Mittwoch, 26. September 2012

Hörtest: The Movement – Fools Like You

Der real existierende Sozialismus hat versagt. Aber Kapitalismus ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Also machen The Movement auf dem ersten Album seit dem Neustart das, was sie am besten können: Zum Protestmarsch auf der Straße rufen – dabei aber stilvoll rocken wie es sich für Mods gehört. 

Die Revolution geht weiter. The Movement sind zurück und haben zehn Protestsongs im Gepäck. Naja, nicht ganz zehn. Ein paar davon sind Liebeslieder. Alles wie immer also? Im Grunde schon, obwohl Lukas Sherfey das einzig verbleibende Gründungsmitglied ist.  2007 hatte sich Sänger Lukas Scherfej von seinem Power-Trio getrennt, um solo weiterzumachen. Diese Erfahrung hat Spuren hinterlassen. Das hört man gleich beim ersten Song, dem akustisch gehaltenen „Monday Morning“. Die Melodie kommt einem bekannt vor – und das bleibt nicht das einzige Déjà Vu. Gutes Stichwort: Der gute Marx – Gott hab ihn selig – kommt natürlich auch wieder zu Ehren. „We Got Love, We Got Hope, We Got Marx“ heißt es da, und was soll einem da schon passieren, wenn man den auf seiner Seite hat?

Lukas Sherfey hat sein Kapital gut verinnerlicht, das merkt man den Lyrics an. Was The Movement aus der Masse an Punkbands hervorstechen lässt, die ähnliches im Schilde führen, ist dieser unglaublich coole Sound. Als sei Louis Armstrong im Probenraum von The Jam gelandet klingt das hier. Lukas Sherfey hat eine ähnlich kehlige Stimme, und seine Rickenbacker-Gitarre ist wie geschaffen für groovig-twangige Rifforgien. Bass und Drums gehen in Ordnung, man muss aber ehrlicherweise sagen, dass The Movement eben Sherfeys Baby sind und hier Musiker mit an Bord sind, die aufs Songwriting keinen großen Einfluss haben.

Und so stehen fast schon bittere Anpranger-Songs wie „The Won't Help You“ oder der Titeltrack neben gefälligen Stücken, in denen es um Gefühle und Liebe geht, „I Can Hardly Live Wothout You“. Warum ausgerechnet dieser Song allerdings nicht so überzeugend klingt wie in der Fassung, die auf der EP „Still Living The Dream“ (April 2011) vertreten war, ist mir nicht ganz klar. Als dieses Lebenszeichen 2011 über uns hereinbrach, war der Jubel schließlich riesig. Abgesehen davon gibt’s nix zu meckern hier, The Movement bleiben eine Konstante, greifen zwischendurch zum Schellenkranz und machen einfach da weiter, wo sie nach „Revolutionary Sympathies“ aufgehört haben. Was will man mehr?

Ein Interview mit Lukas Sherfey gibt's hier zu lesen, einen Konzerbericht von letztem Jahr an dieser Stelle. Hier seht Ihr noch einen Clip zu "Put The Lights On" vom aktuellen Album.

„Fools Like You“ von The Movement erscheint am Freitag, 28. September, via The movement Records. Mehr Infos unter www.themovement.dk

Konzertkritik: La Dispute, Title Fight, Make Do And Mend und Into It. Over It in Zürich

La Dispute, Title Fight, Make Do And Mend
Support: Into It. Over It.
Abart, Zürich. 
Montag, 24. September
Text und Fotos: Daniel Drescher


Die Melodieverliebten, die Experimentellen und die Intellekt-Hardcoreler: Make Do and Mend, Title Fight und La Dispute mache gemeinsame Sache und reißen eine Tour runter, die mit allen Fans von cleveren Hardcore-Klängen das macht, was die Glocke für Pawlows Hund angerichtet hat. Als Support haben die derzeitigen Highflyer Evan Weiss dabei, einen Singer/Songwriter, der alleine mit seiner Akustikgitarre auf der Bühne sitzt und – wen wundert's – Rauschebart und Hornbrille trägt. Dazu das obligatorische Truckerkäppi – fertig ist die Laube. Der Musiker aus Chicago macht seine Sache aber gut und heizt die Besucher im Züricher Club Abart kräftig vor. Schön, wenn man das Gefühl hat, dass hier jeder dem anderen die Butter auf dem Brot gönnt.

Das passiert noch öfter am Abend, etwa wenn James Carroll von Make Do And Mend auf  zupackend-aufrichtige Art die anderen Bands lobt und sich freut, Teil dieser Tour zu sein. Niedlich, wie sich Ned Russin von Title Fight aufgeregt zeigt, das aber so tiefenentspannt sagt, dass man ihm unweigerlich grinsen muss. Und La Dispute haben natürlich auch positive Worte für ihre Tourgefährten übrig. Scheint so, als hätten die Musiker ebenso viel Spaß an dieser genialen menage a trois wie die Zuschauer. Aber der Reihe nach.

Massiv: Make Do And Mend. 
Make Do And Mend sind die Handwerker des Abends. Wären Songs Behausungen (was ja irgendwie passt, weil man sich darin durchaus zuhause fühlen kann), die Band aus Connecticut würde Blockhütten zimmern, die kein Hurrikan auseinander nehmen kann. Songs von „End Measured Mile“ und vom noch relativ neuen „Everything You Ever Loved“ harmonieren im Set prima, erstaunlich auch, wie heftig eine doch ziemlich softe Ballade der Marke „St. Anne“ abgefeiert wird. Es macht verdammt Spaß, zuzuschauen, wie die Konzertgänger vor der Bühne jedes Wort mitsingen. Carroll fungiert dabei nicht nur als charismatischer Sänger, sondern auch als Rhythmusgitarrist, während sein Bruder Matt die Drums mit Vehemnz bearbeitet und Mike O'Toole flirrende Singlenote-Linien aus seiner Telecaster zaubert. Hot Water Music wären stolz, ach was, sind stolz auf diese Band, die weit mehr ist als ein Quartett von Epigonen. Überragend auch: Jordan Dreyer gesellt sich für die Guestvocals bei „Ghostal“ auf die Bühne und verschwindet genauso überraschend wie er aufgetaucht ist. Wahrlich geisterhaft eben.

Laut: Title Fight. 
Eben haben Title Fight ihre neue Platte „Floral Green“ in die Regale gehievt, und die Experimentierfreudigkeit, die sie darauf zelebrieren, strahlen sie auch live auf. Mich erinnert Sänger Ned Russin dabei auch latent an Hunter Hunt-Hendrix, den Fronter der Black-Metal-Band Liturgy. Man möchte wahrscheinlich gar nicht wissen, wie seine Stimmbänder aussehen, wenn er Energiebrocken wie „Shed“ raushaut. Die neuen Songs wie „Head In The Ceiling Fan“ fügen sich bestens ein. Den Gesang teilt sich Ned mit Jamie Rhoden, der ja nun so gar nicht nach Hardcore aussieht, sondern eher wirkt wie der schüchterne Nebensitzer aus dem Geschichtsunterricht. Aber was für ein Organ! Da treten die Adern am Hals hervor, dass man Angst hat, sie könnten gleich platzen. Und James Carroll hat nicht zu viel versprochen: Im Publikum ist die Hölle los. Tanz, Cowboy! Title Fight haben übrigens einen Hit, der nennt sich „27“ und erntet am Ende die wohl euphorischsten Reaktionen.

