Sonntag, 9. September 2012

Sonntags-Matinée: Billy Talent – Dead Silence

Lust auf eine neue Runde Punkrock-Karussell mit Billy Talent? 14 neue Songs für den lustigen Moshpit. Ok, 13. Das zahme Intro nicht mitgezählt. Alles beim Alten hier – mit ein paar gelungen Änderungen. 

Vermutlich wird sich nichts ändern. Wer Billy Talent bisher bereits als Zahnspangenpogo-Soundtrack abgetan hat, dem kann auch das erste Album, das weder Zahl noch Bandnamen im Titel trägt, nicht helfen. Für Fans des kanadischen heißt es: Die Experimente halten sich in Grenzen, die bekannten Charakterzüge des Sounds sind auch hier extrem ausgeprägt und begeistern – auch wenn man meinen sollte, dass sich langsam Abnutzungerscheinungen zeigen sollten.

Die deutlichsten Abweichungen von bisherigen Soundschemata zeigen sich am Anfang und am Ende des Albums (zum Outro später mehr). „Lonely Road To Absolution“ ist ein Intro mit tickender Uhr, Streichern und Akustikgitarre. Den „Viking Death March“ konnte man ja schon vorab bestaunen. Mit „Surprise Surprise“ gibt’s dann die erste neue „richtige“ Nummer, und die dürfte live sofort zünden. Wieder sind es dieses eng geschnürte Rhythums-Korsett, diese gleißende Gitarre und der drängende Gesang, die sich zu einem rasanten Song aufbäumen. Die Tempogranaten sind auch hier wieder zu finden, aber nicht nur. So zeigt „Cure For The Enemy“ einmal mehr die melodieverliebte Balladen-Seite des Quartetts, während „Swallowed Up By The Ocean“ mit einem ungewöhnliche Piano-Intro  überrascht. Melodien im Übermaß hat auch der Titelsong zu bieten, der am Ende der Platte steht und am Ende in eine fäusteschwingende Mitsingmelodie mündet.

Billy Talent hatten zu kämpfen, bis dieses Album stand, Drummer Aaron Solowoniuk, der bereits von einer MS-Erkrankung geplagt wurde, musste sich einer Herz-OP unterziehen. Aber Screamo-Polarisierer haben sich nicht aufhalten lassen und ein stimmiges neues Album auf die Reihe bekommen. Nur der Aha-Effekt ist nicht mehr so da wie früher. Ein bisschen wie in einer Beziehung: Das rosarote Kribbeln weg, aber dafür weiß man, was man aneinander hat. Verlässlichkeit heißt das Zauberwort.

"Dead Silence" von Billy Talent ist am 7. September bei Warner Music International erschienen. Hier könnt Ihr das Album im Stream hören.

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