Mittwoch, 31. Oktober 2012

This is Halloween: Der Soundtrack zum Düster-Fest

Halloween ist hier! Zum düsteren Fest der passende Soundtrack. Hier meine Top Five der Lieder und Videos, die am besten zum All Hallows Eve passen.

Nr. 5: Type O Negative - Black No. 1
Type-O-Negative (Black #1) RIP from kikanshathomas on Vimeo.

Nr. 4: Murder By Death - White Noise
Murder By Death - "White Noise" from MaricorMaricar on Vimeo.

Nr. 3: Marilyn Manson - This is Halloween
Marilyn Manson - This Is Halloween (Live on Jay Leno) from High and Overneath on Vimeo.

Nr. 2: Stabbing Westward - Save Yourself
Stabbing Westward "Save Yourself" from Chuck Doud on Vimeo.

Nr. 1: Nine Inch Nails - The Perfect Drug
Nine Inch Nails: The Perfect Drug (1997) from Nine Inch Nails on Vimeo.

Dienstag, 30. Oktober 2012

Video: Firewater - "A Little Revolution"


So ne gebrochene Kniescheibe hält einen echten Revolutionär doch nicht auf: Das neue Video von Firewater ist da: Zu "A Little Revolution", dem Opener der aktuellen Scheibe "International Orange", gibt s einen kreativen Clip.

Kürzlich hatte Tod Ashle in Istanbul bei einem Backstage-Unfall das Knie zertrümmert hat, was dazu führte, dass die gesamte Europa Tour abgesagt werden musste. Die neuen Tourtermine stehen aber schon fest.


FIREWATER  - on tour
praesentiert von Laut.de, Gaesteliste.de
22.02.2013 CH - Zürich- Exil
23.02.2013 CH Bern- Reitschule
25.02.2013 CH Basel - Kaserne
26.02.2013 CH Geneva - L'Usine
01.03.2013 AT-Ebensee, KV Kino Ebensee
03.03.2013 AT-Graz, PPC
04.03.2013 AT-Vienna, Szene
05.03.2013 CZ-Prague, Rock Cafe TBC
06.03.2013 Bielefeld, Forum
07.03.2013 Regensburg, Alte Mälzerei
08.03.2013 AT-Steyr, Kulturhaus Röda
09.03.2013 Lindau, Club Vaudeville
10.03.2013 TBA
11.03.2013 TBA
12.03.2013 Berlin, Lido
13.03.2013 Bremen, Tower
14.03.2013 Cologne, Underground
15.03.2013 Stuttgart, Universum

Montag, 29. Oktober 2012

Titus Andronicus: Support your local dealer!

Gute Nachrichten für Fans von Pubrock im Sinne von The Hold Steady: Titus Andronicus haben seit vergangener Woche ein neues Album raus. Die neue Scheibe nennt sich "Local Business", wird von einem schlichten roten Cover mit weißem Schriftzug geziert und ist hierzulande bisher leider nur als Import erhältlich.

Auf ihrer Internetseite erklären die Indie-Punkrocker aus New Jersey, was es mit dem Albumtitel auf sich hat. Es geht nämlich tatsächlich um die Unterstützung fürs Lokale. Unter dem Hashtag #localbusinessforever kann man der Band Empfehlungen für Restaurants, Plattenläden und vieles mehr twittern, die auf der Tourroute liegen. So will das Quintett verhindern, dass es sich bei großen Fastfood-Ketten und Megamärkten versorgen muss. Es gibt auch eine Internetseite für dieses Projekt, wo man nachvollziehen kann, wer zu welchem Thema getwittert hat.

Wer sich einen Eindruck vom Sound des Albums verschaffen will: Den Clip zu "In A Big City" und ein Lyrics-Video zu "Still Life with Hot Deuce and Silver Platter" seht Ihr hier.

Sonntag, 28. Oktober 2012

Sonntags-Soirée: Samiam – Complete Control Session


1000 Menschen werden diese Platte im Regal stehen haben. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, wie viele Zuschauer sich ein Fußballspiel anschauen. Der Vorteil: Kostet viel weniger als ein Spiel und man kann sie auflegen so oft man will. Ach ja: Klingt auch viel besser. 

Samiam gelten als unverzichtbar, wenn man auf emotionalen Punkrock mit hartem Kern steht. Insofern war es nur eine Frage der Zeit, dass in der beliebten „Complete Control“-Reihe eine Platte der San-Francisco-Clique erscheint. 900 orangene Vinyl-Scheiben existieren, eine nochmal besonders limitierte Edition in lila Vinyl gibt es 100-fach ebenfalls. Alles in 12'' (ok, den digitalen Download gibt's natürlich auch). Das stilvolle Cover stammt von El Jefe, der von Chuck Ragen über Title Fight bis zu The Gaslight Anthem verschiedene Künstler der Szene mit seinen Artworks versorgt hat.

Jason Beebouts unverkennbare Texte sind ähnlich wie die von Hot Water Music: Oftmals wie für die Tattoonadel gemacht, Parolen oder Slogans, die man sich zum Motto macht. „I Forgot How Good It Feels To Be Part Of A Spinning Wheel“ heißt es in „Dull“ zum Beispiel, ein Szene-Credo sondergleichen.

Vor 24 Jahren gründete sich die Band, die mit Alben wie „Clumsy“, „You Are Freaking Me Out“  und „Astray“ für Furore in der Szene sorgte. Im Frühling dieses Jahres  gingen sie in eine Radiostation in Los Angeles. Dort spielten sie die sechs Songs live ein. Seit neun Jahren holt sich Joe Sib, Gründer des Labels Side One Dummy, Größen der amerikanischen Punkrockszene ins Haus, um diese Sessions dann nach dem Vorbild des verstorbenen UK-Moderatoren John Peel über den Äther zu senden.

Die Versionen der Songs, die wir hier hören, klingen schön roh und direkt, eben live fürs Radio eingespielt. Das hektisch riffende „Wisconsin“, das mit Core liebäugelnde „September Holiday“. Songs, die einem klar machen, warum man auf dieser Seite steht und nicht Rihanna-CDs im Handschuhfach liegen hat. Die bombige Produktion von Bill Stevenson (Descendents) tut ihr übriges. „Take Care“ mahnen Sie uns. Machen wir.

Die „Complete Control Session“ von Samiam ist am 26. Oktober via Side One Dummy erschienen. 

