Faktor von Alkaline Trio, an anderer Stelle begegnen einem die Emo-Ambitionen von Jimmy Eat World. Und das mag zwar weder innovativ noch klassikerverdächtig sein, hat aber in seiner drängend vorgetragenen Art und Weise Charme und Biss. Die Songs sind clever strukturiert, aber nicht kopflastig, und zwar schnörkellos, aber nicht platt. Die Vocals teilen sich die Männer an Gitarre und Bass. "This is not how we end - this is how we begin" heißt es am Ende der Platte. Geht in Ordnung.

"Divides" von The Sky We Scrape ist am 8. November via Gunner Records erschienen. Mehr Infos unter http://theskywescrape.bandcamp.com und www.theskywescrape.net. Hier gibt's noch das Video zu "Sweet Vermouth":

Freitag, 8. November 2013

Arcade Fire bei Jimmy Kimmel



Ich sollte wohl öfter bei Jimmy Kimmel reinschauen. Richtig viele und gute Live-Auftritte gibt's auf dem Youtube-Kanal des Talkmasters, der derzeit in der Kritik steht. Stein des Anstoßes: Eine Szene, in der er Kinder befragte, wie die USA China die Schulden zurückzahlen können. Ungeachtet dessen: Schaut mal, was Arcade Fire hier abliefern. Eindeutig meine Platte des Jahres, die "Reflektor". Eindeutig.

Donnerstag, 7. November 2013

Franz Ferdinand live bei Studio Q



Wenn man sein neues Album irgendwo präsentiert, spielt man am besten - keinen Song davon, sondern einen alten Klassiker. Diese kuriose Strategie haben jedenfalls Franz Ferdinand bei ihrem Auftritt bei Studio Q verfolgt. Statt etwas von "Right Thoughts, Right Words, Right Action" zu spielen, boten die Schotten den Song, mit dem alles angefangen hat: "Take Me Out". Leider in einer etwas lahmen Version. Was los, Jungs?

Mittwoch, 6. November 2013

Hörtest: Robert Pehrsson's Humbucker

Es ist nur Rock'n'Roll - aber ich mag es: "Robert Pehrsson's Humbucker" ist Classic Rock wie er sein soll. Gut abgehangen, breitbeinig. Und dieser Schellenkranz.

Der schwedische Gitarrist Robert Pehrsson dürfte vielen durch sein Mitwirken bei Bands wie Imperial State Electric und Death Breath sein. Wer jetzt an Nicke Andersson denkt, weil der Ex-Hellacopters-Fronter ebenfalls bei beiden genannten Bands an Bord war, liegt nicht falsch. Denn was uns hier erwartet, klingt genauso extrem nach Classic Rock als hätte Mr. Andersson mitgemischt. Ach, hat er auch? Und wer noch? Dolf De Borst? Tomas Eriksson? Also quasi drei Viertel
der aktuellen Imperial State Electric Besetzung?

Tatsächlich klingt das Solodebüt des Gitarristen so dermaßen nach den Hellacopters, dass mancher laut jubilieren dürfte, während andere vielleicht fragen, warum man jetzt noch eine Platte braucht, die nach schwedischem Rotzrock klingt. Simple Antwort: Weil es schwedischer Rotzrock ist! Was soll der gute Mann auch sonst machen? Angejazzten Dubstep? Folkloristischen Walgesang? Offenbar sind in Schweden noch mehr Menschen mit dem KISS-Virus infiziert. Hört Euch nur mal "Haunt My Mind" und "Serious" an, die beiden ersten Stücke der Platte. "Keep Me In Your Heart" protzt mit einem gleißenden Gitarrensolo, "Cant't Change" zeigt sich von der beschwingten Moetown-Seite mit Fender Rhodes-mäßigen Klängen.

