Dienstag, 31. Januar 2012

Video: Missincat mit "Back on my feet"



Es ist schon ein kurioser Effekt. Man entdeckt Musik wieder - und ein paar Tage später liest man, dass genau derjenige mit jemanden auf Tour ist, den man ebenfalls sehr schätzt. Konkret: Im Zusammenhang mit der Soloplatte von John K. Samson bin ich in meinem Plattenschrank auf Missincat gestoßen. Frauenstimme, Akustikgitarre - hätte auch als Soundtrack zu "Juno" durchgehen können. Jetzt kann man sie und den wirklich großartigen Songwriter Fabio Bacchet alias Hello Piedpiper bei einem Konzert im Doppelpack erleben: am 4. Mai in Hagen. Bacchet veröffentlicht im März sein Album "Birdsongs = Warsounds" via Uncle M. Eine Rezi dazu gibt's hier, ein Interview mit Fabio hier.

Oben seht Ihr das bittersüße Video zu "Back on My Feet", dem Titelsong der 2009er-Platte von Caterina Barbieri.

Montag, 30. Januar 2012

Garbage sind zurück: Neues Album "Not Your Kind of People" kommt im Mai



Das erste Album seit sieben Jahren: Am 11. Mai  veröffentlichen Garbage ihr neues Album "Not Your Kind of People". Die Platte erscheint auf dem eigenen Label Stunvolume.

"Wieder mit Garbage zu arbeiten, war sehr instinktiv", wird Duke Erikson in einer Ankündigung der Promoagentur zitiert. "Es war, wie auf ein Fahrrad steigen - mit drei weiteren Personen." Er fügt hinzu: "Wir haben uns lange nicht mehr so gut gefühlt mit einem Garbage Album - eigentlich nicht mehr seit dem letzten Garbage-Album."

Auch im Jahr 19 nach ihrer Gründung besteht die Band aus Shirley Manson am Gesang, Steve Marker und Duke Erikson an Gitarren und Keyboards und natürlich Butch Vig an den Drums und Loops. Butch Vig kennt man natürlich vor allem auch als Produzent von wegweisenden Alben wie Nirvanas "Nevermind". Garbage landeten mit ihrem 95er-Debüt einen Volltreffer, schufen mit "Stupid Girl" und "Only Happy When It Rains" Alterna-Hymnen und strichen doppelt Platin ein. 2005 kam "Bleed Like Me", das vierte und bis dato letzte reguläre Studioalbum. 

"Thinking about going back on the road is both thrilling and terrifying in equal measure," sagt Shirley Manson, und wird ihrem Ruf als verruchte Frontfrau mal wieder gerecht: ".. but we've always enjoyed a little pain mixed in with our pleasure." Einen ersten Eindruck und Statements gibt's im Video oben zu sehen.

Hierzulande spielen sie denn auch zwei Festivals, um ihr neues Album zu promoten.

22.06.2012 - Neuhausen ob Eck - Southside Festival
23.06.2012 - Scheeßel - Hurricane Festival

Sonntag, 29. Januar 2012

Sonntags-Matinée: Matt Pryor - May Day

Solisten haben Hochkonjunktur. Jetzt bekommen wir es mit dem zweiten Album-Alleingang von Matt Pryor zu tun. Den kennt man sonst von The Get Up Kids. Schon lustig: Im Januar erscheint jetzt ein Album, das im Mai 2011 aufgenommen wurde - und seine maximale Wirkung in den Sommermonaten erzielen dürfte.

Nichts gegen Ragan, Turner und Co., aber es ist schon schön, dass Matt Pryor auf "May Day" nicht das erfolgversprechende Rezept Countryfolk nachkocht. Klar, irgendwie ist es ja immer ein bisschen von beidem, wenn man sich mit der akustischen Gitarre auf den Barhocker setzt und seine Gedanken preis gibt. Aber mit dem Nachfolger von Pryors Solodebüt "Confidence Man" (2008) werden eher Anhänger sonnig-fluffiger Klänge glücklich als die Punkrock-Fraktion. Wenn Matt Pryor die Saiten zupft, tauchen Bilder von blauem Himmel, der sich in Wellen spiegelt, vor dem inneren Auge auf. Hier dürften auch Fans von Surfer-Gitarrero Jack Johnson glücklich werden.

Allerdings setzt Matt Pryor nicht auf Easy Listening. Der Opener "Don't let The Bastards Get You Down" ist eine gutgelaunte Kampfansage, "The Lies Are Keeping Me Here" hätte so auch auf dem letzten Decemberists-Album stehen können. Aber dann sind da ja auch Songs wie "Polish The Broken Glass", das klingt, als seien The Cure seitlich in die Fleet Foxes gerast. Oder das fast schon morbide tönende "I Was a Witness" mit seinem westernhaften Gitarrentwang und Stereo-Streichern, die von der linken zur rechten Box und wieder zurückwabern. Es geht um zerbrochene Liebe, die erstaunlich positiv vertont ist, das mit Banjo und Mundharmonika winkt. Immer wieder werden die Songs auch von Piano-Figuren getragen, das treffend "Your New Favorite" betitelte ist so eines. Und im Mittelpunkt immer wieder Matt Pryors Stimme, von der man sich wünschen würde, dass sie einem bei einem Bier im Pub Lebensweisheiten erzählt. Vielleicht könnte sie einem auch was zum Thema Ritzen sagen, zumindest legt "You Won't Get Any Blood From Me" nahe, dass hier jemand jemanden kannte, der sich selbst wehgetan hat. Matt Pryors Gesang wirkt immer wieder wie von weit her schallend, mal sind die Songs minimalistisch und setzen auf Gitarre, mal werden sie von der Bass-Drum vorangetrieben. Allesamt will man sie nicht mehr missen, wenn man sie mal gehört hat. Gerade auch "What My Tired Eyes Would View", das mit seinem Banjo vs. Gitarre-Ansatz und zirpenden Grillen am Ende eines rundum schönen Albums steht.

Sympathisch übrigens auch der basisdemokratische Ansatz: Die Finanzierung des Albums sicherte Pryor via Fanunterstützung im Internet, auch beim Artwork durften sich seine Supporter einbringen. Dafür will er sich mit Wohnzimmerkonzerten revanchieren. Man kann sich vorstellen, dass die Songs da perfekt funktionieren. Setz Dich, nimm Dir einen Keks, fühl Dich wie zuhause, Matt. Und spiel unsere New Favorite Songs.

"May Day" von Matt Pryor ist am 27. Januar auf Arctic Rodeo Recordings erschienen.

Hier gibt's noch "Your New Favorite" zu hören, unter dem Youtubekanal mattpryorsongs findet Ihr zwei weitere Songs.



Und hier noch ein Video von ifyoumakeit: Matt Pryor performt "Where Do We Go From Here" live.


Samstag, 28. Januar 2012

Live bei Conan O'Brien: They Might Be Giants feiern 30. Geburtstag



They Might Be Giants werden dieses Jahr 30 Jahre alt. Bei Conan O'Brien haben sie den Song "When Will You Die"  (Video siehe oben) von ihrem neuen Album "Join Us" jüngst live präsentiert. Immer wieder schön zu sehen, wie selbstverständlich gute Musik im US-TV eingebunden ist. Und das Beste: Sie spielen noch einen. Den Klassiker "Ana Ng" (Video siehe unten).

Freitag, 27. Januar 2012

Video zu "Dawned on Me": Wilco treffen Popeye



Was war noch die Woche? Ach ja, Wilco und ihr lustiges Video zu "Dawned on Me". Kurz nachdem wir hier den Live-Auftritt bei Conan O'Brien mit demselben Lied gepostet haben, kam dann dieser Clip. Starring: Wilco als Zeichentrickfiguren - und Popeye.

Hörtest: Crippled Black Phoenix - (Mankind) The Crafty Ape

So kann's gehen: Das Album erscheint und der Sänger ist schon raus. Ein Wermutstropfen, dass Joe Volk nicht mal mehr auf der kommenden Tour dabei sein wird. Trösten kann man sich mit "(Mankind) The Crafty Ape". Das allerdings auch nur bedingt, denn kuschelig geht's hier nicht zu. Dafür komplex, düster und vielschichtig. 

Ja Mensch, die Menschheit, dieser listige Affe. Hat sich einfach über Millionen Jahre vom keulenschwingenden Neandertaler zum Social-Network-Junkie mit Koffein-Injektion und Laptop-Schutzschild (wer in letzter Zeit bei Starbucks war, weiß, wovon die  Rede ist) entwickelt. Komponiert Symphonien und Oratorien, verwendet aber mindestens genausoviel Zeit auf das Ersinnen und Erfinden von Waffen unvorstellbarer Zerstörungskraft, mit denen wir uns nicht bloß einmal vernichten könnten. Allein schon der Titel lädt zu philosophischen Diskursen ein, die bitter nötig sind, wenn man sich so umschaut.

Wo Punkrock-Bands sich angesichts dieses Themas Aktivismus auf die Fahnen schreiben würden, gehen Crippled Black Phoenix auf Platte allerdings introvertierter vor (auch wenn die Message nicht weniger dringlich ist, wie Ihr im Video unten sehen könnt). Irgendwie wabert ein Konzept über diese Doppel-CD, allerdings eher unaufdringlich und hintergründig. Bei den ersten Hördurchläufen wird sich das einem nicht notwendigerweise erschließen, zuviel gibt es hier zu entdecken.

Der pessimistisch klingende Quasi-Opener "The Heart of Every Country" etwa. Bis der Gesang einsetzt, sind schon mal über drei Minuten vergangen, dräuendes Klavier und dunkler Bass setzen sich gegen klagende E-Gitarre und diese Stimmengewirr durch, das einem anarchistisch veranlagten Gregorianischen Chor auf Acid gleicht. Willkommen im Planetarium, auf geht's zu den Sternen. Justin Greaves und seine Sidekicks wildern in Prog-Gefilden, kommen aber ohne Selbstzweck-Gegniedel und Gefrickel aus. Dabei ist ihnen egal, ob Gitarrenriffs bluesig, metallisch oder post-irgendwas klingen. Und immer wieder dieses bedeutungsschwangere Klavier, dass sich schwer atmend auf die Gleise legt, auf denen der konstant voranrollende Soundbastard kreist. Wie lang ein Song dauert, ist da egal - Hauptsache, es ist alles gesagt oder besser gesagt gesungen.

Manchmal herrscht auch einfach Stille, aber das ist nicht der einzige Grund, warum man dieses Band wohl eher nicht im Radio hören wird. Es ist ein Album, das will, dass man sich mit ihm beschäftigt, dass man es nicht bloß als Hintergrundbeschallung im Auto hört. Eine klare Antithese auch zum Shuffle-Modus. Das Doppelalbum lebt. Lange lebe das Doppelalbum.

"(Mankind) The Crafty Ape" erscheint am 27. Januar via Cool Green Records. Bei Visions online kann man sich Auszüge anhören. Mehr unter http://www.crippledblackphoenix.co.uk/

Hier gibt es noch das leicht verstörende Video zu "Laying Traps" zu sehen:

Donnerstag, 26. Januar 2012

John K. Samson und Craig Finn in der SZene-Kritik



Morgen hat das Warten ein Ende: Dann stehen die Soloalben von John K. Samson und Craig Finn, die hier schon ausführlich besprochen wurden, endlich in den Regalen. Keine Frage, dass von beidem noch die Vinyl-Versionen hermüssen. Diese Woche ist ein Artikel von mir dazu auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen - nach dem Motto "Lies einen, erfahr was über beide."

Das Resultat könnt Ihr hier sehen.

Oben könnt Ihr ein Video sehen, das zeigt, worum es auf "Provincial" geht: die eher ländliche Gegend.

Tinnitus Attacks gibt's übrigens auch bei Facebook und bei Twitter. Liken bzw. folgen und tägliche Updates aus dem Paralleluniversum der guten Musik bekommen.

Zebra and Snake mit neuer EP "Sweetest Treasure" und Video



Aus Finnland kommen nicht nur düstere Gothrocksounds: Zebra and Snake beehren uns am 24. Februar mit ihrer neuen EP "Sweetest Treasure". Die Band hat prominente Supporter: Andy McCluskey (OMD) und Jónsi (Sigur Ros) legten die Band Toby Harris, dem Chef von 100 % Records, beide innerhalb von 12 Stunden ans Herz. Tapio (Vocals, Synths) und Matti (Bass/Backing Vocals/Synths) kommen aus Alajärvi, einem Ort 300 Kilometer nördlich von Helsinki.

Die EP enthält vier Songs plus noch etliche Remixe. Uns erwartet "warmer, elektronischer Technicolor", wie die Promoagentur weiß. Live erleben kann man die Band hierzulande am 28. Februar in Berlin, am 29. Februar in Hamburg als Support der Casiokids. Das Debüt Healing Music kommt in April dieses Jahres. Das coole Video zum Titelsong seht Ihr oben.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Hello Piedpiper: Debüt im März via Uncle M

Am Montag haben wir hier das Interview mit Fabio Bacchet veröffentlicht, heute verkündet das Münsteraner Label Uncle M seine dritte Veröffentlichung: Das "Birdsongs = Warsounds" betitelte Debüt von Hello Piedpiper erscheint am 23. März. Tinnitus Attacks hat am 23. November die erste Rezi des Albums veröffentlicht.

Wer genau hinschaut, entdeckt einen Baum auf dem Bild.
                                                                           Foto: Malwine Rafalski
Bei Uncle M ist man ganz angetan von Fabio Bacchets Songwriterkünsten: "Spielerisch leicht vermischen sich auf dem Album die Einflüsse von Folk, Indie, Singer-Songwriter und Country. Was Hello Piedpiper einzigartig macht, ist das liebevolle Songarrangement, welches neben seiner unverwechselbaren Stimme durch verschiedenste musikalische Nuancen wie fein gewählte Backing Vocals, dezente Melodica oder Bluesharp Arrangements, Pfeifen oder sein markantes Fingerpicking besticht." So lobend äußert sich das Label in einer Pressenotiz.

Ab März ist Hello Piedpiper, der im vergangenen Jahr bereits mit Justin Sane (Anti-Flag), Audra Mae und Susanne Sundfor deutschlandweit tourte, auf Tour und wird am 23. März im Kölner Hostel "Weltempfänger" seinen CD-Release feiern. Auf der Tour dabei sind unter anderem die fabelhafte Missincat, deren Album "Back on My Feet" mir Anfang der Woche wieder in die Hände gefallen ist. Über The Miserable Rich freut sich jemand besonders, den ich kenne (Hallo Kollegin!).

Hier die Tourdaten:
20.01. Köln - Cologne Music Week
12.02. Köln - Studio 672 / Stadtgarten #
15.03. Unna - Spatz & Wal
23.03. Köln - Weltempfänger *
28.03. Bremen - Cantina Publica *
29.03. Hamburg - Molotow *
30.03. Berlin - Monarch (Festsaal-Kreuzberg) *
31.03. Bielefeld - PlanB *
13.04. Aachen - L__rzeichen
14.04. Heidelberg - Wohnzimmer
20.04. Düsseldorf - Petit Papillon
21.04. Kiel - Prinz Willy
04.05. Hagen - Nepomuk + (tbc)
17.05. Lüneburg - Salon Hansen ?
22.05. Duisburg - Steinbruch (tbc)
02.06. Münster - Lockvogel Design

# = mit The Miserable Rich
* = mit Honig
+ = mit MissinCat
? = mit Oliver Uschmann (Lesung & Konzert)

Hörtest: Craig Finn - Clear Heart Full Eyes

Werden wir nochmal persönlich: Kann doch kein Zufall sein, dass Craig Finn sein Solodebüt am selben Tag rausbringt wie John K. Samson. Wenn ich meine größten Helden, meine wichtigsten Einflüsse benennen müsste, wären die zwei dabei. Und Mike Ness. Aber der hat das ja schon hinter sich mit den Solosachen. Jedenfalls: Craig Finn kann es auch ohne seine Hold Steady-Crew. Ein Referenzwerk wie Samsons "Provincial" ist allerdings nicht draus geworden. 

Die Spiegel-Musikjournalisten Jan Wigger und Andreas Borcholte müssen sich in letzter Zeit oft Kommentare anhören, dass ihre Kolumne "Abgehört - Die wichtigsten CDs der Woche" bemüht unkommerziell ist und doch bitte mal Musik berücksichtigen könnte, die man auch kennt. Bitte wie? Die Männer haben doch exakt das richtige Händchen, auch wenn man nicht jede Woche ihrer Meinung sein muss. Aber gestern zum Beispiel: Da lesen wir tatsächlich etwas über John K. Samsons Soloalbum bei Spiegel online. Craig Finn erscheint in derselben Woche und kommt beim Spiegel nicht vor. Das könnte daran liegen, dass ihm im direkten Vergleich das weniger zwingende Album erschienen ist. Was nicht heißt, dass "Clear Heart Full Eyes" nicht gut und hörenswert und den Platz im Regal verdient und die 40 Megabyte Platz auf dem MP3-Player verdient hätte. Es ist halt nur nicht so überragend wie das von Samson. Und wo man beim Weakerthans-Samtkehlchen die Hauptband für eine Albumlänge nicht vermisst, denkt man bei Craig eher daran, dass es doch schön wäre, wenn er mal wieder das Overdrive-Pedal durchtreten und die Regler nach rechts drehen würde. Eine Verschnaufpause vor dem für dieses Jahr angekündigten Hold Steady-Album? Quasi.

Allerdings auch hier der Frontmann-Effekt: Mit seiner Stimme, die erst nach und nach zu einer Art Gesang gefunden hat, prägt Finn seine Band stark. Drum klingt sein Solodebüt unverkennbar, aber eher wie The Hold Steady in den ruhigeren Momenten.

Die Sonne flirrt, der Schädel brummt: So beginnt "Apollo Bay", der Opener, der klarmacht, dass die südliche Hitze von Austin, Texas, ihre Spuren hinterlassen hat. Dort nahm Finn das Album vergangenen Sommer mit ein paar Musikern auf. Über knappe sechs Minuten schleppt sich das Stück hin, dessen Stimmung sich später in "Western Pier" wiederholt, wummert und fiept mit Feedbacks, um in das relaxte und das coole "When No One's Watching" zu münden. Finns schräger Humor scheint im countryesken "New Friend Jesus" durch. Was kann einem schon passieren, wenn man den Nazarener in der Band hat? Wobei das ernster gemeint sein könnte als manchem lieb sein mag. Den durchschnittlichen Country-Fan dürfte man damit allerdings trotzdem nicht erreichen. Egal, das war auch nie die Zielgruppe. Wobei sich die Platte schon eher an solche Klänge hält als an den versuchsweise breitbeinigen Rock von The Hold Steady. Southern Rock regiert den "Honolulu Blues", dieses an Lynyrd Skynyrd gemahnende Erzählstück.

Spektakulärer als die Musik sind die Texte. Geschichten erzählen kann er wie kaum ein anderer, der Mann, den man eher für einen Bücherwurm als für einen Rockmusiker halten würde. Diesmal handeln sie von zerbrochenen Beziehungen, dem Erwachsenwerden und Co-Abhängigkeit. Unter anderem.

Im Grunde ist es ein Luxusproblem. "Clear Heart Full Eyes" kann sich jeder Hold Steady-Fan guten Gewissens ins Regal stellen. Bloß könnte es sein, dass man es hört und sich denkt: "Ich freu mich schon auf die nächste Hold Steady". Vielleicht ist das aber auch nur ein Problem der Rock'n'Roll-Sozialisierten.

