Samstag, 31. März 2012

Maximo Park: Neues Album "The National Health" kommt im Juni



Da hüpft einem das Britrock-Herz in der Brust: Maximo Park veröffentlichen am 11. Juni ihr neues Album "The National Health". Der Vorgänger "Quicken Your Heart" liegt auch schon wieder ein Weilchen zurück, erschien 2009, danach kam "Margins", das Soloalbum von Sänger Paul Smith, dann wurde es eher ruhiger um die Band, die mit Bloc Party, den Arctic Monkeys und Franz Ferdinand vor ein paar Jahren zu den wichtigsten Bands von der Insel gehörten. Die Mischung aus tanzbaren Rhythmen und Gitarren prägte die Indierock-Szene entscheidend.

Einen ersten Vorboten gibt's schon zu hören: Der Titeltrack (siehe unten) klingt, als wären Maximo Park nie weg gewesen und vereint alle Stärken, die auch "Our Earthly Pleasures" und "A Certain Trigger" auszeichneten: Drahtig-akurate Gitarren, temporeiches Drumming, Paul Smiths herrlicher Brit-Akzent und das Gefühl, kurz vorm Hyperventilieren zu sein.

Einen Eindruck aus dem Studio (buchstäblich...) bekommt man im Video oben. Hier der Titelsong "The National Health".

Freitag, 30. März 2012

The Horrible Crowes mit Video zu "Ladykiller"



Schwarzweiß und stilvoll: Das neue Video von The Horible Crowes ist da. Ein Mix aus Live-Szenen von einem Gig im Troubadour in Los Angeles und seelenruhigen Kamerafahrten durch urbane Stilleben. Regie führt Kevin Custer. Der Song stammt vom 2011er-Album "Elsie". Auch wenn The Gaslight Anthem die bessere Alternative sind, wenn es um Brian Fallon (Gesang und Gitarre) in Aktion geht - sein Nebenprojekt ist eine schöne Ergänzung, die man nicht missen will.

Donnerstag, 29. März 2012

Hörtest: Nothington - Borrowed Time

Eine Platte wie ein Personal Trainer: Ständig brüllt der einen an, man soll nicht schlappmachen, den Schmerz ignorieren oder noch besser aushalten - und am Ende ist man ihm dankbar, weil man eine bessere Figur als vorher macht. Punkrock aus San Francisco, so vierschrötig, dass Football-Spieler dagegen wie Streichhölzer wirken.

Emotional, wütend, melodiös, zupackend: Vier Worte, die alles und nichts sagen - und diese Platte trotzdem recht gut beschreiben. Jay Northington, Chris Matulich und Gabe Lindemann gehen auf Albun Nummer drei so wuchtig zuwerke wie Social Distortion, gönnen sich aber auch mal eine fast schon pop-punkige Nummer wie "The Escapist", die einen bitteren Text als Kontrast zelebriert. Auch zu Hot Water Music lassen sich Parallelen ziehen. logisch, wenn eine Band zwei Sänger hat, positive Power verströmt und melodisch-hart auftritt.

Ihre Fans ordnen man das Trio in die "Ehrliche-Punkrock-Arbeiter"-Riege ein, schwärmen von unzähligen Konzerten und Meilen, die die Band hinter sich hat, davon, wie man sich Fan um Fan erkämpft habe. Unter anderem mit Lagwagon waren sie auf Tour, die Band um den Mann, auf dessen Geburtsurkunde sich der Bandname bezieht - oder besser gesagt den Schreibfehler darin.

Ein Blick auf die Zutatenliste für soliden Punkrock lässt nichts vermissen: Geschliffene Gitarrenriffs, bollernde Bässe und treibende Drums, dazu die zwei Stimmen, die sich abwechseln, sich verstärken, sich aushelfen. "Where I Can't Be Found" hätte auch das vorletzte Social D.-Album eröffnen können, "To Hold On" renkt einem den Kiefer wieder ein, den die Songs davor einem ver-rückt haben, St. Andrews Hall spielt mit netten Stereo-Effekten. Und dann ist da ja auch noch "Hopeless", das mit cleanen Gitarren und balladeskem Feeling spielt. Wetten, da werden sie sich in den Armen liegen, die zutätowierten Bartträger, bei dieser herrlich sentimentalen Wundenlecknummer?

"Borrowed Time" von Nothington erscheint am morgigen Freitag (30. März) via Uncle M.



Aktuelle Tourdaten:
NOTHINGTON - Borrowed Time Tour 2012
13.04. DE – Stuttgart - 12:10
14.04. DE - Dillingen - Ant-Attack Festival
15.04. NL – Utrecht - ACU
16.04. DE – Münster – Gleis 22
17.04. BE – Leuven - Sojo
18.04. DE - Trier - Ex-Haus
19.04. DE - Wiesbdaden - Kreativfabrik
20.04. DE - Wermelskirchen - Heartcoretage
21.04. DE - Leisning - Revolution Fest
24.04. DE - München - Kafe Marat
25.04. CH - Zurich - Dynamo
30.04. NL - Venlo - Queensday Festival
01.05. DE - Schweinfurt - Stattbahnhof
02.05. DE – Nürnberg - K4 Zentralcafe
03.05. DE – Dornstadt (bei Ulm) - Tanke
04.05. AT - Innsbruck - P.M.K.
09.05. AT - Vienna - Arena
10.05. AT - Linz - Kapu
11.05. DE - Erfurt - Engelsburg
12.05. DE - Kiel - Alte Meierei
13.05. DE - Oldenburg (Lindern) - Teestube
14.05. DE – Hannover – Bei Chez Heinz
15.05. DE - Hamburg - Headcrash
16.05. DE – Köln - MTC
17.05. DE - Berlin - Casiopeia
21.05. DE – Berlin - Ramones Museum (Acc)
22.05. DE - Frankfurt - 11er

Mittwoch, 28. März 2012

Hot Water Music verschenken neuen Song "Drag My Body"

Hot Water Music 2011 in Lindau.
                             Foto: Daniel Drescher 
Es geht los: Der Rolling Stone verschenkt einen ersten Song des neuen Hot Water Music-Albums "Exister", das am 18. Mai via Rise Records erscheint. "Drag My Body" darf man sich beim Stone gratis saugen - und sich über eine melodisch-hymnische Groove-Nummer freuen, die sowohl zeigt, das HWM als Team gewachsen sind, aber auch deutlich Chuck Ragans Handschrift trägt. Wuchtig kommt der Song daher, voll positiver Power und mit mitsingkompatiblen Melodien. Live dürfen wir bei folgenden Terminen unsere Stimmbänder strapazieren:

27.04. DE - Berlin - Monster Bash Fest
28.04. DE - Stuttgart - Pirate Satellite
29.04. DE - Meerhout – Groezrock Fest
30.04. NL - Venlo - Queensday Festival
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16.06. CH - Interlaken - Greenfield Festival
17.06. AT - Salzburg - Rockhouse      + La Dispute
18.06. AT - Wien - Arena                   + La Dispute
19.06. CZ - Prag - Lucerna Music Bar   + La Dispute
20.06. DE - Dresden - Scheune          + La Dispute
21.06. DE - Wiesbaden - Schlachthof  + La Dispute *AUSVERKAUFT*
22.06. DE - Schessel - Hurricane Festival
23.06. DE - Dortmund - FZW             + La Dispute
24.06. DE - Neuhausen ob Eck - Southside Festival

Tickets an allen bekannten VVK-Stellen.

The Young and The Hopeful: The Sweet Escape mögen's mächtig



Seit Kurzem gibt es bei Tinnitus Attacks eine neue Rubrik: Sie nennt sich "The Young and The Hopeful". Darin soll es um Bands gehen, die noch nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Dieses Blog will Musiker unterstützen, die Herzblut und Zeit investieren, aber ohne Label dastehen oder noch am Anfang sind. Heute mit vier jungen Männern aus den USA, die ihre Amps ordentlich qualmen lassen.

Manchmal muss es einfach Breitwand-Sound sein. Als mich ein früherer Arbeitskollege in den USA auf Fall Out Boy brachte, war ich begeistert, "From Under The Cork Tree" war etwas Neues und Großartiges für meine Ohren. Diesen Bonus haben die Amis mit "Infinity On High" dann verspielt. Ab da hab ich mich ausgeklinkt.