Brachial und intelligent: La Dispute.
Und dann La Dispute. Die blutjunge Hardcore-Hoffnung aus Michigan hat es heute mit einer extrem textsicheren Meute zu tun. Wahnsinn. Wenn man selbst beim Crowdsurfen noch die Textzeilen mitbrüllen kann, das ist gekonnt. Bei La Dispute ist es diese umwerfende Mischung aus brachialer Kraft und nachdenklichen Fast-schon-Spoken-Word-Parts, die grandios gelingt. Ok, das Intro von „Safer in the Forest“ kommt vergniedelt daher, aber du meine Güte. Wir sind hier ja nicht im Jazzkeller. Die Energie, die Jordan Dreyer freisetzt, ist schier unbegrenzt. Kaum ein scharfes Foto kann man von ihm schießen, ständig ist er in Bewegung, dieser menschliche Flummi.  Natürlich kommen Songs vom letztjährigen famosen „Wildlife“ zum Zuge, aber auch „ältere“ Stücke wie „Andria“ sorgen für Ekstase. Die schönste Verbrüderungsszene zwischen Publikum und Band gibt's am Ende: Bei „Said The King To The River“ begreift die Meute, dass man jetzt nochmal ausrasten muss, Jordan streckt das Mikro in die Menge, der Text sitzt. Zürich, Montagabend: Die Frisur ist im Arsch. Es könnte kaum egaler sein.

Mehr Fotos von der Show gibt's hier. Tinnitus Attacks gibt's übrigens auch auf Facebook und Twitter. Liken, folgen, und auf dem Laufenden bleiben. 

Dienstag, 25. September 2012

Bildergalerie: Das ultimative Hardcore-Paket

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Das ultimative Hardcore-Paket, ein Album auf Flickr.
Make Do And Mend, Title Fight und La Dispute haben am Montagabend in Zürich den Club Abart auseinandergenommen. Unterstützung bekamen sie von Into It. Over It., dem Singer-/Songwriter-Projekt von Evan Weiss. Vorab gibt's die Fotos, eine ausführliche Konzertkritik folgt.

Preview: Into It. Over It, Make Do And Mend, Title Fight und La Dispute in Zürich

Das nennt man dann wohl abräumen. Was passiert, wenn drei Größen des Post-Hardcore zusammen auf Tour gehen? Eben das. Sie hauen Dich um. Wie am Montagabend im Club Abart in Zürich, wo Into It.Over It., Make Do And Mend, Title Fight und La Dispute extrem abgefeiert wurden. Unser Bild entstand beim Title Fight-Auftritt, mehr Fotos und ein ausführlicher Konzertbericht folgen.

Montag, 24. September 2012

Conan-Update: Frank Turner, The Hives, The Walkmen zu Gast

Kleines Update in Sachen musikalische Gäste: Letzte Woche war Frank Turner bei Conan O'Brien zu Gast. Es war ein wichtiger Auftritt für Frank, denn O'Brien erreicht in den USA ein Millionenpublikum - aber für einen, der die Olympia-Eröffnung als Bühne nutzen konnte, eigentlich doch kein Problem oder? Und auch The Hives und The Walkmen hatten Auftritte. Hier seht Ihr die Videos, die Walkmen legen sogar noch eins drauf und zeigen online eine Zugabe, die nicht im Fernsehen zu sehen war.

Sonntag, 23. September 2012

Sonntags-Matinée: Mumford & Sons – Babel

Mit ihrem Debüt „Sigh No More“ haben die vier Briten uns 2009 ein Versprechen gegeben. Drei Jahre später lösen sie es fulminant ein. „Babel“ ist mitreißend, nachdenklich, gefühlvoll, ungestüm und bombastisch. Ein Anwärter auf die vorderen Ränge in den Jahreslisten – auch wenn Marcus Mumford und seine Getreuen im Grunde nichts anders machen als auf dem Erstling. 

Den müßigen Kritikpunkt vorab: Ja, irgendwann ist es etwas eintönig. Rhythmisch dürfte hier  durchaus etwas mehr Abwechslung drin sein. Der Beat stampft, das Banjo wird rasant gezupft, die Gitarre greift wieder die verschobene „Little Lion Man“-Pattern auf. Aber das ist ein Luxusproblem. Die Songs auf „Babel“ entschädigen nicht nur dafür.

Wenn sie nicht gerade auf das Tanz-Gaspedal drücken wie bei „I Will Wait“, lassen die Musiker aus London den Songs Zeit, bauen große Spannungsbögen auf, zelebrieren jede einzelne Note. Man höre „Holland Road“, wo Marcus Mumford manche Worte mehr haucht als singt. Bei Zählerstand 2:40 bekommt der Song dann noch einen güldenen Bläserbombast spendiert, dass sich die Ohren in Gänsehaut zusammenfalten. Oder nehmt „Lovers' Eyes“, ein episches Rührstück mit epischem Ende und einer sehr weisen Textzeile: „Well love was kind for a while/Not it just aces and it makes me blind“. In den Texten an sich wimmelt es vor Liebe, Enttäuschung, Dämonen, Geistern und Gott. Die Hoffnung bleibt: „So give me the hope in the darkness that I will see the light“. Mit einem, der die Dunkelheit mal als alten Freund bezeichnet hat, machen sie gemeinsame Sache: Paul Simon wirkt bei der Coverversion des Simon & Garfunkel-Hits „The Boxer“ mit, den es (plus zwei weitere Songs) auf der Limited Edition zu bestaunen gibt. Man hört zu und denkt: Ja stimmt, das könnte ein Einfluss sein.

Bereits das Debüt katapultierte Mumford & Sons in extrem erfolgreiche Sphären. Auch live räumen die Briten regelmäßig ab, wie zum Beispiel auch beim Southside. „Babel“ dürfte diesen Erfolg zementieren und zeigt eine selbstbewusste Band, von der wir noch viel hören werden. Der überwältigende Erfolg der Band gründet sich vielleicht auf diese Ursprünglichkeit, um die das Quartett bemüht ist. Zum einen die beinah altertümliche Instrumentierung, bei der neben Gitarre und Banjo auch Violine, Cello und Trompete und Flügelhorn zum Zug kommen. Mumford & Sons setzen dem hektischen Plastiksound der Rihannas und Gagas dieser Welt das Albumformat entgegen, das in dieser Musikrichtung so viel mehr Sinn macht. Denn obwohl die Zutaten immer die gleichen sind, lässt sich das Album problemlos genussvoll am Stück durchhören. Es geht um Katharsis, um Erzählung, um Erlösung. Am Ende fühlt sich auch der Zuhörer geläutert.

„Babel“ von Mumford & Sons ist am 21. September via Cooperative Music erschienen. Mehr unter www.mumfordandsons.com. Hier seht Ihr jetzt noch einen Konzert-Mitschnitt vom Hurricane 2012. 

