Samstag, 30. Juni 2012

Konzertkritik: Singer/Songwriter Night in der Hoki Weingarten


Stumfol. Ben J. Marx. Gabriel Alex.
Singer/Songwriter Night.
Hoki Weingarten.
Freitag, 29. Juni 2012. 
Text und Fotos: Daniel Drescher

Der Mann kann sogar Justin Bieber covern – und man ist ihm nicht böse. Dafür klingt der Song dann doch zu gut, wenn ihn Christian Stumfol covert. „Never Say Never“ heißt das Lied, es hat als Gag angefangen, inzwischen hätte er den Song (in seiner Version) aber liebgewonnen, sagt der Mittzwanziger mit der Akustikgitarre, der in einer Studentenkneipe in Weingarten auf der Bühne steht. In der „Holzkiste“ hat er eine Singer/Songwriter-Nacht organisiert, außer ihm stehen noch Ben J. Marx und Gabriel Alex auf der Bühne.

Rockt: Stumfol in Weingarten.    Foto: TA
Man kennt ihn als Sänger der schwäbischen Punkrocker von „Clap Your Hands Twice“, solo lebt Christian Stumfol seine Vorliebe für ehrliche Gitarrenarbeiter wie Chuck Ragan und Frank Turner aus. Und auch wenn er zu seinen Einflüssen steht: Abgekupfert wirkt hier nichts, eine eigene Persönlichkeit scheint durch. Man kann sich vorstellen, was für Ereignisse der junge Musiker in Songs wie „Final Drive“ verarbeitet hat, einem melancholischen Stück über abgefuckte Situationen und letzte Heimfahrten. Erstaunlich ist bei Stumfols Performance zum einen seine Stimme. Wenn er will, kann er richtig laut werden und mit kräftigem Volumen die Boxen zum Beben bringen. Klingt auch nicht wie ein 24-Jähriger, sondern irgendwie wie jemand mit der Lebenserfahrung von noch mehr Jahrzehnten. Schön daran, dass man das Gefühl hat, jemandem zuzuhören, der nicht zur Gitarre gegriffen hat, um Rockstar zu werden, sondern: „Ich bin in einem winzigen Dorf aufgewachsen, da gab's nichts. Also haben wir uns mit Gitarren ans Lagerfeuer gesetzt.“ Da soll nochmal jemand sagen, die Ödnis von kleinen Käffern sei zu nichts nutze. Der Birmingham-Effekt. Wer weiß, was Black Sabbath gemacht hätten, wenn sie zufrieden mit ihrer Situation gewesen wären. Sicher keine Klassikeralben. Nur so ein Gedanke. „Moonshiner“ ist so ein Song, der am Lagerfeuer damals oft erklungen ist, ein Folkstück, das auch Bob Dylan mal aufgenommen hat. Stumfol beherrscht sein Strumming und langt ganz schön zu: Nach wenigen Minuten ist die erste Saite gerissen. „Frisch gekauft, der Händler meinte, die hält ewig“, beschwert sich der Gitarrenarbeiter. Am Ende des Gigs ist auch die Leihgitarre von Ben J. Marx um eine Saite ärmer. So muss das sein. Rock'n'Roll!

Bevor Stumfol die Bühne entert, sorgt Ben J. Marx mit seinem lässigen Gitarrensound für viel Applaus. Zwei Sidekicks – ein Bassist/Gitarrist und eine Cellistin – sogen für zusätzliche Klangfacetten. Er hat schon Recht, der Marx, wenn er sagt, dass man Cellistinnen viel zu selten auf der Bühne sieht. Wer Murder By Death zu schätzen weiß, kennt die Vorzüge, die warme Cellotöne einem Song verleihen.

Gabriel Alex zeigt eine nochmal andere Herangehensweise. Das ist Folk, das ist fast schon Chanson-artig und sehr emotional bis leidenschaftlich, wie er seine Stücke darbietet.

Stumfol hat Recht: Es gibt zu wenig Live-Musik in Weingarten. Als er zu dieser Einschätzung kommt, applaudieren die vielen Studenten, die da sind. Wäre sicher kein Fehler, diese Nacht nicht als einmalige Sache dastehen zu lassen.

Mehr Fotos gibt's hier
Tinnitus Attacks auf Facebook: http://www.facebook.com/tinnitusattacksblog

Fotostrecke: Singer/Songwriter Night

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Singer/Songwriter Night, ein Album auf Flickr.

Dreimal Gitarrensound: Stumfol, Ben J. Marx und Gabriel Alex auf der Bühne in der Hoki in Weingarten. Ja, diese Stadt könnte mehr Livemusik vertragen.

Freitag, 29. Juni 2012

The Heavy: Neues Album "The Glorious Dead" kommt Ende August


The Heavy - 'What Makes A Good Man?' (Official Video) from Ninja Tune on Vimeo.

Die Soul-Rocker The Heavy veröffentlichen am 31. August ihr drittes Album. Es heißt "The Glorious Dead" und ist der Nachfolger von "The House That Dirt Built" von 2009. Das Album vereint Einflüsse aus Soul, Hip Hop, Rock Blues und Funk.Die erste Single "What Makes A Good Man?" wurde vor kurzem für einen Werbespot des Amerikanischen Bierherstellers Miller Beer benutzt. Zu diesem Song hat die Band nun auch ein Video rausgebracht. Sänger Swaby sagt über die Platte: "It’s our third record, which is when you’re judged if you’re here to stay, or sliding off the face of the earth. We want to stick around, so we took our balls out and went for it. I love what we’ve done. We got our deadpan heartbreak down. This record suggests how we continue to walk among the dead – now just in a few more places, and with more of a swagger. "The Glorious Dead" kombiniert laut Promoagentur Frankenstein, Voodoo und B-Movie Zombies mit Garage Rock und Soul voller Gospelelemente.

Und so sieht die Tracklist aus:
1. Can't Play Dead
2. Curse Me Good
3. What Makes a Good Man?
4. Big Bad Wolf
5. Be Mine
6. Same Ol'
7. Just My Luck
8. Lonesome Road
9. Don't Say Nothing
10. Blood Dirt Love Stop

Mehr unter http://theheavy.co.uk und https://www.facebook.com/theheavy73

The Gaslight Anthem geben Konzert bei Letterman



Nicht nur Conan O'Brien lässt in seiner Show gerne mal ordentlich rocken, auch David Letterman hat regelmäßig Besuch von Tinnitus Attacks-kompatiblen Bands. Jetzt waren's The Gaslight Anthem, die nicht nur einen Song, sondern eine gute Stunde Musik gemacht haben. Darunter auch die drei neuen Songs "Biloxi Parish", "45" und "Here Comes My Man". Den Abschluss macht ein grandioses Cover von The Who's "Baba O'Reilly". Das neue Album der Band aus New Brunswick, New Jersey heißt "Handwritten" und erscheint am 20. Juli.

