Dienstag, 23. Oktober 2012

Interview mit Itchy Poopzkid: "Wenn jemand behauptet, wir machen Jazz, ist das auch super"

Sie haben sich mit unzähligen Live-Auftritten einen exzellenten Ruf erspielt und gelten als die netten Punkrocker von nebenan: Itchy Poopzkid. Am 25. Januar 2013 erscheint das neue Album "Ports & Chords" der Eislinger. Tinnitus Attacks hatte ein paar Fragen an Sibbi und Panzer. Was Punkrock mit Geschirrspülen zu tun hat und warum Pfahlwurzel ein bescheuerter Bandname ist, lest Ihr hier. 

Tinnitus Attacks: Euer neues Album „Ports & Chords“ erscheint im Januar. Schon fertig aufgenommen?

Sibbi: Jepp, wir sind grade fertig geworden mit allem und haben quasi im Moment das fertige Stück Sound in den Händen und wir sind sehr sehr glücklich mit der Ergebnis. Das ist echt immer ein wahnsinnig tolles Gefühl, wenn man nach so langer Zeit mit Songwriting und Studio dann das Resultat anhören kann.

Tinnitus Attacks: Gibt's ein Konzept, das dem Album zugrunde liegt? Wovon handeln die Texte?

Panzer: Vorher ein Konzept auszuarbeiten, haben wir auch dieses mal leider wieder total vergessen.
Ich find das aber auch ganz gut, weil „Konzept“ irgendwie auch immer „Einschränkung“ heißt und mit Einschränkungen wird bei uns eh recht selten sympathisiert. Textlich geht es auch in ganz verschiedene Bereiche: Von ganz persönlichen Geschichten bis zu wütenden Protestsongs ist alles dabei. Insgesamt ist es aber ein eher positives Album, mit Texten, die einem Mut machen und zur rechten Zeit auch mal verbal in den Arsch treten.

Tinnitus Attacks: Was war diesmal anders, als Ihr das Album in Angriff genommen habt?

Keine Angst, der beißt nicht: Sibbi und Panzer
 (links und rechts) standen Tinnitus Attacks Rede und
Antwort. Foto: Finja Nissen
Sibbi: Max war mit im Studio (lacht). Es war ja das erste mal, seitdem Max vor zwei Jahren zur Band gestoßen ist, dass wir in dieser Konstellation im Studio waren und es hat echt klasse funktioniert. Ansonsten haben wir auch dieses mal die Stücke wieder live im Studio eingespielt, sprich uns zu dritt in nen Raum begeben, die Türen verriegelt und losgeholzt. Man muss zwar echt ordentlich üben im Vorfeld, denn man erntet natürlich böse Blicke der anderen, wenn man nen perfekten Take kurz vor Schluss noch verkackt und alle drei dann wieder von vorne anfangen müssen.

Panzer: Außerdem waren wir größtenteils mitten während der Fußball-Europameisterschaft im Studio und standen dann schon ziemlich oft vor der Frage „Aufnehmen oder Fussball schauen?“. Im Nachhinein kann ich voller Stolz sagen, dass wir kaum ein Spiel verpasst haben.

Tinnitus Attacks: Habt Ihr bestimmte Rituale beim Songwriting? Entstehen Stücke durch konzentrierte Arbeit oder eher zufällig beim Jammen, auf Tour, zwischen Soundchecks etc.?

Panzer: Also wir sind keine Band, die auf Tour nebenher noch Songs schreibt, weil wir uns immer nur auf eine Sache konzentrieren können. Und wir sind auch keine Band, die sich im Proberaum trifft um stundenlang zu jammen, weil das was für Hippies ist. Rituale beim Liederschreiben gibt´s eigentlich auch keine. Sibbi und ich schreiben jeweils alleine zuhause oder unterwegs. Den Song „I Believe“ hab ich, zum Beispiel, während dem Geschirrspülen in meiner Küche geschrieben. Nach den ersten drei Tellern hatte ich die Idee für die Strophe, dann hab ich vier Stunden an dem Song rumgeschrieben und ihn auf meinen Kassettenrekorder aufgenommen – danach hab ich dann die Pfanne fertiggespült. Im Endeffekt arbeiten wir dann natürlich schon noch zu dritt weiter an einem Song, aber die Grundideen entstehen so gut wie nie im Proberaum.

Tinnitus Attacks: Wenn Ihr Euch so umschaut: Wen findet Ihr aktuell als Musiker überzeugend?

