Mittwoch, 24. Oktober 2012

Hörtest: Ty Segall – Twins

Seine Mutter war ein Wolf, oder? Ty Segall macht auf seinem Soloalbum knarzig-groovigen Rock mit Sixties-Schlagseite. Aber nicht so, dass man sich selbst beim Schnarchen ertappt. Was bei Retrorock ja nicht selbstverständlich ist. 

Ironisch, Gott für die Sünder zu danken, wie Ty Segall das im ersten Song hier tut. Aber konsequent. Immerhin zählt der Rock'n'Roll in den Augen einiger im Mittelalter stehen gebliebenen ja auch dazu. Und den zelebriert der Sänger und Gitarrist auf seinem neuen Soloalbum nach allen Regeln der Kunst. 35 Minuten, 12 kompakte Kraftpakete, Soli dass sich die Balken biegen. Vor allem durch die fuzzig-verzerrten Gitarren und den aus der Zeit gefallenen Gesang meint man sich in den 60ern wieder zu finden. Schlagworte wie „Love“, „Heart“ oder „Gold“ in den Titeln deuten darauf hin, dass wir es hier nicht mit einer Abhandlung über die Auswüchse des Kapitalismus zu tun haben, sondern mit klassischen Boy-meets-Girl-Geschichten. Aber ist ja auch ok so. Manche meinen, dafür sei Rock geschaffen. Ich finde: Nicht nur, und man kann es auch übertreiben, aber hier passt das vollkommen. Immer wieder lassen mehrstimmige Gesangsarrangements und Kopfstimme Psychedelic-Feeling aufkommen, vor allem, wenn wie in „Ghost“ das Tempo so dezent runtergeschraubt wird. Stones-Riffs wie in „Love Fuzz“ scheinen schon 1000fach gehört, gefallen hier aber, weil Ty Segall so begeistert von dem wirkt, was er da auf seiner Gitarre verzapft. Ach ja: Das ist Album Nummer vier in diesem Jahr, an dem der Mann beteiligt wa, der bei unzähligne Bands spielt, unter anderem bei Sic Alps. Respekt.

„Twins“ von Ty Segall ist am 12. Oktober via Drag City erschienen. Mehr: www.ty-segall.com
Hier gibt's noch das Video zu "The Hill", das Ty im Duett mit Brigid Dawson von Thee Oh Sees singt. 

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