"Clear Heart Full Eyes" von Craig Finn erscheint am 27. Januar bei Full Time Hobby. Das Album streamt derzeit noch bei NPR in voller Länge. Mehr: http://steadycraig.tumblr.com/

Dienstag, 24. Januar 2012

Wilco live bei Conan O'Brien



Na endlich. Ne ganze Weile her, dass mir bei Conan O'Brien wieder mal gute Musik über den Weg gelaufen ist. Dafür dann aber richtig: Wilco spielen den Titelsong ihres 2011-er Albums "Whole Love". Und was ist das bei Zählerstand 1:01 rechts unten im Bild? Bernd das Brot? Wohl kaum.

Auf meine Wilco-Vinyl warte ich leider noch. Der LP-Repress ist auf Februar verschoben. Vielleicht gibt's dann doch noch ein paar Rezis in der Rubrik "Nachgereicht - das beste Unbesprochene aus 2011".

Hörtest: John K. Samson - Provincial

Was kann ich über das Soloalbum eines Musikers schreiben, der unverrückbar an erster Stelle in meiner persönlichen Top-Liste aller Zeiten steht? Der auf so ungekünstelte Weise einfach da ist, keine hohlen Phrasen und aufgesetzten Posen braucht, ein so berückend fantastischer Musiker und Texter ist? Bleibt mir wohl nur, genauso persönlich über "Provincial" zu schreiben, wie diese Musik nun schon zu einem verlängerten Fortsatz meiner Seele geworden ist. 

Es war 2009 im November im lauschigen Zwölfzehn in Stuttgart, als er auf der Bühne stand, ganz alleine mit seiner Akustikgitarre und auch nicht davor zurückschreckte, Songs seiner Band The Weakerthans zu spielen. Das Lied heißt "Reconstruction Site" und bei Zählerstand 1:22 gibt es eine schöne Lap Steel-Spielerei (ist es eine Lap Steel?). Weil Samson keinen zweiten Gitarristen dabei hat, setzt er an der Stelle aus, ein Fan springt ein und übernimmt den kurzen Gitarreneinwurf und ruft ein beherztes "Wooh-ooh-ohohoohoo" in die Menge, Samson lächelt ihm zu und bedankt sich, der Fan ist aus dem Häuschen und grinst wie das ewige Honigkuchenpferd. 

An jenem Abend spielt er schon einiges, was wir nun in der Gesamtheit auf "Provincial" erleben. Es ist ein Debüt, aber auch keines. Solo hat er schon länger Songs veröffentlicht, aber jetzt gibt es den Longplayer. Damit man nicht dauernd die Seven Inchs wechseln muss, sich die Stücke nicht auf dem MP3-Player zusammenshuffeln muss. Soloalben könnten ein Ventil sein, ein Ort, wo man aus dem Bandgefüge ausbrechen und etwas komplett anderes sein kann. Umso verwunderter reibt man sich die Augen, wenn das Resultat dann klingt, als ob man eine Scheibe der angestammten Formation aufgelegt hat. Auch John K. Samson wagt keine usbekischen Folk-Experimente auf seinem neuen Album, keine Dubstep-Ausrutscher und kein halbgares Gefasel. Aber das ist ja auch kein Wunder: John K. Samson IST The Weakerthans, der Mann ist mit sich im Reinen, seine Band ist eine Institution - warum zwanghaft anders klingen wollen? Zumal das Ergebnis von A bis Z überzeugt. Schätzungsweise ist das hier eines der stärksten Soloalben, die jemals eingespielt wurden. 

Das liegt - auch das eigentlich nichts Neues - an der Kombination von Melodien, bei denen sich jeder Songwriter fragen wird "Warum ist mir sowas nicht eingefallen?", Texten, bei denen sich viele andere Songwriter ärgern werden, dass sie so ohne Stereotype nicht texten können und Musik, die die besten Eigenschaften von Kuscheldecke (Wärme) und Chai-Tee mit Milch (Wohlfühlen) vereint. Man nehme nur mal das unfassbare "Heart of the Continent". Nicht nur die verknitterte Dunkelheit lässt da aufhören, sondern auch Textzeilen wie diese: "Inky bruises punched into the sky by bolts of light/And then leak across the body of tonight". Und so geht das die ganze Zeit über. Wenn die Arpeggien am Anfang von "Grace General" den Worten "Cruel snow, cracked lips, sun lost by four" weichen und am Ende die Frage steht "What will I do now?", hat man das Gefühl, dass dieser Mensch genau nachvollziehen kann, was man in Stunden von Zweifel oder Weltschmerz empfunden hat. Ach ja: Kann John K. Samson bitte mehr Duette mit seiner Frau Christine Fellows singen? "Taps Reversed" ist ein Lied, das man gerne einstudieren und mit der Liebe seines Lebens den gemeinsamen Kindern am Bett vorsingen möchte. Oder das so grandiose "Highway 1 East", bei dem man am liebsten von Häuserdächern schreien möchte, dass das hier Musik und so viele anderes einfach überflüssig ist.

Hinter Songs wie "When I Write My Masters Thesis", diesem Ausbund an unzerstörbarem Optimismus in der Niederlage, steckt ein Mensch, der den Weltfrieden herbeiführen könnte, wenn sich jeder ein Beispiel an seinem gutherzigen Charakter nehmen würde. Klar, alle wollen ein neues Weakerthans-Album haben. "Reunion Tour" ist auch schon wieder fünf Jahre her. 

Aber: Dieses Soloalbum ist nicht einfach adäquater Ersatz für ein solches.
Es ist viel mehr.
Es ist ein Stück Halt in diesen seltsamen Zeiten. Voller Geigen, Gitarren, Bläsern, nicht aufdringlich, sondern wohldosiert eingesetzt. 
Ein Sauerstoffzelt, minimal eskapistisch und dabei trotzdem mitten im Leben. 
So verwirrend das auch manchmal sein mag. 

"Provincial" von John K. Samson erscheint am 27. Januar bei Grand Hotel van Cleef. Das Album streamt derzeit beim Paste Magazine

Und weil allein schon der Album-Trailer ein kleines Kunstwerk ist, gibt's ihn hier nochmal zu sehen: 

Montag, 23. Januar 2012

Mini-Konzert von Craig Finn beim Rolling Stone zu sehen



Cool, der Rolling Stone hat ein kurzes Akustik-Set von Craig Finn für uns parat. Der The Hold Steady-Fronter bringt bekanntlich am 27. Januar sein Solo-Debüt "Clear Heart Full Eyes" raus und spielt die drei Titel "Apollo Bay", "Balcony" und "Western Pier". Zudem gibt's ein kleines Interview, in dem der knuffig-niedliche Nerd über die Entstehung seines Albums spricht. Wir erfahren unter anderem, dass Finns Lieblings-Soloalbum "Transformer" von Lou Reed ist. Oben seht Ihr "Apollo Bay", den Rest gibt's beim Rolling Stone zu sehen.

Interview: Hello Piedpiper im Gespräch mit Tinnitus Attacks

Fabio Bacchet ist ein Teil der Indie-Band "Stereo Inn". Vergangenes Jahr hat er sein Solo-Debüt unter dem Namen "Hello Piedpiper" veröffentlicht. Dann war er mit dem Anti-Flag-Sänger und -Gitarrist Justin Sane auf dessen Solo-Akustiktour unterwegs und hat sich viele Freunde gemacht. Höchste Zeit, ein paar Fragen an den Singer/Songwriter loszuwerden. 

Tinnitus Attacks: Du warst letztes Jahr mit Justin Sane auf Tour. Inwiefern hat Dich diese Tour weitergebracht?

Fabio beim Solo-Auftritt in Stuttgart. Foto: Daniel Drescher
Fabio Bacchet: Ich bin mit Justin und Mirko (Gläser,- Anm. d. Red), der sehr gute Bandworkshops gegeben hat, 10 Tage lang durch Deutschland gefahren und hatte eine sehr gute Zeit. Die Tour hat mich auf zweierlei Weisen weitergebracht. Auf der menschlichen Seite kann ich sehr froh sein, mit diesen zwei Super Typen unterwegs gewesen zu sein, denn es war sehr angenehm und vom ersten Moment an sehr freundschaftlich. Ich hatte Justin ja zuvor noch nie getroffen und es hätte sein können, dass da jetzt jemand ankommt und wir überhaupt nicht auf einer Wellenlänge sind. Das genaue Gegenteil war der Fall. Ich fühlte mich die ganze Zeit als gleichwertiges Mitglied dieser Tour, obwohl ich ja nur der Support war. Ich habe in Gesprächen sehr viel von Justin und Mirko  gelernt und mir wurden des öfteren die Augen geöffnet. Wir haben uns oft und lange unterhalten. Das war wirklich toll. Ganz unabhängig davon war es toll, mit vielen Leute zu sprechen, die ich sonst nicht getroffen hätte. Musikalisch war es für mich natürlich auch sehr gut, diese Tour mitzuspielen. Ich hatte vorher zwar schon öfter mal live gespielt. Aber jeden Abend vor 80 bis 100 Leuten in verschiedenen Städten aufzutreten ist natürlich was anderes als in Köln und Umgebung vor Menschen, die man eigentlich alle kennt. Ich denke, es hat mich auf der Bühne etwas wachsen lassen und mich routinierter gemacht. Mit Tinnitus Attacks wäre ich ohne die Tour auch nicht in Verbindung gekommen ;-) und insgesamt hab ich viele Leute aus der Musikszene getroffen und auch hier und da neue Kontakte geknüpft.

Tinnitus Attacks: Auf den ersten Blick seid Ihr gegensätzlich: Justin der sozialkritisch-plakative Punkrocker mit Akustikgitarre, Du eher der melancholische Typ, der Botschaften vielleicht subtiler verpackt. Was sind Parallelen zwischen Euch?