Dann sind mir "The Sweet Escape" aus Port St. Lucie, Florida, über den Weg gelaufen. Was soll ich sagen? Das ist gut. Das ist sogar richtig gut. Dabei sind die vier Jungs blutjung, den Fotos nach zu urteilen. Dass viele Mädchen auf die gutaussehenden Burschen fliegen dürften, keine Frage. Aber Dennis Walsh (Vocals/Guitar), Bryan Jackson (Guitar), John Rivas (Bass), Chase Chenault (Drums) machen ihre Sache einfach gut. Da wären auf der Haben-Seite zu verbuchen: Gute Melodien, die trotz einer gehörigen Portion Pathos nicht kitschig-bombastig wirken. Ein Händchen für clevere Rhythmuswechsel, die die Songs nicht langweilig werden lassen. Hier macht jeder eine gute Figur, vor allem fallen aber die drückend fetten Gitarren auf. "Das hat man heute so", hätte man vor ein paar Jahren gesagt, wenn es sich bei Gitarren um Mode-Accesoires gehandelt hätte. Aber wo Nu-Metal-Überbleibsel wie Linkin Park oder Limp Bizkit heute eher peinlich wirken, sind The Sweet Escape einfach mit Herz bei der Sache. Der Gesang ist ungekünstelt und geht völlig in Ordnung, die Drums treiben die Songs an und der Bassist ist auch nicht nur alibihalber vorhanden. In manchen Momenten erinnert der Mix an Blink 182, wenn die das Gas rausnehmen, dann wieder an die bereits erwähnten Fall Out Boy, auch das Bittersüße von Jimmy Eat World haben sie verinnerlicht, die vier Musiker, die noch ohne Plattenvertrag dastehen - aber das könnte sich bald ändern.

Auf ihrem Youtube-Kanal verkünden sie selbstbewusst: "You'll be seeing a lot from us in the near future." Die Zahlen bestätigen das: Die Zahl der Facebook-Fans ist innerhalb weniger Wochen von rund 1000 auf über 5000 angewachsen. Die EP "The Endeavour" ist via iTunes erhältlich, eigentlich schon seit August 2011. Trotzdem stehen The Sweet Escpae noch ziemlich am Anfang, behelfen sich auf Youtube mit Montagen von Live-Fotos, mit denen sie Songs unterlegen, oder dem einfachen Standbild-Clip. Aber es wäre gut möglich, dass die Jungs noch Furore machen.

Die vier Songs der EP im Überblick:

"Don't Think Twice" beginnt mit melancholischen Akkorden, die zuerst clean sind, dann kann man sich vorstellen, wie der Gitarristenfuß den Bodentreter trifft und auf Overdrive schaltet. Der Song nimmt Fahrt auf und mündet in einen collageradiokompatiblen Refrain, der Lust auf Kickboard-Rasereien im Sommer macht. Ein wahrhaftiger Hit. Wetten, mit etwas Airplay würde sowas durch die Decke gehen?

Dann brät uns "Dear Jane (As Sweet As You)" gleich die Riffkeule über. Gallopierend, stakkato, donnernd - die Gitarren leisten ganze Arbeit, auch hier wieder ein einprägsamer Refrain und die variabel gehaltenen Strophen. So macht man das. Woher nehmen die Jungs die Souveränität für sowas?

Ebenfalls nicht von schlechten Eltern ist das getragene "Ready Or Not" mit seinem Sonnenaufgang-Feeling. In "Keep Scoutin' Kid" begegnen uns wieder die cleanen Gitarren, der Song klingt nach seinem mächtigen Midtempo-Hymnenflair langsam aus. Alle Songs dauern jeweils über vier Minuten. Spaß am Spiel haben sie, das hört man.

Wer sich selber ein Bild von den Songs machen möchte: Via Facebook kann man die EP hören.

Dienstag, 27. März 2012

To Be The Best: Tenacious D zeigen wie's geht



Sie hauen nicht einfach ein neues Lied raus, veröffentlichen nicht einfach einen neuen Clip (wie man ihn trotz Gema gucken kann, siehe unten): Wenn Tenacious D wieder Ernst machen, kommt mindestens ein Mini-Filmchen dabei raus. Jack Black und Kyle Gass sind wieder da: Ihr neues Video "To Be The Best" erzählt eine Geschichte von Aufstieg und Fall, Höhenrausch und Größenwahn, Obsession und Verrücktheit und wie die Band, die besser ist als Beatles, Stones und Zeppelin zusammen, wieder zurück zu ihrer Größe findet. Wieder ziehen sie Rockstarklischees durch den Kakao, werfen einen humorvollen, aber nicht verbitterten Blick auf die Vergangenheit - und fahren nebenbei eine Cameo-Dichte auf, die beeindruckend ist. Unter anderem sind Val Kilmer, Jimmy Kimmel und Dave Grohl zu sehen. Der Song an sich (wenn er dann mal anfängt) setzt mehr auf Rock als auf Akustikgitarre, so wie das schon einige Songs auf "The Pick of Destiny" taten.

Die Gema hat das Video auf Youtube gesperrt, wer sich aber eines der Proxy-Tools von Chip online runterlädt, kann das Problem umgehen.

Hier gibt's jetzt noch den Song "Rise of the Fenix", den sie Anfang Februar bereits angeteasert haben, in voller Länge. Man hört deutlich die Vorliebe der Band für Rock-Altvordere wie Rush, The Who und andere. Das neue Album "Rise of the Fenix" erscheint hierzulande am 11. Mai. Live sehen kann man das Duo leider nur bei Rock am Ring und Rock im Park. Da müssen halt wieder die "Masterworks"-DVDs ran. Stimmt das eigentlich, dass die immer dünner werden, je öfter der Laserstrahl sie abtastet? Hoffentlich nicht, sonst sind das bald riesige Oblaten, und keine DVDs mehr.

Montag, 26. März 2012

Tom Gabel spielt neuen Against Me!-Song "Black Me Out"



Er ist es wirklich: Der Lockenkopf vor der Steinmauer heißt Tom Gabel, schreit sich die Stimmbänder bei Against Me! wund und ist derzeit auf Revival Tour mit Chuck Ragan, Dan Andriano and Cory Branan. Und für die Nervous Eenergies-Sessions spielt er einen neuen Song seiner Band Against Me! auf der Westerngitarre: "Black Me Out" heißt der und wir freuen uns drauf, ihn hoffentlich bald in einer Fassung mit krachigen E-Gitarren und hämmernden Drums zu hören.

Von den Revival-Tour-Gängern wird es demnächst auch Sessions bei Nervous Energies geben. Tinnitus Attacks hält Euch auf dem Laufenden. 

Silversun Pickups lassen neuen Song "Bloody Mary" hören



Sie können ja nichts dafür. Oder doch? Dass die Silversun Pickups im Finale der unsäglichen Casting-Hirnvertrocknungs-Fleischparade von Heidi Klum (wer hat sie eigentlich zur Herrscherin über Model-Auf- und Abstieg gemacht? Legitimation durch übersteigertes Selbstbewusstsein und ebensolche -vermarktung? Aber ich schweife ab und der Satz geht nach der Klammer weiter, ist jetzt etwas auseinandergerissen aber egal...) aufgetreten sind und ihren Klopfer "Panic Switch" dort 2010 performt haben, ist furchtbar überflüssig, aber nicht zu ändern. Eine gute Band bleiben sie trotzdem, Brian Aubert und seine drei Mitstreiter. Am 8. Mai (US-Termin) erscheint ihr neues Album "Neck of the Woods", das man via Internetseite der Band schon vorbestellen kann. Dann bekommt man auch den Song "Bloody Mary (Nerve Endings)" schon als Download. Hören kann man ihn auch hier. Viel Spaß damit!

Samstag, 24. März 2012

Auf zum Southside: SZene ruft zum Bandwettbewerb auf

Herrlich: das Southside. Mit etwas Glück kann Deine
Band dort auftreten.                  Foto: Juliane Drescher
Das Southside Festivals gilt als eines der wichtigsten Open Airs in Sachen Indie und Alternative. Vom 22. bis 24. Juni stehen Ikonen wie The Cure und Die Ärzte in Neuhausen ob Eck auf der Bühne, Hochkaräter wie Hot Water Music, La Dispute, Rise Against und jede Menge andere Bands ebenso.

Aber auch Bands, die noch nicht den Status von Festivalheadlinern genießen, haben eine Chance, auf dem Southside zu spielen. Gemeinsam mit dem Veranstalter FKP Scorpio ruft SZene, die Musikseite der Schwäbischen Zeitung, auch in diesem Jahr zum Bandwettbewerb auf.

Dazu braucht Ihr Folgendes:

- Eine gehörige Portion Selbstbewusstsein: Ihr müsst eine Jury und ein Publikum überzeugen. Bevor Ihr die Southside-Bühne entern dürft, gibt es ein Bewerbeverfahren und einen Band-Contest.

- Ihr komponiert Eure Musik selbst: Eigene Songs sind Pflicht. Das x-te Cover von "Summer of 69" wird keinen Southside-Gänger begeistern. Wenn Ihr möglichst eigenständig klingt, kann das auch nicht schaden. Kopien gibt es genug - Originalität ist gefragt.

- Ach ja: Logisch, dass euer Sound zum Southside passen sollte.
Death Metal oder Schlager ist also eher raus.

- Eines noch: Ihr solltet bislang noch keinen Plattenvertrag unterschrieben haben.
Der SZ-Southside-Bandcontest will Bands fördern, die Unterstützung vertragen können.

Bewerbungsschluss ist der 29. März. Wir brauchen Eure Unterlagen per Post (Adresse siehe Teilnahmebogen, Link dazu unten). Bewerbungen per E-Mail sind nicht möglich. In den Unterlagen sollten kreative Bandfotos, der ausgefüllte Teilnahmebogen und eine CD mit aktuellem Material enthalten sein. 

Die Favoriten treten dann am Samstag, 19. Mai, zum Auswahlkonzert in der Kulturhalle Abdera in Biberach an. Dann gilt es, Publikum und Jury auf Eure Seite zu ziehen. Dieser Auftritt bringt die Entscheidung, wer im Juni beim Southside spielen darf.

Fragen beantwortet euch die SZene-Redaktion unter szene@schwaebische.de.
Den 
Teilnahmebogen gibt's hier.

Freitag, 23. März 2012

Hörtest: I Hate Our Freedom - This Year's Best Disaster

Wer braucht da noch Dentalchirurgie? Man kann auch einfach diese Platte auflegen, ein paar stämmige Freunde einladen und sich vergnügt im Wohnzimmer zu Brei pogen lassen. Und das Lustige daran: Mit diesem Sound würde sogar das Spaß machen. 

Ja ok. Viel einladender sah das Cover der Debütscheibe "Seriously" auch nicht aus - obwohl es einen Eingang zeigte. Das Sternenbanner und die runtergelassenen Jalousien legten aber eher nahe, dass man nicht zu nahe kommen sollte. Im Gegensatz dazu ist "This Year's Best Disaster" ein Graffito, ein Plakat auf einer Mauer, schroff und abweisend. Das scheint die Musik im ersten Moment auch zu sein - allerdings nur im ganz ganz ersten Moment.

Dann hat man - sein eigenes - Blut geleckt, dass einem vom Punch dieses Hakens am Mundwinkel hängt, den der Opener "3am New York City" einem verpasst hat und will mehr. Kein Problem. "Sans Sympathie" arbeitet sich dann vom Kopf in die Magengrube vor, beschwört die Aggression und zeigt, was Post-Hardcore auch für die Hornbrillen-Fraktion so ansprechend macht: Hier hat jemand nicht nur die Muskeln, sondern auch das Hirn gedopt. Wenn das schnelle Intro-Riff von "Cut You In" über einen hinwegjagt, fragt man sich noch, wie man da als Gitarrist keinen Handgelenkskrampf bekommt, dann ist man schon wieder vom Gesang hypnotisiert.

Schon erstaunlich, denn eigentlich hat das Notensystem ja nur eine begrenzte Zahl an Intervallen und Akkorden und man sollte meinen, irgendwann ist alles gesagt. Aber dann kommen I Hate Our Freedom und schustern sich aus den bekannten Zutaten eines rauhbeinigen Kulturkanons eine Mixtur, die frisch, durchdacht, angriffslustig und substanziell wirkt. Kein Riff, bei dem man gelangweilt sagt "Och, kenn ich schon", sondern eher: "Oh, so kann man das auch spielen". Fast alles unter der 3-Minuten-Grenze, Prägnanz, Kompaktheit, Aussagekraft. Aber klar, hier sind ja auch keine Neulinge am Werk, sondern Männer mit Erfahrung: I Hate Our Freedom, das sind Joseph Grillo (Garrison, God Fires Man), Justin Scurti (Milhouse), Scott Winegard (Fountainhead u.a.) und Tucker Rule (Thursday). Dafür, dass einen der Sound in die Zange nimmt, sorgt Kurt Ballou (Converge), der's nicht mal mit Gemütlichkeit probiert, sondern eher mit Hulk-kompatiblem Dampfhammer-Presto. 

Nach 26 Minuten hat die Abrissbirne ihr Werk vollendet, man sieht sich etwas ungläubig und verdutzt um. Dann drückt man die Playtaste erneut. Einfach, um sich sicher zu sein, dass man das nicht gerade geträumt, sondern wirklich gehört hat.

This Year's Best Disaster? Na Hallelujah! 

"This Year's Best Disaster" von I Hate Our Freedom erscheint am heutigen Freitag (23. März) via www.arcticrodeorecordings.com, wo man auch "Sans Sympathie" gratis runterladen kann. 
Hier noch die Hörprobe dazu: 

Donnerstag, 22. März 2012

Radio Havanna sendet wieder: Neues Album "Alerta" kommt am 4. Mai



Radio Havanna veröffentlichen ihr neues Album "Alerta" am 4. Mai via Uncle M. Das letzte Album von Radio Havanna erschien 2010 und nannte sich "Lauter Zweifel". Damit machten die Berliner von sich Reden. Auch soziales und politisches Engagement trug zum Bekanntheitsgrad des Quartetts bei. Für Oxfam wanderte die Band zum Beispiel beim "Trailwalker" in 30 Stunden 100 Kilometer durch den Harz. Shows mit Bands wie Anti-Flag, Sum 41, Lagwagon, Rise Against und Flogging Molly und anderen taten ihr übriges.

Einen winzigen Eindruck bekommt man im Album-Trailer oben. Die Tracklist liest sich so:

01. Flüstern, rufen, schreien
02. Rettungsboot
03. Die Zeit Rennt
04. Du kannst mir alles nehmen
05. Wir stehen im Regen
06. Unvergänglich
07. Hubert – Nein!
08. Monster
09. Goldfischglas
10. Superlativ von Scheisse
11. Kein Anschluss
12. Die letzte Nacht

Gitarrist Arni wird in einer Pressenotiz des Labels so zitiert: "Wir sind sehr glücklich darüber, unser neues Album bei unseren Freunden von Uncle M zu veröffentlichen. Uncle M versteht wie kein anderer unsere DYI Einstellung und geht mit uns gemeinsam alternative und kreative Wege”. Labelmanager Mirko Gläser sagt dazu Folgendes: "Radio Havanna imponieren mir bereits seit Jahren mit ihrem sozialen Engagement und der Art, wie sie komplexe politische Botschaften in ihre catchigen Songs einbauen. Es gibt derzeit kaum eine deutsche Punkrock-Band, die so am Puls der Zeit ist wie sie".

Für die Release-Parties in Erfurt (26.05.) und Berlin (30.05.) verknüpft die Band Ticketkauf mit Download-Vorteil: Im Shop von Uncle M sind limtierte Sammler-Hardtickets für die beiden Konzerte erhältlich, deren Käufer bereits Wochen vor den Konzerten erste MP3s des neuen Albums kostenlos zugeschickt bekommen werden.

Torudaten:
24.03. DE - Magdeburg - Factory +Montreal
13.04. DE - Abensberg - JUZ
14.04. DE - Leipzig - Anker - "KeiN Bock Auf Nazis" Festival +ZSK
20.04. DE - Kaiserslautern - Kammgarn +5 Bugs
21.04. DE - Mannheim - Come Back Record Store (Record Store Day)
03.05. DE - Kiel - Schaubude
04.05. DE - Münster - AMP
05.05. DE - Bremerhaven - Rockcenter
17.05. AT - Wien - B 52
18.05. AT - Aspershofen - Fifty
19.05. AT - Hollabrunn - Alter Schlachthof
26.05. DE - Erfurt - ETC Centrum
27.05. DE - Salching bei Straubing - Pfingst Open Air
30.05. DE - Berlin - Festsaal Xberg +Atlas Loosing Grip
22.06. DE - Saarbrücken - Rock gegen Rechts
06.07. DE - Oberhof - T-Wood Festival
14.07. DE - Freiberg - Baude Rock Open Air
25.07. DE - München - Free and Easy Festival
27.07. DE - Klingendorf - Force Attack Festival
11.08. DE - Eschwege - Open Flair +Beatsteakes, Social Distortion, K.I.Z
25.08. DE - Bielefeld - Holter Meeting
31.08. DE - Niedergörsdorf - Spirit of the Streets Festival +Cock Sparrer, Slime
01.09. DE - Bad Dürkheim - Rock die Burg
28.09. AT - Salzburg - Rockhouse +Gogets
29.09. AT - Klagenfurt - Mozarthof

Mehr Infos unter www.radiohavanna.de

Mittwoch, 21. März 2012

Album-Trailer: Blackmail-Sänger Mathias Reetz und sein Soloprojekt



Als neuer Mann am Mikro bei Blackmail hat Mathias Reetz vergangenes Jahr sowohl auf Platte als auch live komplett überzeugt. Auch mit seinem Solo-Projekt "The Heart of Horror", das 2006 gegründet wurde, ist Reetz weiter aktiv. Am 27. April erscheint das neue Album "Into My Own". Einen ersten Eindruck verschafft der Trailer, den Ihr oben sehen könnt. Auch live kann man das Schreckensherz bewundern.

Tourdaten:


27.04.2012 Hamburg- Ponybar
29.04.2012 Bochum- Zeche
02.05.2012 Dresden- Scheune
03.05.2012 Berlin- Lovelite
09.05.2012 Freiburg- Slowclub...

Mehr Infos: www.theheartofhorror.com

Dienstag, 20. März 2012

Video: Pete Seeger covert Dylans "Forever Young"



Gestern vor 50 Jahren ist Bob Dylans Debütalbum ("Bob Dylan") erschienen. Aus diesem Anlass gibt es ein neues Video zur 4-CD-Compilation "Chimes of Freedom", mit dem sowohl dieses Jubiläum als auch 50 Jahre Amnesty International gefeiert werden. Sie haben eines der Highlights des Tribute-Samplers bebildert: "Forever Young", gesungen von Pete Seeger (92 Jahre alt), der dabei von einem Kinderchor begleitet wird. Seeger ist einer von Dylans größten Einflüssen gewesen. Als Dylan erstmals elektrisch spielte, wollte Pete Seeger ihm den Strom abdrehen, erzählt man sich.