Samstag, 27. Oktober 2012

Video: Brian Fallon covert "Everlong"

Eben haben wir noch Elisha Cuthbert durch das neue Gaslight-Video stolzieren sehen, jetzt überrascht uns Brian Fallon mit einem Akustik-Cover des Foo-Fighters-Evergreens "Everlong". Mit gewohnt zwischen brüchig und gepresst schwankender Stimme zeigt der Sänger der New-Jersey-Größe, dass gute Songs eben nur Stimme und Gitarre brauchen. Wäre doch auch ein prima Bonustrack für Handwritten gewesen, oder?

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Simpsons-Stimme Harry Shearer live bei Conan O'Brien

Harry Shearer kennt Ihr, oder? Ich sag nur Spinal Tap. In der großartigen Rock-Mockumentary spielte er den Bassisten Derek Smalls, aber einem größeren Publikum wurde der in Los Angeles geborene Schauspieler als Synchronsprecher bei den Simpsons bekannt (unter anderem als Mr. Burns, Ned Flanders, Reverend Lovejoy und viele viele weitere). Ich war überrascht, ihn jetzt bei Conan O'Brien zu sehen. Dort präsentierte er, unterstützt von Fountains of Wayne, einen Song seines neuen Albums "Can't Take a Hint More". Ja, "Celebrity Booze Endorser" klingt wie von einer gelben Comicfigur gesungen - und darum sehr amüsant. Ach ja, zur Erinnerung hier nochmal der Trailer von Spinal Tap.

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Hörtest: Ty Segall – Twins

Seine Mutter war ein Wolf, oder? Ty Segall macht auf seinem Soloalbum knarzig-groovigen Rock mit Sixties-Schlagseite. Aber nicht so, dass man sich selbst beim Schnarchen ertappt. Was bei Retrorock ja nicht selbstverständlich ist. 

Ironisch, Gott für die Sünder zu danken, wie Ty Segall das im ersten Song hier tut. Aber konsequent. Immerhin zählt der Rock'n'Roll in den Augen einiger im Mittelalter stehen gebliebenen ja auch dazu. Und den zelebriert der Sänger und Gitarrist auf seinem neuen Soloalbum nach allen Regeln der Kunst. 35 Minuten, 12 kompakte Kraftpakete, Soli dass sich die Balken biegen. Vor allem durch die fuzzig-verzerrten Gitarren und den aus der Zeit gefallenen Gesang meint man sich in den 60ern wieder zu finden. Schlagworte wie „Love“, „Heart“ oder „Gold“ in den Titeln deuten darauf hin, dass wir es hier nicht mit einer Abhandlung über die Auswüchse des Kapitalismus zu tun haben, sondern mit klassischen Boy-meets-Girl-Geschichten. Aber ist ja auch ok so. Manche meinen, dafür sei Rock geschaffen. Ich finde: Nicht nur, und man kann es auch übertreiben, aber hier passt das vollkommen. Immer wieder lassen mehrstimmige Gesangsarrangements und Kopfstimme Psychedelic-Feeling aufkommen, vor allem, wenn wie in „Ghost“ das Tempo so dezent runtergeschraubt wird. Stones-Riffs wie in „Love Fuzz“ scheinen schon 1000fach gehört, gefallen hier aber, weil Ty Segall so begeistert von dem wirkt, was er da auf seiner Gitarre verzapft. Ach ja: Das ist Album Nummer vier in diesem Jahr, an dem der Mann beteiligt wa, der bei unzähligne Bands spielt, unter anderem bei Sic Alps. Respekt.

„Twins“ von Ty Segall ist am 12. Oktober via Drag City erschienen. Mehr: www.ty-segall.com
Hier gibt's noch das Video zu "The Hill", das Ty im Duett mit Brigid Dawson von Thee Oh Sees singt. 

Dienstag, 23. Oktober 2012

Video: The Gaslight Anthem - Here Comes My Man


The Gaslight Anthem - Here Comes My Man (Official Video) from Kevin Slack on Vimeo.
Manchmal finde es direkt gruselig, dass Bands wie The Gaslight Anthem anscheinend in meinen Kopf gucken und mit den Bildern darin Videos drehen können. Der neue Clip "Here Comes My Man" hat alles, was ich in einem Clip sehen will. Lichterketten, alte Kinos und Filmprojektoren, einen Vergnügungspark, der schön leer ist - und Elisha Cuthbert ("The Girl Next Door", "24"). Der Song stammt vom aktuellen Album "Handwritten."

Interview mit Itchy Poopzkid: "Wenn jemand behauptet, wir machen Jazz, ist das auch super"

Sie haben sich mit unzähligen Live-Auftritten einen exzellenten Ruf erspielt und gelten als die netten Punkrocker von nebenan: Itchy Poopzkid. Am 25. Januar 2013 erscheint das neue Album "Ports & Chords" der Eislinger. Tinnitus Attacks hatte ein paar Fragen an Sibbi und Panzer. Was Punkrock mit Geschirrspülen zu tun hat und warum Pfahlwurzel ein bescheuerter Bandname ist, lest Ihr hier. 

Tinnitus Attacks: Euer neues Album „Ports & Chords“ erscheint im Januar. Schon fertig aufgenommen?

Sibbi: Jepp, wir sind grade fertig geworden mit allem und haben quasi im Moment das fertige Stück Sound in den Händen und wir sind sehr sehr glücklich mit der Ergebnis. Das ist echt immer ein wahnsinnig tolles Gefühl, wenn man nach so langer Zeit mit Songwriting und Studio dann das Resultat anhören kann.

Tinnitus Attacks: Gibt's ein Konzept, das dem Album zugrunde liegt? Wovon handeln die Texte?

Panzer: Vorher ein Konzept auszuarbeiten, haben wir auch dieses mal leider wieder total vergessen.
Ich find das aber auch ganz gut, weil „Konzept“ irgendwie auch immer „Einschränkung“ heißt und mit Einschränkungen wird bei uns eh recht selten sympathisiert. Textlich geht es auch in ganz verschiedene Bereiche: Von ganz persönlichen Geschichten bis zu wütenden Protestsongs ist alles dabei. Insgesamt ist es aber ein eher positives Album, mit Texten, die einem Mut machen und zur rechten Zeit auch mal verbal in den Arsch treten.

Tinnitus Attacks: Was war diesmal anders, als Ihr das Album in Angriff genommen habt?