Fabio Bacchet: Genau das hab ich auch gedacht, als ich das Angebot für die Tour bekommen habe. Gegensätzlich. Und es stimmt, Justin sagt direkt heraus, was er sagen will, und ich verstecke, was ich sagen möchte, des öfteren mal in meinen Texten. Parallelen findet man in einigen Inhalten der Songs. Justin sagt gerne, was ihm nicht passt, und das tue ich auch in vielen Songs. Ich denke, dass wir beide Beobachter sind, wobei Justin insgesamt wohl etwas aktiver in seinem politischen Engagement ist als ich. Wir haben außerdem festgestellt, dass wir gleiche Einflüsse teilen und einigermaßen gleich ticken.

Und nochmal Stuttgart.
                         Foto: Melanie Braith
Tinnitus Attacks: Du hast auch schon für Bill Callahan eröffnet, der in den wichtigen Musik-Polls 2011 ziemlich weit vorne gelandet ist. Was geht einem durch den Kopf an so einem Abend?

Fabio Bacchet: Ja, was geht einem da durch den Kopf? Mir ging natürlich durch den Kopf, dass ich noch nie vor so vielen Menschen gespielt hatte und dass der musikalische Anspruch dieser Mensch ziemlich hoch ist. Ich hoffte natürlich, dass ich diesem gerecht werden könne und ich war vor dem Konzert wirklich ziemlich aufgeregt, habe die Songs x Mal wiederholt, bin Texte durchgegangen usw. Es ging aber zum Glück alles gut und ich habe nach der Show gutes Feedback  bekommen.

Tinnitus Attacks: Was für Einflüsse sind Dir wichtig?

Fabio Bacchet: Eigentlich sind ALLE Einflüsse wichtig, ob sie nun gut oder schlecht, inspirierend oder langweilig sind. Ob es musikalische Einflüsse sind oder nicht. Wirklich wichtig ist, dass es überhaupt irgendwelche Einflüsse gibt, da man ja sonst so etwas wie ein Zombie ohne Gehirn wäre. Musikalisch sind es zu viele als das ich sie jetzt alle aufzählen könnte. Es ist eine Mischung aus alten Folk/Country/Pop Künstlern wie Simon & Garfunkel, den Beatles oder die anderen üblichen Verdächtigen und neuer Musik, die ich finde. Momentan finde ich zum Beispiel The Middle East, Timber Timbre und Erland & the Carnival ganz ganz groß.

Tinnitus Attacks: Seit wann machst du Musik? Lebst Du davon? Was machst Du sonst?

Fabio Bacchet:  Ich mache eigentlich schon Musik so lange ich denken kann, habe in einigen Bands gespielt, dort in den ersten Jahren Bass gespielt und später nur gesungen, bis ich dann so vor sieben bis acht Jahren die Gitarre und das Songschreiben für mich entdeckt habe. Leben kann ich davon leider nicht. Es wäre natürlich toll, aber das ist heutzutage vor allem in Deutschland nicht so wirklich einfach. Ich bin Student und halte mich mit verschiedenen Jobs über Wasser. Das klappt ganz gut - und der ein oder andere Euro bleibt nach Konzerten manchmal auch übrig.

Tinnitus Attacks: Inwiefern unterscheidet sich Dein Soloprojekt von Deiner Hauptband Stereo Inn?

Fabio Bacchet: Der Unterschied könnte darin liegen, dass ich es alleine schaffen muss, Songs zu transportieren und mich mit HPP nicht auf meine wunderbaren Bandkollegen wie bei Stereo Inn verlassen kann. Ich muss zwar weniger arrangieren, muss dabei aber genau darauf achten, wie ich Sachen zusammensetze, damit sie auch funktionieren. Das ist in einer Band schon etwas einfacher. Insgesamt würde ich sagen, das Hello Piedpiper etwas ruhiger und ernster ist, obwohl die letzten Songs von Stereo Inn auch in diese Richtung gehen.

Tinnitus Attacks: Was willst Du mit Deiner Musik bewirken?

Fabio Bacchet:  Mir ist sehr wichtig, dass die Musik, die ich mache, mir selbst gut gefällt. Etwas zu bewirken ist dabei nicht unbedingt das Ziel, aber oft eine Art Mitbringsel. Ich schreibe meine Texte so, dass ich selbst davon überzeugt bin und die Worte sich gut in das Lied einfügen. Ich freue mich aber natürlich darüber, wenn ich mit meinen Texten eine Art Denkanstoß geben kann. Ich möchte bewirken, dass die Leute zuhören. Toll ist es auch, wenn man merkt, dass man Menschen mit Musik etwas Gutes tun kann. Wenn mir jemand sagt, die Musik habe ihm/ihr den Tag gerettet, oder sehr beruhigend wirkt, dann ist das eine ganz besondere Belohnung.

Tinnitus Attacks: Wann wurde Musik für Dich so wichtig, dass Du selber zur Gitarre gegriffen hast?

Fabio Bacchet: Ganz so romantisch ist das leider nicht gelaufen, Daniel. Ich habe nicht zuhause gesessen und gedacht, dass mir Musik jetzt so wichtig ist, dass ich jetzt anfangen muss Gitarre zu spielen. Es hat sich so abgespielt, dass ich zu der Zeit sehr viel Skateboard gefahren bin und mir eines Tages den Fuß gebrochen habe. Ich habe also sozusagen aus Langeweile angefangen Songs zu schreiben. Das hat sich so gut angefühlt, dass ich seit dem nicht mehr damit aufgehört habe. Es ist allerdings schon immer so gewesen, dass ich selbst Musik erschaffen wollte. Ich habe als Kind einmal ein Casio Keyboard von meinen Eltern zu Weihnachten geschenkt bekommen und kann mich daran erinnern, eine Art Song geschrieben zu haben. Vor mir lag ein Schiffbaukasten eines Flugzeugträgers und ich habe dessen Namen - U.S.S. Taranava - mit verschiedenen  Akkorden wiederholt.


Tinnitus Attacks: Wo willst Du hin? 

Fabio Bacchet: Der Weg ist das Ziel.

Mehr: Auf der offiziellen Homepage gibt's u.a. Tourdaten und ein paar Songs zum Gratis-Download. 

Eine Rezension von Hello Piedpipers "Birdsongs = Warsounds" findet Ihr hier, den Konzertbericht von Justin Sanes Solo-Tour hier
Ach ja: Tinnitus Attacks gibt's auch auf Facebook. Liken und auf dem Laufenden bleiben! 

Sonntag, 22. Januar 2012

Sonntags-Matinée: Guided By Voices - Let's Go Eat The Factory

Als hätte man den Schädel eines wahnsinnigen Wissenschaftlers geöffnet: Jetzt liegt das Gehirn vor uns auf dem Sezierteller und wir bekommen eine Ahnung davon, welche Neuronenstürme sich darin abspielen müssen. 

21 Songs in 41 Minuten - das ist nicht normal, sowas können nur Guided By Voices. Oder Grindcore-Kapellen aus was weiß ich wo. Manche Songs dauern gar nur 34 Sekunden. Wobei man drauf gehen kann, dass es bei Robert Pollard, Mitch Mitchell, Kevin Fennell, Tobin Sprout, Greg Demos und Jimmy Pollard die besseren Melodien gibt als bei Songs, deren Lyrics sich auf "Grrrrrmmmpppflllllöörgggllllllwrgggg" beschränken. Man liest richtig: Das Original-Line-Up hat sich re-formiert. Das Gestöhne "Wieder eine Reunion" hält sich dabei in Grenzen, Guided By Voices gelten als Szene-Ikonen, haben mit "Bee Thousand" einen Meilenstein in ihrer Diskographie und daneben viele weitere starke Alben.

Eine Parallele gibt's da zur "Wasting Light"-Platte von den Foo Fighters: Eine Garage spielt eine wichtige Rolle. Oder bessere gesagt mehrere. Aber auch Wohnzimmer und Keller. Genau da wurde "Let's Go Eat The Factory" aufgenommen. Und wie bei "Wasting Light", der Scheibe, die in Dave Grohls Garage entstand, tut das auch hier dem Resultat hörbar gut. Wobei Guided By Voices immer lo-fi waren. Wer das und die verquere Abkehr von traditionellen Songstrukturen immer an Pollard & Co. geliebt hat, wird auch den voller Spannung erwarteten Longplayer der US-Indierocker nach der ganzen Aufregung um die Tatsache, dass es ihn denn geben wird, freudig ins Herz schließen.

Fragmente und Songskizzen dominieren auch "Let's Go Eat The Factory". Einzelne Songs herauszuheben erscheint da wenig sinnvoll, versuchen wir es trotzdem: Am offensichtlichsten drängen sich "Doughnut for a Snowman" und "The Unsinkable Fats Domino" auf, einfach weil man sie schon kennt und sie ein bisschen wie Leitplanken innerhalb von so viel organisiertem Chaos wirken. Verspielt und mit den Flöten fast schon eine Karikatur, kommt "Snowman" einem wie ein verlorener Song aus vergangenen Jahren vor, aber das könnte ja auch passieren, immerhin hat Robbert Pollard schon über 1000 Songs geschrieben. Dagegen steht mit "Fats Domino" eine Rocknummer mit Riffs, die schroff in der Luft hängen.

Geht man weg von den bereits bekannten Songs, gibt es jede Menge zu entdecken: Das treibende "God Loves Us" mit seinen Stakkato-Riffs und dem verzerrten Gesang könnte glatt eine The Who-Übungsstunde  aus den 60ern sein. "How I Met My Mother" braucht nur eine Minute und zieht durch seinen ironischen Titel schon Aufmerksamkeit auf sich. Dem folgt der zweitlängste Song "Waves", der es auf ganze 3 Minuten und 21 Sekunden bringt. Getoppt wird das nur noch von "Spiderfighter", den Pollard als "Pete Townshend Demo für Lifehouse" bezeichnet.

Es passiert viel, Guided By Voices überschütten einen mit Eindrücken und Musik, mit Textfetzen und Soundspielereien. Es gibt Alben, die klingen wie aus einem Guss. Das hier nicht. Darin liegt der Reiz. In kurzen zeitlichen Abständen betritt man neue Welten, die einem doch vertraut vorkommen. Es gibt Fans, die schon einen Instant-Klassiker in diesem Album sehen, andere wollen sich da nicht so weit aus dem Fenster lehnen.