Samstag, 22. September 2012

...Trail of Dead: Neues Album "Lost Songs" kommt im Oktober


Hooray, Nachschub von den irren Texas-Indie-Ingenieuren: And You Will Know Us By The Trail Of Dead bringen am 19. Oktober ihr neues Album "Lost Songs" raus. Laut Promoagentur Pirate Smile ist das achte Album der Amis "eine Widmung an PUSSY RIOT und alle anderen unterdrückten Künstler dieser Welt. Die Musik wurde von der Apathie um die aktuellen Weltgeschehnisse, die die Independent Szene schon seit Jahren plagt, beeinflusst."

Das letztjährige Album "Tao of The Dead" war mein Album des Jahres. Sobald's was neues gibt, Video oder Soundschnipsel, erfahrt Ihr es via Tinnitus Attacks.

Freitag, 21. September 2012

Mumford & Sons spielen "I will wait" live im Studio Q

Wie kann man eigentlich so schnell Banjo zupfen? Allein schon das macht Spaß beim Zuschauen, wenn man sich Mumford & Sons dabei zuschaut, wie sie ihren Song "I Will Wait" beim Studio Q spielen. Heute erscheint das zugehörige Album "Babel". Auf zum Plattenladen!

Donnerstag, 20. September 2012

Captain Planet mit neuem Video "Pyro"

Bevor am 12. Oktober das neue Album "Treibeis" erscheint, machen uns Captain Planet mit dem neuen Videoclip zur ersten Single "Pyro" Lust auf den Longplayer. Sehr schön gemachter Clip.

Und Tourdaten gibt's natürlich auch:

02.10.2012 Leipzig, Halle 5
03.10.2012 Würzburg, Kellerperle
04.10.2012 Freiburg, White Rabbit
05.10.2012 Trier, Ex-Haus
06.10.2012 Köln, AZ
20.10.2012 Hamburg, Rote Flora (Releaseshow)
23.11.2012 Münster, Lorenz
24.11.2012 Oberhausen, Druckluft Festival
08.12.2012 Berlin, Cassiopeia

Mehr Infos gibt's unter www.captain-pla.net und unter www.zeitstrafe.de

Mittwoch, 19. September 2012

The Sensitives kommen wieder auf Tour

Die knuffigen Schweden beehren uns wieder: The Sensitives starten morgen zur "International Boredom Fighting Tour". Vom kleinen Probenraum bis zu Clubs und Festivalshows stehen einige Locations auf dem Plan. Die Reise wird die Band nach Deutschland, Österreich, Polen, nach Tschechien, Estland, Lettland und Litauen führen. Wer das Punkrock-Trio noch nicht kennen sollte: Hier seht Ihr ein Video-Interview, das die Band für Tinnitus Attacks produziert hat. Und hier die Rezi zum Debütalbum "Poetry As Hollow As It Can Be"

Hier die Tourdaten:

09/21/12 Weimar, Milchbar DE
09/22/12 Klingenberg, Morellos City Open Air DE
09/23/12 Prague, Bazina Klub CZ
09/28/12 Augsburg, Ballonfabrik DE
09/29/12 Aflenz, Sublime AT
09/30/12 Vienna, Viper Room AT
10/03/12 Kosice Collosseum Club SL
10/05/12 Tychy Underground Pub PL
10/06/12 Ostrava Plan B Hardcore Cafe CZ
10/07/12 Bielsko Bala Rudeboy Club PL
10/08/12 Opava Music Bar Jam CZ
10/10/12 Brno, TBA w/ Prague Conspiracy CZ
10/11/12 TBA, CZ
10/13/12 Wroclaw Madness Klub PL
10/14/12 Skierniewice Art de Grand (Piwnicy u Artystów) PL
10/17/12 Warzaw, Znośna Lekkość Bytu PL
10/19/12 Vilnius Pogo LT
10/20/12 Vilnius Secret show LT
10/25/12 Riga NabaKlab LV
10/26/12 Tartu Rockiklubi EE
10/27/12 Tallin TBA EE

Dienstag, 18. September 2012

Darf ich vorstellen: The Front Bottoms

Normalerweise läuft es ja so, dass man auf ein Konzert geht, weil man die Band sehen will, die man schon kennt. Die hat dann eine Vorband dabei, von der man bisher nichts gehört hat - und im Optimalfall ist man so hin und weg, dass man direkt am Merchstand eine Platte mitnimmt.

Diesmal läuft's anders. Diesmal kenne ich die Vorband, bevor ich sie auf der Bühne sehe. Dafür gefallen sie mir auch jetzt schon. Als mir Jen schrieb, ob ich etwas über The Front Bottoms machen wolle, die mit den Menzingers auf Tour gehen, war die Enscheidung schnell klar. Es brauchte zwei Videos, die für den ersten Eindruck sorgten. Ich dachte mir, ich stelle Euch einfach das Debütalbum vor, anhand dessen man sich sehr schön eine Meinung bilden kann. Und bitte:

Man denkt ja immer, man kennt schon alles. Man hat jede Kombination schon gehört, ob es Metalpunk, Banghra-Emo oder wasauchimmer ist. Aber dann kommen diese Platten, die einen aufhören lassen, und man denkt: Stimmt eigentlich, wieso nicht so klingen? So ging's mir mit The Front Bottoms. Eine akustische Gitarre begrüßt einen auf dem Album, dann kommt der Disco-Beat der Drums dazu, eine Melodie sthielt sich ins Bild - und dann der Gesangseinsatz: "Please fall asleep so I can take pictures of you to hang them in my room." Da hatten sie mich schon. Und was ist das? Durch das Gitarrendickicht blitzt eine Trompete auf, die eigentlich überhaupt nicht zu diesem Sound passt, aber völlig harmonisch im Bild wirkt. Und dann Song Nummer zwei, "Maps": Wieder ein tanzbarer Beat, eine Keyboardmelodie und eine Weisheit: "There is a map in my room on the wall of my room and I've got big big plans/but I can see them slipping through almost feel them slipping through the palms of my sweaty hands". Und so geht das immer weiter. Auf die Texte hört man besonders gerne, weil Brian Sella sie mit seiner eindringlichen Stimme so berückend vorträgt. Ein wenig erinnert das Timbre an Laura Jane Grace in deren ruhigeren Momenten.

Acoustic-dance-indie-punk wird der Sound der zwei Musiker aus New Jersey bezeichnet. Das ist zwar etwas von hinten durch die Brust ins Auge, beeinhaltet aber schon alles, was hier zusammenkommt und extrem gefällt. Vor allem halt die Idee, einfach auf E-Gitarren zu verzichten und sich stattdessen mit einer Trompete den Einzigartigkeits-Stempel aufzudrücken, ist sehr gut gelungen. Die manchmal melancholischen, manchmal euphorischen Lyrics dürften Menschen gefallen, die auch den Humor der Scott Pilgrim-Comics goutieren, aber das ist nur ein Anhaltspunkt. Wer sich eine Mischung aus den sensiblen Momenten der Weakerthans, dem Ungestümen der Thermals, dem Punkpotenzial von Against Me! und vor allem einer großen großen Portion Eigenständigkeit vorstellen kann sollte unbedingt mal seine Ohren hierfür aufsperren. Man sagt ja oft so schnell hin, dass diese und jene Platte eine der besten seit so und so ist. Hier stimmt's aber mal. Vor allem, weil der erste Kontakt hier so aufregend und überraschend ausfällt.