Sibbi: Also ich muss echt sagen, dass ich seit zwei Jahren fast ausschließlich The Avett Brothers höre. Eine Bluegrass/Country/Alternative Band aus den USA, die schon ne Menge Alben rausgebracht haben. Selten hat mich ne Band so umgehauen und das Konzert von ihnen letztes Jahr in München, wird wohl für immer das Beste bleiben, da kommt wahrscheinlich nichts mehr ran.

Panzer: Ich kaufe mir ständig unwahrscheinlich viele Platten, aber in letzter Zeit hat mich kaum etwas wirklich umgehauen. Auf der neuen Bloc Party sind zwei unglaublich tolle Songs, dafür ist der Rest aber sehr langweilig. Ah, das Album von „We are Augustines“ ist ein Hammer! Da sollte jeder mal reinhören . Und jedem Punkrocker lege ich nach wie vor die Band „Pascow“ ans Herz. Es ist ne echt Freude wie schön man Wut und Angepisstheit in Musik verpacken kann.

Tinnitus Attacks: Fühlt Ihr Euch einer Szene zugehörig oder gebt Ihr eher nichts auf Schubladen?

Sibbi: Diese Schubladen sind uns echt komplett egal. Wie Leute unsere Musik bezeichnen ist ja im Grunde genommen auch total Wurst. Wir selbst würden uns wahrscheinlich als Rock-Band bezeichnen, die Wurzeln im Punkrock hat, aber gerne und wahrscheinlich öfter als die meisten Bands über den Tellerrand weit hinausschaut. Wenn aber jemand behauptet, wir machen Jazz, ist das auch super. Wir wollen uns aber eben auch nicht durch irgendwelche Schubladen limitieren. Wenn wir dauernd erzählen würden wir wären eine krass kredibile Street-Punkband, dann könnten wir ja nie mal ne Ballade schreiben, ohne gleich Angst haben zu müssen jemanden vor den Kopf zu stoßen oder uns zu verraten.

Tinnitus Attacks: Seht Ihr Euch als Vorbilder?

Panzer: Lass mich überlegen: Wir haben weder studiert noch was anständiges gelernt, trinken durchschnittlich wahrscheinlich zu viel Alkohol und kommen trotzdem wunderbar klar. Also ganz klar: JA! - Aber im Ernst: es gibt tatsächlich viele Leute, die das toll finden was wir machen und vor allem junge Bands orientieren sich teilweise total an uns. Es gibt zig Leute, die Songzitate oder Logos von uns tätowiert haben oder andere, die ihren gesamten Jahresurlaub verbraten, um überall zu unseren Konzerten kommen zu können. Wir wissen das unglaublich zu schätzen und wir stehen selbst oft ungläubig da, wenn wir sowas mitbekommen. Ich finde es schön, wenn Leute aus unserer Musik und unseren Texten etwas positives ziehen können und sie das glücklich macht oder auf irgendeine Art und Weise hilft mit schwierigen Situationen in ihrem Leben umzugehen. Als Vorbilder sehe ich uns aber nicht.

Tinnitus Attacks: Mich hat Eure Gitarrenkoffer-Aktion sehr fasziniert. Wie kamt Ihr auf die Idee zu dieser schnieken Showeinlage?

Sibbi: Gute Frage... keine Ahnung. Wahrscheinlich haben wir mal ne Band gesehen, bei denen sich einer in ein Schlauchboot gesetzt hat und sich vom Publikum hat rumtragen lassen. Das haben wir dann einfach auf ne neue Stufe gehoben. Außerdem ist so ein Gitarrenkoffer doch viel realistischer, der liegt eh immer an der Bühnenseite rum. Welche Band braucht denn ein Schlauchboot auf Tour?!?! Da könnte man ja genau so gut nen Tannenbaum aufs Publikum legen.

Tinnitus Attacks: Bereut ihr manchmal, dass Ihr einen Namen tragt, den mancher vielleicht albern findet?

Sibbi: Jeden Tag den ganzen Tag.
Panzer: Aber es gibt zum Beispiel auch eine Band die heißt „Taproot“. Das heißt übersetzt „Pfahlwurzel“. Also sind wir noch ganz gut weggekommen.

Tinnitus Attacks: Danke für das Gespräch! 

Itchy Poopzkid gehen im Frühjahr auf Tour, unter anderem wird MxPx als Vorband dabei sein. Weitere aktuelle Konzerttermine findet Ihr auf der Internetseite der Band. Hier noch zwei Videoclips:



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