Dass das Titel nach dem Tonabnehmer benannt ist, der vor allem in Gibson-Gitarren für einen dichten, fetten Klang steht, ist kein Zufall: Ein paar Sekunden weiter jaulen die Stromgitarren, die Drums peitschen, und das alles ist so knochentrocken produziert, dass niemand schreien kann "Aber mein Bass ist zu leise". Die Twin-Guitar-Attacke "Who Else Is In Your Mind" klingt nach Zeitreise in die 80er, da schmilzt die Gibson Les Paul einem die Tränen aus den Kanälen. Wer Innovation sucht, ist hier falsch. Fans von Gitarrenriffs, die aus massivem Holz geschnitzt sind, kommen an "Humbucker" aber nicht vorbei.

Das gleichnamige Debüt von Robert Pehrsson's Humbucker erscheint am 8. November via High Roller Records. Mehr Infos unter http://www.facebook.com/robertpehrssons.humbucker. Das Video zu "Haunt My Mind" seht Ihr beim Rock Hard.

Dienstag, 5. November 2013

SZene-Hörtest: Arcade Fire - Reflektor

Was haben denn alle? Ist doch ein Spitzenalbum. Für mich jedenfalls ist "Reflektor" von Arcade Fire eindeutig die Platte des Jahres. Bin ich jetzt Kommerz? Gewinn ich damit noch irgendeinen Abgrenzungswettbewerb? Ach egal. Fakt ist: Die Kanadier schaffen es auch mit ihrem vierten Album, all die Emotionen zu wecken, die Musik meiner Meinung nach auslösen sollte. Euphorie, Melancholie, es fordert, es verwirrt, und es ist wie nichts, was ich jemals gehört habe. Das war bei Arcade Fire immer schon so. Und es hat sich nicht geändert. Und das Verrückte: Ich mag die Musikstile nicht besonders, mit denen sie experimentieren. Geh mir weg mit Disco. Und lass mich in Ruh mit Dub. Das hier - ist trotz allem einfach ein Meisterwerk. Aber wem sag ich das - you already know. Eine ausführliche Geschichte von mir zum Album ist auf der SZene-Seite in der Dienstagausgabe der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr sie lesen.

Montag, 4. November 2013

QOTSA bei Conan O'Brien



Endlich mal wieder gute Musik bei Conan! Queens of the Stone Age, können die auch schlechte Auftritte hinlegen?

Mein Interview mit Josh Homme, solltet Ihr es verpasst haben, gibt es übrigens hier. Und eine Besprechung der aktuellen Platte "Like Clockwork" ist auch da. .

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Sonntag, 3. November 2013

Lieber im Van schlafen als auf der Couch verfetten: Ex-Dropkick Murphys Gitarrist Rick Barton im Interview

Er hat die Dropkick Murphys mit begründet, heute schläft er im Van: Rick Barton hat Pech gehabt. Aber der 52-Jährige scheint seinen Frieden gemacht zu haben. Bei seinem neuen Projekt Continental steht er mit seinem Sohn Stephen auf der Bühne. An Halloween war Barton im kleinen oberschwäbischen Städtchen Aulendorf zu Gast. Vor dem Auftritt im "Irreal" hatte Daniel Drescher von Tinnitus Attacks die Gelegenheit für ein Interview mit Rick Barton. Ein Gespräch über seine Musik, seine Fehltritte - und wie man sich nachts im Auto warmhält. Damit es nicht nur die Fans hierzulande verstehen, im Englischen Original abgetippt. 

Rick, you've recently published your album „All A Man Can Do“ with your new band Continental in Europe. Now you're on tour with your son. How's it going? 

We've been touring together for over three years now. We've gone all the way from hating each other to accepting each other. We didn't know what it would be all about. I don't recommend it, parents and children living together when they're older. He's 23 now. What I've done is I eliminated the whole father-son-relationship and basically treat him like another band member. That's the only way it works.

It's not very common, a father and his son playing together in a band. Most parents would try to stop their children from becoming musicians, „Go and do something solid“, that kind of story. 

I told my son to quit college to come on the road...

Just the other way round...

Yeah, but look, now he's in Europe, he's meeting new people. It's an education...it's free.