Inzwischen gibt es auch eine Kampagne, die per Download-Verkäufen diesen Song in die Billboard Hot 100 Charts hieven will - damit wäre Seeger der älteste Mensch, der jemals darin aufgetaucht ist. Unter der Website www.foreverpete.com gibt's mehr Infos. Der Erlös geht an Amnesty.

Montag, 19. März 2012

Hot Water Music live at SXSW



Das SXSW ist legendär. Hot Water Music auch. Einen Mitschnitt des Auftritts von Chuck Ragan, Chris Wollard & Co. gibt's hier zu sehen, dank RollingStone.com.
Es gibt auch erste Töne von "Exister" zu hören, dem neuen Album der Band, das am 15. Mai erscheint.


Sonntag, 18. März 2012

Sonntags-Matinée: Dry The River - Shallow Bed

Pathos muss ja nichts Schlechtes sein: Die UK-Folk-Senkrechtstarter von Dry The River gönnen sich eine doppelte Portion davon und fahren gut damit. Der Soundtrack zu den Leiden des jungen Mannes anno 2012.

Der NME hatte Recht. Vergangenes Jahr im März beim Durchblättern auf einer ansonsten ereignislosen Zugfahrt fiel mir diese Band auf, die das britische Musikmagazin in großen Tönen zum "Next Big Thing" ausrief. Nun ist das immer so eine Sache. Hypes sind oft genauso schnell rum wie sie gekommen sind. Dry The River sind anders - und sollten nicht alleine, weil sie bei Sony Music unter Vertrag sind, richtig einschlagen, wenn es nicht mit dem Teufel zugeht. Die Band kommt aus verschiedenen musikalischen Ecken, hat Erfahrung mit Metal, Hardcore, Klassik - und braut doch ein ganz eigenes Gemisch. Sie sind keine Epigonen, sie haben genug eigene Ideen, die fünf Briten, die bereits EPs und einzelne Songs veröffentlicht haben und nun endlich ihr Full-Length-Debüt auf die Menschheit loslassen.

Kitsch könnte man ihnen vorwerfen, so zartschmelzend wie die Violine von William Harvey auf "Shallow Bed" klingt. Weinerlich könnte man die Stimme von Peter Liddle finden. Aber sie kommen damit durch. Weil ihre Songs einfach groß sind. Und zwar im doppelten Sinne - großartig und großflächig voluminös produziert, von Peter Katis, der auch schon für The National an den Reglern saß. Dry The River scheuen den Bombast nicht, den viele Indie-Folker meilenweit umschiffen. Im Gegenteil, sie suchen ihn gezielt und malen damit ausufernde Gemälde, die vom Kontrast leben. Einerseits diese mehrstimmigen Gesänge, die - logisch - an Fleet Foxes und Mumford & Sons erinnern. Andererseits diese Rock'n'Roll-Verliebtheit, die sie im Mini-Drama "New Ceremony" zelebrieren, wo wehmütig das Ende einer Liebe seziert wird: "I know it's gotta stop, love, but I don't know how". Auf einmal sind die Zweifel da, keiner weiß, woher sie kommen. Inbrünstig werfen sie sich in das stampfende "The Chambers & The Walves", zögerlich wagen sie sich in den "Bible Belt" vor, am Ende begeben sie sich in die "Lions Den" und türmen ihre Soundgewalt so hoch auf, dass man vor einer monolithischen Wand steht, die dann ausfranst - und nach ein paar Minuten Stille legen sie mit dem hidden track "Family" doch nochmal nach.

Die Pferde im Booklet (die auch schon als 3-D-Poster in England für Aufsehen sorgten) kommen nicht von ungefähr: Hier klingt alles ungezähmt, freiheitsliebend und nach vorne strebend. Da kommt noch mehr.
Bitte viel mehr.

"Shallow Bed" von Dry The River ist am 2. März bei Rca Int. (Sony Music) erschienen. Mehr unter www.drytheriver.net

Samstag, 17. März 2012

Ein Jahr Tinnitus Attacks: Happy Birth- and St. Patrick's Day to me!

Es war tiefster Winter 2004, da stand ein Mann mit einem Kontrabass auf der Bühne und spielte auf seinem tieftönenden Instrument die Melodie von „Happy Birthday“. Nur einmal machte er den Mund auf bei diesem Lied: Als der letzte Akkord erklang, brummte er ein „....me!“ ins Mikro. Der Bassist hieß Jim Creeggan und gehörte zu den Barenaked Ladies, die an diesem Abend in East Lansing (Michigan) auf der Bühne standen – noch mit Steven Page am Mikro. Das Konzert war so gut, dass ich mir einen Live-Mitschnitt von jenem Abend bestellte, der drei Wochen später in meinem Briefkasten lag. Heute kann man sich den Mitschnitt oft direkt nach dem Konzert am Merchstand abgreifen - oder im Netz streamen. Nicht nur daran sieht man, wie schnell die Zeit vergeht.

In diesem Sinne: Sláinte!                      Foto: Fotolia
Ein Blick auf das heutige Datum zeigt es ebenfalls. Heute vor einem Jahr ging Tinnitus Attacks online. Bewusst hatte ich den St. Patricks Day gewählt. Mann, was war das aufregend. Davor ein paar Wochen am Layout gebastelt, gehirnt – und dann plötzlich auf Sendung gewesen. Der erste Post sollte die Spannung steigern, der erste richtige Post war die Rezi über die neue Scheibe der Dropkick Murphys, „Going Out in Style“.

Ein Jahr und 453 Blogbeiträge später: Was für ein Jahr. Musik hat in meinem Leben schon immer eine verdammt wichtige Rolle gespielt. Rock'n'Roll saved my life. Davon gehe ich aus. Aber in diesem einen Jahr kam so viel Neues, in diesem Jahr hab ich mich so intensiv mit zig Bands und ihrer Version von guter Musik beschäftigt wie nie zuvor.

Neue Kontakte sind entstanden, neue Freundschaften, das, was man gemeinhin Netzwerke nennt.
Es geht um Begeisterung, um Euphorie und immer wieder das, worum sich alles dreht: gute Musik.

Ich danke Euch allen, die Ihr mich unterstützt, ob Musiker, Label-Kreativköpfe, Musikfans oder Konzertgänger. Ohne Euch wäre das hier ein öffentliches Tagebuch – durch Euch wird es zur Plattform.

Und der Community-Gedanke soll noch weiter wachsen. Wenn Ihr eine Band habt, die sich im Dunstkreis von Indie, Punkrock und Alternative bewegt, schreibt mir und wir schauen, was wir auf die Beine stellen können. Wenn Ihr ein Label habt und DIY für Euch nichts mit Heimwerkern zu tun hat – meldet Euch. Im Plattenschrank ist noch Platz für Neues. Im Impressum unten findet Ihr meinen Kontakt. Auch via Facebook bin ich jederzeit ansprechbar.

So, genug gequatscht. Jetzt beschenke ich mich erstmal noch zum Geburstag. Mit fünf Videos von meinen fünf absoluten Lieblingsbands. Wie, da fehlen Hot Water Music, die Foo Fighters und ...Trail of Dead? Fünf reichen niemals! Darum geht’s hier ja auch immer weiter – weil es zwar unglaublich viel unglaublich schlechte Musik, aber eben auch viel großartige Musik gibt.

In diesem Sinne: Sláinte!!
Euer Daniel

Murder By Death - Brother



The Thermals - Never Listen To Me



The Gaslight Anthem - The '59 Sound



The Hold Steady - Your Little Hoodrat Friend



The Weakerthans - One Great City (Guitar Lesson) 

Freitag, 16. März 2012

Hörtest: Rocky Votolato - Television of Saints

Nicht ohne meine Akustikgitarre: Der Sprung von Punkrock zu Singer/Songwriter ist nicht so weit. Rocky Votolato hat ihn gewagt – und verdreht uns seit Jahren den Kopf mit schönen Melodien, unaufgeregten Songs und einer Stimme, die sagt: Hört her, wenn Ihr wollt – aber fühlt Euch zu nichts verpflichtet.

Sind das die Fleet Foxes? Die ersten Sekunden von „Television of Saints“ denkt man noch, die falsche Platte aufgelegt zu haben. Aber spätestens beim darauf folgenden „Ghostwriter“, einer entspannten Country-Landpartie, ist klar: Hier singt der Mann, der keiner Fliege etwas zuleide tun könnte – so klingt er jedenfalls. Das war nicht immer so. Bei Waxwing, der Band, die Rocky Votolato mit seinem jüngeren Bruder Cody hatte, durfte auch mal herzhaft ins Mikro geröhrt werden. Die Zeiten sind vorbei. Cody verlängerte sie mit den Blood Brothers, Rocky verlässt sich seit 13 Jahren auf seine Stimme und die Wandergitarre. Und das mit überzeugender Wirkung.