Keine Angst, der beißt nicht: Sibbi und Panzer
 (links und rechts) standen Tinnitus Attacks Rede und
Antwort. Foto: Finja Nissen
Sibbi: Max war mit im Studio (lacht). Es war ja das erste mal, seitdem Max vor zwei Jahren zur Band gestoßen ist, dass wir in dieser Konstellation im Studio waren und es hat echt klasse funktioniert. Ansonsten haben wir auch dieses mal die Stücke wieder live im Studio eingespielt, sprich uns zu dritt in nen Raum begeben, die Türen verriegelt und losgeholzt. Man muss zwar echt ordentlich üben im Vorfeld, denn man erntet natürlich böse Blicke der anderen, wenn man nen perfekten Take kurz vor Schluss noch verkackt und alle drei dann wieder von vorne anfangen müssen.

Panzer: Außerdem waren wir größtenteils mitten während der Fußball-Europameisterschaft im Studio und standen dann schon ziemlich oft vor der Frage „Aufnehmen oder Fussball schauen?“. Im Nachhinein kann ich voller Stolz sagen, dass wir kaum ein Spiel verpasst haben.

Tinnitus Attacks: Habt Ihr bestimmte Rituale beim Songwriting? Entstehen Stücke durch konzentrierte Arbeit oder eher zufällig beim Jammen, auf Tour, zwischen Soundchecks etc.?

Panzer: Also wir sind keine Band, die auf Tour nebenher noch Songs schreibt, weil wir uns immer nur auf eine Sache konzentrieren können. Und wir sind auch keine Band, die sich im Proberaum trifft um stundenlang zu jammen, weil das was für Hippies ist. Rituale beim Liederschreiben gibt´s eigentlich auch keine. Sibbi und ich schreiben jeweils alleine zuhause oder unterwegs. Den Song „I Believe“ hab ich, zum Beispiel, während dem Geschirrspülen in meiner Küche geschrieben. Nach den ersten drei Tellern hatte ich die Idee für die Strophe, dann hab ich vier Stunden an dem Song rumgeschrieben und ihn auf meinen Kassettenrekorder aufgenommen – danach hab ich dann die Pfanne fertiggespült. Im Endeffekt arbeiten wir dann natürlich schon noch zu dritt weiter an einem Song, aber die Grundideen entstehen so gut wie nie im Proberaum.

Tinnitus Attacks: Wenn Ihr Euch so umschaut: Wen findet Ihr aktuell als Musiker überzeugend?

Sibbi: Also ich muss echt sagen, dass ich seit zwei Jahren fast ausschließlich The Avett Brothers höre. Eine Bluegrass/Country/Alternative Band aus den USA, die schon ne Menge Alben rausgebracht haben. Selten hat mich ne Band so umgehauen und das Konzert von ihnen letztes Jahr in München, wird wohl für immer das Beste bleiben, da kommt wahrscheinlich nichts mehr ran.

Panzer: Ich kaufe mir ständig unwahrscheinlich viele Platten, aber in letzter Zeit hat mich kaum etwas wirklich umgehauen. Auf der neuen Bloc Party sind zwei unglaublich tolle Songs, dafür ist der Rest aber sehr langweilig. Ah, das Album von „We are Augustines“ ist ein Hammer! Da sollte jeder mal reinhören . Und jedem Punkrocker lege ich nach wie vor die Band „Pascow“ ans Herz. Es ist ne echt Freude wie schön man Wut und Angepisstheit in Musik verpacken kann.

Tinnitus Attacks: Fühlt Ihr Euch einer Szene zugehörig oder gebt Ihr eher nichts auf Schubladen?

Sibbi: Diese Schubladen sind uns echt komplett egal. Wie Leute unsere Musik bezeichnen ist ja im Grunde genommen auch total Wurst. Wir selbst würden uns wahrscheinlich als Rock-Band bezeichnen, die Wurzeln im Punkrock hat, aber gerne und wahrscheinlich öfter als die meisten Bands über den Tellerrand weit hinausschaut. Wenn aber jemand behauptet, wir machen Jazz, ist das auch super. Wir wollen uns aber eben auch nicht durch irgendwelche Schubladen limitieren. Wenn wir dauernd erzählen würden wir wären eine krass kredibile Street-Punkband, dann könnten wir ja nie mal ne Ballade schreiben, ohne gleich Angst haben zu müssen jemanden vor den Kopf zu stoßen oder uns zu verraten.

Tinnitus Attacks: Seht Ihr Euch als Vorbilder?

Panzer: Lass mich überlegen: Wir haben weder studiert noch was anständiges gelernt, trinken durchschnittlich wahrscheinlich zu viel Alkohol und kommen trotzdem wunderbar klar. Also ganz klar: JA! - Aber im Ernst: es gibt tatsächlich viele Leute, die das toll finden was wir machen und vor allem junge Bands orientieren sich teilweise total an uns. Es gibt zig Leute, die Songzitate oder Logos von uns tätowiert haben oder andere, die ihren gesamten Jahresurlaub verbraten, um überall zu unseren Konzerten kommen zu können. Wir wissen das unglaublich zu schätzen und wir stehen selbst oft ungläubig da, wenn wir sowas mitbekommen. Ich finde es schön, wenn Leute aus unserer Musik und unseren Texten etwas positives ziehen können und sie das glücklich macht oder auf irgendeine Art und Weise hilft mit schwierigen Situationen in ihrem Leben umzugehen. Als Vorbilder sehe ich uns aber nicht.

Tinnitus Attacks: Mich hat Eure Gitarrenkoffer-Aktion sehr fasziniert. Wie kamt Ihr auf die Idee zu dieser schnieken Showeinlage?

Sibbi: Gute Frage... keine Ahnung. Wahrscheinlich haben wir mal ne Band gesehen, bei denen sich einer in ein Schlauchboot gesetzt hat und sich vom Publikum hat rumtragen lassen. Das haben wir dann einfach auf ne neue Stufe gehoben. Außerdem ist so ein Gitarrenkoffer doch viel realistischer, der liegt eh immer an der Bühnenseite rum. Welche Band braucht denn ein Schlauchboot auf Tour?!?! Da könnte man ja genau so gut nen Tannenbaum aufs Publikum legen.

Tinnitus Attacks: Bereut ihr manchmal, dass Ihr einen Namen tragt, den mancher vielleicht albern findet?

Sibbi: Jeden Tag den ganzen Tag.
Panzer: Aber es gibt zum Beispiel auch eine Band die heißt „Taproot“. Das heißt übersetzt „Pfahlwurzel“. Also sind wir noch ganz gut weggekommen.

Tinnitus Attacks: Danke für das Gespräch! 