Donnerstag, 28. Juni 2012

Two Gallants: Neues Album "The Bloom And The Blight" kommt im September



Gute Neuigkeiten für Fans der Two Gallants: Nach drei Jahren Pause und fünf Jahren, die seit dem letzten Album vergangen sind, werden die beiden Musiker Adam Stephens und Tyson Vogel wieder etwas veröffentlichen. Das neue Album "The Bloom and the Blight" soll am 7. September erscheinen. Das Album erscheint auf dem in Paris ansässigen französischen Label Fargo.

Für Fans eine erfreuliche Wendung in der Geschichte der Band, es ist eine Art Reunion der Band nach einer mehrjährigen Pause. "We’ve both gone through some hard stuff personally, so this album has that element of the cathartic, of a release of tension", wird Adam Stephens (Gitarre/Gesang) zitiert. "We had taken time off, and we did different things, played in different bands. And in doing those things, being apart and redefining ourselves in that way, we were able to come together with a fresh approach." Balladesk, wuchtig und hymnisch soll das Album sein. "Our past albums have been a lot more folk and blues-based, and I tried to move away from that to some extent", sagt Stephens zum Stil der neuen Scheibe. "I wanted to find a rawness in the music and take us back where we’d come from, from punk rock and grunge in particular, to our childhood, in some ways." Die Scheibe sei ein Schritt hin zum Erwachsenwerden nach einer längeren Auszeit, so Stephens. Er hat einen schweren Busunfall hinter sich, hat sich inzwischen aber von seinen Verletzungen erholt. "I wasn't able to play guitar or piano for about four months", erinnert er sich, "but I started writing songs for the record as soon as I was healthy enough." Aufgenommen wurde das Album von John Congleton (Explosions in the Sky, Modest Mouse) in den Fantasy Studios in Berkeley und Tiny Telephone in San Francisco.

Den neuen Song "Broken Eyes" kann man schon hören - und auf der Internetseite der Band gratis herunterladen.
"What The Toll Tells" war ein Meilenstein des Indie-Folk und läuft bei mir mindestens einmal pro Woche.

Die Tracklist liest sich so:

1.  Halcyon Days
2.  Song Of Songs
3.  My Love Won’t Wait
4.  Broken Eyes
5.  Ride Away
6.  Decay
7.  Winter’s Youth
8.  Willie
9.  Cradle Pyre
10.  Sunday Souvenirs

Auf diesen Sommerfestivals kann man die Band übrigens live erleben:
27.07.  Diepholz, Appletree Garden Festival
28.07.  Dortmund, Westfalenpark - Juicy Beats Festival

Hörtest: Slobbery Dognose - A Little Bite of Rock'n'Roll

Die neue The Bones? Ein verschütt gegangenes Turbo A.C.'s-Demo? Nicht ganz. Slobbery Dognose kommen aus Braunschweig, sind schon über 20 Jahre zugange und sind dem Underground noch nicht entkommen. Aber: Wer schon für die UK Subs, die U.S. Bombs und die New Bomb Turks eröffnet hat, dem ist das vielleicht eh Schnuppe. Partytauglicher Rock'n'Roll, der Rockabillys die Tolle zurecht föhnt. 

Ein charmanter Alka Seltzer-Werbespot aus den 50ern gleich zu Anfang, weg mit dem Kater, rein mit der guten Musik. Die Vorliebe für alte Samples zieht sich durch die Platte und gefällt. Hier sind "Four Bastards" am Werk, stellen sie gleich im Song Nummer zwei klar, der alle Tugenden von Motörhead und Co. vereint. Braunschweig ist nicht gerade als Rock City bekannt. Seit über zwei Dekaden aber lärmen Schlagzeuger Martha und Gitarrist und Sänger Henning von dort aus durch die Botanik, Bassist Philipp und Rhythmusgitarrist und  Backgroundsänger Norman komplettieren das Line-Up. Alle vier haben eine Vorliebe schnelle Riffs, rauchigen Gesang und keinen Schnickschnack.

Auf Platte führt solche Musik regelmäßig dazu, dass man die Temposchilder auf der Straße mit einer hochgezogenen Augenbraue bedenkt und sich selbst im Smart fühlt, als ob man mit einem amerikanischen Muscle Car die Bordsteine rasiert. Live dürfte dieses Gebräu, das Punkrockern und Teddys gleichermaßen gefallen müsste, für Bewegung auf dem Tanzflur sorgen. Neun Songs in 23 Minuten, vielsagende Titel wie "My Head Doesn't Fit My Body" (sehr geil mit Bläsern und Maultrommel) oder "Self-Destructed", alles nicht immer ganz ernst gemeint, aber stets sympathisch gemacht. Bei "Coconut Beach" bekommt Henning Verstärkung von Inga Stang (Sängerin und Gitarristin bei Le Band und Callin Tommy), die für das Artwork auch als psychotische Krankenschwester posiert. Hallo, Notaufnahme? Kann ich vorbeischauen?

Alles übrigens in Eigenproduktion entstanden. Ganz so wie Punk das eigentlich haben wollte.

"Little Bite of Rock'n'Roll" von Slobbery Dognose ist am 5. Juni bei Rehearsal Room Records erschienen. Mehr unter www.slobberydognose.de. Hier noch die Videos zu "Coconut Beach" und "My Head Doesn't Fit My Body".



Mittwoch, 27. Juni 2012

Cardinal Sessions mit Hot Water Music



Wie genial Hot Water Music - ok, 50 Prozent Hot Water Music - auch mit zwei Akustikgitarren noch klingen. Das ist das Konzept, oder? Die Songs werden sich auch auf einer REvival Tour mal noch gut machen, wetten? Die Tage gaben HWM in Dortmund vor dem Gig im FZW spontan einen Unplugged-Gig für die Cardinal Sessions. Ich muss sagen, dass Chuck Ragan, Chris Wollard, Jason Black und George Rebelo auf dem Southside zu meinen absoluten Highlights gehört haben. Neues, Altes - alles großartig! Und wenn Chuck Ragan dann noch einen Applaus für die Leute einfordert, die Festivals zum Leben erwecken und sonst nie groß im Rampenlicht stehen, weiß man, der Mann ist einfach einer von den Guten.

Video: Beirut - The Rip Tide



Eben haben sie mich noch beim Southside umgehauen, jetzt freuen wir uns an ihrem neuen Video: Beirut haben den Clip zum Titelsong ihres letztjährigen Albums "The Rip Tide" veröffentlicht. Was ich dabei etwas gruselig finde: In meiner Rezension dazu schrieb ich vergangenes Jahr, dass man zu diesen Klängen einfach nur in einer Nusschale davonschwimmen möchte. Was isst im Video zu sehen? Ein kleines Boot, das übers Meer treibt...

"The Rip Tide" schaffte es in meiner Topliste 2011 auf Platz 3.

Dienstag, 26. Juni 2012

Southside 2012: Von Altmeistern und Jungspunden - Der musikalische Nachbericht

Da weiß man doch wieder wofür man lebt. Knapp hundert Bands, drei Tage Sonnenbrand - und das Wichtigste: gute Musik. Das Southside 2012 war großartig. Ich war in schreibender Mission für die Schwäbische Zeitung unterwegs. Hier mein großer musikalischer Nachbericht, der heute auf der SZene-Seite erschienen ist. Per Klick aufs Bild könnt Ihr ihn lesen, falls er zu klein angezeigt wird, abspeichern und vergrößern, die Auflösung ist hoch.