Mehr Infos findet Ihr auf der offiziellen Internetseite der Band, der Bandcamp-Präsenz und natürlich auch auf Facebook.
Einen Trailer zur Tour gibt's auf Youtube. Unten seht Ihr noch ein paar Videos der Band.


Hier die Tourdaten.
THE FRONT BOTTOMS  - Herbst TOUR 2012
19.09.12 Birmingham, Großbritannien. Hare and Hounds          
20.09.12 Manchester, Großbritannien. Moho Live                      
21.09.12 Glasgow, Großbritannien. Audio                    
22.09.12 Leeds, Großbritannien. Cockpit 3                    
23.09.12 Southampton, Großbritannien. Unit                                
24.09.12 Bristol, Großbritannien. The Croft                    
25.09.12 London, Großbritannien. The Borderline      
26.09.12 Brügge, Belgien. J H Thope                                
27.09.12 Amsterdam, Niederlande. Winston                
28.09.12 Paris, Frankreich. Les Combustibles                        
29.09.12 Köln, Deutschland. MTC                          
30.09.12 Siegen, Deutschland. Vortex                
01.10.12 Münster, Deutschland. Café Lorenz                    
02.10.12 Berlin, Deutschland. Cassiopaeia                          
03.10.12 Hannover, Deutschland. Chez Heinz                    
04.10.12 München, Deutschland. Sunny Red                    
05.10.12 Milan, Italien. Ligera – Milan                                                  
06.10.12 Zürich, Schweiz. Eldorado                            
07.10.12 Wien, Österreich. Arena 3 Raum Bar                  

Montag, 17. September 2012

Hörtest: Alberta Cross - Songs of Patience

Das Kreuz mit Album Nummer Zwei: Alberta Cross packen ihren folkimprägnierten Americana-Rock in Watte, drehen die Gitarren eine Spur leiser - haben ihr Händchen für beeindruckende Melodien dabei allerdings nicht verloren. 

Vor drei Jahren machte sich das Musikerkollektiv mit dem Debütalbum "Broken Side Of Time" einen Namen. Verschwurbelte Rockmonolithen, zwischen Ausbruch und Elegie, zwischen Bob Dylan-Huldigung und Neil Young-Tribut, setzten sich erst in den Gehörgängen und dann in den Hirnregionen fest, die Eindrücke besonders fest halten. Inzwischen ist die Band zum Duo mit Gastmusikern geschrumpft, Petter Ericson Stakee (Vocals/Gitarre) und Terry Wolfers (Bass) bilden den Kern der Gruppe. "Songs of Patience" haben sie ihr neues Album genannt, und da ist was dran: Etwas Geduld braucht man schon, denn die Stücke peitschen nicht mehr nach vorne wie damals "ATX", kommen nicht mehr so apokalyptisch zum Einsturz wie der Titeltrack von "Broken Side Of Time".

Dafür übernimmt die Akustikgitarre öfter die Regie, getragene Rhythmen dominieren. So, als ob Alberta Cross erschrocken über ihren düster-morbiden Rockbrocken von 2009 wären und dem Hörer jetzt besänftigend über den Kopf streichen. Die Melodien sind immer noch groß. Da wandelt sich der Opener "Magnolia" am Ende zum Hippie-Happening, "Crate Of Gold" täuscht nur kurz etwas heftigere Klänge an und "Lay Down" soliert munter. Soviel zum Opening-Triple.

In manchen Momenten hat man auch so seine Déjà-Vu-Momente, wenn der "City Ghost" etwa im "Wasteland" aufblitzt und dieser Song ohnehin eine Melodie hat, die einem so vertraut vorkommt. Die Songs sind gut, keine Frage - aber wer die aufbrausenden Momente bei Alberta Cross bisher am meisten schätzte, der kommt hier etwas zu kurz. Wenn man sich stattdessen auf beschaulichere Klänge einlassen mag, ist das kein Problem.

"Songs Of Patience" von Alberta Cross ist am 31. August via Pias UK/Arc Recordings erschienen. Hier gibt's ein Video zur Platte:

Samstag, 15. September 2012

Konzertkritik: The Pogues in Paris


The Pogues.
Support: The Moorings.
Olympia, Paris.
Dienstag, 12. September.
Text und Foto: Daniel Drescher

Und dann schneit es. Als Shane McGowan mit Ella Finer das rührende Duett „Fairytale of New York" anstimmt, stehen sie plötzlich in einem Schauer aus weißem Konfetti. Der Song ist ohnehin das großartigste Weihnachtslied der Welt und zeigt, was gute Musik von Ohrquälern der Marke „Last Christmas" unterscheidet. Am Ende wiegen sie sich im Walzertakt – McGowan schwankt deutlich – und auch harte Pogotänzer, die kurz zuvor noch den Boden im Olympia zum Beben gebracht haben, reiben sich verschämt eine Träne aus dem Auge. Kitsch? Ein klitzekleines bisschen. Aber wer 30 Jahre Bandjubiläum feiert, der darf auch mal die Konfettimaschine anwerfen. Bei „Fiesta", dem letzten Stück des Abends, regnet es im ganzen Saal bunte Papierschnipsel. Einen hab ich mitgenommen.

Their name in lights: Die Pogues rocken Paris.     Foto: Ich
Zwei Abende in Folge ausverkauftes Haus. Die Pogues in Paris. Sie gelten als Pioniere eines Sounds, der Irish Folk mit Rock und Pop-Einflüssen vermengt. Als Vorgänger, Vorfahren, von Bands wie Flogging Molly oder Dropkick Murphys, die diesen Stilmix noch extremer in die Punkrock-Ecke getragen haben. Wenn Flogging Molly die überschäumende Pup-Party sind und die Dropkick Murphys der deftige Barfight – The Pogues sind der besoffene Pubgänger, der auf dem Nachhauseweg erstmals ausrutscht und in der Gosse landet. Die Pogues machen einfach Folk – die Stimmung gleicht aber trotzdem der auf einem Punk-Pogo-Gipfel. Kaum erklingen die ersten Takte von „Streams of Whiskey" und „If I Should Fall From Grace With God", tanzt die Meute. Das Schöne: Man muss keine Tanzschule besucht haben, um hier mitzuhalten. Liegt vielleicht auch am Alkohol, dass es egal ist, ob dieser und jener Move cool aussieht. Sorgsam gestylte Punk-Frisuren oder Rockabella-Ponys halten diese Folkparty nicht lange durch, aber auch hier gilt: egal.