Itchy Poopzkid gehen im Frühjahr auf Tour, unter anderem wird MxPx als Vorband dabei sein. Weitere aktuelle Konzerttermine findet Ihr auf der Internetseite der Band. Hier noch zwei Videoclips:



Montag, 22. Oktober 2012

Video: Ty Segall live bei Conan O'Brien

Eine Dosis Rock zum Montagmorgen: Von diesem talentierten jungen Mann hab ich kürzlich die neue Soloplatte im Briefkasten gehabt (Rezi folgt). Der Gitarrist und Sänger hat schon in vielen Bands gespielt, unter anderem bei Sic Alps. Jetzt war er bei Conan O'Brien zu Gast. Ein Auftritt, der zeigt, wo hier die Stärken liegen. Und Conan scheint's auch gefallen zu haben.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Sonntags-Soirée: ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead – Lost Songs


Der Bombast glänzt durch Abwesenheit: Auf ihrem neuen Album „Lost Songs“ werfen die texanischen Indie-Prog-Noise-Experten alle, aber wirklich alle Pomp-Kuschelkissen über Bord und packen ihre Fäuste in massive Boxhandschuhe inklusive Hufeisen. Um sich weiterzuentwickeln, blicken Conrad Keely und Jason Reece zurück auf ihre Frühphase. 

Ganz überraschend kommt diese Rückkehr zur krachigen „Source Tags and Codes“-Gangart freilich nicht. Wer die Band letzthin live gesehen hat, wie etwa beim Auftritt in Dublin 2011, der musste bemerken, wie viel Spaß das Quartett daran hatte, einfach drauf los zu trümmern, die Instrumente zu tauschen, auf Klavier-Intros zu verzichten. Und das Schöne ist ja: Diese Band kann das. Was scheinbar chaotisch wirkt, erfordert extreme Konzentration und Koordination.

Auf ein Intro verzichten Trail of Dead diesmal denn auch, eine knappe Minute lang bauen sie zwar erst kurz Atmosphäre auf, aber dann erwischt einen „Open Doors“ kalt und rennt los. Keelys charakteristische Stimme, die extrem dichte Soundwand, bei der es kein Durchkommen gäbe, wenn man gegen sie anrannte – jap, hier sind wir richtig. Dass die Gesangs-Melodielinie mit einer Handvoll Töne auskommt, tritt völlig in den Hintergrund. Zu groß die Freude, die Band mal wieder richtig losspurten zu hören.

Nicht dass wir uns falsch verstehen: Ich steht total auf die ausladenden Songkathedralen, auf das Epische, auf die Weite, die „Worlds Apart“ und die beiden Nachfolger so groß machten. Aber es geht eben auch anders. Wie sehr sich Trail Of Dead mit ihrer neu gewonnenen Freiheit wohl fühlen, zeigt auch die Länge der Songs. Alles zwischen drei und fünf Minuten. „Tao Of The Dead“ war großartig mit seinen ausufernden Krautrock-Soundscapes, aber das hier hat auch was. Und das Experimentieren, Solieren und Stimmungen verändern kommt ja auch nicht zu kurz. Eben noch groovt „Pinhole Cameras“ wie Sau, dann nimmt die Band das Tempo und Zerre raus. Vom dynamischen Verwirrspielchen mit laut und leise, hektisch und elegisch, lassen sie nicht ab. Warum auch? Nur weil das Album in Hannover aufgenommen wurde, hat ja niemand ernsthaft erwartet, dass die Scorpions auf einmal eine Rolle spielen würden. Songs herauszuheben, ist hier im Grunde Unsinn. Okay, „Catatonic“ eignet sich ganz gut als Appetizer, darum gibt’s auch ein Video, aber hier geht es nicht um Hitsingles, sondern um Exzellenz auf Albumlänge.

Jetzt muss ich mich bloß noch entscheiden, ob’s zu vorhersehbar wäre, sie damit schon wieder zur Platte des Jahres auf Tinnitus Attacks zu küren. Was will mir der Song „Time And Again“ wohl sagen?

„Lost Songs“ von And You Will Know Us By The Trail Of Dead ist am 19. Oktober via Superball Music erschienen. Neben der regulären CD gibt’s auch eine Limited Edition im 2-CD-Book mit 180 Seiten Text (inklusive vier Bonus-Songs, Exzerpten von „Strange News From Another Planet“ und Illustrationen von Allroundtalent, Sänger und Gitarrist Conrad Keely, sowie "Segued versions" der Songs auf Disc 2). 

Freitag, 19. Oktober 2012

Video: Tame Impala - Elephant

Das neue Video von Tame Impala ist da. "Elephant" ist der Vorbote des neuen Albums "Lonerism". Ach ja: Nein, mit Eurem Computer ist alles ok, das soll so aussehen.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Konzertkritik: Kraftklub in Kempten

Als ich Kraftklub das erste Mal gesehen hab, standen sie als Vorband für die Beatsteaks im Züricher Volkshaus auf der Bühne. Mein Rockbuddy und ich waren uns einig. Das war nichts für uns. Zuviel Sprechgesang, und was soll das mit dem in die Disko scheißen? Zwei Jahre später muss ich zugeben: Rock Am See hat einiges geändert. Ich hab einfach Respekt vor dieser Band, weil sie da dem Headliner Konkurrenz machte. Und jetzt auch in Kempten: Schon ziemlich überzeugend. Selten ist so viel Stimmung auf Konzerten. Ein Artikel von mir über den Auftritt am 16. Oktober in der Bigbox in Kempten ist am heutigen Donnerstag auf der Kulturseite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick kommt Ihr zu einer vergrößerten Ansicht.

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Holmes verschenken Songs und gehen auf Tour



Die Schweden von "Holmes" kommen im Oktober noch auf Touren: Wer sich darauf einstimmen will, kann sich jetzt die beiden Songs "I Will Never Be Free" und "Please" gratis herunterladen. Das funktioniert via Bandcamp-Seite der Folk-Heroen. Wer sich nochmal das Review dazu in Erinnerung rufen will: Hier entlang.

Die Tourdaten:
20.10. DE - Freiburg - Swamp
21.10. DE - Darmstadt - Bedroomdisco
22.10. DE - Würzburg - Cairo
23.10. DE - Landau - Fatal
25.10. DE - Krefeld - Kulturrampe
26.10. DE - Duisburg - TBA
27.10. DE - Graz - Postgarage
30.10. DE - Dresden - Societaetstheater

Hörtest: The Swellers - Running Out Of Places To Go EP

Melodischer Punkrock mit Pop-Zuckerguss muss nicht automatisch oberflächlicher Müll sein. Wie man's richtig macht, zeigen The Swellers aus Michigan. Deren EP "Running Out Of Places To Go" hat fünf Songs, fünf Treffer, geht leider viel zu schnell rum - und erinnert uns an den Sinn der Repeat-Taste.

