Sonntag, 9. Dezember 2012

Sonntags-Soirée: Calexico – Algiers

Bevor das Jahr rum ist, wirft Tinnitus Attacks einen Blick auf die Platten, die aus unerfindlich unerhörten Gründen bisher hier auf dem Blog nicht zum Zug kamen – aber vermutlich am Ende des Jahres eine Rolle in der Topliste spielen werden. Heute: Calexico und ihr im September erschienenes Album "Algiers". 

Ich erinnere mich, dass ich Calexico 2004 beim Kulturufer in Friedrichshafen gesehen hab. Eine Band, wie geschaffen für Zeltbühnen. Im stickigen Dunkel entfalteten die Texmex-Soundscapes eine hypnotisierende Wirkung. Bei jedem neuen Album der amerikanischen Grenzgänger habe ich dieses Bild vor Augen. Calexico sind düster, mal hoffnungslos, mal euphorisch. Auch auf „Algier“ lassen Sie ihren betörenden Mix aus Americana und Folk verschiedener Prägungen in der Sonne braten, im Staub tanzen und durch öde Kakteenwüsten reiten.

Für „Algier“ haben sich Calexico auf geheiligten Boden gegeben. Das Album ist in einer alten Kirche entstanden. Man bildet sich ein, die Weite zu hören, ähnlich wie damals bei Arcade Fires Neon Bible. „Algiers“ so heißt übrigens ein Stadtviertel in New Orleans. Und schwül-sumpfig geht es auch hier zu.

Allerdings nicht mehr so, soll man plakativ sagen? Die Mariachikapelle ist von weit her zu hören, in „Puerto“ etwa. Der Opener „Epic“ ist die perfekte Beschallung für nächtliche Autofahrten bei Schnee (hab's um 2:47 Uhr getestet), „Splitter“ lässt ganz langsam freudige Bläser mitspielen. Die Partyplatte ist es nicht, eher regieren hier die nachdenklichen Momente zwischen Mitternacht und Dämmerung. Sowas lässt man spielen, während die „Space Night“ im Fernsehen läuft und man verwaschene Aufnahmen von Sternen und Raumstationen sieht.

Ebenso beeindruckend der Blick ins Booklet: 20 Musiker sind an diesem Album beteiligt, die Liste der Instrumente liest sich wie ein Ausriss aus einem Lexikon für Musikinstrumente. Eine Platte, der man ganz genau zuhören sollte. Weil es hier mehr zu hören gibt als bei den anderen.

„Algier“ von Calexico ist am 7. September bei City Slang erschienen. Mehr Infos unter www.casadecalexico.com. Hier das Video zu "Splitter":

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