Und während die Fans sich an Gitarre und Banjo, Tin Whistle und Mandoline erfreuen, die sich Arm in Arm eingehakt haben und die große Konzerthalle in ein riesiges Pub verwandeln, stehen alte Männer auf der Bühne, die schon seit Jahrzehnten Musik machen. Manchmal wirkt das niedlich, etwa bei Philip Chevron, der seinen Mantel und die Mütze den ganzen Abend über nicht ablegen wird. Manchmal ist es aber auch irgendwie traurig, Stichwort Shane McGowan nochmal. Der Mann ist erst 54 Jahre alt, schleppt sich aber auf die Bühne als wäre er doppelt so betagt. Jahrelanger übermäßiger Alkoholkonsum hat scheinbar seine Wirkung getan. Mag sein, dass es ihm dieser Tage wieder besser geht als vielleicht vor ein paar Jahren – in Dublin übergab er sich vor zehn Jahren auf der Bühne –, irgendwie stimmt einen der Anblick trotzdem melancholisch. Der Ozzy Osbourne des Irish Folk, zuckt es mir durch den Kopf, als er zwischendurch immer wieder von der Bühne tippelt und mit einem frischen Glas, das mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt ist, zurückkommt. Die Sonnenbrille nimmt der Kettenraucher irgendwann ab. Die Leute rufen ihm zu, huldigen ihm: „You’re a legend!". Von seinen Ansagen verstehe ich ehrlich gesagt nicht viel – aber es muss was Lustiges sein, denn jedesmal danach kommt diese Ernie & Bert-Lache. Dann übernimmt Spider Stacy für ein paar Songs das Kommando, das poppige „Tuesday Morning" etwa, das für die Pogues das ist, was für The Cure deren „Friday I’m In Love" war: ein veritabler Hit. Eine ungeplante artistische Einlage gibt’s bei „Body Of An American": Akkordeonspieler James Fearnly rutscht aus und landet auf dem Hosenboden. Aber auch das: herzlich egal, wenn die Partywogen so hoch gehen. Happy 30th anniversary!

Auch die Vorband The Moorings passt, wenngleich ihr Folksound sehr traditionell und eng an Vorbildern orientiert daherkommt. Immerhin: Jetzt weiß man immerhin, dass auch Banjo-Spieler derart heftig posen können, dass Mike Ness grün vor Neid würde.

Eine Story von mir anlässlich des 30-Jährigen Bestehens der Pogues lest Ihr voraussichtlich im nächsten SLAM. Dazu hab ich mich in Paris mit Terry Woods unterhalten.

Die komplette Setlist aus Paris:

Streams of Whiskey
If I Should Fall From Grace With God
Broad Majestic Shannon
Greenland Whale 
Pair of Brown Eyes
Tuesday Morning
Kitty 
Sunny Side of the Street
Thousands are Sailing(sung by Shane)
Repeal of the License Laws
Lullaby of London
Body of an American
Young Ned of the Hill
Boys of the County Hell
Dirty Old Town 
Bottle of Smoke
Sickbed of Cuchulan

1st Encore:
Sally MacLenane
Rainy Night in Soho
Irish Rover

2nd Encore:
Star of the County Down
Poor Paddy
Fairytale of NY
Fiesta

Ein paar sehr schöne Bilder vom Konzert gibt's bei dem französischen Magazin Sounds of Violence, das sich britischer Rockmusik verschrieben hat.

Dienstag, 11. September 2012

Kurze Blogpause: Blame The Pogues!

Kurze Sendepause: Auf dem Blog wird's für drei Tage etwas ruhiger. Warum? Hat mit einer Band zu tun, die sich The Pogues nennt. Wer sich den Tourplan der Irish-Folk-Größe anschaut, kommt vielleicht drauf....

Montag, 10. September 2012

Hörtest: Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra: Theatre Is Evil

Ob mit den Dresden Dolls, solo oder im Rahmen ambitioniert-experimenteller Projekte: Amanda Palmer macht, was sie will. Diesmal vor allem: viel Theater, einen Sound, der sich mal wieder zwischen alle Stühle setzt – und damit alles richtig. 

„Meine Damen und Härren, wie könnte ich meine Pulsadern aufschneiden, wenn ich nicht zu tanzen aufhören kann?“ Das ist doch mal eine schöne Begrüßung, die uns Amanda Palmer da im Intro von der australischen Varietékünstlerin Meow Meow entgegenrufen lässt. Und dann der Opener „Smile (Picture Or It Didn't Happen): Jetzt ist sie endgültig übergeschnappt, muss man befürchten. Bombast, übersteuert, überdreht. Amanda Palmer fährt ganz schwere Geschütze auf – die kann sie sich auch leisten, dank der millionenschweren Unterstützung, die ihr ihre Fans über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter zur Verfügung gestellt haben. Bevor hier aber die schon anderswo xfach erzählte Geschichte von den 1,2 Millionen Dollar wiedergekäut wird, widmen wir uns lieber der Musik.

Amanda Palmer und ihre Band, bestehend aus Michael McQuilken (Drums), Chad Raines (Gitarre und Synthesizer) sowie Jherek Bischoff (Bass) haben mit Produzent John Congleton (St. Vincent, Murder By Death, Modest Mouse, Xiu Xiu) in Melbourne eine wahre Wundertüte von Album aufgenommen. Von größenwahnsinnigen Pathos-Epen bis zur verträumten Klavierballade reicht das Spektrum. Vieles wirkt dabei so neu, dass eine eigentlich typische Pianoschönheit wie „The Bed Song“ heraussticht, weil er so normal wirkt. Überhaupt haben sich die Perlen auf der B-Seite versteckt. „Masschusetts Avenue“ etwa mit seinen aufgedrehten Schnörkeln. Aber auch „Melody Dean“, das Cure-Keyboard und Trompete bemüht. 80er-Krimes-Pop-Crossover täuscht „Want It Back“ an, „Trout Heart Replica“ verweist auf Captain Beefheart. Und über allem thront die atemlose, manchmal hysterische Stimme von Amanda Fucking Palmer, wie sie sich nun nennt. Pop ist das, postmodern eh, und hemmungslos, weil es aus Dingen, die schon mal da waren, etwas Neues schafft. Und vor allem ist es verdammt eigenständig und seltsam.

Während die Aufnahmen liefen, hat Palmer privat 30 bildende Künstler Kunstwerke schaffen lassen, zu denen sich die Künstler von Palmers Songs inspirieren lassen sollten. Auch die Tour soll bombastisch werden, laut einem Interview mit der Taz hat Palmer die per Kickstarter gesammelte Kohle schon wieder auf den Kopf gehauen. Beim Album war das Geld gut investiert. Wer die Bühnenshow sieht, kann sich dann ein Urteil bilden, ob das dafür auch gilt.

„Theatre Is Evil“ erscheint am 14. September via Cooking Vinyl. Videos auch von den Tourproben gibt’s unter www.youtube.com/user/amandapalmer. Hier noch der Clip zu "Want It Back". Achtung, NSFW! Und wer nackte Frauen nicht ab kann, sollte vielleicht auch wegbleiben.

Sonntag, 9. September 2012

Sonntags-Matinée: Billy Talent – Dead Silence

Lust auf eine neue Runde Punkrock-Karussell mit Billy Talent? 14 neue Songs für den lustigen Moshpit. Ok, 13. Das zahme Intro nicht mitgezählt. Alles beim Alten hier – mit ein paar gelungen Änderungen. 

Vermutlich wird sich nichts ändern. Wer Billy Talent bisher bereits als Zahnspangenpogo-Soundtrack abgetan hat, dem kann auch das erste Album, das weder Zahl noch Bandnamen im Titel trägt, nicht helfen. Für Fans des kanadischen heißt es: Die Experimente halten sich in Grenzen, die bekannten Charakterzüge des Sounds sind auch hier extrem ausgeprägt und begeistern – auch wenn man meinen sollte, dass sich langsam Abnutzungerscheinungen zeigen sollten.