So sieht die richtige Mischung aus Zupacken und Umschmeicheln aus: Würde Vokalist Nick Diener wie ein halbes Hemd klingen, käme man eventuell auf die Idee, den Sound stärker zu hinterfragen als nötig. Aber das hier klingt eben nicht nach lustigen Kiddies in Skatershorts, sondern nach gestandenen Männern, die ihre Lektion von No Use For A Name gelernt haben. Das Quartett stammt aus der krisengeschüttelten Stadt Flint im US-Bundesstaat Michigan. Genau, das Flint, in dem auch Michael Moore geboren wurde. Der Filmemacher widmete sich seiner Heimatstadt nicht nur in "Bowling For Columbine". The Swellers klingen, als ob sie sich mit dem, was um sie herum passiert, nicht abfinden wollen, aber noch nicht resigniert haben. "When the buildings fall down I'll be standing my ground". Positive Power, der Wille zur Veränderung. Im Dunstkreis von Bands wie Motion City Soundtrack und Polar Bear Club, mit denen sie unter anderem schon auf Tour waren, erspielte sich dieses Kleeblatt einen exzellenten Ruf und ist nun bei Uncle M unter Vertrag. Mit mehrstimmigen Gesängen, klischeefrei straighten Riffs und dicken Gitarren, treibenden Drums und dezentem Bass macht die EP alles richtig. Ohrwürmer, die man nicht mehr los wird. Man bekommt Lust, sich mit den Vorgängeralben "Good For Me" und "Ups And Downsizing" zu beschäftigen. Im Winter soll es auf Tour gehen. Wir sind gespannt.

Streamen kann man die EP hier: http://theswellers.bandcamp.com/album/running-out-of-places-to-go
"Running Of Of Places To Go" erscheint am 19. Oktober via Uncle M. Mehr unter http://theswellers.tumblr.com

Dienstag, 16. Oktober 2012

Firewater-Fronter nach Sturz außer Gefecht: Tour auf März verschoben


Schlecht Nachrichten von Firewater: Tod A. hat sich nach einem Auftritt Istanbul die Kniescheibe gebrochen. In einem Statement äußert er sich so dazu: "Hey everyone, I'm very sorry to tell you this news. After the Istanbul concert last night, I slipped on a cobblestone and broke my kneecap. Needless to say, I'm extremely disappointed, and very sorry for the inconvenience this may cause. Unfortunately, there's no way around it. If it was only a broken bone, I would have toured in a bloody cast. But the doctor says the knee must be immobile for several weeks after surgery, or it won't heal properly." 

Durch den Unfall verschiebt sich nun die Tour. Im November wäre Firewater z.B. auch im Club Vaudeville in Lindau zu sehen gewesen. Neue Tourdaten sind für den März bereits bestätigt. Wir trösten uns derweil mit dem Video zu "Three Legged Dog". 
Gute Besserung! 
Und hier die neuen Tourdaten:

01.03.2013 AT-Ebensee, KV Kino Ebensee 
03.03.2013 AT-Graz, PPC
04.03.2013 AT-Vienna, Szene 
06.03.2013 Bielefeld, Forum 
07.03.2013 Regensburg, Alte Maelzerei 
08.03.2013 AT-Steyr, Kulturhaus Roeda 
09.03.2013 Lindau, Club Vaudeville 
13.03.2013 Bremen, Tower 
14.03.2013 Koeln, Underground 

Montag, 15. Oktober 2012

Video: Billy Talent - Surprise Surprise

Da hat wohl jemand zuviel Sucker Punch geguckt. Billy Talent kämpfen in ihrem neuen Video "Surprise Surprise" gegen ein wahres Schweinesystem. Dabei kritisieren sie auch die kommerziellen Auswüchse des Hipster-Daseins. Wer genau hinschaut, sieht viele Anspielungen, Details, Accessoires. Die Rezi zu "Dead Silence", dem Album, aus dem der Song stammt, gibt's hier.

Sonntag, 14. Oktober 2012

Sonntags-Matinée: Captain Planet – Treibeis

Erster Gedanke: Die neue Blackmail? Der Opener „Pyro“ mit seinem Intro könnte aus der Ebelhäuser-Riffschmiede stammen. Aber dann setzt der Gesang ein und man weiß: Das hier ist was anderes. 

Vor allem, weil es nicht soooo furchtbar viele Bands gibt, die auf Deutsch singen und dabei weder pathetisch noch betroffen, weder bemüht cool noch aufgesetzt clever wirken. Captain Planet haben das Talent, Texte zu schreiben, die auf den ersten Blick kryptisch wirken, aber doch Sinn ergeben. Ein bisschen wirkt das, als ob man in einen Kopf schauen könnte, Gedankenfetzen abfangen würde, als ob man den Hirnfunk mithören würde. „Der Ostwind und das Eis/Der Schnee und dein Atem/Deine Blase und die Bar/Ihr Rauch und die Nacht/Der Morgen und die Straße/Ihre Blicke und der Bus/Dein Bett und ihr Kissen/Wieder allein, immer allein.“ Es sind Bruchstücke, aber sie wecken Erinnerungen, nachvollziehbar, hier geht es um Identifikation. Am Ende wird aus dem „Wieder allein“ ein „viva allein“, man möchte sich verschämt die Träne aus dem Augenwinkel wischen, aber sie ist festgefroren.

Treibeis ist ein treffender Titel für diese Platte, denn das „Treib-“ kommt auch im „Antreiben“ vor, und das tun die Songs, das Eis steht für die Kälte, die Captain Planet thematisieren, gleich, wo sie einem begegnet. In der Stadt, im Alltag, in der Beziehung, wo auch immer. Das Ganze verpackt in einen Mix aus Indierock und Punkrock, der gefällt. Während die Gitarren rhythmisch und herrlich roh nach vorne drängen und der Bass tänzelt, geben sich die Drums mal dezent vertrackt, mal straight, mal minimalistisch. Und immer diese Text, dass sollte jeder hören: „Dieser Bildschirm ist hinüber/Die Sekunden eingebrannt/Zeigst deine Trauer/Wie der Baum im Winter seine Nester“, heißt es in „Nest“.