Your son encouraged you to record an album when he heard a new song from you. Can you tell us about how it started with Continental? 

Rick Barton bei seinem Auftritt mit Continental
in Aulendorf.                      Foto: Daniel Drescher
Basically, I had a batch of songs. I had never heard Stephen playing the bass, so I didn't know if he was any good. But he was pretty smooth and I was like: Wow, he can really play. And the drummer and the guitar player were really good. They were kids, friends of Stephen. They didn't want to go on tour so we had to find new musicians for the tour. But back then it was kind of fun, almost like taking them on a camping trip or playing baseball.

Where's your homebase in the US? 

I don't live anywhere. I live in my van. I've been four years homeless.

So you just travel around? 

That's it, I travel around. I play music. And I paint houses. That's my job, that's how I make a living. I decided that I can't have a homebase. A lot of people take me in. I do painting jobs, they let me live there. But I mostly sleep in the van, at night it's fresh air, but I have a little dog named Brutus. He keeps me warm.

Most people would find that rather unsettling. 

A lot of people do find it unsettling. You know what my mother says? „You don't even have a goddamm closet.“

But it's okay for you? 

Oh, it's ok for me. I love it. It keeps me moving. I'm not sitting down with a remote control getting fat and watching TV. I'm not wasting my life on a couch. I'm 52 years old and this is the life I've chosen. Right, Stephen? (yelling towards his son, who's on stage and soundchecking). He loves it and want's to move to Europe.

Stephen comes over from the Soundcheck and asks what his father is talking about. 

You want to move somewhere Special? 

Stephen: Somewhere weird. In the east. Romania, Slovakia, Serbia...(and he's off again).

Rick: It's very cheap there.

Have you been there on tour? 

Rick: That's where we started our tour. We were in Austria and then headed for the eastern part of Europe. It was good. People were coming out to the shows.

You were a founding member of the Dropkick Murphys...

Yeah, I started that band.

...and I heard you had some problems with the copyrights for the songs. 

Well, I just sold everything. But I didn't get as much money as I should have. I didn't have enough representation. I was really dumb. But that's the way it goes in life. You make bad choices. I'm not really a money man. I do so much better when I just have enough to get by. Just make sure I get my coffee in the morning, feed myself, feed my dog...that motivates me to keep going. If I had lots of money, I might sit on that couch and get fat.

But if you look at them now, they are rockstars...

They're huge! They just were a part of the the world series. Did you see it? Ken Casey sang the national anthem at the Red Sox Game.

Are there moments when you think: Could be me up there on the stage? 

No, because it couldn't have been me. I was like a wild card. It wouldn't have worked. Kenny and I...I don't know if we were too similar or to clashing, but we always fought. We were friends, but we battled all the time. So it couldn't have been. No, I don't have regrets. I like being here. Kenny jets around the world like a rockstar. I might look like a rockstar but that's just not my style. I'm way nore simple than that. I'm don't do the whole rockstar thing very well.

The band „Everybody Out“ is also your creation. 

Oh yeah! I didn't know anyone knew that. Did you ever listen to it?

Yeah, I stumbled upon the song „All I Got“ and was searching all over the place for the record...after a few months, I finally found it. It's a fantastic record. 

You think so? Wow! What are songs you like? „Billy Cole“?

Yeah, but first and foremost „All I Got“. 

How does it go? I don't even remember.

Dadadada-da-dadadada.... (Tinnitus Attacks singing the song „All I Got“). 

That was me and a singer from england, Sweeney. Once again, we ended up battling and hating each other. But pretty much it was my songs. I have to listen to it again. Haven't done that since I made it. Wow.

Can you tell me something about the musical styles that we can listen to on your new album? I had to think of Bob Dylan. 

Really? That's great. We were described by a soundman on the US tour: If Paul Westerberg from the Replacements joined the Rolling Stones, that's what it would sound like. But Bob Dylan – I love that. We're like an old school rock'n'roll band. The kids, they like that kind of music. Things are different now. When I was a kid, you liked the things that were current. You didn't listen to older music. Nowdays kids listen to everything. Thanks to the Internet. The Stones are still popular -  50 years later. Bob Dylan is still popular – 50 years later.