Die deutlichsten Abweichungen von bisherigen Soundschemata zeigen sich am Anfang und am Ende des Albums (zum Outro später mehr). „Lonely Road To Absolution“ ist ein Intro mit tickender Uhr, Streichern und Akustikgitarre. Den „Viking Death March“ konnte man ja schon vorab bestaunen. Mit „Surprise Surprise“ gibt’s dann die erste neue „richtige“ Nummer, und die dürfte live sofort zünden. Wieder sind es dieses eng geschnürte Rhythums-Korsett, diese gleißende Gitarre und der drängende Gesang, die sich zu einem rasanten Song aufbäumen. Die Tempogranaten sind auch hier wieder zu finden, aber nicht nur. So zeigt „Cure For The Enemy“ einmal mehr die melodieverliebte Balladen-Seite des Quartetts, während „Swallowed Up By The Ocean“ mit einem ungewöhnliche Piano-Intro  überrascht. Melodien im Übermaß hat auch der Titelsong zu bieten, der am Ende der Platte steht und am Ende in eine fäusteschwingende Mitsingmelodie mündet.

Billy Talent hatten zu kämpfen, bis dieses Album stand, Drummer Aaron Solowoniuk, der bereits von einer MS-Erkrankung geplagt wurde, musste sich einer Herz-OP unterziehen. Aber Screamo-Polarisierer haben sich nicht aufhalten lassen und ein stimmiges neues Album auf die Reihe bekommen. Nur der Aha-Effekt ist nicht mehr so da wie früher. Ein bisschen wie in einer Beziehung: Das rosarote Kribbeln weg, aber dafür weiß man, was man aneinander hat. Verlässlichkeit heißt das Zauberwort.

"Dead Silence" von Billy Talent ist am 7. September bei Warner Music International erschienen. Hier könnt Ihr das Album im Stream hören.

Samstag, 8. September 2012

Konzertkritik: Get Well Soon im Abdera in Biberach


Get Well Soon.
Abdera, Biberach. 
Donnerstag, 6. September 2012.
Text: Daniel Drescher
Fotos: Georg Kliebhan

Zugegeben: Bei Get Well Soon bin ich Fanboy. Sicher schon ein halbes Dutzend Konzerte von Konstantin Gropper und seiner Band gesehen – und wie kaum bei einer anderen Band habe ich sofort nach einem Konzert das Bedürfnis, den Tourkalender durchzuschauen und den nächsten Auftritt in der Gegend ausfindig zu machen. Vielleicht liegt es einfach daran, dass es so viel zu entdecken gibt im Klangkosmos dieser so speziellen Band, auf Platte ebenso wie wenn das Miniaturorchester um den gebürtigen Erolzheimer auf die Bühne geht.

Opulenter Auftritt: Get Well Soon im Abdera.
                                                            Foto: Georg Kliebhan
Der Auftritt im Biberacher Abdera ist ausverkauft. Ein Heimspiel für den jungen Musiker, der in drei Wochen 30 wird. Nicht ganz selbstverständlich, dass jemand, der mit seiner Musik so viel Beachtung genießt, den Tourauftakt in der früheren Heimat macht. Man könnte es sich auch einfach machen, ein paar Gigs in Großstädten spielen. Das ist offenbar nicht, was Get Well Soon wollen. Gropper verleugnet seine oberschwäbischen Wurzeln nicht, aber er spielt gerne ironisch mit ihnen. Etwa, wenn er auf der Bühne zur Wasserflasche greift und nach einem Blick aufs Etikett das „Dietenbronner“ aufs Korn nimmt: „Kennt Ihr noch so Mineralwasser, in dem so viel Kohlensäure drin war? Da musste man Blut spucken, wenn man es getrunken hat.“ Ironie ist von Anfang an der beste Freund von Get Well Soon, was sich auch in Songtiteln wie „I Sold My Hands For Food So Please Feed Me“ wiederspiegelt. Genau dieser Song eröffnet nach dem „Prologue“ vom neuen Album „The Scarlet Beast O'Seven Heads“ den Abend. Seltsam, genau diesem Song habe ich extrem entgegengefiebert. Wie sich das Stück langsam aufschaukelt, bis es über einem zusammenstürzt wie die Welle über dem Reiter – ein Lieblingsmoment so früh im Set? Kann man nur bringen, wenn man noch genügend davon auf Lager hat. Das ist hier definitiv der Fall. Vom neuen Album kommen eine Handvoll Stücke zur Geltung, der Bandleader stapelt tief und macht einen Wettbewerb daraus, wer mehr Spielfehler zählt. Und wenn schon. Das macht es authentisch, davon lebt Musik doch schließlich. Wer im Abdera steht, will sicher kein Vollplayback, keine Sounds aus der Konserve. Ein bisschen ist das wie mit der sorgsamen Aufmachung der Musiker: Schicke Hemden, am Ende durchgeschwitzt, die Weste legt Drummer Paul Kenny ab. Nach wenigen Minuten hängt Konstantin die sorgsam zurechtgekämmte Haarsträhne ins Gesicht. Energie.

Wuchtiges Drumming: Paul Kenny. Foto: Georg Kliebhan
Die neuen Songs leben nicht nur vom epischen Songwriting, sondern auch von der wuchtigen Live-Darbietung. Für „The Last Days Of Rome“ greift Konstantin Gropper zu einer kleinen E-Mandoline im Gewand des Gibson-Gitarrenmodells „Firebird“, ein nettes Gimmick. Oder „Courage Tiger“: Der Mann am E-Piano wechselt vom Vocoder an, nennen wir es mal, Safri-Duo-Drums, und dann rechtzeitig zum Pianoeinsatz wieder genau dahin. Auffällig auch, mit welcher Wucht Paul Kenny sein Schlagzeug an manchen Stellen vermöbelt. Neue Facetten für Songs, die auf dem Album mit weicheren Sticks gestreichelt werden. Bei aller Verschrobenheit und Vorliebe für obskures Italo-Kino vergisst das neue Werk von Get Well Soon auch die Hits nicht. „Roland I Feel You“ zum Beispiel wird extrem abgefeiert. Und noch ein Lieblingsmoment: Als gegen Ende des Abends „You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)“ ein wahres Trommelfeuer entfacht, wenn Konstantin zwischendurch an die Safri-Drums tritt. Der Song entpuppt sich als ungeheurer Ohrwurm mit seinem Kontrast aus schwelgerischer Melodie und tanzbarem Rhythmus. Fun Fact: Die Samples im Song, eine verzweifelte Frauenstimme, die um Liebe ringt, stammen aus Hitchcocks Psychothriller „Marnie“.

Neben den neuen Songs gibt es natürlich auch viele Stücke von „Vexations“ (2010) und vom Debütalbum „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“, ob die nun „Angry Young Man“, „5 Steps/7 Swords“, „A Burial At Sea“ oder „Lost In The Mountains (Of The Heart)“ (die fulmiante Zugabe) heißen. Der frühe Hit „If This Hat Is Missing I Have Gone Hunting“ wird übrigens konsequent ignoriert. Vielleicht musste man ihn in den vergangenen Jahren zu oft spielen. Aber eigentlich ist sowas ja ein gutes Zeichen. Es bedeutet, dass man seitdem viele grandiose Songs geschrieben hat.

