Freitag, 28. Dezember 2012

Jahresrückblick 2012, Teil 2: Die besten Platten des Musikjahres

2012 war für mich kein Jahr, das als epochal in die Musik-Geschichte eingehen wird. Ein eher solides Jahr mit vielen alten Bekannten, aber auch neuen Gesichtern, die man nicht mehr missen möchte.  Aber dennoch gab es viel, was ich mir in den Plattenschrank stellen musste. Hier meine zehn Favoriten nochmal kurz angeschnitten, der Rest als unkommentierte Liste. Wie letztes Jahr gilt: Der Wertung liegt ein pseudomathematischer Koeffizient zugrunde, der die Häufigkeit des Anhörens mit der Heftigkeit des Beeindrucktseins irgendwie korreliert. Und wenn Ihr auf Bandname und Albumtitel klickt, kommt Ihr nochmal zur regulären Rezi (bis auf eine). 

10.) Kraftklub – Mit K
Als sie Vorband für die Beatsteaks waren 2010 hab ich sie gehasst. Als ich ihnen bei Rock am See 2012 wiederbegegnet bin, haben sie mich überzeugt. Und kurz darauf in Kempten umgehauen. Weder steh ich auf großartig auf deutsche Texte noch auf Sprechgesang. In dem Fall hab ich aber mein Hirn angewiesen: Diskurs einfach mal Diskurs sein lassen. Tanzen. Und die Texte sind ja auch gut.

9.) Apologies, I Have None – London 
Ein bombastischer Einstand. Vier Jungs aus London hauen ihr Debüt raus und begeistern quer durch die Musiklandschaft Fans und Presse gleichermaßen. Spätestens bei „Sat In Vicky Park“ sprang ich wie vom Zebra gebissen durchs Wohnzimmer, bei „The 26“ schimpfte ich mit ihnen auf die englische Hauptstadt, mit dem letzten Song holten sie mich wieder auf den Teppich. Die Euphorie aber ist noch nicht verflogen.

8.) Make Do And Mend – Everything You Ever Loved
Beim ersten Hören dachte ich nicht, dass die Platte in der Top Ten landen würde. Nach dem Hammer „End Measured Mile“ war mir das hier fast schon zu melodisch, zu zahm. Aber als ich in Zürich erwachsene Männer zu den Klängen von „St. Anne“ Tränen vergießen sah, hat mich die Platte doch noch gepackt. Wächst mit jedem Hördurchlauf. Musik von Bros für Bros, zum gemeinsam ins Bier weinen.

7.) Off! - Off! 
16 Minuten rohe Power. 16 Songs, akustische Ausrufezeichen, mit Verachtung für Kommerzkacke hingebungsvoll ausgekotzt. Jack Black darf im Video zu „Wrong“ Körperteile aus Körpern reißen. Schreihals Keith Morris war früher bei den Circle Jerks und Black Flag, seine Truppe ist im Grunde eine Allstarband. Wahnsinn regiert, die Gitarren klingen ungehobelt. Den Off!-Schriftzug tragen Rise Against beim Southside und Ingo Donot in Lindau auf der Brust. Wo kann ich bestellen?

6.) Get Well Soon – The Scarlet Beast O'Seven Heads
Konstantin Gropper ist ein Genie. Seine orchestralen Weltschmerz-Hymnen sind unersetzlich geworden. „Let Me Check My Mayan Calender“ bittet er uns und erklärt Roland Emmerich („Independence Day“) völlig zurecht, dass er sich auch auf Endzeit spezialisiert hat. Auf dem dritten Studioalbum macht er mit seinem Miniorchester manches anders und vieles richtig. „You Cannot Cast Out The Demons, You Might As Well Dance“ beschert mir den Safri-Duo-Moment 2012.

5.) ...Trail Of Dead – Lost Songs
Letztes Jahr Platz eins der Jahrestopliste auf Tinnitus Attacks, jetzt nicht mehr ganz so überragend, aber immer noch grandios. Ich muss ja zugeben, dass ich schon auch auf die epischen Momente stand. Von dem her konnte ich gut mit „Tao Of The Dead“ leben, weil es die da auch noch gab, aber hier ist alles düster, grau, monochrom. Kein Wunder. Die Welt ist schlecht. Sehen diese Herren auch so. Und legen entsprechend los.

4.) Captain Planet – Treibeis 
Wie gesagt: Mit Deutsch hab ich's nicht so. Aber allein der Opener „Pyro“ hier ist ein solcher Wuchtmoment zum Wiedererkennen. Und dann Sätze wie „Dieser Bildschirm ist hinüber, die Sekunden eingebrannt“ und die Geschichte von einem, der auf sein Handy schaut und weinend das Seminar verlässt. Und das: „Wie gehst Du nur mit den Niederlagen um? Wo üben die, die immer siegen?“ Beste Deutsche Platte 2012.