Subjektiver Einwurf: Den Namen kennt man eh, ...Trail of Dead riefen mich dann mit ihrem Cover von "Gold Heart Mountain Top Queen Directory" auf den Plan. Es dauerte aber noch bis 2011, bis ich in einem Plattenladen in Dublin "Universal Truths & Cycles" mitnahm. Verwirrend war das, strange und wahnwitzig. "Let's Go Eat The Factory" scheint zugänglicher, offener. Aber: Es bleibt verwirrend, strange und wahnwitzig. They don't make 'em like you anymore? Mitnichten.

"Let's Go Eat The Factory" von Guided By Voices ist am 20. Januar erschienen bei Fire Records. Mehr unter www.gbv.com

Samstag, 21. Januar 2012

Rocky Votolato: Neues Album "Television of Saints" kommt im März


Rocky Votolato - Sparklers [Official Music Video] from Undertow on Vimeo.

Am 16. März veröffentlicht Rocky Votolato sein neues Album "Television of Saints". Das neue Werk des amerikanischen Songwriters erscheint via Defiance Records. Oben seht Ihr ein älteres Video, "Sparklers" vom   2010er Album "True Devotion". Ein stranges Album: So unspektakulär ich es anfangs fand, ich würde es nicht mehr hergeben.

Ach ja: Was kommt dabei raus, wenn man die englischsprachige Ankündigung der Promoagentur durch den Google-Translator jagt? Hier das Ergebnis:

"Seattle Musiker Rocky Votolato ist ein leise sprechender, sehr freundlich, sehr hart arbeitender Vater zweier Kinder, geboren im ländlichen Texas und aufgewachsen in der Pacific Northwest Indie-Szene (wo er den gefeierten Rockband Waxwing fronted). In seinen zehn Jahren plus das Leben als Songwriter und Musiker hat er versucht, etwas Wesentliches über das Leben zu artikulieren, Songs zu schreiben, dass in einem Güterwagen Wand wurden durch eine abgenutzte und einsame Gespenst verkratzt sein. Seine raue, markieren Schleifpapier glatt Stimme und introspektiven Texte ihn als dass die meisten seltenen Punk-Rocker-turned-acoustic-Troubadoure: Votolato schreibt anmutig, Understatement, menschlich, unprätentiös Songs, die zeigen, dass Einfachheit noch immer eine praktikable Option für erreicht Songwriter."

Da ist man doch gespannt, was einen erwartet, oder?

Freitag, 20. Januar 2012

Video: Blitzen Trapper mit "Taking It Easy Too Long"



Weg mit dem blöden Mobiltelefon: Blitzen Trapper zeigen in ihrem neuen Video "Taking It Easy Too Long", was den Reiz des derzeitigen Folk-Country-Revivals ausmacht. Da dürfne Bärte und Holzfällerhemden nicht fehlen, raus in die Natur geht's eh - und dann muss eben das Handy dran glauben. Zählerstand 1:55 zeigt ein geniales Bild. Und der Song an sich ist auch schön. Stammt vom 2011er-Album "American Goldwing", das es zurecht in meine Top Ten des Jahres geschafft hat. Wie schreibt jemand in den Kommentaren auf Youtube so schön: "About as creative as Wilco". Gruselig. Als ich das Video gestern Abend zum ersten Mal gesehen hab, dachte ich auch an Jeff Tweedy & Co.

Donnerstag, 19. Januar 2012

Waterdown machen Schluss: Zum Abschied gibt's "Into The Flames" und eine Tour

Sagen Tschüss: Waterdown.          Foto: Phil@Burning Flag
Schluss, Aus, Ende: Waterdown treten ab. Die Ibbenbürener Hardcore-Krawallos bringen am 23. März ihr letztes Album "Into The Flames" raus. Die Platte erscheint beim Münsteraner Label Uncle M. Auf ihrer Internetseite schreibt die Band in einem Abschiedsbrief: "Nach 13 Jahren und über 600 Shows in Deutschland, England, Schottland, Wales, Österreich, der Schweiz, Holland, Belgien, Frankreich, Spanien, Italien, Luxemburg, der Tschechischen Republik, Polen, Lettland und den USA denken wir, mit Waterdown fast alles gesagt und ganz sicher mehr erreicht zu haben, als wir uns je erträumen konnten."

Bei Uncle M freut man sich - zwar nicht über das Ende der Band, aber darüber, dass man sie nun auf den letzten Metern noch begleiten kann. In einer Pressenotiz heißt es: "Nachdem im Jahr 2000 die erste EP „Drawasmilingface“ und ein Jahr später das inzwischen als Klassiker geltende Debütalbum „Never Kill The Boy On The First Date“ bei Victory erschienen waren, galten Waterdown weltweit als Teil der ersten Welle von Bands, die Hardcore- und Emo-Songwriting, gesungene und geschrieene Parts miteinander verbanden. Mit den folgenden Alben und EPs aber bewegten sich Waterdown immer weiter weg von dieser Szene und zogen ihr eigenes Ding durch. Zurück zu den Wurzeln im Metal, Punk und Hardcore, weg von einer neuen Welle von Nachahmern, die das Konzept bis in die Lächerlichkeit ausreizten und „Screamo“ zum Schimpfwort werden liessen."

Hier die Tourdaten.
05.04. DE - Hamburg - Hafenklang
06.04. DE - Berlin - Cassiopeia
07.04. DE - Lüdenscheid - Eigenart
20.04. DE - Lindau - Club Vaudeville
21.04. DE - Saarbrücken - Garage
04.05. DE - Großefehn (Ostfriesland) - Schlappohrs Rockkneipe
05.05. DE - Ibbenbüren - JKZ Scheune (letzte Show ever!)
Booking: Destiny Tourbooking

Karten für die Abschiedstour sind seit gestern exklusiv bei Eventim erhältlich.

"Into The Flames" erscheint als 12" Vinyl sowie in einer auf 100 Stück limitierten Sammlerauflage auf Uncle M Music.

Dienstag, 17. Januar 2012

Benefiz-Vinyl: Chuck Ragan singt mit Flüchtlingskindern

Chuck Ragan und seine Musiker.
                       Foto: Daniela Wüst

Das neu gegründete Label "Uncle M" verkündet seine erste Veröffentlichung: Am 23. März erscheint auf dem Münsteraner Label, das im Herbst 2011 von Mirko Gläser (Labelmanager von Sideonedummy) gegründet wurde, eine Seven Inch, die Chuck Ragan (Hot Water Music) mit Flüchtlingskindern aus aller Welt aufgenommen hat. Die Kinder werden vom Refugio e.V. aus München betreut, ihnen bzw. der Arbeit des Refugio kommt auch der Erlös der Single zugute. Die Sieben-Zoll-Scheibe mit vier Songs ist auf 500 Stück limitiert, seit gestern kann man sie vorbestellen (unter www.unclem.merchcowboy.com).

Das Plattencover.     Foto: uncle m
 Der Mann mit der unvergleichlich rauen Stimme hatte im Oktober 2011 in München drei Songs seines aktuellen Albums "Covering Ground" mit den Kindern aufgenommen. Zudem spielte man den "Lala Song" ein, den die Kinder eigens für diese Platte geschrieben haben. Auch das Layout gestalteten die Kinder mit.

In einer Pressenotiz erklärt das Label, wie es zu der Kooperation kam: "Die Aufnahmen gehen auf eine Zusammenkunft im Herbst 2010 zurück. Vor 15 Monaten besuchte Chuck Ragan die Flüchtlingskinder des Refugio e.V. erstmals, als er zugunsten der Kinder ein Nachmittagskonzert im Münchner Eine Welt Haus spielte. Hier werden in Kunst- und Musikgruppen Kinder betreut, die in Unterkünften für Asylbewerber leben. Die künstlerischen, kunsttherapeutischen und pädagogischen Gruppen helfen den Flüchtlingskindern, ihre „doppelte Sprachlosigkeit“ zu überwinden: neben der mangelnden Beherrschung der Sprache im fremden Land auch die Schwierigkeit, das Erlebte darzustellen. Fans und Freunde von Chuck waren ebenfalls zu diesem speziellen Anlass eingeladen unter der Bedingung, den Kindern Instrumente zu spenden. Mehr als 50 Münchner Musikfreunde folgten dem Ruf und verschenkten Flöten, Gitarren und viele weitere Instrumente."

Chuck Ragans Musiker, Teil 2.
                             Foto: Daniela Wüst

Genau ein Jahr später wollte Chuck Ragan die Kinder dann wieder vor Ort treffen. Man kann sich gut den Kontrast vorstellen, der durch Ragans Raubein-Organ und die Kinderstimmen entsteht. Mit dabei waren auch  Geiger Jon Gaunt und dem Kontrabassisten Joe Ginsburgh, mit denen Ragan auf Solotour geht - im April spielt er vier Solo-Gigs auf Festivals, auf denen er  mit Hot Water Music ohnehin vertreten ist. Der Titel seines Songs "Nomad by Fate" ist übrigens Programm: Mehr als 77000 Meilen ist Chuck Ragan auf über 170 Konzerten im vergangenen Jahr gereist.



Hier die Daten:
27.04. DE - Berlin - Monster Bash Fest
28.04. DE - Stuttgart - Pirate Satellite
29.04. DE - Meerhout – Groezrock Fest
30.04. NL - Venlo - Queensday Festival
Booking: Destiny Tourbooking

Mehr Infos: www.uncle-m.com und www.facebook.com/uncle.m.music

Montag, 16. Januar 2012

Video: Rigna Folk mit "Stained Glass"



Die Ulmer Art-Rocker Rigna Folk haben ihr neues Video veröffentlicht: "Stained Glass" ist der Titelsong der neuen gleichnamigen EP. Der Clip handelt von Herzen, Blut und Tieren - Zutaten, die bei einer Death Metal Kapelle sicher anders verarbeitet würden, hier aber sehr künstlerisch aufbereitet sind. Der Song zählt zu den ruhigeren Stücken von Viktor Nordir und Co. und zeigt die Vorliebe der Band für das Nebeneinander von cleaner E-Gitarre und akustischer Gitarre.

Mehr: www.rignafolk.de

Samstag, 14. Januar 2012

Gaslight-Drummer startet Hardcore-Projekt "Bottomfeeder"

Dagegen sind The Gaslight Anthem Easy Listening: Benny Horowitz, Drummer bei The Gaslight Anthem, hat ein neues Nebenprojekt namens "Bottomfeeder" am Start. Derber Hardcore-Punk, der nach Urschrei-Therapie im Proberaum klingt. Die Alternative Press hat ein Interview mit Horowitz geführt, in dem er den DIY-Ansatz des Projekts erklärt.

Im unten eingebetteten Player könnt Ihr zwei Demo-Songs hören.

Brian Fallon, Sänger und Gitarrist der Gaslaternen-Hymne, hat letztes Jahr mit "The Horrible Crowes" ein eigenes Nebenprojekt gestartet. Dieses Jahr soll es aber wieder eine Platte der Stammband geben: Bei Twitter hieß es die Tage, dass man jetzt mit den Aufnahmen beginne.

Freitag, 13. Januar 2012

Gratis-Download: Kevin Devine live + Tourdaten

Kommt im Februar nach Deutschland: Kevin Devine.
                                       Foto: arctic rodeo recodings
Der NYC Taper bietet jetzt einen Live-Mitschnitt eines Konzerts von Kevin Devine an. Die Show des Indierockers wurde im Maxwell in Hoboken, New Jersey, aufgezeichnet. Devine hat mit "Between the Concrete & Clouds" eines meiner Top-10-Alben 2011 veröffentlicht.

Das Konzert kann man sich auf der Seite von "New York's live music archivist" runterladen.

Da freut es auch, dass Kevin Devine im Februar für eine ganze Reihe von Konzerten hier auftauchen wird:
Die Tourdaten gibt's hier:


KEVIN DEVINE & THE GODDAMN BAND live
07.02.2012 – Zürich (CH), Eldorado
08.02.2012 – Baden (CH), One Of A Million Fest
09.02.2012 – Freiburg, White Rabbit
10.02.2012 – Amsterdam (NL) @ De Nieuwe Anita
11.02.2012 – Köln, Tsunami Club
12.02.2012 – Karlsruhe, Jubez
13.02.2012 – Hamburg, Kulturhaus III&70
14.02.2012 – Dresden, Beatpol
15.02.2012 – Nürnberg, MUZ
16.02.2012 – Leipzig, Cafe Kafic (Black Box)
17.02.2012 – Berlin, Magnet (Karrera Klub)
18.02.2012 – München, Atomic Cafe
19.02.2012 – Wien (AT), B72

Donnerstag, 12. Januar 2012

Video: The Kills mit "The Last Goodbye"


The Kills: The Last Goodbye on Nowness.com.

Das war neu: The Kills haben mit "The Last Goodbye" einen Song auf ihrem 2011er-Album "Blood Pressures", der reduziert und minimalistisch daherkommt - und gerade dadurch große Wirkung entfaltet. Jetzt haben Alison Mosshart und Jamie Hince ihr Video dazu veröffentlicht. Zu sehen bei Nowness, hier eingebettet. In den Hauptrollen: Alison Mosshart, Jamie Hince und ein Fotoautomat. Von innen.

Doku zeigt das Ende von LCD Soundsystem



Es hätte Bands gegeben, bei denen hätte ich ein Ende weniger schlimm gefunden: Als LCD Soundsystem im Frühjahr 2011 ihr letztes Konzert im Madison Square Garden gegeben haben, war es vorbei. James Murphy, Mastermind der Electro-Punk-Was auchimmmers hatte das Ende angekündigt und es auch wahr gemacht.

Jetzt ist eine Dokumentation über die letzten Tage der Band in Sichtweite. Das Werk nennt sich "Shut up and play the hits". Unter der Regie von Dylan Southern  und Will Lovelace ("Blur: No Distance Left To Run") ist ein Film entstanden, der ungewöhnlich nah an den sonst in Mediendingen eher zurückhaltenden James Murphy herantritt und die Band in den letzten Tagen ihres Bestehens begleitet.

Bis wir den Streifen hierzulande sehen werden, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Jetzt ist der Film erstmal auf dem Sundance International Film Festival zu sehen. Der Trailer verspricht einiges.

Mittwoch, 11. Januar 2012

5 Jahre Affairs of the Heart: Tour & Gratis-Sampler



Happy Birthday: Das Indie-Label "Affairs of the Heart" feiert seinen 5. Geburtstag. Aus diesem Anlass gibt es eine Jubiläumstour mit Maria Taylor, Unbunny (siehe Video oben) und Flare Acoustic Arts League. Die Tour beginnt morgen, die Daten sehr Ihr unten.

Und dann ist da natürlich noch das andere Geburtstagsgeschenk: Ein Sampler mit 16 Stücken von Bands und Künstlern, die auf diesem Label vertreten sind. Als da wären Tim Kasher, Unbunny, Wyo Oak und andere. Bei Soundcloud gibt's den Sampler.


Die Tourdaten:
12.01.2012  DE- Wiesbaden, Walhalla
13.01.2012  DE- Duisburg, Steinbruch
14.01.2012  DE- Münster, Gleis 22
15.01.2012  DE- Hamburg, Knust
16.01.2012  DE- Leipzig, Moritzbastei
17.01.2012  DE- Berlin, Comet
18.01.2012  PL- Poznan, Fabrika
20.01.2012  DE- Dresden, Beatpol
22.01.2012  DE- München, Orangehouse
23.01.2012  AT- Wien, B72
24.01.2012  DE- Konstanz, Kulturladen
25.01.2012  CH- Zürich, Ziegel Oh Lac
26.01.2012  CH- Aarau, Kiff
27.01.2012  DE- Geislingen, Rätsche
28.01.2012  DE- Köln, Motoki
29.01.2012  BE- Arlon, Palais de Justice

La Dispute kommen nach Deutschland



Für die einen Hardcore-Hoffnung, für die anderen allein wegen der Stimme von Jordan Dreyer ein rotes Tuch: La Dispute haben mit ihrem 2011er-Album "Wildlife" mächtig Staub aufgewirbelt. Im Jahrespoll des Dortmunder Alternative-Magazins "Visions" kam das Album auf Platz eins; kurz zuvor lag die Platte dem Heft bei.

Jetzt kommen sie auf ihrer Tour auch für ein paar Konzerte nach Deutschland und jeder kann sich ein Bild davon machen, wie die vier "angry young men" auf der Bühne wirken. Köln, Berlin, Hamburg und München stehen auf dem Plan, die genauen Daten seht Ihr auf dem Flyer neben an. Wer La Dispute noch nicht kennt: Anhand des Videos oben ("Such small hands") könnt Ihr Euch ein gutes Bild machen. Und unten seht Ihr, wie man einen solchen Song covern kann und ihm eine neue Facette hinzufügt. Well done, Lydia Evangeline!

Dienstag, 10. Januar 2012

Anti-Flag streamen neuen Song "The Neoliberal Anthem"

Das Plattencover.
Anti-Flag streamen gerade den neuen Song "The Neoliberal Anthem" vom kommenden Album "The General Strike". Im Tausch gegen ein "Like" kann man den Song bei Facebook hören. Klingt vielversprechend! Nach dem Coup "The Terror State" 2003 klangen Justin Sane und Co. mal mehr, mal weniger überzeugend. Und als George W. ging, war der Gegner weg. Inzwischen hat sich aber wieder einiges angestaut, was man anprangern kann und sollte. So war die Occupy-Bewegung Quelle der Inspiration für die Pittsburgh-Punks.

Update: Tracklist und Tourdaten gibt's jetzt auch:

ANTI FLAG - "The General Strike" (Sideonedummy Records)
1. Controlled Opposition
2. The Neoliberal Anthem
3. 1915
4. This Is The New Sound
5. Bullshit Opportunist
6. The Ranks of The Masses Rising
7. Turn A Blind Eye
8. Broken Bones,
9. I Don't Wanna
10. Nothing Recedes Like Progress
11. Resist
12. The Ghosts of Alexandria

Tourdaten:
15.04. LX - Luxemburg - Den Atelier
16.04. DE - Oberhausen - Zentrum Altenberg
18.04. DE – Köln – Luxor
19.04. DE – Wiesbaden – Räucherkammer
20.04. DE – Stuttgart – Universum
21.04. AT – Kapfenberg – One Day Open Air Festival
22.04. DE – München – 59:1
24.04. DE – Osnabrück – Kleine Freiheit
25.04. DE – Bremen – Tower
26.04. DE – Hamburg – Logo
27.04. DE - Berlin - Monster Bash Festival
29.04. BE – Meerhout – Groezrock Festival

Tickets sind ab sofort über
http://x-why-z.tickets.de/de/customer/events/1964-ANTI-FLAG? erhältlich.

Sensation: Gute Musik im Fernsehen entdeckt!

Hart rockendes Kleeblatt: Crucified Barbara mögen's simpel.
                                                  Screenshot: Tinnitus Attacks
Sag mal, das könnt Ihr doch nicht einfach machen. Da sitzt man samstagabends nichtsahnend auf der Couch, zappt halb deliriös vom TV-Gedöns durch die Kanäle - und dann das: Harte Gitarrenriffs, treibende Drums und ein Déjà vu: Den kenn ich doch. Kai Hansen. Sang früher bei Helloween, dann zu Gamma Ray, heute noch bei Gamma Ray. Meine Metal-Vergangenheit blitzt auf. Ein Flashback. Der Song heißt "Rebellion in Dreamland", und ja, die Platte steht in meinem Regal. Metal mag mir nicht mehr so viel bedeuten wie früher, aber ich bin immer noch ein Sympathisant. Einer, der fassungslos zuschaut, wie die Musik, die ich damals in der Schülerzeitung unter der Rubrik "Tinnitus Attacks" zur Frohen Botschft meiner Missionierungsversuche hoffnungslos Geschmacksverirrter gemacht hatte, heute in den Feuilletons stattfindet.

Und jetzt also auch auf zdf.kultur. Wobei das Konzept breiter angelegt ist, die Musik in den Sendungen variiert. Das Konzept: Drei Bands spielen auf drei Bühnen, jeder 25 Minuten, dann jammt man auch über die Bühnen hinweg miteinander. Neben Gamma Ray waren am Samstag, 7. Januar, Bullet aus Schweden und die ebenfalls schwedischen Rockerinnen Crucified Barbara am Start. Vor allem Letztere waren wirklich sehenswert. Simpler Rock kann so gut sein, wenn man ihn mit Hingabe spielt. Die gesamte Sendung kann man sich noch bis 13. Januar im Netz anschauen; beim ZDF kann man auch einen Mitschnitt bestellen.

In früheren Sendungen waren auch schon Bands wie Art Brut oder auch Mando Diao zu Gast. Eine TV-Delikatesse, die man auf dem Schirm behalten sollte.

Mehr zur Sendung gibt's auf der Internetseite von zfd.kultur.

Montag, 9. Januar 2012

Cymbals Eat Guitars kommen für drei Konzerte nach D-Land



Wer in Köln, Berlin oder Hamburg wohnt, hat Glück: Die New Yorker Indierocker Cymbals Eat Guitars spielen drei Deutschlandkonzerte in den Konzerthochburgen der Republik.

In den USA waren die vier Musiker, die 2011 ihr zweites Album "Lenses Alien" veröffentlicht haben, mit Hooray For Earth auf Tour. Deren Remix vom Cymbals-Song "Keep Me Waiting" kann man sich via Band-Internetseite runterladen. Wer lieber das Video zum Original sehen kann: siehe oben.

Hier die Tourdaten:

12. Januar: MTC, Köln
13. Januar: Privatclub, Berlin
15. Januar: Molotov, Hamburg

The Head and The Heart bei Austin City Limits



The Head and The Heart haben uns 2011 mit ihrem selbstbetitelten Debüt begeistert. Am Wochenende wurde nun ein Auftritt des Seattle-Sextetts bei Austin City Limits ausgestrahlt. Hier könnt Ihr Euch einen 20-minütigen Auszug davon anschauen. Mitten im "Down in the Valley" bricht es ab, dann muss man auf einen "Continue"-Button klicken und kann sich die ganze Sendung in voller Länge anschauen. Auch die britischen Indie-Rocker Gomez kommen dabei zum Zug.

Sonntag, 8. Januar 2012

Galerie der Klassiker: Anti-Flag – The Terror State

Vier Worte, mit Wut herausgeschrien in die Welt: „Turncoat! Killer! Liar! Thief!“ Gerichtet an einen „Kriminellen unter Gesetzesschutz“, wie die Pittsburgh-Punkrocker den damaligen US-Präsidenten George W. Bush nennen. Anti-Flag brauchten im Oktober 2003 – sieben Monate nach Beginn des zweiten Irak-Kriegs – nur ein paar Akkorde und wenige Augenblicke, um klarzumachen, wohin die Reise geht. 

Mit kritischem Blick, exakter Beobachtungsgabe und dem Talent, Missstände in packende Lyrics zu gießen, haben Chris Head, Justin Sane, Chris # 2 und Pat Thetic hier ein kleines Meisterwerk geschaffen. Das hätte aber nicht funktioniert, wenn sie den Dachboden des Punkrock dazu kräftig entrümpelt hätten: Klar gibt es da „Ooooo-hoooo“-Chöre, aber nichts wirkt anachronistisch ausgelutscht; klar ist Punk Rebellion, aber hier niemals mit stumpfer „Alles Scheiße“-Plattitüde. Stattdessen gibt’s im Booklet Hintergrundinfos zu den Themen der Songs. Alles Argumente, die die Protestlieder mit belegbaren und nachprüfbaren Fakten untermauern. Da geht es um GATT und WTO, um Todesfälle von Demonstranten und vor allem auch um Menschen, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen, die indische Autorin Arundhati Roy etwa. Wer mehr wissen wollte, dem lieferten die Punkrocker gleich noch die weiterführenden Internet-Links dazu.

In „When You Don’t Control Your Government People Want To Kill You“ gingen Anti-Flag der Frage auf den Grund, wie es zum 11. September kommen konnte, in „Operation Iraqi Liberation (O.I.L.)“ kritisierten sie die selbstergriffene Rolle der USA als Weltpolizist. Und mit „Post-War Breakout“ hatten Anti-Flag gar die Ehre, einen Song auf der Basis eines Text der Folk-Legende Woody Guthrie zu schreiben.

Exzellent in Szene gesetzt hat das Ganze jemand, der sich mit rebellischer Rockmusik bestens auskennt: Tom Morello, früher (und immer mal wieder live) Gitarrenhexer bei Rage Against The Machine und Politaktivist. Mit seiner wuchtig-transparenten Produktion verhilft er Wutschreien wie „Wake Up“, „Power to the Peaceful“ oder auch dem rotzigen „Tearing Down The Borders“ zur nötigen Durschlagskraft.

Das Album erschien auf Fat Wreck Chords. Labelchef Fat Mike hatte im April 2003 mit seiner Band NoFX die Politik im Punk wiederentdeckt und mit „The War On Errorism“ ein ähnliches Manifest auf die Menschheit losgelassen. Die „Rock Against Bush“-Sampler und die Internetplattform „Punkvoter“ sollten eine zweite Amtszeit von George W. Bush verhindern helfen. Anti-Flag gingen pragmatisch vor und legten ihrem Album gleich noch die passende Stencil-Schablone für Graffitis vor: „One Term President“. Verhindern konnten sie die zweite Amtszeit des Mannes, den viele für den schlechtesten Präsidenten der USA halten, nicht. Aber sie gaben denen eine Stimme, die nicht einverstanden mit dem Kurs der Vereinigten Staaten waren. Und das waren nicht gerade wenige.

„The Terror State“ von Anti-Flag ist am 20. Oktober 2003 bei Fat Wreck Chords erschienen.

Das Video zu "Turncoat" seht Ihr hier:

Samstag, 7. Januar 2012

Craig Finn verrät Details über sein Soloalbum "Clear Heart Full Eyes"

Spricht über sein Soloalbum: Craig Finn, Sänger und Gitarrist
 von The Hold Steady.          Screenshot: Tinnitus Attacks
Der Literat unter den Songschreibern: Craig Finn bringt am 27. Januar bekanntlich sein Debüt-Soloalbum "Clear Heart Full Eyes" heraus. In einem kurzen Video von "Helms Workshop" spricht er über den Entstehungsprozess der Platte, die der aus Minnesota stammende The Hold Steady-Frontnerd in Texas aufgenommen hat, über Themen der Songs und wie er und seine Musiker an die Aufnahmen herangegangen sind. Den Clip seht Ihr unten.

Den Song "Honolulu Blues" kann man sich bereits anhören.
Ein Interview, das ich für die Schwäbische Zeitung mit Tad Kubler geführt habe, könnt Ihr hier nachlesen.


Craig Finn "Clear Heart Full Eyes" from Helms Workshop on Vimeo.

Freitag, 6. Januar 2012

Rodrigo y Gabriela betreten mit orchestraler Unterstützung die "Area 52"



Motivationsschub oder Depression: Wer sich das mexikanische Gitarrenduo Rodrigo y Gabriela anschaut, schließt sich mit seiner Gitarre ein, um zu üben oder er verbrennt die Klampfe. Virtuos ist gar kein Ausdruck für das, was die beiden können. Am 27. Januar kommt ihr viertes Studioalbum heraus. Es nennt sich "Area 52" und erweitert den Musikerkreis ein klein bisschen: Gemeinsam mit einem 13 Mann und Frau starken Orchester aus Kuba (das sicher sinnigerweise C.U.B.A. nennt) haben die beiden ihre bekanntesten Songs neu eingespielt. Wobei man glücklicherweise nicht damit rechnen muss, dass der übliche Orchester-Kitsch dabei rauskommt - weil Orchester in dem Fall etwas anderes heißt. Der Komponist und Pianist Alex Wilson half beim Arrangieren, produziert hat das Album Peter Asher, der auch shcon mit Bonnie Raitt und 10.000 Maniacs zusammengearbeitet hat. Als Gastmusiker sind auf dem Album Anoushka Shankar (Tochter von Sitar-Ikone Ravi Shankar), Schlagzeuger  John Tempesta (The Cult, White Zombie, Testament) und viele andere. 

Über die Aufnahmen gibt es auch eine Dokumentation, die auf DVD veröffentlicht wird. Einen Trailer dazu seht Ihr oben. 

Wild Flag kommen für drei Konzerte nach D-Land



Klar, dass Frauen, die früher bei Sleater Kinney gespielt haben, kein halbgares Album abliefern. Aber was Wild Flag dann auf ihrem selbstbetitelten Album 2011 abgeliefert haben, war doch begeisternder als erwartet. Für drei Konzerte kommt das Quartett nun nach Deutschland, leider sind nur die großen Städte dabei, aber besser als gar nichts. Die Tourdaten seht Ihr unten.

Parallel dazu macht Carrie Brownstein (Gitarre und Gesang) derzeit Furore in der amerikanischen Comedy-Serie "Portlandia". Darin wird die Hipster-Szene der Stadt, in der sich haufenweise Indie-Musiker tummeln, liebevoll auf den Arm genommen. Zeit online hat sich dem Phänomen in einem lesenswerten Artikel genähert.