Do you think current music will be popular in 50 years? Lady Gaga and stuff? 

I don't know. Maybe not. But Against Me! will be, if they keep progressing. But I don't know what's happening with that band.

They will put out their new album in January 2014. 

Oh really? I can't wait to hear it. I talked to the guys in the band and they said it was unbelievable. I love that band. I see them whenever I get a chance. They have been a band for 20 years. But I still think of them them as a modern band. They are timeless. When Laura – formerly Tom – sings, it sounds incredible.

Is that the music you listen to in private, also lots of punkrock? 

I don't listen to a lot of punkrock. The last or years, I've been driving around in my van and I listen mostly to the things they are playing. I'm not really a music fan that much anymore. I mean, I used to buy the CDs and the albums. I have them in my practice space. When I went on the road, I saved CDs and books. That was it. I have a bunch of cases filled in my practice room, that's where I keep my stuff. But I don't bother, CDs are not even practital anymore. Someday, when I'm older and have a little house somewhere, I'm gotta get a turntable and a stereo and I'm gonna buy records again. Gonna take me back to when I was a kid. Vinyl.

Do you have one ore a few books that are essential to you? 

A spiritual book: The Wise Heart by Jack Cornfield. I keep that one all the time. And my favorite book of all time could be Prayer for Owen Meany by John Irving. It's incredible.

John Irving's the best. That book was so heartbreaking. 

I know. But beautiful at the same moment. That's what life is all about.

The only book that has gotten to me so much as Owen Meany was „Extremely Loud and Incredibly Close“ by Jonathan Safran Foer. It's about a boy who lost his father in the 9/11 terrorist attacks. Then he find's a key in the things his father left. And he wants to find the lock to that key. 

I've heard about that. Didn't they make a movie out of it? I should read the book.

Später nach dem Interview entern Rick Barton und sein Sohn plus Sidekicks die Bühne. Leider scheint der 31. Oktober nicht der optimale Konzerttermin zu sein. Rund 20 Menschen sind da, im Nebenraum leert die Dorfjugend Bierstiefel. Zupackende Rock'n'Roll-Songs wie "Wrecking Ball" hätten ruhig auf ein bisschen mehr Euphorie stoßen dürfen. 

Mehr Fotos gibt's hier

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Fotogalerie: Continental in Aulendorf

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Continental in Aulendorf, ein Album auf Flickr.
Continental, Rick Bartons neue Band, im Irreal am 31. Oktober. Hier die Bilder.

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Happy Halloween: Fünf gruselige Videos zum Fest der Kürbisköpfe

Was wäre Halloween ohne Horrorfilm-Marathons, ohne cheesy Deko - und ohne den passenden Soundtrack? Fünf Songs, die so gruselig sind, dass Euch die Süßigkeiten aus der Kauleiste fallen.

5.) Sentenced - Killing Me, Killing You: Die finnische Metal-Band Sentenced war immer für düstere Songs gut. Gruselig weil: Tod, Vergänglichkeit - damit will sich doch niemand beschäftigen. Andererseits: Death sells. Ein Blick auf Literatur, Filme und Popkultur reicht als Beweis.



4.) Dimmu Borgir - Progenies of The Great Apocalypse: Black Metal mit Orchester. War damals im Trailer zu "Hellboy" zu hören. Nackte Frauen, Killernieten, Ketten, Corpspaint: Die Norweger fahren alles auf. Ein paar Jahre später kommen Liturgy und verbannen all diese Spielereien, um in Jeans und T-Shirt Black Metal zu spielen. Gruselig weil: Man niemandem wünscht, in derartigen Outfits auf die Bühne gehen zu müssen. Obwohl, zu Halloween...



