Montag, 3. Dezember 2012

Hörtest: Soundgarden – King Animal

Im Garten der Klänge wachsen und gedeihen die Pflanzen wieder. Hoffen wir, dass sie nicht zu schnell verblühen. Soundgarden machen auf "King Animal" den Eindruck eines Patienten, der sich selber mit dem Defi zurück ins Leben katapultiert hat. 

Viele waren ja schon erstmal froh, dass Chris Cornell nicht mehr auf Aushilfs-Timberlake macht. Was hat der Mann für wechselhafte Zeiten hinter sich. Als das Audioslave-Debüt vor zehn Jahren erschient, rätselte die „guitar“, ob man es hier mit den "neuen Led Zeppelin“ zu tun habe. Cornell plus Rage Against The Machine ohne deren Rapper Zack de la Rocha, das war groß, aber eben nur für ein paar Momente. Bereits der Zweitling „Out Of Exile“ war durchwachsen, „Revelations“ nur noch müde. Cornell machte alleine weiter. Der James Bond-Titelsong, ein neuerliches Soloalbum und dann der Tiefpunkt „Scream“, wo der Name Programm war und man wirklich nur noch schreiben wollte ob der künstlichen Mainstream-Tauglichkeit. 2010 dann die Reunion von Soundgarden, von manchen auch deshalb kritisch beäugt, weil es irgendwie nach Opportunismus schmeckte, nach der gefloppten R'n'B-Scheibe die Grunge-Wurzeln wiederzuentdecken. Aber bisher sieht's nach einer von den guten Wiedervereinigungen aus, schöne Auftritte, ein Song auf dem "Avengers"-Soundtrack und nun auch noch ein neues Album. Das hat mir bei Faith No More gefehlt. Aber klar, riskant und kann immer auch nach hinten losgehen.

Im Falle von Soundgarden kann der geneigte Fan bedenkenlos zugreifen. „King Animal“ klingt nach Flanellhemden, zerrupften Jeans und den frühen 90ern, schafft aber den Sprung in die Jetzttzeit. „Been Away Too Long“ stellen die vier gleich zu Beginn fest, und spätestens wenn einem die schnalzenden Gitarrenlicks in „Taree“ die Ohren verwöhnen, bejaht man das. „Attrition“ nimmt Fahrt auf, „Black Saturday“ spielt mit progressiven Rhythmen und Klängen. Und dieses dezent Düstere, was Soundgarden ja auch immer ausgemacht hat, ist auch da. Cornells Stimme hat nichts an Faszinationskraft eingebüßt, und Kim Thayil war ja immer schon eine eigene Gitarrenliga. Die stampfenden Riffs in „By Crooked Steps“, sehr schön. Oder die in „Blood On The Valley Floor“, beinah schon stonermäßig. Halbgar ist hier nix. Das nötigt einem dann schon Respekt ab, wenn solche Songs nochmal bei einer Reunion rumkommen. „We'll Settle For A Little Bit More Than Everything“ heißt es in „Non-State Actor“. Klare Ansage.

"King Animal" von Soundgarden ist am 9. November bei Mercury erschienen. Mehr unter www.soundgardenworld.com. Hier der Auftritt jüngst bei David Letterman:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen