Mittwoch, 5. September 2012

Hörtest: Two Gallants – The Bloom And The Blight

Ein Album wie ein guter Whiskey, viele Jahre gereift. Verraucht, berauschend, manchmal der Depression förderlich – aber immer ein Emotionsverstärker. Oder: Die Geschichte vom angeschossenen Koyoten, der sich liebeskrank durch die Wüste schleppt – und Vergebung findet.

Das ist allerdings nicht die Geschichte, um die das Album sich dreht, kein Konzept oder so. Nur das Bild, das mir gerade vor Augen schwebte. Die reale Geschichte sieht so aus: Adam Stephens und Tyson Vogel hatten sich nach dem Jahr 2007, in dem das selbstbetitelte Album und die „Scenery of Farewell“-EP erschienen, rar gemacht, eine Pause eingelegt, es sah nach Trennung aus. Ob da noch viel kommen würde? Die Frage hing wie graue Wolken am Himmel jener Musiknerds, denen Two Gallants da sonst die Geigen hinpinnen. Nach persönlichen Tiefs und solistischen Ausflügen haben die beiden Country-Deprimierten die Kurve aber wieder bekommen.

Das ist auch verdammt gut so. The Bloom And The Blight bündelt einerseits alle Stärken, die man an dieser aus der Zeit gefallenen Band so liebt, fügt dem musikalischen Kosmos andererseits auch neue Facetten hinzu. Bisher klang nämlich kein Album der Band, die sich nach einer Kurgeschichte von James Joyce benannt hat, so rostzerfressen, so fuzzy, so dräuend und verzweifelt. Eine schartige Gitarre stürzt sich da immer wieder in den Abgrund ("Halcyon Days"), und apropos schartig: Stephens' Stimmbänder müssen eine einzige Katastrophe sein, was den Hörer aber freut, denn es ist immer noch diese panische Manie, in der er seine Dramen über uns ausschüttet. Außer Folk und Country, der mit der Selbstzerstörungsattitüde des Punk Kinder gezeugt hat, gibt es hier aber auch noch andere Einflüsse zu bestaunen. „Ride Away“ zum Beispiel hat im Sandkasten mit den frühen Black Sabbath gespielt, bevor es sich aufs ins Tonstudio gemacht hat. Die Band selber sagt, man habe auch versucht, die Grungewurzeln deutlich zutage treten zu lassen.

Aber es gibt nicht nur diese kaputten Momente, da sind auch beschauliche Pinao-Einschübe, das perlende Gitarrenarpeggio ("Song of Songs"), Momente, in denen man die Katharsis hinter sich hat und vielleicht ein neues Leben beginnen könnte. Oder zumindest mal wieder eine Nacht durchschlafen. Und im Traum taucht dann wieder dieser Koyote auf. Würde mich nicht wundern, wenn er mit Johnny Cashs Stimme zu einem sprechen würde.

„The Bloom And The Blight“ erscheint am Freitag, 7. September, via Fargo Records. Mehr unter www.twogallants.com. Hier gibt es noch eine Videosession von KEXP:

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