Montag, 25. Juni 2012

Southside 2012: Meine Highlights

So. Nachdem das mit dem WLAN nicht so geklappt hat wie erhofft, gibt's jetzt ein kurzes Southside-Update und morgen dann den ausführlichen musikalischen Nachbericht, den ich für die Schwäbische Zeitung mache. Wobei der Blogbeitrag hier natürlich subjektiver gefärbt ist. 

The Cure von weiter weg.               Foto: Tinnitus Attacks
Ein paar Worte zu The Cure. Sie waren gut. Sehr gut sogar. Dieser dräuende Gitarrensound, der manchmal vor sich hin plätschert und Dich einlullen will. Als Robert Smith in Großaufnahme über eine Videoleinwand flimmert, denke ich kurz, Alice Cooper zu sehen. Sean Penn hat sich in "Cheyenne - This Must Be The Place" sehr offensichtlich von diesem Erscheinungsbild inspirieren lassen, dass Smith nie groß variiert oder verändert hat. Keine Röhrenjeans, keine Hipsterbrille - Smith ist einfach Smith. Und mal ehrlich: Solche Konstanten sind doch auch einfach wichtig. The Cure sind für mich ein Teil meiner Jugend. Ich wurde mit 16 durch ihr Album "Wild Mood Swings" auf sie aufmerksam. Auch wenn diese Platte nicht als starkes Stück Musik in der Diskographie der Briten gilt - ich fand's klasse. Ich hatte eine düstere Ader und brauchte mehr von The Cure. So viel der damals extrem schmale Geldbeutel hergab. Danke, Bücherei. Damals kopierte man CDs einfach auf eine Kassette. Deren Magnetband sich dann im Campingurlaub im Walkman verhedderte. Wenn ich mich so reden höre, komme ich mir ganz alt vor. Naja. Bin ich ja auch, irgendwie. Noch mehr Opa-erzählt-Schwänke-aus-seiner-Jugend-Style gefällig? Bitte. 1997 auf einer Konzertreise mit dem Jugendsinfonieorchester in einem Plattenladen ein Poster entdeckt, das eigentlich zum Inventar gehörte. Von The Cure. Das musste sein. Mit Englisch, Deutsch und Gestik machte ich klar, was ich will - und durfte es mitnehmen. Sollte ich eigentlich mal wieder aufhängen. 

Mein Highlight des Festivals waren My Morning Jacket. Nathan Maxwell von Flogging Molly hat mich auf die gebracht. Ok, man hört ja sonst auch immer wieder, wie toll die sein sollen. Aber: Nate läuft durchs LKA, ich ihm zum Backstageraum hinterher zwecks Interview und er meint zu mir: "God I love this song. My Morning Jacket, you know 'em? You got to check them out." Was ich hiermit getan habe. Als sie die 8-Bit-Sounds ausgepackt haben, war ich selig. Wo ist eigentlich mein Gameboy hin? Ach ja, ich hatte ja nie einen. Musste ihn mir immer von Schulkameraden leihen. Aber ich schweife ab. My Morning Jacket jedenfalls - groß. Ganz unspektakulär auf der White Stage in einem Zelt, nicht so gedrängt voll, aber Songs zum Niederknien. Beschreiben kann ich das nicht (bzw. das kommt morgen im SZ-Bericht). Wer mehr wissen will, sollte mal die Basement-Videos hier und hier anschauen. 

Und dann auch noch ganz riesig: Rise Against. Dass die US-Punkrocker um Tim McIlrath groß sind, wusste ich schon, Alben hab ich auch im Regal - aber live ist dann eben nochmal was anders. Sehr spektakulär. Sehr engagiert. Rise Against stehen auf der richtigen Seite. Politisches Engagement geht ihnen über alles - da bekommt sogar die Hilfsorganisation Viva con agua von der Bühne aus Schützenhilfe. 

So, damit sich nichts doppelt: Morgen gibt's wie gesagt meinen Musiktext aus der SZ hier zu lesen. Bis dahin: Rock on. 

Samstag, 23. Juni 2012

Southside, Tag 1: Die Highlights

Nah dran dank Monitor: Mad Caddies.         Foto: TA
Lang nicht gesehen, Mad Caddies. Ist ne Weile her, und da stand ich dann mit geprelltem Arm in der Schlinge. Nix da Pogo. Schön zu sehen, dass die Skapunkrocker es immer noch drauf haben. Zwischen relaxtem Reggaefeeling und zupackendem Punkrock agieren die Skapunkrocker sehr überzeugend. Nur wie Chuck Robertson es bei der Hitze mit langen Haaren und Mütze aushält, das muss er mal bei Gelegenheit verraten. Von hitzigem Ska zu coolem Britrock: Noel Gallagher und seine High Flying Birds sind wirklich gut. Für mich als Ex-Oasis-Verächter eine Überraschung. Hab ich mir da doch die falsche Platte geholt, wenn ich Beady Eye im Regal hab? Wahrscheinlich nicht - aber die Noel-Scheibe könnte sich bald dazugesellen. Mumford & Sons dann bombastisch und spektakulär. Mit ihrem stampfenden, wehmütigen, tanzfreudigen Folk nehmen sie die Menge im Sturm. Die Vorfreude auf ein baldiges neues Album wird immer größer. Die Ärzte haben gerade eine neue Platte raus, wuchern aber nicht unbedingt mit Titeln von "auch". Die Songauswahl geht durchaus in Ordnung, aber irgendwie ist es ein fast schon zu routiniertes Konzert. Vor allem: Wo sind die Ansagen hin? Da war schon mal mehr Spaß auf der Bühne. Mir hat einfach die Spontanität gefehlt, die DÄ-Shows sonst so großartig machen. Und "Captain Metal" hab ich auch vermisst. Oder hat ihn jemand gesehen? Falls ja, bitte bei mir abgeben .

Freitag, 22. Juni 2012

Tinnitus Attacks auf dem Southside: Es hat begonnen

Königlich: Blauer Himmel beim Southside. Was ist da los?
                                                             Foto: Daniel Drescher
Was ist denn das? Gutes Wetter? Kann nicht sein. Ok, normalerweise ist Wetter echt das banalste Thema, das man möglichst immer umgehen sollte beim Schreiben. Aber Sonne und wollkenloser Himmel beim Southside - das ist einfach kafkaesk und maximal irreal. Ich bin das siebte Mal hier - und meine Erinnerungen an schlechtes Wetter sind weeeesentlich umfangreicher als die an gutes. Insofern geht das schon in Ordnung. Und während die ersten Töne der Hawk Eyes von der Blue Stage zum Pressezelt rüberschallen, freu ich mich auf die Mad Caddies, Lagwagon, Mumford & Sons und natürlich Die Ärzte (aus Berlin!) heute. Eine Absage gab's indes heute auch schon: City and Colour fallen aus, krankheitsbedingt. Das ist übrigens die Band, die man auch als Soloprojekt von Dallas Green kennt, dem Sänger von Alexisonfire. Die gibt's nicht mehr, aber vor der Auflösung sprach Dallas Green im Interview mit einem Dortmunder Musikmagazin noch über Zukunftspläne seiner Band. Insofern wenig verwunderlich, dass man auf dem Festivalgelände auch mal die ein oder andere kritische Stimme zu diesem Thema hört.

