Sonntag, 23. September 2012

Sonntags-Matinée: Mumford & Sons – Babel

Mit ihrem Debüt „Sigh No More“ haben die vier Briten uns 2009 ein Versprechen gegeben. Drei Jahre später lösen sie es fulminant ein. „Babel“ ist mitreißend, nachdenklich, gefühlvoll, ungestüm und bombastisch. Ein Anwärter auf die vorderen Ränge in den Jahreslisten – auch wenn Marcus Mumford und seine Getreuen im Grunde nichts anders machen als auf dem Erstling. 

Den müßigen Kritikpunkt vorab: Ja, irgendwann ist es etwas eintönig. Rhythmisch dürfte hier  durchaus etwas mehr Abwechslung drin sein. Der Beat stampft, das Banjo wird rasant gezupft, die Gitarre greift wieder die verschobene „Little Lion Man“-Pattern auf. Aber das ist ein Luxusproblem. Die Songs auf „Babel“ entschädigen nicht nur dafür.

Wenn sie nicht gerade auf das Tanz-Gaspedal drücken wie bei „I Will Wait“, lassen die Musiker aus London den Songs Zeit, bauen große Spannungsbögen auf, zelebrieren jede einzelne Note. Man höre „Holland Road“, wo Marcus Mumford manche Worte mehr haucht als singt. Bei Zählerstand 2:40 bekommt der Song dann noch einen güldenen Bläserbombast spendiert, dass sich die Ohren in Gänsehaut zusammenfalten. Oder nehmt „Lovers' Eyes“, ein episches Rührstück mit epischem Ende und einer sehr weisen Textzeile: „Well love was kind for a while/Not it just aces and it makes me blind“. In den Texten an sich wimmelt es vor Liebe, Enttäuschung, Dämonen, Geistern und Gott. Die Hoffnung bleibt: „So give me the hope in the darkness that I will see the light“. Mit einem, der die Dunkelheit mal als alten Freund bezeichnet hat, machen sie gemeinsame Sache: Paul Simon wirkt bei der Coverversion des Simon & Garfunkel-Hits „The Boxer“ mit, den es (plus zwei weitere Songs) auf der Limited Edition zu bestaunen gibt. Man hört zu und denkt: Ja stimmt, das könnte ein Einfluss sein.

Bereits das Debüt katapultierte Mumford & Sons in extrem erfolgreiche Sphären. Auch live räumen die Briten regelmäßig ab, wie zum Beispiel auch beim Southside. „Babel“ dürfte diesen Erfolg zementieren und zeigt eine selbstbewusste Band, von der wir noch viel hören werden. Der überwältigende Erfolg der Band gründet sich vielleicht auf diese Ursprünglichkeit, um die das Quartett bemüht ist. Zum einen die beinah altertümliche Instrumentierung, bei der neben Gitarre und Banjo auch Violine, Cello und Trompete und Flügelhorn zum Zug kommen. Mumford & Sons setzen dem hektischen Plastiksound der Rihannas und Gagas dieser Welt das Albumformat entgegen, das in dieser Musikrichtung so viel mehr Sinn macht. Denn obwohl die Zutaten immer die gleichen sind, lässt sich das Album problemlos genussvoll am Stück durchhören. Es geht um Katharsis, um Erzählung, um Erlösung. Am Ende fühlt sich auch der Zuhörer geläutert.

„Babel“ von Mumford & Sons ist am 21. September via Cooperative Music erschienen. Mehr unter www.mumfordandsons.com. Hier seht Ihr jetzt noch einen Konzert-Mitschnitt vom Hurricane 2012. 

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