Im Gegensatz zum Vorgänger „True Devotion“ schaltet Votolato hier nochmal einen Gang zurück, rückt Gitarre und Stimme noch mehr in den Vordergrund. Wenn Percussion ertönt, dann sehr zurückhaltend. Das hat etwas von Ryan Adams, der mit „Ashes and Fire“ ebenfalls den Leisetreter-Kurs intensivierte, auch Low Anthem kommen einem zwischendurch in den Sinn – obwohl die natürlich opulent sind gegen die Songskizzen des Amerikaners. Hier wird viel angedeutet, angerissen, und doch könnte manches im Songbook für angehende Gitarristen stehen. Simpel, aber doch gar nicht so einfach nachzuspielen. Das Feeling hat jeder selber in den Fingern.

Wenn Rocky Votolato sich nicht gerade Johnny Cashs Boom-Chicka-Boom-Rhythmus leiht, greift er auch schon mal zur Mundharmonika. Und bleibt doch immer so gelassen wie ein Dartspieler, dem ein vierschrötiger Redneck gerade im Vorbeigehen das Bier aufs Hemd geleert hat – aber weil der nächste Wurf sitzen muss (und es sich um einen Pazifisten handelt), ist ihm das so egal, egaler kann es kaum sein. Ach was ist er schön, der Titelsong, man hat das Gefühl, man möchte sich dazu ans Steuer setzen und ziellos die staubige Straße Tausend Meilen lang geradeaus fahren. Und zwischendurch mal ein Lagerfeuer anzünden und ein paar Akkorde schrammeln. Die Kunst liegt genau darin: Es sieht so einfach aus – und doch werden sich Armadas von Hobby-Gitarristen abmühen, dem Texaner, der so gar nicht nach Texas klingt, nachzueifern in Sachen Ausdruck. Könnte sein, dass sich viele ziemlich strecken müssen.  

"Television of Saints" von Rocky Votolato erscheint am heutigen Freitag (16. März) via Defiance Records. Mehr (inkl. Tourdaten) unter www.rockyvotolato.com 
Hier noch ein Video zum Opener "Little Spring". 

Donnerstag, 15. März 2012

I Hate Our Freedom: "Sans Sympathie" vorab als Gratis-Download

Das Graffiti trifft's ganz gut: I Hate Our Freedom mögen's
eine gute Kante rauher.                   Foto: Arctic Rodeo
Freitag in einer Woche landet "This Year's Best Disaster": Am 23. März erscheint das neue Album von I Hate Our Freedom aus Brooklyn. Die Band besteht aus Joseph Grillo (Garrison, God Fires Man), Justin Scurti (Milhouse), Scott Winegard (Fountainhead u.a.) und Tucker Rule (Thursday). Produziert hat das Album Kur Ballou, den man von Converge kennt.

Vorab kann man sich jetzt beim Label Arctic Rodeo Recordings den Song "Sans Sympathie" runterladen. Und noch mehr Songgeschenke: Vom Debüt "Seriously" gibt's den Song "It's No First 7"" als Gratis-DL.

Mittwoch, 14. März 2012

Flogging Molly & Jupiter Jones für Rock am See bestätigt - Festivaltermin verlegt

Flogging Molly im November 2011 in Stuttgart.
                                                    Foto: Daniel Drescher 
Gute Nachricht für Fans von Flogging Molly: Die Folkpunks treten bei Rock am See in Konstanz  auf. Das irisch-amerikanische Sextett ist ein Garant für überschäumende Gigs - siehe Konzertbericht vom vergangenen November.

Ebenfalls neu bestätigt sind Jupiter Jones, die vergangenes Jahr mit ihrem Major-Debüt viel Aufmerksamkeit bekamen.

Der Termin des Festivals wurde indes verlegt - vom 25. August auf den 1. September (beides Samstage). Veranstalter Koko & DTK Entertainment nennt als Grund Verhandlungen mit Festival-Zugpferden, die derzeit laufen. Dadurch soll ein deutlich attraktiveres Line-Up zustande kommen als am ursprünglich geplanten Termin möglich gewesen wäre. "Bereits gekaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit oder können an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden, an denen sie gekauft wurden", heißt es in einer Pressenotiz von Koko.

Die Beatsteaks waren ja schon länger für Rock am See bestätigt. Jetzt heißt es abwarten, wer die ominösen Zugpferde sind, mit denen gerade verhandelt wird. Ein großer Name wie Metallica würde Rock am See mal wieder gut tun. Seeed waren vergangenes Jahr in den Augen vieler Festivalgänger nicht nur ein schwacher Headliner, sondern bei einem Rockfestival schlicht deplatziert.

Mehr Infos unter www.rock-am-see.de.

Fat Wreck Chords öffnen ihr Video-Archiv



Auch wenn Fat Mike (NoFX-Basser, Labelchef von Fat Wreck Chords) nicht gnz unumstritten ist und einen Gig auch schon mal unmotiviert zu verfrühtem Ende bringt, weil er mit Bierbechern beworfen wurde - dass Fat Wreck Chords eines der wichtigsten Labels der Punkrockszene ist, bezweifelt niemand. Vor allem die "Rock Against Bush"-Reihe und die Rolle, die das Label damals im Kampf gegen den erzkonservativen Präsidenten einnahm, gaben Fat Wreck einen großen Batzen Relevanz wieder.

Jetzt gibt es auf Youtube ein ziemlich umfassendes Videoarchiv mit Clips von Bands, die auf Fat Wreck sind oder waren. Von Mad Caddies über Lagwagon bis Against Me!, von Strike Anywhere über Strung Out bis zu The Flatliners und selbstredend auch NoFX gibt es jede Menge zu sehen. Aber Vorsicht: Man kann schon ziemlich Zeit auf der Strecke lassen. Lohnt sich allerdings mehr als Online-Spiele. Also bitte.

Ach so ja: Oben seht Ihr den Clip zu "Monumental" von den blutjungen Flatliners, die bei oben erwähntem Bierbecherwurf-Konzert großartig waren - und motivierter als Fat Mike & Co. zu Werke gingen.

Dienstag, 13. März 2012

Hörtest: Anti-Flag - The General Strike

Am kommenden Freitag erscheint die neue Platte von Anti-Flag. Und wer die zurückliegenden Alben der Punkrocker zwar gut, aber nicht überragend fand, dem kann ich voller Freude verkünden: "The General Strike" ist saustark. In der Tat so ein Kracher, dass er uns einen fetten Aufmacher auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung wert war. Wenn Ihr auf den Artikel klickt, könnt Ihr meine Gedanken dazu lesen.

Einen eigenen Post hatte sich ja das Video zum besten Song der Platte ("This is the new Sound") vergangene Woche verdient. In dem Clip, mit dem A-F und AI gegen den NDAA protestieren, werden Muppets zu Folterknechten.

Montag, 12. März 2012

Hörtest: Bruce Springsteen - Wrecking Ball

Witzig eigentlich, dass sie ihn den Boss nennen. Auf seinem neuen Album „Wrecking Ball“ klingt Bruce Springsteen nicht gerade so, als ob er besondere Sympathien für Bosse, Banker und Wirtschaftsgranden habe. Im Gegenteil.

Mit Kritik spart der 62-Jährige nicht, wütend stellt er sie an den Pranger, die gierigen Diebe und Räuberbarone, die das Fleisch von allem genagt haben, was zu finden war. 2009 hieß es noch „Working on a Dream“, drei Jähre später kreist der „Wrecking Ball“, die Abrissbirne, über den USA. Ratingagenturen, Rezession, politische Grabenkämpfe – Bruce Springsteen scheint seinen Augen kaum zu trauen, wenn er das Land anschaut, in dem er geboren wurde. Kein Wunder, dass er sich zur Verstärkung für zwei Songs Tom Morello an Bord geholt hat, der mit Rage Against The Machine und auch sonst genug Erfahrungen damit hat, politischen Aktivismus und Popkultur zusammenzubringen. Nun ist Springsteen eigentlich schon lange politisch, aber noch nie war er so angepisst, bitter und verzweifelt wie diesmal. Musikalisch hört man hier allerdings keine Spur von Resignation, und dafür wäre der Mann mit der Telecaster auch nicht bekannt. Während Michelle Moore ein paar Zeilen rappen darf, übernimmt der Gospelchor und Springsteen beschwört einen neuen Tag herauf. Aber da ist auch die düstere Ahnung: „The Blood on our hands will come back twice on us.“

Der fast sechsminütige Titelsong versammelt Streicher, Bläser und endet in einem Chor, der den Gedanken nahelegt, dass der Boss viel Arcade Fire gehört haben könnte in letzter Zeit. Wenn wir schon untergehen, dann mit fliegenden Fahnen – Frank Turner hat mal gesungen „If we’re stuck on this ship and it’s sinking then we might as well have a parade.“ Auf dem von Ron Aniello produzierten Album schöpft Springsteen aus dem Vollen, die Liste der Gastmusiker liest sich entsprechend lang. Der verstorbene Clarence Clemmons, der in Springsteens E-Street-Band für die opulenten Saxofon-Solos verantwortlich zeichnete, kommt posthum nochmal zu Ehren. Im bereits live bekannten und nun eingespielten „Land of Hope an Dreams“, dem Titelstück – und im Booklet, wo ihm ein paar Zeilen gewidmet sind. Folk-Fiddles, Penny Whistle, Akkordeon, Bläser, Nanjo und vieles mehr bringt die Songs vielschichtig zum Klingen. Wer durch bekennende Springsteen-Jünger wie The Gaslight Anthem oder The Hold Steady auf ihn aufmerksam geworden ist, dem wird das vielleicht too much sein, too much Gospel, too much Pose, too much Bombast. „Kein Wunder, dass Niedecken Fan von dem ist“, hört man sie munkeln. Keinen Zweifel gibt es aber an der immer noch gültigen Relevanz des Musikers, der mit „We take care of our own“ eine Art Hymne für die Occupy-Bewegung geschaffen hat. Jetzt wird auch klar, warum Springsteen auf dem aktuellen Album „Going Out in Style“ der Dropkick Murphys zu hören war: „American Land“ ist sein Versuch, irisch folkige Klänge in den Sound zu integrieren. Das muss man mögen, gelungen ist es allemal.