Ansonsten: Morgen Interview mit Frank Turner - und mal sehen, was dieses großartige Festival noch so bereithält. Ist es nicht einfach wunderbar? Ich halte euch auf dem Laufenden.

Tinnitus Attacks ist dann mal weg...auf dem Southside!

Alles dabei: auf nach Neuhausen ob Eck!           Foto: TA
Das Auto ist gepackt und ich bin fast abfahrbereit: auf zum Southside! Drum auch gestern das Schweigen auf dem Blog. Einkäufe erledigen sich ja schließlich nicht von selbst.

Ich bin für die Schwäbische Zeitung vor Ort und werde natürlich auch mein Blog befüttern. Per Twitter halte ich Euch zwischendurch auch immer mal wieder auf dem Laufenden. Wie oft, das hängt noch etwas von der technischen Infrastruktur vor Ort ab. Folgt mir auf Twitter oder bei Facebook, um die Updates zu bekommen. 

See You On The Other Side - The Southside! 

Mittwoch, 20. Juni 2012

Joey Briggs und The Forum Walters gehen gemeinsam auf Tour




Joey Briggs kennt man als Frontmann der LA-Punkrocker The Briggs, die  bereits mit Bad Religion oder auch Flogging Molly auf Tour waren. Das letzte Album "Come All You Madmen" erschien 2008 via Side One Dummy. Jetzt geht Joey mit den österreichischen Newcomern von The Forum Walters und The Liberation Service auf Tour. Dabei wird er laut Label Flix Records seine Songs zwischen Folkpunk und Billy Bragg auf die Bühne bringen. Einen Vorgeschmack bietet der gemeinsame Song "Punkrock Pirates", den ihr hier hören könnt. 


Die Tourdaten:

29.06.12 Wien, AT -  Shelter
30.06.12 Prague, CZ - PopoCafePetl
01.07.12 Milano, IT -  TNT
02.07.12 Bologna, IT - Chet's Club
05.07.12 Athens, GR -  K44
07.07.12 Istanbul, Dogzstar
08.07.12 Bukarest, RO -  Club Underworld
09.07.12 Cluj-Napoca, RO - Gambrinus
13.07.12 Wangen, D -  JUZ Tonne
14.07.12 Wunsiedl, D - JUZ
15.07.12 Bad Hersfeld, D -  JUZ
17.07.12 Berlin, D - Cortina Bob
18.07.12 Hannover, D -  Bei Chez Heinz
19.07.12 Hamburg, D - Hafenklang
20.07.12 Emden, D - Grusewsky
21.07.12 Paris, FR - Les Combustibles
22.07.12 Bonn, D - Maya Mexican Bar
24.07.12 Münster, D - Baracke
25.07.12. Regensburg, D - Kaffe dAdA
26.07.12 Graz, AT - Musichouse
27.07.12 Amstetten, AT - Darkslide Bar
28.07.12 Timelkam, AT - Gei Musikclub

Dienstag, 19. Juni 2012

The Unwinding Hours: Neues Album "Afterlives" kommt Ende August



Das Kind hat einen Namen und ein Veröffentlichungsdatum: Das neue Album der Aereogramme-Nachfolger The Unwinding Hours wird "Afterlives" heißen und am 24. August 2012 beim schottischen Label Chemikal Underground erscheinen. Das hat Rough Trade heute bekannt gegeben.

Als Aereogramme Geschichte waren, ging es mit The Unwinding Hours weiter. 2010 kam das Debütalbum von Iain Cook und Craig B und schaffte es in die Bestenlisten des Jahres. 


In einer Pressenotiz wird erzählt, was in der Zwischenzeit passiert ist: "Nun sind zweieinhalb Jahre vergangen. Craig B ist zurück an die Uni gegangen, um Theologie und Soziologie zu studieren, während Iain Cook fleißig und erfolgreich in seinem eigenen Studio diverse Projekte und Bands produzierte und Alben aufnahm. Einmal die Woche kam Craig vorbei und brachte frische Ideen oder Demos mit, an denen beide fortan kontinuierlich arbeiteten." 

Vor allem Craigs Studium habe großen Einfluss auf das Schreiben der Texte genommen. „I felt I was finally able to learn and absorb as much as I could but also use it to be able to articulate what I had been trying to express for years“, zitiert ihn Rough Trade.

Auf "Afterlives" sollen sich gitarrenlastige Songs ebenso finden wie Synthesizer. Künstler wie The Flaming Lips, Max Richter, The Cocteau Twins und Laurie Anderson soll Craig B als großen kreativen Einfluss für das neue Material genannt haben. Einen ersten Eindruck bekam man mit dem Demo des Song "The Dogs" bereits vergangenes Jahr. Aber Vorsicht: Auf dem Album kann das nochmal ganz anders klingen.

Und so liest sich Tracklist:
1. Break
2. I've Loved You For So Long
3. The Right To Know
4. Saimaa
5. The Promised Land
6. Wayward
7. Say My Name
8. The Dogs
9. Skin On Skin
10. Day By Day

Hier gibt's noch Tourdaten:

04.09. München - Kranhalle
05.09. Dresden - Beatpol
06.09. Hamburg - Knust
07.09. Köln - Luxor
08.09. Münster - Gleis 22
09.09. Berlin - Magnet
10.09. Heidelberg - Karlstorbahnhof
11.09. CH-Zürich - Ziegel Oh Lac
12.09. CH-Düdingen - Bad Bonn

Hot Water Music im SZ-Interview

Aus dem Leben eines Musiknerds: Manchmal ist es schon ein bisschen wie bei "Waynes World". Zum Beispiel, wenn man die Tür zum Backstage-Raum öffnet und man erstmal in die Gesichter von Chuck Ragan (Hot Water Music) und Dave Hause (The Loved Ones) guckt. Weiter hinten im Raum sitzen Jason Black (Bass) und Chris Wollard (Gitarre und Gesang). Wobei Letzterer eher liegt als sitzt. Nach und nach machen sich Chuck Ragan und Dave Hause für ein dreistündiges Akustik-Set bereit. Ich bleibe mit 50 Prozent Hot Water Music im Backstage  Raum zurück. Es wird eins dieser Interviews, durch die man mehr Bezug zu einem Bandmitglied bekommt. Bisher fand ich Chris Wollards Songs immer gut - nach dem Interview habe ich das Gefühl, sie zu verstehen.