Mehr Fotos haben meine Kollegen von schwäbische.de
Vielen Dank an Georg Kliebhan, der Tinnitus Attacks Bilder zur Verfügung gestellt hat.Ein großartiger Fotograf, checkt mal seine Internetseite



Mittwoch, 5. September 2012

Hörtest: Two Gallants – The Bloom And The Blight

Ein Album wie ein guter Whiskey, viele Jahre gereift. Verraucht, berauschend, manchmal der Depression förderlich – aber immer ein Emotionsverstärker. Oder: Die Geschichte vom angeschossenen Koyoten, der sich liebeskrank durch die Wüste schleppt – und Vergebung findet.

Das ist allerdings nicht die Geschichte, um die das Album sich dreht, kein Konzept oder so. Nur das Bild, das mir gerade vor Augen schwebte. Die reale Geschichte sieht so aus: Adam Stephens und Tyson Vogel hatten sich nach dem Jahr 2007, in dem das selbstbetitelte Album und die „Scenery of Farewell“-EP erschienen, rar gemacht, eine Pause eingelegt, es sah nach Trennung aus. Ob da noch viel kommen würde? Die Frage hing wie graue Wolken am Himmel jener Musiknerds, denen Two Gallants da sonst die Geigen hinpinnen. Nach persönlichen Tiefs und solistischen Ausflügen haben die beiden Country-Deprimierten die Kurve aber wieder bekommen.

Das ist auch verdammt gut so. The Bloom And The Blight bündelt einerseits alle Stärken, die man an dieser aus der Zeit gefallenen Band so liebt, fügt dem musikalischen Kosmos andererseits auch neue Facetten hinzu. Bisher klang nämlich kein Album der Band, die sich nach einer Kurgeschichte von James Joyce benannt hat, so rostzerfressen, so fuzzy, so dräuend und verzweifelt. Eine schartige Gitarre stürzt sich da immer wieder in den Abgrund ("Halcyon Days"), und apropos schartig: Stephens' Stimmbänder müssen eine einzige Katastrophe sein, was den Hörer aber freut, denn es ist immer noch diese panische Manie, in der er seine Dramen über uns ausschüttet. Außer Folk und Country, der mit der Selbstzerstörungsattitüde des Punk Kinder gezeugt hat, gibt es hier aber auch noch andere Einflüsse zu bestaunen. „Ride Away“ zum Beispiel hat im Sandkasten mit den frühen Black Sabbath gespielt, bevor es sich aufs ins Tonstudio gemacht hat. Die Band selber sagt, man habe auch versucht, die Grungewurzeln deutlich zutage treten zu lassen.

Aber es gibt nicht nur diese kaputten Momente, da sind auch beschauliche Pinao-Einschübe, das perlende Gitarrenarpeggio ("Song of Songs"), Momente, in denen man die Katharsis hinter sich hat und vielleicht ein neues Leben beginnen könnte. Oder zumindest mal wieder eine Nacht durchschlafen. Und im Traum taucht dann wieder dieser Koyote auf. Würde mich nicht wundern, wenn er mit Johnny Cashs Stimme zu einem sprechen würde.

„The Bloom And The Blight“ erscheint am Freitag, 7. September, via Fargo Records. Mehr unter www.twogallants.com. Hier gibt es noch eine Videosession von KEXP:

Vidoe: Green Day - Kill The DJ

Eben haben Sie noch Rock am See überrannt, dann mussten Green Day den Gig in Bologna absagen, am Donnerstag wollen sie wieder bei den VMAs auf der Bühne stehen und zwischendurch haut das Trio uns noch ein neues Video um die Ohren. Am 21. September gibt's das neue Green Day-Album „¡Uno!“, auf dem der äußerst untypisch funkig groovende Song zu hören sein wird.

Dienstag, 4. September 2012

Plakate und Design: Hinter den Kulissen von Rock am See

Making Of, hinter den Kulissen - wie auch immer: Rock am See hat seit vergangenem Jahr Plakate, die endlich auch nach Rock AM SEE aussehen. Warum das so ist und wer Schuld daran hat - dieser Frage bin ich mal nachgegangen. Am Samstag, pünktlich zu Rock am See, ist meine Story darüber in der Wochenendbeilage der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild kommt Ihr zum Artikel. Falls die Schrift zu klein scheint - in neuem Fenster öffnen. Zoomen geht. Ach ja: Wer den Nachbericht zu Rock Am See noch nicht gelesen hat, hier ist er.

Montag, 3. September 2012

Hello Piedpiper mit neuem Video und Tourdaten

Unaufgeregte Songs, samtige Stimme, dezentes Fingerpicking: So kennen und schätzen wir Fabio Bacchet alias Hello Piedpiper, der vergangenes Jahr Anti-Flag-Frontpunk Justin Sane auf dessen Solotour unterstützt hat. Zuletzt machte er als Support von Billy Bragg von sich reden, im März erschien das Debütalbum des Kölners. Jetzt gibt es den ersten Videoclip zu sehen. "The Pawn That Beats The Drake" verweist auf den Arabischen Frühling, der Text ist typisch: politisch und aussagekräftig, aber nicht plakativ. Hello Piedpiper live sehen - das geht übrigens auch demnächst. Unten gibt's die Tourdaten. Ein Interview, das Tinnitus Attacks Anfang des Jahres mit Fabio geführt hat, könnt Ihr hier lesen.


07.09. DE - Menden - Zentrum
14.09. DE - Wuppertal - Cargo Records Plattenladen (17:00h) *Eintritt Frei*
14.09. DE - Wuppertal - Bahnhof Vohwinkel (21:00h)
15.09. DE - Borken - Stadtfest *Eintritt Frei*
16.09. DE - Essen - Wohnzimmerkonzert (privat)
20.09. DE - Düsseldorf - Brause
21.09. DE - Münster - Uncle M Gartenparty
22.09. DE - Bielefeld - Wohnzimmerkonzert (privat)
23.09. DE - Bonn - Maya
24.09. DE - Frankfurt - Feinstaub
25.09. DE - Heidelberg - Action House
26.09. DE - Mainz - Olson & Hekmati Shop
27.09. DE - Oldenburg - Polyester
28.09. DE - Delmenhorst - Kerem Kulturkneipe
29.09. DE - Lübeck - Tonfink
30.09. DE - Hamburg - Streit`s Kino (11:00h)
30.09. DE - Hamburg - Kulturhaus 73 (18:00h)
01.10. DE - Berlin - Ramones Museum *Eintritt Frei*
02.10. DE - Berlin - Wohnzimmerkonzert (privat)
04.10. DE - Leipzig - Café "Noch Besser Leben"
06.10. DE - Kassel - Chewin Gum Shop
11.10. DE - Duisburg - Wohnzimmerkonzert (privat)
27.10. DE - Siegen - VEB
28.10. DE - Dortmund - Plateau 28
08.12. DE - Aachen - Raststätte
15.12. DE - Heigelberg - Cafe Gegendruck (+ Stumfol)

Sonntag, 2. September 2012

Konzertkritik: Rock Am See 2012


Eine verschmähte Punklegende, ein Frontmann im Duracellhasen-Modus und handfeste Überraschungen: Rock am See 2012 hat alles auf Lager gehabt. Ein subjektiver Blick (in chaotischer Reihenfolge) auf die Bands, die in Konstanz die 27. Auflage des Tagesfestivals bestritten haben.