Es geht um Ängste, um Selbstzweifel, das ist jetzt nicht überraschend, aber die Art und Weise, wie Sänger und Gitarrist Jan Arne das in Texte gießt, ist groß. „Und ich frag dich:/Wie gehst du nur mit den Niederlagen um?/Und du fragst mich:/Wo üben die, die immer siegen?“, so singt er in „Spielplatz“. Wie kann man nur einen genialen Song so understatement-mäßig "Aus alt mach neu" nennen, wenn er doch so einen weisen Text hat? Die können das.

Es sieht gut aus für die Band aus Hamburg, die jetzt auch den Respekt der Feuilletons genießt, die sich so selbstbewusst nach der neidlich-kitschigen Comicserie aus den 90ern benannt hat. Musik, zu der man in Sturm und Regen zum Hafen läuft und Beweise für eine alte Liebe im Wasser versenkt.

„Treibeis“ von Captain Planet ist am Freitag, 12. Oktober, via Uncle M erschienen. 
Mehr unter www.captain-pla.net. Streamen kann man das Album hier
Den Clip zu „Pyro“ seht Ihr hier. Und als weiteres Goodie: Das Intro zur Serie. Ich hab's gern gesehen.

Samstag, 13. Oktober 2012

Das neue SLAM: Mit meiner Pogues-Story und mehr

Seit gestern gibt es das neue SLAM am Kiosk. Mit an Bord in #64: Eine große Geschichte über die Pogues. Mitte September bin ich dafür nach Paris gefahren, habe mit Terry Woods ein Gespräch über Folk, Gentrifizierung und Wirtschaftskrise geführt. Und natürlich einen der beiden großen Jubiläumsauftritte im Olympia gesehen. Das Resultat lest Ihr auf zwei Seiten. Per Klick aufs Bild gibt's eine kleine Vorschau.

Plus: Eine Story über Weltmusikpunk Tod A und eine Rezi seiner neuen Platte "International Orange" in der. Unter den Plattenkritiken findet Ihr auch eine Besprechung der neuen Platte von Velvet Underground-Gründungsmitglied John Cale. "Shifty Adventures in Nookie Wood" hat es mir sehr angetan.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

I Am Kloot: Neues Album kommt im Januar + Video: Hold Back The Night


I Am Kloot - Hold Back The Night (Official Video) from PIASGermany on Vimeo.

Neues von I Am Kloot: Die Lieblinge aus Manchester veröffentlichen am 18. Januar 2013 ihr neues Album "Let It All In". Erneut saß Guy Garvey von Elbow an den Reglern. Das Video zur Vorab-Single "Hold Back The Night" gibt's hier zu sehen. Das Vorgängeralbum "Welcome To The Night Sky" war ja auch schon so toll. Und der Song hier deutet ja einiges an.

Video: OFF! lassen Jack Black kämpfen


OFF!, die Band um den Ex-Circle-Jerks und Black-Flag-Mucker Keith Morris, haben mit ihrem diesjährigen Album nicht nur eine der besten Langrillen des Jahres abgeliefert, sie hauen derzeit auch ein witziges Video nach dem anderen raus. Jetzt darf Jack Black als Gangleader wahrlich organzerfetzend  wirken...So langsam wird auch dem Letzten klar, warum man ständig Musiker mit OFF-Shirts! sieht, etwa Ingo Donot beim Auftritt in Lindau oder auch einer der Rise-Against-Jungs am Southside.

Tiny Desk Concert mit Amanda Palmer

Die Tiny Desk Concert Reihe von NPR ist ja eh so eine verspickte Idee. Auf einem gefühlten Quadratmeter geben Musiker sich ein Stelldichein, und das Resultat ist immer sehenswert. Jetzt war Amanda Palmer zu Gast, die gerade erst mit ihrem neuen Album für Aufsehen gesorgt hat. "Am I allowed to say fuck?" - "You just did." Sehr schön.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

MxPx gehen mit Itchy Poopzkid auf Tour + Neues Video "Aces Up"

Neuigkeiten aus dem Hause MxPx: Mit "Aces Up" haben die Calipunks die zweite Single aus dem aktuellen Album "Plans Within Plans" ausgekoppelt, das diesen April auf Flix Records (Vertrieb: Cargo
Records) erschienen ist. 

"Aces Up" ist auch auf der neuen Split 7" von MXPX mit ihren Labelkollegen von Cancer enthalten. Die auf 300 Stück limitierte Vinylscheibe ist exklusiv in rotem und weißen Vinyl über den Webshop von Flix Records erhältlich. 
Im März 2013 gehen die Mike Herrera und seine Mitmusiker auf Tour. Sie werden die für deutschen Punkrocker von Itchy Poopzkid eröffnen:

13.03. Berlin - Postbahnhof
14.03 Bremen - Schlachthof Bremen
15.03. Hamburg - Grünspan
16.03. Erfurt - HsD Gewerkschaftshaus
20.03. Erlangen - E-Werk
21.03. München - Backstage
22.03. A-Salzburg - Rockhouse
23.03. A- Graz - PPC

Konzertkritik: Donots im Club Vaudeville, Lindau

Es war laut, es war melodisch und hart an den richtigen Stellen. Doch, die Donots haben alles richtig gemacht am vergangenen Wochenende. Hier kommt meine Konzertkritik, erschienen in der Lindauer Zeitung am 9. Oktober. Mehr Fotos unter www.schwäbische.de/donots.

Dienstag, 9. Oktober 2012

Hörtest: Murder By Death – Bitter Drink, Bitter Moon

Über einer staubigen Hauptstraße geht eine blutrote Sonne unter. Zombies taumeln durch die Stadt, aber man ist nicht sicher, ob es nicht einfach Abgestürzte sind, die im Saloon zu viel hatten. Murder By Death sind wieder da, ums uns ihre Weisen von Tod und Teufel zu singen. Diese Band wächst und wächst, obwohl man immer gerade dachte, sein Lieblingsalbum von ihr schon gefunden zu haben. 