Es ist der 28. April, der Backstage-Raum liegt im LKA in Stuttgart. Pirate Satellite Festival. Gute Gelegenheit, mal übers neue Album zu reden. Und sonst noch einiges. Mein Interview mit Jason und Chris ist am Samstag, 16. Juni, in der Wochenend-Beilage der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr's lesen.

Hier gibt's auch Bilder und einen Konzertbericht vom Pirate Satellite Festival.
Und die Rezi zu "Exister" an dieser Stelle.

Montag, 18. Juni 2012

Hörtest: Radio Havanna – Alerta

Deutschpunk ist in die Jahre gekommen. Aber der Staffellauf nimmt kein Ende. Radio Havanna drehen ihre Runden seit 2002, auch mal für Oxfam. Das geht schon in Ordnung. Die Ziele und Ideale sind schließlich gut und richtig. 

Ob es die Sehnsucht nach Eindeutigkeit ist, die dem schon so oft totgesagten Punk immer wieder den xten Frühling beschert? Selbst Protestikonen wie Joan Baez finden, dass die Situation heute derartig komplex ist, dass es schwierig ist, gegen Missstände vorzugehen. An zu vielen Fronten könnte man kämpfen. Punk hat diesen Wandel zur Komplexität mitvollzogen. „No Future“-Parolen sind durch alternative Konzepte ersetzt worden, Anti-Flag machen es vor, wenn sie ihre Booklets mit Hintergrundinfos und Links zu NGOs vollpacken. Trotzdem ist Punk als Musikstil im Kern immer simpel geblieben, „Wer Punk macht, hat's nicht zum Metal geschafft“, geht ein gängiger Musikerwitz. Und apropos Anti-Flag: Deren Justin Sane leiht Radio Havanna im Opener „Flüstern, Rufen, Schreien“ seine Stimme (kann man bei Soundcloud übrigens gratis runterladen). Ein wütender Protestsong (was auch sonst?), der nicht versteht, warum man sich umsonst aufbäumt: „Wir fordern etwas aber es ist Euch egal. Warum ist es Euch egal?“ Inside the mind of the Kapitalismusbestie. Da braucht es einen Profiler mit ganz spezieller Ausbildung.

Radio Havanna nähern sich dem Wesen unserer Zeit, analysieren es, verachten es und wollen etwas anderes. „Wir stehen im Regen aus Hetzschlagzeilen und großen Reden, wir können's nicht mehr hören“, heißt es an anderer Stelle. Bild Dir Deine Meinung? Das haben die Hamburger Punkrocker definitiv getan. Dem Arbeitsmarkt-Hamsterrad treten die Berliner mit "Die Zeit rennt" entgegen:  „Wir rasen durch dieses eine Leben als ob da noch ein zweites wär. Was bleibt auf Dauer von uns übrig?“ Die haben bestimmt auch schon sowas wie „Ihr behandelt die Erde als hättet Ihr noch eine zweite im Keller“ an Wände gesprüht. Très sympa, wie der Franzose sagt. Radio Havanna erinnern in ihrem eingängigen Wooohooo-Habitus und mit den melancholisch-bedeutsamen Texten etwas an die Toten Hosen. Musikalisch zeigt sich diese Scheibe vielfältig. Keine Scheu vor cleanen Gitarren oder gar der Akustikklampfe, etwa in „Goldfischglas“, einem wahrhaft deprimierenden Großstadtblues, der ein bisschen mit Cello angibt. 

Radio Havanna, der Name deutet auf Che-Shirts und Castro-Sympathien hin. Beides ist etwas dated, aber wenn man sich die Finanzmärkte anschaut, sind Korrektive nötig. Punk hat eine Aufgabe. Auch wenn er nur den Soundtrack liefert oder Inspiration, sich mit offenen Augen umzuschauen. Radio Havanna sendet. Schön wär's, wenn die Leute einschalten.

"Alerta" von Radio Havanna ist am 4. Mai bei Uncle M erschienen. Mehr unter www.radiohavanna.de

Auf Tour kann man die Band an folgenden Terminen sehen:


20.06. DE - Kiel - Pumpe // Kieler Woche
22.06. DE - Saarlouis - Rock gegen Rechts  
23.06. DE - Ansbach - Aufmucken gegen Rechts  
26.06. DE - Berlin - Zitadelle // Citadel Music Festival +Flogging Molly +The Bronx
30.06. DE - Karlsruhe - ASTA Festival
06.07. DE - Oberhof - T-Wood Festival +Jennifer Rostock
07.07. DE - Münster - Skaters Palace +Pennywise +Flatliners
13.07. DE - Hannover/Lehrte - Arpke
14.07. DE - Freiberg - Baude Rock Open Air  
25.07. DE - München - Free and Easy Festival
27.07. DE - Klingendorf - Force Attack Festival  
04.08. DE - Zwiesel - Sommerfestival
11.08. DE - Eschwege - Open Flair +Beatsteakes +Social Distortion
18.08. DE - Lüdinghausen - Area4 Festival +Beatsteaks
24.08. DE - Frankfurt - Museumsufer-Fest
25.08. DE - Bielefeld - Holter Meeting  
31.08. DE - Niedergörsdorf - Spirit of the Streets Festival +Cock Sparrer +Slime
01.09. DE - Bad Dürkheim - Rock die Burg  
29.09. AT - Klagenfurt - Mozarthof  
04.10. DE - Stuttgart - Universum
05.10. DE - Braunschweig - B 58  
06.10. DE - Hamburg - Headcrash

Hier noch das Video zu "Die Zeit rennt".

Sonntag, 17. Juni 2012

Sonntags-Matinée: Scott Kelly, Steve Von Till, Wino – Songs Of Townes Van Zandt

"Ich denke nicht, dass meine Lieder alle so traurig sind. Ich habe ein paar, die nicht traurig sind – die sind nur hoffnungslos." Dieses Zitat wird dem Americana-Riesen Townes Van Zandt zugeschrieben. Wer sich die Songs anhört, die beiden Neurosis-Mucker Scott Kelly und Steve Von Till sowie Doom-Größe Wino gecovert haben, versteht, was er meinte. 

„I welcome the stars with whining guitars“, singt Wino in „Rake“. Es ist ein symptomatischer Satz, der diese Platte ganz gut auf den Punkt bringt. Der Musiker, den man von Bands wie Saint Vitus oder Spirit Caravan kennt, hat sich die Zeile nicht selbst einfallen lassen. Sie stammt von Townes Van Zandt. 1997 starb der amerikanische Country-Barde, der sein Leben lang mit Alkoholismus und Depressionen zu kämpfen hatte. Auf dieser Platte zollen Scott Kelly und Steve Von Till, beide Mitglieder der US-Sludgemetaller Neurosis, sowie Wino dem einflussreichen, aber kommerziell wenig erfolgreichen Van Zandt Tribut. Ein ungewöhnliches Projekt, das durch seine Intensität legitimiert wird. 