„Auf Green Day ist geschissen“, skandieren Kraftklub in ihrem Song „Zu Jung“. Das Gros der Konzertgänger dürfte das anders sehen. Allerdings: Die Durchdiedeckegeher aus Chemnitz, die extrem kurzfristig für die Beatsteaks eingesprungen sind, sind so etwas wie der heimliche Headliner des Tages.  Ein Wahnsinnsbild bietet sich einem, wenn man aus etwas Entfernung die Arme von Tausenden in der Luft sieht. Auch wenn die Mischung aus Hives-Gitarren und Sprechgesang nicht jedem gefällt: Felix Brummer zeigt Fronter-Qualitäten, seine Band hält ihm den Rücken frei. Insofern: Hossa. Als Vorband der Beatsteaks in Zürich Anfang 2011 fand ich Kraftklub öde. Der Auftritt in Konstanz rückt die Band in ein sehr viel positiveres Licht. Apropos Beatsteaks: Die sind zwar nicht da, ihr Name fällt aber trotzdem häufiger als der jeder anderen Band, die auftritt. Fast alle Musiker senden ihre Genesungswünsche an Drummer Thomas Götz, der nach einem Unfall auf der Intensivstation liegt, und auch Das Ding-Moderatorin Christiane Falk macht ein paar Fotos von der Menge für die Beatsteaks.

Überzeugend: Itchy Poopzkid. 
Überraschung Nummer zwei für mich: Itchy Poopzkid. Ich weiß, die Jungs haben einen erstklassigen Ruf und spielen so oft live, dass man sie im Grunde schon mindestens drölf mal gesehen haben muss. Trotzdem: Für mich ist es das erste Mal, dass ich das Punkrocktrio sehe. Schwer begeistert, muss ich danach resümieren. Da stimmt ja einfach alles. Songs wie „Why still bother“ gefallen extrem, aber das alleine reicht ja oft nicht. Aber wie Sibbi, Panzer und Max das Publikum zu Circle Pits und anderen Bespaßungsaktionen animieren, kurz mal Instrumente tauschen und mit ihren Ansagen das Unterhaltungsniveau von Die Ärzte anpeilen – das hat was. Vor allem ist die Band ja als erstes dran, weckt die Fans aber sehr gelungen auf. Schöner Moment auch: als die Menge einen Gitarrenkoffer in die Luft stemmt und Sibbi darauf Gitarre zockt. Erinnert mich irgendwie an Asterix-Comics. Majestix, bist Du's?

Das krasse Gegenteil bieten später Angels & Airwaves. Was für ein satter Rockstar, dieser Tom DeLonge. Kommunikation? Fehlanzeige. Der Blink 182-Sänger und seine Musiksöldnertruppe wirken gelangweilt und machen Dienst nach Vorschrift. Dazu kommen die ewig gleichen Gitarrenfiguren, etwas Keyboard-Popanz und Baukasten-Melodien, die es nicht auf Blink-Alben geschafft haben. Wäre Homer Simpson im Publikum gewesen, hätte man seine „Booooooring“-Rufe wohl noch bis in die Schweiz gehört.

Immer wieder ein Vergnügen: Flogginy Molly. 
Wie's richtig geht, zeigen Flogging Molly. Ist ja kein Geheimnis, dass Dave King und seine Irish-Folk-Kapelle die überschäumendsten Live-Momente einschenken kann. Und das tut das Septett in Konstanz auch. Polka-Donnergurgler wie „The Likes of You Again“ wechseln sich mit langsameren Weisen á la „The Power's Out“ oder „Float“ ab. Dann zollen sie noch dem Protestsong-Paten Bob Dylan Tribut mit ihrer Version von „The Times They Are A-Changin'“, die auf dem Chimes Of Freedom-Sampler vertreten war, und entlassen uns mit dem sentimentalen „What's Left Of The Flag“ wieder in den nassgrauen Alltag. Jederzeit wieder.

Verschmäht: Social Distortion haben's
nicht leicht.
Den undankbarsten Slot haben Social Distortion gezogen. Sie müssen vor Green Day ran – aber viele Fans im ersten Wellenbrecher sind eben wegen Billy Joe & Co. da und besetzen die besten Plätze schon mal. Im wahrsten Sinne des Wortes: So viele Menschen sitzen sehen bei einem Auftritt von Mike Ness und seiner Punkrocktruppe hat man selten. Was ist da los? Arsch hochkriegen, anyone? Hier steht eine Punklegende auf der Bühne! Dem coolsten Pomadenkopf im Musikbiz stinkt's nach einer Weile selbst, er fragt, ob denn jemand gestorben sei. Gut, die Songs von Social Distortion sind vielleicht keine Partyhymnen und etwas altersmilde klingen die Orange County-Rocker inzwischen schon. Aber was hier vor der Bühne passiert, ist echt schwach. Lediglich beim rasanteren „Don't Drag Me Down“ wird’s mal etwas stimmungsvoller. Ansonsten wird dieser Gig sicher nicht als der vor dem besten Publikum in die Bandgeschichte eingehen. Übrigens: Den Namen des Headliners lauthals zu brüllen, wenn gerade noch die Band davor auf der Bühne steht, wird mit Justin Bieber hören nicht unter zehn Jahren bestraft. Die Sitzung ist geschlossen.

Green Day selbst bieten dann überlebensgroßen Stadionrock, der mitreißt, aber auch schon hart an der Grenze zur Karikatur schwankt. Die Zahl der Mitsingspielchen („Heooo“) etwa hätte man zugunsten von mehr Songs auch reduzieren können. Und wenn Billy Joe abwechselnd „Deutschländ! Switzerländ!!“ ins Publikum ruft, fragt man sich, ob „Konstanz“ so schwer auszusprechen wäre. Aber: Green Day machen verdammt nochmal Stimmung. Das können sie schon, und als Headliner sind sie auch goldrichtig hier aufgehoben. Ob Songs neueren Datums wie „Oh Love“ oder olle Kamellen vom „Dookie“-Album – alles dabei, alles gutgelaunt und wuchtig. Und Billy Joe läuft und läut und läuft wie der Duracellhase. Highlights des Gigs: Drei Fans werden auf die Bühne geholt, übernehmen die Instrumente und stehen für ein paar Sekunden im Rampenlicht. Die drei machen ihre Sache gut und sollten eine Band gründen. Wie wahnsinnig klänge das in Interviews: „Wie habt Ihr Euch kennengelernt?“ Antwort: „Green Day haben uns auf die Bühne geholt und dann haben wir gedacht, och, das haben wir echt prima hinbekommen, die Chemie war auch da, wir könnten doch zusammen spielen.“ Die Chemie stimmt auch bei Green Day, die Band, die seit „American Idiot“ ihren zweiten Frühling auskostet, ein eigenes Musical hat und deren Poster vermutlich unzählige Schlafzimmerwände pflastern. Ein wuchtiger Auftritt.

Ach ja, Jupiter Jones waren auch da. Was soll ich sagen? Es gibt wenige Bands, die auf Deutsch singen, mich begeistern und nicht Die Ärzte heißen. Es liegt an mir, nicht an Dir.

Text und Fotos: Daniel Drescher

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