Mittwoch, 5. Dezember 2012

Hörtest: Grizzly Bear – Shields

Bevor das Jahr rum ist, wirft Tinnitus Attacks einen Blick auf die Platten, die aus unerfindlich unerhörten Gründen bisher hier auf dem Blog nicht zum Zug kamen – aber vermutlich am Ende des Jahres eine Rolle in der Topliste spielen werden. Heute: Grizzly Bear und ihr vierter Studio-Longplayer "Shields".

Was würden wir eigentlich ohne Bands wie Grizzly Bear machen? Uns von Dubstep das Hirn rausschwemmen lassen? Uns von Rihanna billige SM-Kacke aufdrücken lassen? Wer richtige Musik hören will, voller Seele und musikalischem Anspruch, muss diese Platte hier im Schrank haben. Zumal wir sie sicher in etlichen Toplisten am Ende des Jahres wiedersehen werden.

Die Ausgangssituation war nicht die einfachste. „Veckatimest“ war ein Highlight 2009, warf mit „Two Weeks“ einen veritablen Hit inklusive Autowerbespot-Tauglichkeit ab und ließen die Erwartungen an den Nachfolger ins Unermessliche steigen. Die Klasse einer Band zeigt sich, wenn sie diesen Erwartungen standhält und im besten Fall noch einen draufsetzt. Im Fall von „Shields“ ist das so. Allein schon „Speak in Rounds“, der zweite Song: Hier passiert so viel, hier gibt es so viel zu entdecken, aber nichts von dem, was im Hintergrund passiert, wirkt aufgesetzt, da plöngt es, plötzlich kommen Streicher ins Bild gedrängt, die Gitarre gibt sich energisch und dann soll plötzlich alles vorbei sein. Oder „Yet Again“ mit seinem cleveren Rhythmus. Alles hier hat mehr Kreativität im kleinen Finger als manch andere Band überhaupt.

Während die vier Musiker aus New York beim Vorgänger noch stark auf ihre engelsgleichen Sphärengesänge gesetzt haben, scheint es, als ob sie diesmal noch mehr auf ihre instrumentale Opulenz aufmerksam machen wollten. Wobei Ed Droste und Co. ja noch nie GitarreBassSchlagzeug gemacht haben. Aber hier kommt eben viel zur Geltung und man fragt sich, wie das dann live funktionieren soll. Klar ist: Man will sich das anschauen. Für derlei Gigs sollte man mal überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, Sofas (Sofen? Sofi?) in einen Konzertsaal zu stellen. Eine Platte wie ein Bonbonladen im Wunderland. Voller Farben, Eindrücke, irre und heimelig zugleich. Unverzichtbar für den Musiknerd von Welt.

"Shields" von Grizzly Bear ist am 14. September bei Warp Records erschienen. 
Mehr unter www.grizzly-bear.net. Hier der Clip zu "Yet Again". 

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