Und damit Ihr noch was zu Gucken habt, oben das Video zum Opener von "Wild Flag": In "Romance" entfliehen die vier Frauen ihrem stupiden Arbeitsalltag und mischen die Welt als maskierte Chaotinnen auf. Auf ihrem Feldzug machen sie nicht mal vor Kollegen-Bashing Halt: Weg mit den Vinyl-Alben von Superchunk und Arcade Fire! Irgendwie schon wieder sympathisch, dieses rotzige "Hier kommen wir"-Selbstbewusstsein.

Die Tourdaten von Wild Flag: 
5. Februar: Köln – Gebäude 9
7. Februar: Hamburg – Uebel & Gefährlich
8. Februar: Berlin – Lido

Guided By Voices live bei Letterman - inklusive Ausrutscher



Die Indierock-Koniferen Guided By Voices hatten jüngst ein Gastspiel bei David Letterman - mit einer unsanften Showeinlage. Bassist Greg Demos rutscht bei Zählerstand 0:35 aus und landet auf dem Hosenboden, was er mit einem ungläubigen Blick quittiert - und Letterman humorvoll darüber spekulieren lässt, ob er jetzt verklagt wird. Der Song heißt "The Unsinkable Fats Domino" und stammt vom Album "Lets Go Eat The Factory", das hierzulande am 20. Janaur erscheint. Ist ja schon kurios: Für rund zwei Minuten Song (länger sind die Fragmente ja oft nicht) extra zu einer Show eintrudeln. Rock'n'Roll.

Donnerstag, 5. Januar 2012

School of Seven Bells verschenken ersten Song vom neuen Album "Ghostory"

Zu zweit geht's auch: School of Seven Bells.
                                               Foto: verstärker.com
Ein Gratis-Download als Vorgeschmack aufs kommende Album: School of Seven Bells verschenken "The Night", den Opener ihrer am 24. Februar erscheinenden Platte "Ghostory". Bei Pitchfork kann man sich den Song aus dem Netz saugen. School of Seven Bells sind vom Trio zum Duo geschrumpft und bestehen aus Gitarrist und Produzent Benjamin Curtis sowie Sängerin Alejandra Deheza. Deren Schwester Claudia Deheza verließ die Band 2010.

Auf dem spukig betitelten dritten Album geht es laut Promo-Agentur um das junge Mädchen "Lafaye" und die Geister, die sie umgeben und die jeden Menschen begleiten, wenn man Alejandra fragt: “Everyone has ghosts [...] They’re every love you’ve ever had, every hurt, every betrayal, every heartbreak. They follow you, stay with you.”


Das neun Songs umfassende Album wird via Full Time Hobby veröffentlicht.
Hier die Tracklist, nebenan das Cover:
1. The Night
2. Love Play
3. Lafaye
4. Low Times
5. Reappear
6. Show Me Love
7. Scavenger
8. White Wind
9. When You Sing

Neuer Song von John K. Samsons Solo-Album im Netz

Noch gut drei Wochen, dann halten wir endlich das Solo-Album "Provincial" von Weakerthans-Sänger John K. Samson in den Händen. Jetzt gibt es vorab einen weiteren Song daraus zu hören: "Letter in Icelandic from The Ninette San" heißt das sehr ruhige Stück, das mit Streichern und weit nach hinten gemischten Drums viel Raum für Samsons Stimme lässt. Wenn ihr dem Link folgt, könnt Ihr das Lied hören; man kann es leider nicht mehr per Soundcloud einbette - bitte hier entlang.


Das treibendere "When I Write My Masters Thesis" kennt man ja schon, hier nochmal der Stream:

John K. Samson - When I Write My Master's Thesis by Epitaph Records

Den Album-Trailer könnt Ihr Euch hier nochmal ansehen: 

Mittwoch, 4. Januar 2012

Flogging Molly-T-Shirts kommen Oxfam zugute



Flogging Molly haben auf ihrer Europa-Tour letzten Winter gemeinsam mit Fans T-Shirts bedruckt. Jetzt gibt es die Resultate zu kaufen. Die Unikate gibt es via Plastic Bomb Mailorder. Wer sich eins von den 100 Shirts bestellt (kosten 19,99 Euro), tut damit etwas Gutes: Der Erlös kommt der Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam zugute.

In Kooperation mit zehn fleißigen Fans nahmen Flogging Molly die Merchproduktion selbst in die Hand und  bedruckten vor einem ausverkauften Konzert in Berlin die 100 Shirts. Das Design dafür entwarf der Designer von killerartworx. Ein Video dazu seht Ihr oben.

"Mit dem Kauf eines T-Shirts erhalten die Fans nicht nur ein exklusives Merchandiseprodukt, sondern tun gleichzeitig Gutes: Der Erlös aus dem Verkauf der Shirts wird an Oxfam Deutschland gespendet. Oxfam ist eine unabhängige Hilfs- und Entwicklungsorganisation, die sich weltweit gegen Armut und soziale Ungerechtigkeit einsetzt. Die Spende fließt in Nothilfe-Maßnahmen in Ostafrika, wo mehr als 13 Millionen Menschen von einer schweren Dürre betroffen sind. Oxfam unterstützt hier bisher eine Million Menschen", heißt es in einer Pressemitteilung der Promoagentur Uncle M. 

Flogging Molly haben Tinnitus Attacks vor ihrem Konzert im LKA Longhorn in Stuttgart ein Interview gegeben, das ihr hier lesen könnt. Die Konzertkritik samt Bildergalerie gibt's hier

Kaizers Orchestra: Neues Album kommt am 20. Januar

Neues aus Norwegen: Kaizers Orchestra veröffentlichen am 20. Januar ihr siebtes Album "Violeta Violeta Vol. 2". Es ist das zweite Album ihrer zweiten Trilogie.

“Violeta Violeta ist inspiriert von Filmen und Regisseuren wie Tim Burton”, wird die Band in einer Pressemitteilung ihrer Promo-Agentur zitiert. Und weiter: “Unsere Erfahrung mit dem Schreiben ist, dass es immer um Menschen und um deren Beziehungen geht. Wir sind der Meinung, dass die besten Geschichten entstehen, wenn man sie in einer etwas anderen und interessanten Art erzählt.”  

Im März kommt das Ölfass-Orchester für ein paar Konzerte auch nach Deutschland, genaue Termine stehen noch nicht fest.

Bereits erhältlich ist die erste Single "Drøm Videre Violeta" (Dream on Violeta). Ein Video mit Live-Szenen gibt es hier: 

Dienstag, 3. Januar 2012

Hören Sie das: Anvil veröffentlichen eigene Daytrotter-Session

Bisher sind Metal-Musiker bei Daytrotter nicht unbedingt Dauergäste. Die kanadischen Metal-Dauerbrenner Anvil haben heute eine Session veröffentlicht, die sich hart rockend zwischen den sonst dominierenden Indie- und Folk-Klängen auf der Musikseite ausmacht. Es sind die drei Songs "On Fire", "Voodoo" (auf Platte "New Orleans Voodoo" und "Juggernaut of Justice" vom 2011er-Album "Juggernaut of Justice" vertreten. Lips, Robb Reiner und Glenn Five verlieren dabei etwas von ihrer Durchschlagskraft (der Gedanke der Sessions ist ja spontanes und unverfälschtes, nicht totproduziertes Songmaterial), liefern aber hörenswerte Versionen ihrer Songs ab.

Der einzige Haken: Daytrotter ist nicht mehr gratis. Wobei das verschmerzbar ist: Für zwei Dollar pro Monat (24 pro Jahr, umgerechnet derzeit rund 18 Euro) kann man eine Mitgliedschaft bekommen. Dann hat man vollen Zugriff auf über 2000 Sessions, jeden Tag kommen mindestens drei dazu. Man kann sich auch einen Live-Pass besorgen, dann kann man live zuhören, wie die Songs eingespielt werden. Das geht via Rechner oder auch Smartphone. Und mal ehrlich: Wie schnell gibt man mal eben 18 Euro aus? Das ist eine LP weniger - im Tausch gegen unzählige Songs, die mit Seele und Liebe eingespielt werden. Ich hab's gerade getan. Eine unabhängige Musikseite, die Unterstützung verdient.

Ein umfangreiches Interview mit Anvil, aus dem eine ganz Zeitungsseite geworden ist, habe ich vergangenes Jahr mit Lips geführt. Klickt auf das Bild, um die Seite zu sehen. Mit Rechtsklick und Bild speichern unter könnt Ihr die Seite runterladen und dann vergrößern, damit die Schrift lesbar ist.

Wenn die Katzen fröhlich jammern

Manche Bands hat man schon lange auf dem Schirm und in der "Muss-ich-mir-unbedingt-mal-was-anhören"-Schublade. Dann bekommt man plötzlich eine Platte in die Hände und denkt sich "Das hab ich also bisher verpasst". So geht's mir gerade mit Katzenjammer. Klar, die vier Frauen aus Norwegen hat man schon mal gesehen mit ihrer überdimensionalen Bass-Balalaika. Aber irgendwie war das bisher nicht die riesige Priorität. 2010 hab ich sie beim Southside denn wohl auch verpasst. Jetzt die "Le Pop" von 2009 gehört - und hin und weg. Was Anne Marit Bergheim, Solveig Heilo, Turid Jørgensen und Marianne Sveen hier abliefern, ist nicht zu fassen. Kirmes-Überschwang, Folk-Fröhlichkeit vermischen sich mit versiertem Songwriting, mehrstimmigem Gesang und instrumentaler Opulenz. Ein Geheimtipp sind die vier Multi-Instrumentalistinnen schon lange nicht mehr. Gibt es überhaupt noch jemanden, der sie nicht kennt? Schon 2010 waren sie bei "Inas Nacht" zu Gast. Aber was soll's - wenn die Fleet Foxes bei Letterman auftreten, freuen wir uns ja auch. Freuen kann man sich in dem Fall aufs Southside, wo das Quartett im Juni auftreten wird.Das 2011er-Album "A Kiss before you go" muss wohl auch noch sein. Hier das Video zu "Paper, Rock, Scissors".