Wer Townes Van Zandt bis dahin nicht kannte, stieß vielleicht durch den Soundtrack zum State-Of-The-Art-Film „The Big Lebowski“ darauf. Darauf findet sich das Cover des Rolling-Stones-Songs „Dead Flowers“. Und man konnte den Eindruck haben, dass Van Zandt ein lustig-ironischer Songwriter sei, wenn man sich nur auf diesen Song zurückzog. Das Gegenteil ist der Fall. Kleiner Auszug aus Wikipedia gefällig? Bitteschön: „Er begann mit dem Schnüffeln von Klebstoff, was dazu führte, dass er einmal klinisch für tot erklärt wurde und fast alle seine Vorderzähne verlor. Nachdem er sich – um auszuprobieren, wie es sich anfühlt – aus dem 4. Stock fallen ließ, kam er wegen suizidaler Neigungen für drei Monate in stationäre psychiatrische Behandlung. Bei ihm wurden schizophrene Psychose und Manische Depression diagnostiziert, was die geplante Karriere im Militär zunichte machte. Zudem wurde er einer nicht erst aus heutiger Sicht äußerst fragwürdigen Insulinschocktherapie unterzogen, die wesentliche Teile seiner Kindheitserinnerungen auslöschte.“ Es verwundert also nicht weiter, dass sich Metal-Musiker, die meist ohnehin ein Faible für dunkle Themen haben, Van Zandt widmen. Zudem hat sich das Schubladendenken spätestens seit Johnny Cash so ziemlich erledigt. Auf den Man in Black konnten sich alle einigen. 

Die drei Musiker vertrauen ganz auf die Wirkung ihrer Stimmen und ihrer Akustikgitarren. Hell und obertonreich (da ist doch ein Kapo im Spiel!) perlen die ersten Töne von „If I Needed You“ aus den Boxen. Ein Song wie ein verzweifelter Schrei nach Liebe. Damit man die Texte in ihrer ganzen Schwere nachempfinden kann, sind die Lyrics im Booklet abgedruckt. Schön, denn das ist längst nicht immer so. Der Song kommt auf sein Skelett reduziert noch mehr auf den Punkt. Wetten, dass Josh T. Pearson nicht bloß eine Platte von Townes Van Zandt im Regal hat? Dann lernen wir den Schutzheiligen der Pokerspieler kennen, „St. John The Gambler“, schon wieder so ein aufbauender Song. Und „Lungs“ erst. Die Düsternis schwappt aus jeder Note der acht Songs, bei denen sich die drei Musiker jeweils abwechseln. 

Keine Frage: Oft wird man diese Platte nicht auflegen. Vielleicht, wenn es einem dreckig geht und man es richtig genießen will. Eine Songsammlung, so karg und hoffnungslos wie die Prärie. Zu solchen Sounds reiten Industrial-Cowboys in den Sonnenuntergang. Nur, dass die Sonne pechschwarz ist – und vielleicht nicht noch einmal aufgehen wird. 

„Songs of Townes Van Zandt“ von Scott Kelly, Steve Von Till & Wino ist am 15. Juni 2012 bei My Proud Mountain erschienen. Einen Eindruck, wie das klingt, bekommt man im folgenden Video:

Samstag, 16. Juni 2012

SZene-Hörtest: Silversun Pickups - Neck Of The Woods

Sie sind wieder da. Die Silversun Pickups. Was war das erhebend, als "Carnavas" 2006 erschien. Mein bester Musikbuddy (Hey Thomas!) und ich haben eine fast schon olympische Disziplin daraus gemacht, uns gegenseitig mit neuen Bands zu versorgen. Die Thermals hätte ich sonst vielleicht erst viel später kennengelernt. Oder The Fratellis. Oder Dredg. Oder oder oder. Da könnte man noch lange weitermachen. Mit den Silversun Pickups war es andersrum. Eigentlich war es nur das atmosphärische Cover, was mich ansprach. Aber dann der Sound. Wow. Ein Auftritt am Southside vermehrte die Euphorie. Und jetzt also "Neck Of The Woods". Wenn Ihr auf das Bild klickt, könnt ihr meine Rezi lesen, die am Dienstag, 12. Juni, auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen ist. Aber danach: Ab an den See. Ihr wollt doch nicht ernsthaft bei dem Wetter vorm Rechner sitzen, oder? Andererseits: Wo war nochmal mein Laptop?

Freitag, 15. Juni 2012

Video: Glen Campbell - A Better Place



Das hat schon was von Johnny Cash. Die Stimme. Die Stimmung. Die schwarze Kleidung. Aber die Geschichte von Glen Campbell ist eine andere. Der Country-Sänger hat Alzheimer und zieht sich Stück für Stück aus dem Showbiz zurück. Letztes Jahr hat er sein Abschiedsalbum "Ghost On The Canvas" veröffentlicht. Nicht gerade die Musik, die typischerweise hier auftaucht, ok. Aber manchmal ist es eben wichtig, auch die Geschichte dahinter zu sehen. Jetzt ist das neue Video von Glen Campbell raus. Enjoy, hätte ich fast gesagt. Aber dazu ist es im Grunde zu wehmütig.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Matt Skiba: Mein Interview im SLAM

Eigentlich mache ich ja keine Werbung auf diesem Blog. Heute allerdings schon. Denn seit gestern liegt das neue SLAM alternative music magazine in den Regalen der gut sortierten Zeitschriftenhandlungen. Mit einem Interview von mir darin: Ich habe mich mit Matt Skiba über sein Sekrets-Projekt und die neue Soloplatte "Babylon" unterhalten. Der Alkaline-Trio-Sänger war ein klasse Gesprächspartner, offen und redselig vor allem. Schön ja immer auch, wenn man auf Dinge stößt, die man selbst klasse findet. In dem Fall: Literatur und Filme. Dieser Mann hat schon Geschmack.

Neben dem Interview mit Matt Skiba gibt's Rezis von mir im Heft: Ihr könnt lesen, warum Tenacious D mit "Rize Of The Phoenix" genau das richige Album zum richtigen Zeitpunkt gemacht haben. Darüber hinaus sind Plattenkritiken zu den neuen Scheiben der Britrocker All The Young, der amerikanischen Psychedelics von Brian Jonestown Massacre, der englischen Bombastrocker Sound of Guns und der US-Powerpop-Helden The Dandy Warhols im SLAM #62 zu finden.

Das wird jetzt übrigens öfter vorkommen. Neben meinem Job als Zeitungs-Redakteur und dem Blog ist SLAM ab jetzt mein dritter Kreativkanal, auf dem ich über Musik schreibe. Party on!

Mittwoch, 13. Juni 2012

Video: Polar Bear Club - Screams In Caves



Es geht doch nix über kranke Videoclips. Polar Bear Club haben einen abgeliefert. In "Screams In Caves" verliebt man sich oder man findet's doof. Dazwischen ist nicht viel. Die Band hat vergangenes Jahr mit Clash Battle Guilt Pride ein extrem hörenswertes Album vorgelegt.

SZene-Hörtest: Maximo Park - The National Health

Dass ich Maximo Park zu spät entdeckt habe, konntet Ihr ja kürzlich in meiner Rezi zur famosen neuen Scheibe von The Enemy lesen. Da hab ich auch gemeint, dass es interessant wird, ob Maximo Park gut nachlegen. Ob das hingehauen habt, lest Ihr, wenn Ihr auf das Bild klickt. Meine Rezenseion von "The National Health" ist am Dienstag, 12. Juni, auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen.

Dienstag, 12. Juni 2012

Video: Off - Cracked



Werbung kann tödlich sein: Diese Lehre ziehe ich aus dem neuen Video der US-Hardcore-Schroter Off. Regie bei dem Wahnsinns-Clip führte Whitey McConnaughy (der zuletzt Videos für die Thermals gedreht hat). Die beiden Protagonisten sind die US-Comedians Randy Babcock und Andre Hyland. "Cracked" ist das erste Video einer Kurztrilogie. Die weiteren Videos "I Got News For You" und "Borrow and Bomb" erscheinen in wenigen Wochen. Eine Rezi zur aktuellen Off-Platte findet Ihr hier.

Hörtest: Arjen Anthony Lucassen's Lost In The New Real

Fantasie ist das zweite Bandmitglied auf Arjen Lucassens Soloalbum. Stürzen wir uns in ein Sci-Fi-Konzept, das auch auf der Kinoleinwand funktionieren könnte. 

Weniger als einen Doppeldecker liefert Arjen Anthony Lucassen nichts ab. Der niederländische Prog-Rocker gilt als Perfektionist, als einer, der der Gigantomanie huldigt, dutzende hochkarätige Gastmusiker auf seinen Alben versammelt. Die Liste ist lang, Namen wie Neal Morse (Ex-Spocks Beard), Ken Hensley (Uriah Heep) oder Hansi Kürsch (Blind Guardian) tauchen darauf auf. Rock-Opern wie „Into The Electric Castle“ lieferten der Prog-Gemeinde feinstes Futter für nächtliche Kopfhörer-Sessions. Und immer noch bekomme ich Gänsehaut, wenn ich „Into The Black Hole“ auflege, in dem Iron Maidens Bruce Dickinson eine seiner besten Geangsleistungen ever aufbietet (von Lucassens "Ayreon"-Platte "The Universal Migrator").

Jetzt hat Arjen Lucassen sein zweites richtiges Soloalbum veröffentlicht. Die Zahl der Gastmusiker ist überschaubarer, die meisten Gesangsparts und Musikinstrumente hat der Vengeance-Sänger selbst eingespielt. „Lost In The New Real“ ist – logo – ein Konzeptalbum geworden, das aktuelle Themen mit einer geradezu naiven Begeisterung für Science Fiction zusammenbringt. Cheesy konnte man die bombastischen Erzählungen von Lucassen immer finden, wenn man wollte. Andererseits: Star Wars kann man ja auch genießen, ohne gleich zum Jedi-Tum zu konvertieren. Man kann Star Trek cool finden, ohne gleich eine Philosophie draus zu machen ("Treknicolor" auf dem Cover, sehr schön...). Der Mann, der sich mit 15 Jahren die ersten Gehversuche an der Gitarre wagte, sagt über sein neues Werk: „Ich wuchs in einer Zeit ohne Computer auf und bin absolut verblüfft, wie sehr sich die Welt dank der digitalen Revolution in den vergangenen Jahren verändert hat. Das hat mich zum Nachdenken gebracht: Wie wird die Welt in ein paar hundert Jahren sein? Wie werden dann die Technologie, Wissenschaft und die Gesellschaft aussehen? Welche Lösung wird man für die derzeitigen massiven gesellschaftlichen und ökologischen Probleme gefunden haben?“

Die Story ist krude und handelt von einem Mann, der kurz vor seinem Tod schockgefrostet wird, weil er an einer tödlichen Krankheit leidet. In der Zukunft kann man dieses Leiden kurieren, er wird also wieder aufgetaut, aber die Welt ist eine komplett andere. Sein psychologischer Berater soll ihm helfen, sich in der verwirrenden neuen Welt zurechtzufinden. Zwischen den Songs hört man immer wieder eine rauchige Stimme, die einzelne Aspekte aufgreift und erklärt. Die Stimme gehört dem Schauspieler Rutger Hauer, den man aus Batman Begins und vielen anderen Filmen kennt. Lucassens Fanboy-Moment: „Er ist nicht nur einer meiner Lieblingsschauspieler, sondern war auch bei meinem Alltime-Lieblings-Sci-Fi-Film dabei: ‚Blade Runner’.“

Mit Metal oder Prog hat das hier nicht viel zu tun, kommt zwar auch vor, aber hier kommen auch Fans von 70er-Jahre- und Classic-Rock auf ihre Kosten. Ein grandioser Ohrwurm zum Beispiel „Pink Beatles In A Purple Zeppelin“, in dem der Holländer sich Gedanken über Einflüsse, Originalität und Eigenständigkeit macht. Genial: Obwohl der Song eigentlich anprangert, dass man ja nichts eigenes mehr machen kann, schafft er trotzdem etwas Eigenes. Auch wenn man die Einflüsse deutlich raushören kann. Lustig folkig wird’s in „When Pigs Fly“, das fröhliche „The E-Police“ dürfte auch Helloween-Fans und Gotthard-Supportern gut reinlaufen. Musikalisch ist „Lost In The New Real“ eine wahre Wundertüte. CD1 enthält dabei die eigentliche Geschichte des Konzepts, CD 2 birgt Songs aus den Aufnahmesessions und ein paar Coverversionen, von – logo – unter anderem Led Zeppelin und Punk Floyd.

Wer mit Metal und Prog sozialisiert ist, sollte Arjen Lucassen eine Chance geben und sich in dieses knallbunte Sci-Fi-Abenteuer stürzen. Es ist ein bisschen wie beim aktuellen Marvel-Movie The Avengers: Sowas sollte man sich immer wieder zu Gemüte führen, damit man vor lauter Ironie und Desillusion nicht das Staunen verlernt. Wäre schade, wenn einem diese Fähigkeit abhanden kommt.

„Lost In The New Real“ ist am 20. April bei Inside Out Music erschienen. 
Mehr: www.arjenlucassen.com
Hier noch ein paar Videos:



Montag, 4. Juni 2012

Video: Billy Talent bei Rock am Ring



Rock am Ring nochmal für alle, die nicht dabei sein konnten, für alle, die es nochmal erleben wollen: Hier kommt der Auftritt von Billy Talent in voller Länge.

Sonntag, 3. Juni 2012

Video: Tenacious D bei Rock am Ring



Das braucht keine großen Worte: The D is back. Hier der Auftritt von gestern Abend bei Rock am Ring.

Video: Refused bei Rock am Ring 2012



Ich red gar nicht viel drumrum: Hier ein 17-Minuten-Mitschnitt Refused-Auftritt bei Rock am Ring 2012. Epic!