Als der Mann aus New Jersey 1984 „Born in the USA“ veröffentlichte, verstanden viele die Kritik darin nicht und hielten den Song für eine Hymne auf die vermeintliche Großatigkeit des Landes. Wenn sie lesen und zuhören können, kann es diesmal eigentlich keine Missverständnisse geben.

„Wrecking Ball“ von Bruce Springsteen ist am 2. März bei Columbia erschienen. Mehr unter http://www.brucespringsteen.net/

Sonntag, 11. März 2012

Reading 1995: Foo Fighters werfen den Kassettenrekorder an

Kaffee, Zigaretten - und die Foo Fighters im Kassetten-
rekorder: Dave Grohl & Co. mit einer coolen Idee.
                                                   Screenshot: Tinnitus Attacks 
"Remember Cassettes? Remember 1995?" fragen die Foo Fighters auf Twitter. Wenn man dem Link in ihrem Tweet folgt, kommt man auf eine Seite, auf der man einen - virtuellen - Kassettenrekorder anwerfen kann. Zu hören gibt's einen Live-Auftritt von Dave Grohl und Co. beim Reading Festival 1995. Da war gerade das Debütalbum "Foo Fighters" erschienen - und im Set findet sich auch ein Song namens "My Hero", der zwei Jahre später auf "The Colour and the Shape" veröffentlicht werden sollte, dem Album, das den Durchbruch zementierte.

Ein nettes Gimmick, dieses virtuelle Tape, gerade für Leute (wie mich), die im Grunde ihre Jugend mit dem Zusammenstellen von Mixtapes verbracht haben. Da kommt ein USB-Stick einfach nicht ran. Das perfekte Mixtape erfordert einen Hang zum Perfektionismus und den Willen, sich mit völlig unbedeutenden Fragen auseinanderzusetzen. Mit was eröffne ich das Tape? Es muss was Großartiges sein, damit man nicht gleich abschaltet, aber man darf auch nicht gleich das Highlight servieren - sonst gibt's ja keinen Grund, weiterzuhören. Dann die Zeitfrage: Ich weiß noch, wie ich Songlängen in Sekunden umgerechnet habe, damit ich exakt soviel Musik auf eine Seite packen kann, wie draufpasst. Und dann das Artwork: Zig Zeitschriften durchgeblättert, in denen mögliche Motive für dieses winzige Kassettencover waren, die dann mit Geodreieck und Bastelmesser ausgeschnitten und mit Kleber fixiert.

Die Foo Fighters bringen dieses Gefühl mit ihrer Internetseite ein Stück weit zurück: So kann man nicht zu einzelnen Titeln springen, sondern spult vor (begleitet von Geräuschen, als ob Mickey Maus unter die Räder kommt), kann die Seite wechseln und natürlich nichts aufnehmen, weil man die kleinen Ecken oben am Tape wohl rausgebrochen hat - damit man nicht im Unverstand was überspielt, was man gar nicht Löschen wollte. Witzig: Ich hab damals sogar die gleichen Kassetten verwendet. TDK SA 90. High Position Rec Type II.

Wird Zeit, die alten Tapes mal wieder rauszukramen. Manche waren so gut, dass ich sie einfach behalten hab.
Euch viel Spaß mit den Foo Fighters.

Die Setlist haben die Jungs von setlist.fm übrigens.

Samstag, 10. März 2012

Neue Die Ärzte-Platte: Tracklist veröffentlicht



Die Ärzte haben jetzt die Tracklist zum neuen Album "auch" veröffentlicht, das am 13. April erscheint (siehe unten).

Auf ihrer Homepage verraten Die Ärzte außerdem über sich auf dem neuen Album: "Sie klingen – sagen wir mal – fett, nach vielen Gitarren, Schlagzeugen, Bässen und sogar einigen Synthesizern. Außerdem kann man zu ihnen tanzen, zumindest manchmal." Zu jedem Song wird es übrigens auch ein Video geben. 
Nachdem die EP zeiDverschwÄndung solide (Video zum Titelsong oben), aber nicht überragend war, sind viele Fans jetzt auf das album gespannt und hoffen auf einen richtigen Kracher. 

Hier die Songtitel in der Übersicht: 
1. Ist das noch Punkrock?
2. Bettmagnet
3. Sohn der Leere
4. TCR
5. Das darfst du
6. Tamagotchi
7. M&F
8. Freundschaft ist Kunst
9. Angekumpelt
10. Waldspaziergang mit Folgen
11. Fiasko
12. Miststück
13. Das finde ich gut
14. Cpt. Metal
15. Die Hard
16. zeiDverschwÄndung 

Matt Skibas Soloprojekt: Erster Song im Netz

Solo unterwegs: Matt Skiba.                            Foto: pr

Dan Adriano hat letztes Jahr vorgelegt ("Hurricane Season"), jetzt wagt auch Matt Skiba (beide Alkaline Trio) den Alleingang. Wobei sich Skiba prominente Unterstützung ins Boot geholt:  Hunter Burgan (AFI) am Bass und Jarrod Alexander von My Chemical Romance an den Drums holzen auf dem Debütalbum "Babylon" mit, das am 5. Mai via Superball Music erscheint. Einen ersten Eindruck kann man jetzt schon bei Spinner hören, den Song "All Fall Down". Überraschend dürfte es nicht sein, dass das Stück stark nach Alkaline Trio klingt.

Aber wo liegt dann die Motivation, es solo zu versuchen? "Selbst eine Platte auszuarbeiten und zu entscheiden, wer mitspielt und wie die Songs strukturiert sind, hat mir eine Menge Spaß bereitet. Ich liebe die Arbeit mit meinen Band-Kollegen vom Alk3, dennoch wollte ich schon immer einmal eine ganz eigene Platte aufnehmen“, sagt Skiba. Laut Promoagentur Piratesmile soll das Album auch Elemente des 80er-Jahre-Postpunks aufweisen.

Freitag, 9. März 2012

Hörtest: Wild Evel & The Trashbones - Tales from the Cave

Wer sie einmal live gesehen hat, der ist ihnen mit Haut und Haaren verfallen. Dabei sind die Zutaten denkbar simpel. Was machen Wild Evel & The Trashbones besser als die anderen - und was macht sie zu einer der besten Bands zwischen hier und dem Ende der Welt? Manche nennen es Mojo, andere Charisma - klar ist nur eins: Von diesen Höhlenmenschen lässt man sich gerne eines mit der 60ies-Keule überbraten.

Das Leben kann so einfach sein: "I wanna take you out - oh yeah / I wanna scream and shout - oh yeah / I wanna hold you tight - oh yeah / I wanna make you mine - oh yeah". Mehr Text brauchen die Österreicher um den exzentrischen Frontmann Wild Evel nicht, um die Menschen vor der Bühne in zuckendes Klatschfutter zu verwandeln (wie vergangenen Oktober in Winterthur, siehe Konzertbericht). Kein Wunder: Auf der Bühne legt Evel, der Chef von The (Incredible) Staggers, schon mal die Farfisa-Orgel um, der er mit drei Fingern herrlich plärrende Sixties-Sounds entlockt - wenn er nicht gerade über die Bretter tobt wie ein verschollen geglaubter Ramones-Bruder. Berni Trashbone versohlt derweil das Drumkit nach allen Regeln der Kunst, während Powl Howl und Murphy Morphine die Gitarren zu fuzzigen Höchstleistungen peitschen und Max Trashbone dem Bass dröhnende Donnerschläge entlockt. Es ist ein Schauspiel, das man manch anderem Musiker empfehlen möchte, auf dass dieser den Begriff "Energie" neu entdecken möge.

