Dienstag, 27. November 2012

Hörtest: Cloud Nothings – Attack On Memory

Bevor das Jahr rum ist, wirft Tinnitus Attacks einen Blick auf die Platten, die aus unerfindlich unerhörten Gründen bisher hier auf dem Blog nicht zum Zug kamen – aber vermutlich am Ende des Jahres eine Rolle in der Topliste spielen werden. 
Heute: Cloud Nothings und ihr diesjähriger Lo-Fi-Meilenstein „Attack On Memory“. 

Keine Zukunft, keine Vergangenheit. Der Opener "No Future/No Past" ist zugegebenermaßen deprimierend. Rumpeliger, psychotischer Indie-Rock, der starke Anleihen am Grunge nimmt. Wenn die Wolkennichtse zur Attacke auf das Gedächtnis blasen, trifft die verzweifelte Wut von Nirvana auf die gelangweilt-melancholische Larmoyanz der Strokes. Beweise? Steve Albini (produzierte Nirvanas „In Utero“) hat die Platte produziert, an mancher Stelle klingt Sänger Dylan Baldi stark nach Julian Casablancas (Sänger von The Strokes). Und dann diese Indie-Ingredienzen wie aus dem Lehrbuch. Schrammelige Gitarren, ein nacjässig verdroschenes Drumkit. Und ein Sänger, dem Stimmlagen andere Spielereien erstmal scheißegal sein dürften.

Dann kommt Song Nummer zwei und alles ist anders. Ein Neun-Minuten-Vorschlaghammer, der sich bei all seiner seiner Sperrigkeit zum Dauerliebling mausert. Ganz klassisch: Links die angezerrten Rhythmusgitarren, rechts die cleanen Widerhaken-Hooks, knarziger Bass, schabende Drums und Fronter Dylan Baldi, der sich am Ende die Seele aus dem Leib brüllt, dass er gedacht hatte, mehr als das hier zu sein. Über die suchterzeugender Wirkung des Quartetts habe ich an anderer Stelle schon ausführlich meditiert.

„Fall In“ will einem dann kurz die Illusion geben, dass hier auch zuckersüße Popsongs mitkönnen, aber Breaks und Chaos durchkreuzen diese Intention. Einen Klassiker erkennt man ja gewöhnlich daran, dass keine Füller da sind. Und „Stay Useless“ ist wieder mit so einer Dauergebäck-Melodie gesegnet. Mal hinken die Songs durch die Nacht wie nach einem bösen Besäufnis, mal hüpfen sie wie auf Euphorie-Pillen durch die Botanik. Und ganz am Ende kommt nochmal die Strokes-Verbeugung. Trotzdem ist hier nichts kopiert, nichts aufgesetzt. Die Produktion ist warm, analog, wie gemacht für Vinyl und schön ungeschliffen. Wichtig.

„Attack on Memory“ von Cloud Nothings ist am 10. Februar bei Wichita/Play It Again Sam  erschienen. Mehr unter http://cloudnothings.com. Hier das Video zu „Fall In“:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen