Montag, 8. Oktober 2012

Hörtest: Apologies, I Have None – London

Wie, Debüt? Was dieses britische Quartett uns hier mal eben in 37 Minuten auf die Lauscher zimmert – Wahnsinn. Frei nach Bogart: der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. 

Punkrock, wie er gedacht war: Euphorisierend, mächtig, direkt. Und manchmal auch experimentierfreudig wie The Clash. Aber auch wenn der räudige Straßenköter unter den Musikstilen die Basis bildet, ist dieses Album doch viel mehr als eine weitere Punkscheibe. Das deuten schon die cleveren Breaks und die geschmackvollen mehrstimmigen Vocals im Opener „60 Miles“ an. Und dann „Sat in Vicky Park“: zuerst ein epischer Einstieg, dann schwankt man zwischen Hüpf-Parts und schnellen Sprengseln, um wieder in einen hymnenhaften Refrain zu gipfeln. Und dieser willenlos machende britische Akzent, wenn sich Dan Bond und Josh Mckenzie (beide Gründungsmitglieder und Gitarristen) mit dem Gesang abwechseln...“Like a man could not be measured by the number of people he has fucked“. Meine Herren, das ist ja fast schon arktische Affenlyrik.

Dann klingen sie auf einmal wie Anti-Flag, wenn die extrem gute Laune haben. Und schnell wieder nach sich selbst. Das charmante Lispeln bei den „straight lines“ tut sein Übriges. Die Insel ist einfach eine Institution wenn es um gute Musik geht. In „Clapton Pond“ demonstrieren die vier Musiker, wie man mit simplen Mitteln Dynamik pur verbreitet. Mal die Gitarren zurückdrehen, Tempo rausnehmen kennt man ja alles schon, aber dieses Kleeblatt hier kann es halt auch wirklich. Song an Song reihen sich hier die Punkrockperlen. „Still Sitting Tight“ mit seinem extrem coolen Riffing und dem überbordenden Chorus. Alles hier ist positiv, aber nicht klebrig poppig, zupackend, aber nicht machohaft. Oder man lässt die Zerre mal weg und kommt kurz hinter der Deckung vor wie in „Joiners and Windmills“. Oder einfach nur Klavier wie in „Foundations“ und dazu ein Text, der nachdenklich macht. So wie die ganze Platte, deren Name Programm ist. Eine Ode an die Stadt der tausend Inspirationsmomente.

Allerdings auch eine Hassliebe: „Fuck You London, I'm Out“ heißt es da in „The 26“, eine Zeile, die jetzt schon legendär ist. Am Ende zieht „Long Gone“ nochmal alle Register, als wollte der Song uns sagen: Keine Sorge, da kommt noch mehr. Nur zu. Immer her. Ihr habt gerade erst begonnen.

"London" von Apologies, I Have None ist am 21. September bei Uncle M erschienen. Hier die Videos zu "60 Miles" und "Clapton Pond".



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