Jetzt haben Wild Evel, der nebenher an der Akademie der bildenden Künste in Wien Malerei studiert und für die Artworks der Band oft selber verantwortlich zeichnet, und seine Mitstreiter (die von The Roadrunners stammen) erstmals ihre Songs in Longplayer-Format versammelt. Bisher mussten Fans sich die Songs auf Vinyl-Singles zusammensuchen (was seinen Reiz hat), jetzt gibt's 17 ungehobelte 60ies-Garagenrock-Perlen am Stück. Ein arschcooles Aha-Erlebnis für alle, die mit Garagenrock, Surfsounds, Schellenkranz, Zombies, B-Movies, Screaming Lord Sutch und Rocky Horror-Flair etwas anfangen können.

Wild Evel & The Trashbones 2011 in Winterthur.
                                                         Foto: Tinnitus Attacks
Auch wenn das alles nicht neu ist: Wie Wild Evel and the Trashbones sich am Kulturkanon der 60er bedienen und daraus eine eigenständige Mixtur destillieren, die punkig-roh und aufmüpfig daherkommt - ganz großes Tennis. "Let's go right now" klingt wie eine Mischung aus Blues Brothers ("Everybody needs somebody") und The Who ("My Generation“), beim „Mobumbu Hop“ dürfte sich Surf-King Dick Dale geschmeichelt fühlen, während Pulp Fiction-Fans ein Déjà Vu erleben und wie die Mundharmonika bei „I Wanna Be Your Caveman“ jubiliert, das muss man auch erstmal komponieren. Wild Evel singt dazu nicht einfach, er näselt, heult, krächzt und gröhlt sich durch 37 Minuten durchgeknallter Unterhaltung. Neben massig Eigenkompositionen gibt es auch zwei Covers, nämlich „Where You Gonna Go“ (Art Guy) und „Black Cat“ (The Sheapes). Schönes Detail am Rande: Als Gastmusiker ist unter anderem Buddy Grabner am Saxophon zu hören, der früher beim britischen Schockrocker Screaming Lord Sutch (gestorben 1999) spielte. Rockabillys und Rockabellas werden diese Platte ebenso lieben wie Mods, 60ies-Freaks, aber auch musikalisch offene Punkrocker. 
Mit der kurz-knackigen Prägnanz der Drei-Akkorde-Punks sind die Songs nämlich ebenfalls gesegnet. 
Da muss dann eben die Repeat-Taste ran.

„Tales from the Cave“ ist am 17. Februar bei Wohnzimmer Records erschjnen. Als CD und als LP erhältlich via Soundflat Records. Hier gibt’s noch das Video zu „Let's go right now“ zu sehen. Einen Auftritt von Wild Evel bei „Willkommen Österreich“ könnt Ihr unter diesem Link sehen. Mehr zur Band auf der offiziellen Internetseite

Donnerstag, 8. März 2012

"This is the New Sound": Muppets foltern Anti-Flag



Während Konservative in den USA den Muppets mit ihrem neuen Film einen Aufruf zum Klassenkampf vorwerfen (siehe Spiegel-Artikel), machen die Stoffpuppen von Jim Henson auf andere Art von sich reden: Im neuen Video von Anti-Flag entführen sie die Pittsburgh-Punks, foltern und misshandeln sie - Waterboarding inklusive. Kuscheltiere als Folterknechte - was soll das? Bei dem Clip zum Song "This is the New Sound" handelt es sich um eine Zusammenarbeit von Anti-Flag und Amnesty International. Das Video soll den National Defense Authorization Act kritisieren. Dieses von US-Präsident Barack Obama zu Neujahr unterzeichnete US-Bundesgesetz ermöglicht es den Vereinigten Staaten, amerikanische Bürger und Ausländer, egal ob auf amerikanischen Territorium oder nicht, ohne Anklage und Gerichtsverfahren auf Verdacht terroristischer Handlungen für unbegrenzte Zeit zu inhaftieren (siehe Spiegel online). Logisch, dass die politisch sehr aktiven Punkrocker von  Anti-Flag und die Menschenrechtsorganisation Amnesty International das scharf verurteilen: "The right to a fair trial protects all of us from abuse." Mehr Infos dazu finden sich unter http://amnestyusa.org/ndaa.

Anti-Flag und Amnesty International gehen mit dem Video einen cleveren Weg: Der Clip gehört mit zum Ungewöhnlichsten, was je als Musikvideo veröffentlicht wurde. Auf provokative Weise werden die Muppets in einen völlig neuen Kontext gebettet, das Lachen über die plüschigen Figuren bleibt einem im Hals stecken, wenn sie zum Hammer greifen und Justin Sane seine nackten Füße in Sicherheit bringen will. Aufmerksamkeit ist diesem Clip sicher. Die Absicht ist klar: "They passed it. We'll fight it. Stop the NDAA." heißt es am Ende des 3:16-Minuten-Films.

"This is the New Sound" ist einer der besten Songs, den Anti-Flag je verfasst haben, und wird auf dem neuen Album "The General Strike" zu hören sein, das am Samstag, 17. März, erscheint. Eine Plattenkritik dazu folgt in Kürze auf Tinnitus Attacks.

Live erleben kann man A-F auch:

16.04. DE - Oberhausen - Zentrum Altenberg
18.04. DE – Köln – Luxor
19.04. DE – Wiesbaden – Räucherkammer
20.04. DE – Stuttgart – Universum
21.04. AT – Kapfenberg – Overdrive Festival
22.04. DE – München – 59:1                 *Ausverkauft!
24.04. DE – Osnabrück – Kleine Freiheit
25.04. DE – Bremen – Tower
26.04. DE – Hamburg – Logo                *Ausverkauft!
27.04. DE – Berlin – Monster Bash
29.04. BE – Meerhout – Groezrock Festival

Tickets: http://x-why-z.tickets.de/de/customer/events/1964-ANTI-FLAG

Dropkick Murphys verschenken "Devils Brigade" als Live-Version

Neues von den Dropkick Murphys: Am 16. März (einen Tag vor dem St. Patricks Day) erscheint eine neue Version ihres 2011-Albums "Going Out In Style". Die Platte nennt sich "Going Out in Style: Fenway Park Bonus Edition" und enthält zusätzlich zur bereits bekannten Scheibe eine Live-Platte, mitgeschnitten im Fenway Park in Boston vergangenes Jahr. Den Song "Devils Brigade" (urspünglich von "The Gang's All Here" von 2003) kann man sich momentan über die Internetseite von Conan O'Brien downloaden. Beeilt Euch, der Link ist nur eine bestimmte Zeit lang online. Zur Not gibt's den Song auch noch als Stream.

Hier seht Ihr nochmal den Auftritt der Irish-Folk-Punks aus dem vergangenen Jahr, als sie bei Conan O'Brien live die Rampensau rausgelassen haben. Die Rezi zu "Going Out in Style" war hier übrigens der erste Blogbeitrag vor knapp einem Jahr.

We Are Serenades: Debüt kommt im Mai



Es gibt so Momente, da hört man etwas Neues und ist hin und weg. So ging's mir mit We Are Serenades, einem Duo aus Schweden, das sein Debüt "Criminal Heaven" im Mai veröffentlicht.

Dahinter stehen Adam Olenius (Sänger der Shout Out Louds) und Markus Krunegård (ex-Laasko).  Sie sollen sich auf einer Autobahn-Raststätte getroffen, ein schüchternes Gespräch geführt und sich gegenseitig bewundert haben. Vier Jahre lang arbeiteten sie immer wieder gemeinsam an Songs. Im Winter 2010/2011 nahmen sie die Stücke auf, zwei Monate im Studio, das Resultat gibt's hierzulande ab 18. Mai zu hören.
Die erste Single "Birds" haben sie auch bebildert, den Song "Oceans" kann man sich gratis auf der Internetseite der Band runterladen. Dort gibt's auch noch mehr Videos.

Und drei Live-Termine gibt's außerdem:
24.04.2012 Berlin - Lido
25.04.2012 München - Atomic Café
26.04.2012 Köln - Luxor

Mittwoch, 7. März 2012

Neues Video: Donots wecken die Hunde



Die Donots sind auf den Hund gekommen: Heute haben die Ibbenbürener ihr neues Video "Wake the Dogs" von der Leine gelassen. Der Song ist der Vorbote des gleichnamigen Albums, das am 27. April erscheint.

Macht einen guten Eindruck. Die Rhythmik lässt natürlich sofort Erinnerungen an Iggy Pops "The Passenger" wach werden, trotzdem ein unverkennbarer Donots-Ohrwurm, der zeigt, dass die Abkehr vom poppigen Punkrock der Anfangstage der richtige Weg war, um musikalisch relevant zu bleiben. Via Facebook verschenken die Fünf das Stück auch - im Tausch gegen ein Like.

Hier noch die aktuellen Tourdaten:

2. März: Wien, Ottakringer Brauerei
11. Mai: Hamburg, Große Freiheit
12. Mai: Köln, E-Werk
5. Oktober: München, Backstage-Werk
17. Oktober: Hannover, Capitol

Dienstag, 6. März 2012

The Young and the Hopeful: Ruby Shock im Grenzland zwischen Stoner und Rockabilly

Heute startet Tinnitus Attacks eine neue Rubrik: Sie nennt sich "The Young and The Hopeful". Darin soll es um Bands gehen, die noch nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Dieses Blog will Musiker unterstützen, die Herzblut und Zeit investieren, aber ohne Label dastehen oder noch am Anfang sind. 