Zugegeben: Am Anfang war ich skeptisch. Am Anfang mochte ich den Anfang nicht so. Perlende Gitarren, hallender Gesang, eher Intro als Song ist „My Hill“. Und dann kommt „Lost River“ auch eher schleppend in die Gänge. Ist aber gewollt. Ein bisschen sperriger, so hat es den Anschein, soll dieses Album sein, nicht so leichtverdaulich wie „Good Morning Magpie“, der grandiose Vorgänger. Aber was heißt schon leichtverdaulich in den Begriffen dieser Band? Höchstens, dass der Geier schneller durch ist, weil der über den Haufen geschossene Revolvermann drei Tage zu lange in der Sonne lag. Ungewöhnlich auch „Straight At The Sun“ mit seinem ungewohnt prägnanten Bass. Kommt aber gut, wie sich dann die Akustikgitarre mit den gezupften Streichern abwechselt und das Schlagzeug den Song vorantreibt. Murder By Death mischen auch anno 2012 eine berückende Mixtur aus Americana, Folk, Indie und Country zusammen, die in dieser Form einzigartig sein dürfte.

„No Oath, No Spell“ ist dann direkt klassisch, nicht nur wegen des wunderschön schmelzenden Cellos. Der Song an sich ist ja schon aus der Violitionist Session bekannt, wirkt hier aber verhaltener. Der prägnante Bass taucht auch wieder in „I Came Around“ auf, das mit dezenten Akkordeon-Tupfern gefällt. Auch hier wieder: Tod, Särge, das volle Programm. Morbide, ach wie schön. Murder By Death legen auf „Bitter Drink, Bitter Moon“ mehr Wert auf Abwechslung. Die Songs haben mehr Freiraum zum Atmen, wirken raumgreifender, noch reicher instrumentiert und verspielter. Der Parforce-Ritt „Curse Of Elkhart“ mit seiner 60ies-Orgel und den Handclaps...

Eindrucksvoll auch, wie Sänger und Gitarrist Adam Turla ein immer gewandterer Geschichtenerzähler mit einer Stimme ist, der man stundenlang zuhören will. Und Srah Balliet und ihr Cello...das ist ja eh eine Liebesgeschichte für sich, die den Sound der Band aus Bloomington, Indiana, prägt. Alles, was man an Murder By Death liebt, hat diese Platte, auch wenn sie neue Facetten zeigt. Man muss aber eventuell auch ein paar Durchläufe mehr riskieren. Ach ja: Und dieses stimmungsvolle Artwork! Braucht man auf Vinyl.

„Bitter Drink, Bitter Moon“ von Murder By Death erscheint am 12. Oktober bei Bloodshot. Mehr unter http://murderbydeath.com. Hier noch das Video aus der Violitionist Session von „No Oath, No Spell“.

Montag, 8. Oktober 2012

Arcade Fire: Neuer Song "Crucified Again" im Netz

Ein neuer Song von Arcade Fire kursiert im Netz. Er heißt "Crucified Again", den Mitschnitt machte ein Fan bei einem Konzert in New York. Wie Spin berichtet, seien die Gerüchte um ein neues Album 2013 noch unbestätigt, der Song deute aber zumindest etwas an. Warten wir ab. Wenn auch ungeduldig.

The Shins live bei Conan O'Brien

Während ich offline war, haben The Shins bei Conan O'Brien ein Gastspiel gegeben. "No Way Down" war in der Show zu sehen, "The Rifle's Spiral" ist ein webexklusiver Clip.

 

Hörtest: Apologies, I Have None – London

Wie, Debüt? Was dieses britische Quartett uns hier mal eben in 37 Minuten auf die Lauscher zimmert – Wahnsinn. Frei nach Bogart: der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. 

Punkrock, wie er gedacht war: Euphorisierend, mächtig, direkt. Und manchmal auch experimentierfreudig wie The Clash. Aber auch wenn der räudige Straßenköter unter den Musikstilen die Basis bildet, ist dieses Album doch viel mehr als eine weitere Punkscheibe. Das deuten schon die cleveren Breaks und die geschmackvollen mehrstimmigen Vocals im Opener „60 Miles“ an. Und dann „Sat in Vicky Park“: zuerst ein epischer Einstieg, dann schwankt man zwischen Hüpf-Parts und schnellen Sprengseln, um wieder in einen hymnenhaften Refrain zu gipfeln. Und dieser willenlos machende britische Akzent, wenn sich Dan Bond und Josh Mckenzie (beide Gründungsmitglieder und Gitarristen) mit dem Gesang abwechseln...“Like a man could not be measured by the number of people he has fucked“. Meine Herren, das ist ja fast schon arktische Affenlyrik.

Dann klingen sie auf einmal wie Anti-Flag, wenn die extrem gute Laune haben. Und schnell wieder nach sich selbst. Das charmante Lispeln bei den „straight lines“ tut sein Übriges. Die Insel ist einfach eine Institution wenn es um gute Musik geht. In „Clapton Pond“ demonstrieren die vier Musiker, wie man mit simplen Mitteln Dynamik pur verbreitet. Mal die Gitarren zurückdrehen, Tempo rausnehmen kennt man ja alles schon, aber dieses Kleeblatt hier kann es halt auch wirklich. Song an Song reihen sich hier die Punkrockperlen. „Still Sitting Tight“ mit seinem extrem coolen Riffing und dem überbordenden Chorus. Alles hier ist positiv, aber nicht klebrig poppig, zupackend, aber nicht machohaft. Oder man lässt die Zerre mal weg und kommt kurz hinter der Deckung vor wie in „Joiners and Windmills“. Oder einfach nur Klavier wie in „Foundations“ und dazu ein Text, der nachdenklich macht. So wie die ganze Platte, deren Name Programm ist. Eine Ode an die Stadt der tausend Inspirationsmomente.

Allerdings auch eine Hassliebe: „Fuck You London, I'm Out“ heißt es da in „The 26“, eine Zeile, die jetzt schon legendär ist. Am Ende zieht „Long Gone“ nochmal alle Register, als wollte der Song uns sagen: Keine Sorge, da kommt noch mehr. Nur zu. Immer her. Ihr habt gerade erst begonnen.

"London" von Apologies, I Have None ist am 21. September bei Uncle M erschienen. Hier die Videos zu "60 Miles" und "Clapton Pond".



Sonntag, 7. Oktober 2012

Sonntags-Matinée: Title Fight – Floral Green

Blumiges Grün, das Idylle vortäuscht. Lassen wir uns nichts vormachen: Nur weil Blumen und Schmetterlinge das Cover der neuen Platte der vier Musiker aus Kingston Pennsylvania zieren, heißt das nicht, dass sie jetzt Blümchen-Sound machen. Auch „Floral Green“ ist glühend heiß geschmiedeter und euphorisch zelebrierter Hardcore. Ein Schritt nach vorne. Ein großer. 