3.) Fang Island – Major 
Super Mario oder was? In „Chompers“ klingt alles nach Videospiel. Und der Rest der Platte ist ein derartiges Plädoyer fürs Staunen, fürs Offen sein, für Rock, für Melodien. Der Vorgänger war schon gut, aber das hier toppt die bisherigen Kompositionen der Musiker aus Rhode Island, Brooklyn, um Längen. Abgedreht. Und genial.

2.) Cloud Nothings – Attack On Memory 
Spät entdeckt, aber dafür umso heftiger verliebt. Diese Mischung aus verzweifelter Grunge-Heulerei, lässiger Strokes-Nonchalance und vermeintlich nachlässig dahingeschluderten Gitarren ist einfach zu unwiderstehlich. Dylan Baldi, Du spölleriger Nerd, komm her und lass Dich umarmen. Dann geb ich Dir auch ein Bier aus und Du darfst mir erzählen, was das eigentlich alles soll. Interessieren würde mich das schon.

1.) John K. Samson – Provincial
Die besten Songs. Die intensivsten Lyrics. Die schönste Stimme. Der Weakerthans-Fronter hat hier Stücke versammelt, die man ja teils von Seven Inches schon kennt. Aber das macht nichts. Textzeilen wie „Inky bruises punched into the sky by bolts of light“ oder die zunehmende Einsamkeit in „When I Write My Masters Thesis“ sind unscheinbare Songs, die doch zu Monumenten werden. Und „Taps Reversed“ singe ich mit im Duo meiner Frau unserem Kind vor, wenn es mal so weit ist.

Die zehn besten Platten aus 2011 lasen sich so. Morgen hier: Filme und Bücher des Jahres.

Hier die komplette Liste (schiefe Zahl, weil: alle Platten, die mir 2012 irgendetwas bedeutet haben).


1. John K. Samson – Provincial
2. Cloud Nothings – Attack On Memory
3. Fang Island – Major
4. Captain Planet – Treibeis
5. ...Trail Of Dead – Lost Songs
6. Get Well Soon – The Beast O'Seven Heads
7. Off! – Off!
8. Make Do And Mend – Everything You Ever Loved
9. Apologies, I Have None – London
10. Kraftklub – Mit K

11. Two Gallants – The Blight And The Bloom
12. Donots – Wake The Dogs
13. Radio Havanna – Alerta
14. The Gaslight Anthem – Handwritten
15. Dry The River – Shallow Bed
16. The Front Bottoms – dto.
17. The Sword – Apocryphon
18. Imperial State Electric – Pop War
19. Tenacious D – Rize Of The Phoenix
20. Wintersleep – Hello Hum
21. The Menzingers – On The Impossible Past
22. Calexico – Algiers
23. Titus Andronicus – Local Business
24. Billy Talent – Dead Silence
25. Paws – Cokefloat
26. Grizzly Bear – Shields
27. Title Fight – Floral Green
28. Tall Ships – Everything Touching
29. Ezra Furman – The Year Of No Returning
30. Soundgarden – King Animal
31. Jack White – Blunderbuss
32. Hot Water Music – Exister
33. Craig Finn – Clear Eyes Full Heart
34. Murder By Death – Bitter Drink, Bitter Moon
35. Dinosaur Jr. – I Bet On Sky
36. Coheed And Cambria – The Afterman: Ascension
37. The Unwinding Hours – Afterlives
38. Mumford & Sons – Babel
39. All The Young – Welcome Home
40. The Enemy – Streets in The Sky
41. Bob Mould – Silver Age
42. Matt Skiba And the Sekrets – Babylon
43. The Movement – Fools Like You
44. Amanda Palmer – Theater Is Evil
45. Alberta Cross – Songs Of Patience
46. Maximo Park – The National Health
47. The See See – Fountain Mountain
48. I Am Oak – Nowhere Or Tammensaari
49. Arkells – Jackson Square
50. Japandroids – Celebration Rock
51. Die Ärzte – auch
52. Rocky Votolato – Television Of Saints
53. Anti-Flag – The General Strike
54. Bruce Springsteen – Wrecking Ball
55. Wild Evel & The Trashbones – Tales From The Cave
56. Nada Surf – The Stars Are Indifferent To Astronomy
57. Alabama Shakes – Boys & Girls
58. Benjamin Gibbard – Former Lives
59. Brian Jonestown Massacre – Aufheben
60. John Cale – Shifty Adventures in Nookie Wood
61. Firewater – International Orange
62. Holmes – Burning Bridges
63. I Hate Our Freedom – This Years Best Disaster
64. Deftones – Koi No Yokan
65. Motion City Soundtrack – Go
66. MxPx – Plans Within Plans
67. Rush – Clockwork Angels
68. Ty Segall – Twins
69. The Heavy – The Glorious Dead
70. Silversun Pickups – Neck Of The Woods
71. NoFX – Self Entitled
72. The Vaccines – Come Of Age

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