3.) Nine Inch Nails - The Fragile: Ernsthaft: Die Nine Inch Nails waren Ende der 90er die Band, die man zu Halloween hören musste, wenn man wirklich Stimmung haben wollte. Mit ihrem irren Soundmix machte Mastermind Trent Reznor die Band ganz groß. Und Soundtrack-Beiträge wie "Dead Souls" für The Crow oder "The Perfect Drug" für Lost Highway sind immer noch ganz groß. Da ich das schon mal gepostet habe, gibt's hier mal was anders, meinen Fave "The Fragile". Gruselig weil: Weil.



2.) Cradle of Filth - Malice Through The Looking Glass: Englands Black-Metal-Superseller haben mich Ende der 90er zu Tode erschreckt mit dem Song. Sowas hatte ich echt noch nicht gehört. Wenn man sich dann näher mit der Band beschäftigt hat, verlor sie allerdings schnell ihren Schrecken. Heute lacht man über sowas. Gruselig weil: Unfassbar, dass ein Mann seine Stimme so derart verstellen kann.


1.) Britney Spears - Toxic: Da muss ich wohl nicht viel zu sagen. Gruselig weil: Es Leute gibt, die das für Musik halten.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Video: Frightened Rabbit - Holy



Frightend Rabbit sind auch so eine Band, die perfekt für dieses Jahreszeit ist. Jetzt haben die Schotten ein Video zu "Holy" veröffentlicht. Der Song stammt vom Album "Pedestrian Verse", das Anfang des Jahres erschienen ist.

Dienstag, 29. Oktober 2013

Imperial State Electric: Neues Album "Reptile Brain Music" in Sichtweite



Man denkt ja immer, so im Oktober müsste das Plattenjahr dann gelaufen sein. Aber dann kommen sie nochmal, die Veröffentlichungen, die einen abhalten, schon mit der Topliste fürs Jahr zu beginnen.

Denn The Hellacopters sind zwar Geschichte, aber es leben Imperial State Electric. Die Band von Nicke Andersson, Kiss-Freak, Gitarrenverrückter, Songkoryphäe, veröffentlicht ihr drittes Album. "Reptile Brain Music" erscheint am 29. November. Glaubt man der Promo-Info, treffen hier „Beatles“ auf „Chuck Berry“ und verschmelzen zu einer explosiven „Kiss“-Show (allerdings ohne Make-Up, würde ich sagen). Wer die Band kennt, kann sich das gut vorstellen. Hört nur mal den Song "Reptile Brain", bei dem Dolf de Borst (kennt man von The Datsuns) die Lead Vocals übernimmt.

Ach ja, da kommt noch was demnächst. Ich sag bloß: Diktiergerät. 

Hier die Trackliste: 

1. Emptiness Into The Void
2. Underwhelmed
3. Faustian Bargains
4. Reptile Brain
5. More Than Enough Of Your Love
6. Dead Things
7. Apologize
8. Stay The Night
9. Eyes
10. Born Again
11. Nothing Like You Said It Would Be
12. Down In The Bunker

Und es gibt auch eine Tour dazu. Imperial State Electric sind mit Dregen auf Tour, dem früheren Gitarristen der Hellacopters. Dregen pusth sein Soloprojekt dabei. 

1 Dec - Cathouse / Glasgow / Scotland
2 Dec - Borderline / London / England
3 Dec - Fleece / Bristol / England
4 Dec - La Boule Noir / Paris / France
5 Dec - Tivoli De Helling / Utrecht / Holland
6 Dec - Werkstatt / Cologne / Germany
7 Dec - Knust / Hamburg / Germany
8 Dec - Matrix / Bochum / Germany
9 Dec - Magnet / Berlin / Germany
10 Dec - Backstage / Munich / Germany
11 Dec - Komplex / Zurich / Switzerland
13 Dec - RnR Arena / Romagnano Novara / Italy
14 Dec - Rock Planet / Pinarella Ravenna / Italy

Montag, 28. Oktober 2013

Tourtipp: Adam Rubenstein macht den November erträglich



November, das ist doch dieser deprimierende graue Monat mit Kälte, Trauertagen und vielleicht auch Schnee. Damit es nicht nur düster bleibt, hätte ich da einen Tipp: Adam Rubenstein kommt auf Tour. Der Chamberlain-Gitarrist hat die Songs seines Albums "Excavator" im Gepäck. Eindeutig: Hingeh-Empfehlung.