Galerie der Klassiker: Flogging Molly - Within A Mile Of Home

Subjektive Vorbemerkung: Dieses eine Konzert beim Konstanzer Zeltfestival werde ich nie vergessen. Ich war noch in der Ausbildung zum Redakteur und wusste nicht, ob ich es zeitlich überhaupt zum Gig schaffe. Ein paar Kilometer waren es schon bis Konstanz. Auto auf dem Parkplatz in Meersburg abgestellt, zu Fuß auf die Fähre. Es war einer dieser fast schon kitschigen Sonnenuntergänge auf dem Bodensee, den Touristen mit der Kamera so gerne festhalten. Und wenn die Touristen wegschauen, zücken auch Einheimische gern schnell die Knipse für ein Bild. Ich da auch. Es war ein Moment des Urlaubs. Per Bus zum Festivalgelände, über eine eiserne Eisenbahnbrücke, ein gehetzter Blick auf die Uhr, kurzer Sprint zum Zelt - und exakt bei den ersten Tönen der Irish Folk Punks dagewesen. Es war eine Zeit, in der "Within A Mile Of Home" täglich rauf und runter lief. Den Spontan-Akustik-Gig nach dem Konzert hab ich leider nicht mehr mitbekommen. Aber ich war trotzdem selig. Und bereits erwähntes Album musste dann natürlich auch noch auf Vinyl her. Vinyl, so grün wie das Gras in Irland. Es soll sie geben, Menschen, denen Flogging Molly und die Verquickung aus Irish Folk und Punkrock nicht gefallen. Aber was wissen die schon?

Piratenshantys, melancholische Waisen, stampfende Tanzrhythmen für das Guinness-Gelage - "Within A Mile Of Home" hat das alles. Manche sagen, die Pogues hätten das alles ja schon gemacht und überhaupt und sowieso, wer braucht denn sowas heute noch. Aber Leute, das ist doch völlig blödsinniges Elitengetue. Dave King und seine Mannschaft machen Musik, die nicht dem Wunsch entspringt, ein fetter Rockstar zu sein oder möglichst viele Platten zu verkaufen. Das zählt doch letzten Endes.

Dabei ist diese Platte die vielleicht eskapistischste der Band. So viel Seemannsgarn wie hier gesponnen wird. Piraten sind ja schwer angesagt seit Johnny Depp sich von Keith Richards für seinen Jack Sparrow (Captain Jack Sparrow, sorry) hat inspirieren lassen. Lassen wir uns von "Seven Deadly Sins" mit seinem kreiselnden Akkordeon übers Achterdeck peitschen, von "Tobacco Island" auf eine Fahrt womöglich ohne Widerkehr entführen. Schwankschunkeln wir zum drückenden "Queen Annes Revenge", bei dem Bassist Nathan Maxwell das Mikro an sich gerissen hat. Aber es sind auch sehr persönliche Töne, die Flogging Molly hier anstimmen. Beweinen wir mit den LA-Punks den Niedergang eines geliebten Menschen in "Whistles The Wind". Oder das abschließende "Don't Let Me Die", das das Album sentimental ausklingen lässt. Reich instrumentiert ist das alles, mit Verve vorgetragen. Und dann natürlich der Titeltrack: Dave King hat Gesangsstunden bei Metallicas James Hetfield genommen, oder wie lässt sich sonst erklären, dass der Flogging Molly-Fronter ebenfalls diese kaugummi-esken Wortendungen hinrotzt: "...Don't Ever Let Me Down-AAAAH (...) Within A Mile Of Home-AAAH". An jedem verdammten Wort am Ende eines Satzes dieses "AAAAH" hintendran. Noch extremer bei Live-Aufnahmen zu hören.

Ein Album mit Suchtwirkung, das vielleicht keine Doppeldeutigkeit hat und nicht die Verkopftheit anderer Bands. Aber trotzdem - oder gerade deshalb - ist Flogging Mollys viertes Studioalbum so überragend. Für die wuchtige Produktion sorgte Ted Hutt, der auch die aktuellen Alben von The Gaslight Anthem oder den Dropkick Murphys veredelt hat. Darauf ein Guinness. Oder zwei.

"Within A Mile Of Home" von Flogging Molly ist am 14. September bei Side One Dummy erschienen. Mehr: www.floggingmolly.com. Unten noch das Video zu "Seven Deadly Sins".

Ein Interview, das ich vergangenes Jahr mit Flogging Molly geführt habe, findet Ihr hier, einen Konzertbericht  hier. Mehr aus der Sparte Galerie der Klassiker gibt's an dieser Stelle.

Samstag, 2. Juni 2012

Protest ist nicht nur was für Punks: Joan Baez im Interview

Das mag jetzt nicht das sein, was man sonst auf Tinnitus Attacks erwartet. Aber wer Bob Dylan genial findet und sich mit ihm beschäftigt hat, stößt unweigerlich ohnehin auf Joan Baez. Obwohl ich die Dame von einem Woodstock-Sampler kenne, auf dem sie den Song "Joe Hill" singt. Joe Hill...das war dieser Gewerkschaftsaktivist, dem auch Anti-Flag auf ihrem neuen Album "The General Strike" einen Song gewidmet haben.

Nicht die einzige Parallele zwischen Baez mit ihrer sanften Sopranstimme und den Hardcore-Punks aus Pittsburgh: Bei der Vorbereitung des Interviews merkte ich, dass ich ein paar Fragen, die ich kurz zuvor bereits Chris #2 und Pat Thetic in Stuttgart gestellt habe, im Grunde eins zu eins auch an Joan Baez weitergeben kann - sogar muss. Denn auch der 71-Jährigen liegt der Protest am Herzen, sie unterstützt die Occupy-Bewegung und sie erwartet nicht so sehr viel von den Wahlen in den USA. Das Interview habe ich für die Schwäbische Zeitung geführt, erschienen ist es am 31. Mai. Per Klick aufs Bild könnt Ihr es lesen (evtl. abspeichern und dann vergrößern für lesbare Schrift).Wer sie live sehen will: Am 5. Juni spielt Joan Baez ein Open-Air-Konzert in Schloss Salem.

Hier noch zwei Videos: "1915" von Anti-Flag (das mit Joe Hill) und dann "Joe Hill" von Joan Baez, live bei den Occupy-Protesten. Schon erstaunlich, wie nah sie sich sind, auch wenn die Musik komplett anders ist.





Freitag, 1. Juni 2012

Minidoku: Two Gallants live in Chicago

Two Gallants sind struppig, kaputt, hoffnungslos, sonnenverbrannt und melancholisch. Mit ihrer Mischung aus Alt.Country, Folk und DIY-Feeling sowie der Energie von Punkrock haben Adam Stephens and Tyson Vogel etwas Einzigartiges geschaffen. "What The Toll Tells" ist ein Meilenstein, zwischendurch wurde es dann ruhiger um das Duo und jetzt warten alle auf etwas Neues. Eine dreiteilige Minidoku zeigt die beiden Bartträger in Chicago. Das Internetportal Noisey hat die zwei dafür in Chicago begleitet, wo sie in "Schubas Tavern" spielen. Der Schwerpunkt liegt auf den Songs, die das Duo spielt, es gibt aber auch ein paar Interviewsequenzen. Letztes Jahr gab es ja immerhin ein Lebenszeichen in Form eines neuen Songs.