„Shed“ war ja schon so gut. Man hatte ernsthaft Angst um Sänger und Bassist Ned Russin. Oder präsiziert: Um seine Stimmbänder. Da müssen doch blutige Knoten drauf sein, wenn er Zeilen wie „My father said don't be so scared“ in die Welt brüllte. Roh und wütend. Das gilt auch für das zweite Album. Allerdings ist die ungestüme Wut diesmal in noch effektivere Bahnen gelenkt. Die Songs wirken weniger skizzenhaft wie noch auf dem Vorgänger, sondern wie fertiggezeichnet. Dass die Stücke auch live bestens funktionieren, davon kann man sich ja derzeit auf der Tour mit Make Do And Mend und La Dispute überzeugen.

Von Anfang an wirkt das Album zwingend und in allen Belangen gereift. Wirbelnd zieht einen „Numb, But I Can Still Feel It“ in den Moshpit vor der Bühne, „Leaf“ haut einem die Brille von der Nase, „Head In The Ceiling Fan“ gibt einem Zeit, sie wieder geradezubiegen. Letzterer Song zeigt auch die Freude der Musiker am Experimentieren. Wer damit nicht klar kommen sollte: Auch auf Shed gab's doch solche Töne. Und ist es nicht schön, wenn man nach dem Circle Pit mal kurz durchatmen kann? „Lefty“ ist ähnlich variabel, scheut sich nicht vor grungigen Melodien und zerfasert am Ende in röhrende Sounds, bei denen man live den Gitarristen über dem Effektbrett knien und Knöpfchen drehen sieht. Zum Hit der Platte könnte sich „Secret Society“ entwickeln, ein Beispiel dafür, wie man auf intelligente Weise monolitische Härte und catchy Melodien zusammenbringen kann. Auffällig ist auch die verbesserte Produktion, die mehr Mitten aufweist und insgesamt kompakter wirkt. Harte Schale, weicher Kern? Vielleicht. Diese Platte sagt jedenfalls laut und deutlich: „Leute, mit uns ist zu rechnen“. Den Kampf um den Titel haben sie schließlich schon für sich entschieden.

„Floral Green“ von Title Fight ist am 21. September via SideOneDummy erschienen. Mehr Infos unter http://titlefight.tumblr.com/
Hier noch das Video zu "Head in The Ceiling Fan".

Samstag, 6. Oktober 2012

SZene-Hörtest: Green Day - ¡Uno!

Green Day gehen schon schwer in Ordnung. Vielleicht sind sie für mich auch einfach untrennbar mit dem Moment verbunden, als ich in Klasse fünf oder so mal von ein paar "Bullies" angemacht wurde, ich als Gymnasiast würde ja sicher Mozart und so hören. Der Geigenkoffer sprach Bände. Aber dann streckte ich ihnen den Walkman-Kopfhörer entgegen. "Sometimes I give myself the creeps, sometimes my mind plays tricks on me..." Basket Case dröhnte aus den Schallmembranen. Plötzlich war da kein Herabsehen mehr, sondern Respekt. Wow, Musik verbindet wirklich, dachte ich mir. Das Coole an Green Day ist, dass sie so viele Metamorphosen durchgemacht haben. Ich mochte den melancholischen Billie Joe, der mit der Akustikgitarre auf der Bettkante saß und "I hope you had the time of your life" sang, aber auch die politischen Töne von "American Idiot" und die überzeugende Durchschlagskraft von Songs wie "The Static Age" auf "21st Century Breakdown". Und das neue Album kann auch was. Siehe meine Kritik aus der Schwäbischen Zeitung, erschienen am Dienstag, 2. Oktober.

Freitag, 5. Oktober 2012

Hörtest: Wintersleep – Hello Hum

Als sie vor ein paar Jahren den Prediger und den Astronauten über Gott diskutieren ließen, wähnte man sich im Indierock-Himmel. Dann hatten die Kanadier von Wintersleep ihre Interpol-Phase. Die ist jetzt abgehakt. „Hello Hum“ zeigt eine Band, die sich ihrer Stärken bewusst ist – und diese voll und ganz ausspielt. 

Haben die das nötig? Ich hatte mir vorgenommen, „New Inheritors“ vor zwei Jahren genauso ins Herz zu schließen wie das Album davor, „Welcome To The Nights Sky“, das zum Beispiel diesen genialen Song „Astronaut“ barg. Aber es ging nicht so Recht, weil einen die Songs immer anrempelten: Hey, wir sind Interpol. Hände hoch. Dabei waren Wintersleep doch schon an dem Punkt angekommen, wo sich sich gefunden hatten. Wenn man „Hello Hum“ hört, kommt es einem vor, als hätten sich die vier Musiker aus Halifax, Nova Scotia, darauf besonnen.

Die Songs sollen auf eine Weise entstanden sein, die die Stimmung des Albums erklären würde: In nächtlichen Sessions seien Demos im Schlafzimmer mit dem Diktiergerät aufgenommen worden, andere Ideen während Soundchecks aufgezeichnet worden sein. In der Tat fühlt sich „Hello Hum“ an wie ein Spaziergang zwischen Traum und Dämmern, ein Trip in die Gefilde, wenn man nicht mehr weiß, ob man gerade Reales erlebt oder sich noch in den eigenen Hirnwindungen befindet. Elegant verweben Wintersleep dabei instrumentale Vielfalt mit elektronischen Sprengseln und weitschweifigem Hang zum Ausufern. Ob schleppende Tempi („Hum“) oder schnellere Nummern wie „Resuscitate“ – souverän und selbstbewusst klingt das, und man kann sich vorstellen, wie das live funktioniert, wie sich die Menschen vor der Bühne zu den Klängen bewegen, staunen, genießen und die Augen schließen, weil die Musik an sich visuell genug ist. „Nothing Is Anything (Without You)“ greift mit Handclaps und Percussion die Stimmung von „Wlecome To The Night Sky“ auf, ohne abzukupfern. Die meisten Songs sind kompakt gehalten, zwischen 2 und vier Minuten lang, nur am Ende darf „Smoke“ sich in die Länge ziehen wie Rauch, der über einer verschneiten Siedling zu sehen ist – und man weiß, jemand ist zuhause. Wintersleep haben sich nochmal neu justiert, dabei aber ihre alte Stärke wiederentdeckt. Freuen wir uns an einem Herbstalbum, das nebelverhangen Lust auf Laubspaziergänge und etwas gepflegte Düsternis macht.

„Hello Hum“ von Wintersleep ist am 21. September bei Affairs of The Heart erschienen. Mehr unter www.wintersleep.com
Hier sehr Ihr noch einen Clip von "In Came the Flood".