Hier die Tourdaten:

07.11. DE, Stuttgart @ Kap Tormentoso w/ Stumfol
08.11. DE, Aulendorf @ Irreal w/ Stumfol
09.11. DE, Neunkirchen @ Stummsche Reithalle w/ Rob Moir
10.11. CH, Lüchingen @ Bändruumkonzi
12.11. DE, Nürnberg @ Matahari Bar
13.11. AUT, Wien @ The Loft w/ James Choice
14.11. DE, Aßling @ Hausshow (Franzi's Birthday)
15.11. DE, Enkirch @ Tom's Musikkeller
17.11. DE, Hamburg @ House Show w/ John Allen
18.11. DE, Berlin @ Silver Disc (Wrangelstraße) (Early Instore Show)
18.11. DE, Berlin @ Ramones Museum
19.11. DE, Braunschweig @ Cafe Riptide
20.11. DE, Köln @ Weltempfänger
21.11. DE, Wuppertal @ Cargo Records (Early Show)
21.11. DE, Schwelm @ 100Kilo Herz
22.11. DE, Münster @ Tante August
23.11. DE, Hamburg @ Freundlich & Kompetent
24.11. DE, Kassel @ Südstadt
25.11. CH, Luzern @ Gleis 13
26.11. DE, Freiburg @ Eschholz 54
27.11. DE, Stuttgart @ Ratzer Records

Sonntag, 27. Oktober 2013

Zum Tode von Lou Reed



Eine Stimme, die für immer verstummt ist: Lou Reeds unnachahmliche Stimme werden wir fortan nur noch auf Platte hören. Der amerikanische Sänger ist am Sonntag im Alter von 71 Jahren verstorben.  Mit dem Tod von Lou Reed verliert die Welt einen außergewöhnlichen Musiker. Nicht nur mit Velvet Underground, sondern auch solo hat der New Yorker tiefe Spuren hinterlassen. Es lohnt sich, mit dieser Figur des Rock'n'Roll sich näher zu befassen. Oben seht Ihr eine Dokumentation aus der "American Masters"-Reihe.

Samstag, 26. Oktober 2013

"Ich wünschte, ich hätte die Kontrolle über die Musik": Josh Homme von QOTSA im Interview

Immer die gleiche Frage: Man interviewt jemanden, den man als großartigen Musiker kennt und zu dessen Platten man nicht nur einen Bezug hat, sondern eine Beziehung. Ob "Songs for the deaf" oder der Nachfolger "Lullabies to paralyze", von dem mich "Everybody knows that you're insane" auf unzählige Mixtapes gespielt habe - die Queens of the Stone Age sind ein wichtiger Bestandteil meiner musikalischen Identität. Umso großartiger, dass es jetzt die Gelegenheit gab, Josh Homme zu interviewen. Das Telefonat war alles, was ich mir erhofft hatte. Der Mann, der mit Bands wie Kyuss Geschichte schrieb, war ein Profi im Interview, aber trotzdem nicht abgehoben. Mit einem Wort so wie er sich auch auf der Bühne gibt: cool. Das Resultat des 20-Minüters ist am heutigen Samstag in der Wochenendbeilage der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr das Interview lesen.

Freitag, 25. Oktober 2013

SZene-Hörtest: Pearl Jam - Lightning Bolt

Sie hat schon ein paar Tage auf dem Buckel, aber da die Platte sicher noch nicht in jedem Regal steht, passt das schon. Pearl Jam haben mit "Lightning Bolt" dieser Tage den Nachfolger zum hochgelobten "Backspacer" raus. Eine Plattenkritik aus meiner Feder dazu ist am 15. Oktober auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild kommt Ihr zum Artikel.