Den Anfang machen heute drei Männer und eine Frau, die staubtrockene Stonerklänge und rasante Rockabilly-Elemente verbinden.

Darf ich vorstellen: Ruby Shock. Sie kommen aus Stuttgart, sind ungesigned, aber talentiert und hoffnungsvoll. Ruby Shock, das sind Maddalena (voc), Stevie (drums), Dennis (bass) und Migger (git). Derzeit arbeitet das Quartett an seinem dritten Album. Wir schauen derweil mal auf die aktuelle Scheibe, die auf den Namen "Love Me, Love My Dogs!" hört und 2009/2010 entstanden ist.

Die Platte: 
Die Queens of the Stone Age entführen ein wahrhaftiges Rrrrriot-Girl entführen und laden in der Wüste zu einer wüsten Rockabilly-Party. So oder ähnlich klingen Ruby Shock. Das Quartett mischt Stoner-Riffs á la Josh Homme mit dem exaltierten Gesang von Frontfrau Maddalena. Dazu gesellen sich ein knackiger Bass und die Drums, die zwischen lässig und druckvoll pendeln. Und immer wieder mischen sich da Surfsounds ins Gesamtbild.

Stoner meets Rockabilly: Ruby Shock rocken
 eigenständig.                             Foto: pr
Die abgehackten Riffs des Openers "Don't believe" spielen unverhohlen mit QOTSA-Rhythmik, dann nimmt das Stück Fahrt auf. Bei "Same old song" ist es umgekehrt: Da steht ein klassischer Rock'n'Roll-Intro am Anfang, später ziehen sie Licks aus dem Hut, die nach Wüste und Mathmoslampe klingen. Das robotige "Rebel of Dance" setzt auf Kontraste im Tempo und man kann sich richtig vorstellen, wie das Stück live zündet. Überhaupt: Ruby Shock auf Platte, das ist der Soundtrack für lange Fahrten auf langgezogenen geraden Straßen, aber auch wenn man sie noch nicht auf der Bühne gesehen hat, kann man sich vorstellen, dass diese krawallige Mischung bestens aufgeht. Etwas relaxter geht's da in "At night" zu, bevor wir Zeugen eines Duells werden in "Nothing Counts". Das klingt nach Spaghetti-Western und das Revue-Girl hat sich das Mikro geschnappt. Die ganze Platte steckt voller interessanter Details, ist nie zu verspielt, immer straight, aber nie zu einfach. Mal flirren die Gitarren, wenn sie Gesang wären, wären sie Kopfstimme, mal braten sie voluminös. Wuchtig und akzentuiert die Drums, satt und wollig der Bass. Und über allem thront immer wieder Maddalena, diese aufgedrehte Schwester im Geiste von Patricia Day (Horrorpops), mit ihrer tremolierenden Stimme.

Die Geschichte:
Ruby Shock existieren seit in dieser Besetzung seit 2007. Vor Ruby Shock gab es "Laconic Star", die von von Madda und Migger gegründet wurden. Die Band war mit zwei Videoclips beim damals noch existenten Viva 2 vertreten und war unter anderem als Support für die Foo Fighters und Him auf Tour. "Obwohl der große Durchbruch offensichtlich nicht stattgefunden hat, sprechen uns noch heute viele Leute auf Laconic Star an", sagt Dennis Wohlbold, der sehr angetan vom Sound der Band war und sich um den Posten des Bassisten bei Laconic Star beworben hatte. Er selbst hatte vorher bei Symphorce gespielt, einer Powermetalband um Cede Dupont (Freedom Call, Downspirit), Andy B. Franck (Brainstorm), Markus Pohl (Mystic Prophecy).
Zunächst machte die Band unter dem Namen Laconic Star weiter, aber es kristallisierte sich ein anderer Stil heraus. "Um Laconic Star Fans nicht vor den Kopf zu stoßen, entschlossen wir uns zur Umbenennung in Ruby Shock", erinnert sich Dennis Wohlbold.

Das Debüt "Stony way" nahm die Band 2008 auf, und der Titel sollte Programm bleiben. Auch nach dem zweiten und noch aktuellen Album "Love Me, love my dogs" ist kein Label in Sicht. "Heutzutage kriegst Du als Band nicht mal mehr eine Proforma-Standard-Absage, wie das früher wenigstens noch der Fall war - egal ob das Label Dein Zeug anghört hat oder nicht", sagt ein etwas frustriert klingender Dennis Wohlbold. Weder die Kontakte durch Symphorce noch die Kontakte durch Laconic Star brächten die Band voran, sagt der Bassist. Dennis Wohlbold: "Entweder "existieren" die Leute an den entsprechenden Positionen nicht mehr, oder sie können mit dem Sound von Ruby nichts anfangen. Klar... Symphorce war Powermetal, Laconic Star war Mainstream... Wie passt da der saugeil rotzige Sound von Ruby Shock ins Konzept? Es ist stilistisch halt einfach was komplett Anderes." Die Geschichte der Band zeigt, wie unberechenbar das Musikbusiness bisweilen sein kann - und dass man immer wieder neu um einen Status kämpfen muss, den man schon einmal erreicht hat.

Die Perspektive: 
So bleibt der Band im Moment nichts anderes übrig, als ihre CDs über die bandeigene Internetseite www.ruby-shock.com zu verscherbeln und zu versuchen, so viele Konzerte wie möglich zu spielen. Doch es gibt trotzdem Pläne für ein neues Album: "Momentan stecken wir in der Songwriting-Phase zum nächsten Album, wir hoffen, dass wir in der zweiten Hälfte  dieses Jahres mit den Aufnahmen beginnen können. Einen Titel dafür gibt es allerdings noch nicht", verrät Dennis Wohlbold.

Man darf gespannt sein. Es wäre der Band zu wünschen, dass sie eine Plattenfirma findet, die sie pusht, fördert und fordert. Der Soundmix der Stuttgarter ist ungewöhnlich, eigenständig und extrem livetauglich.

Mehr Infos auch unter http://www.facebook.com/RubyShock. Mehr Videos gibt's auf Youtube. Unten seht Ihr noch ein Live-Video zu "At Night". Und hier noch ein paare Tourdaten:


17. März: Stuttgart-Botnang, Bürgerhaus/Cafe Intus + Mars Mellow
24. März: Schwalbach, Rockclub
14. April: Suttgart-Neugereut, JuHa (Deadcity Punx Birthday-Party)
09. April: Wittenberg, Stadtfest
03. August: Traben-Trabach, Lott-Festival



Montag, 5. März 2012

Hörtest: Die Ärzte - zeiDverschwÄndung (EP)

Erster Eindruck: Schwächer als früher. Zweiter Eindruck: Wächst mit dem Hören. Ein paar Durchläufe muss man der neuen DÄ-EP dann schon geben. Klar gibt's die Hardcore-Fraktion, die wirklich jeden Ton von BelaFarinRod abfeiert und auch diese neuen Songs ins Herz schließen wird. Aber auch die Stimmen, die hoffen, dass das neue Album "auch" stärker wird, sind deutlich zu hören. 

Drei Männer auf der Meta-Ebene: Eigenironie gepaart mit großem Ego war schon immer ein Trademark der Die Ärzte. Mit dem Titelsong "zeiDverschwÄndung" gehen sie diesen Kurs konsequent weiter. Der Song ist solide DÄ-Kost, aber kein neuer Klassiker. Wobei man fairerweise sagen muss, dass der Song mit mehrmaligem Hören besser wird. 

"Mutig" ist ein typisch treibender Farin-Urlaub-Rocker, allerdings kennen wir das Thema im Grunde schon: Mit "Gefährlich" stand ein ähnlicher Song auf der Solo-Single "Sonne", der weitaus origineller getextet war. Was den Track rettet, sind die schrägen Reime: "Grand Canyon" auf "nicht zu bändi'jen" oder "Mädchen" auf "bestät'chen", das kann nur Mr. FU.

Highlight ist die Rod-Komposition "Quadrophenia", die The Who, Mods und die 60er auf liebevolle Weise Tribut zollt. Musikalisch gelungen, von einer leicht melancholischen Ader durchzogen - well done. Manchmal sind es eben die Quasi-B-Seiten, die es raushauen. 

Auch Bela zeigt sich wieder als gereifter Songschreiber, auch wenn "Will Dich zurück" nicht allen gefallen wird. Auf der Habenseite verbuchen wir einen Text, der ironisch mit den positiven Seiten des Singlelebens spielt und ein protzendes Gitarrensolo auffährt. 

Irgendwie hat man mehr erwartet, aber warten wir einfach mal das Album "auch" (erscheint am 13. April) ab. Vielleicht steckt ein Plan dahinter, den man an diesem Punkt noch nicht sehen kann. 

Die "zeiDverschwÄndung"-EP ist am 2. März bei Hot Action Records erschienen. Hier noch das offizielle Video zum Titelsong. Auf Youtube gibt's noch mehr zu sehen.