Mittwoch, 26. September 2012

Hörtest: The Movement – Fools Like You

Der real existierende Sozialismus hat versagt. Aber Kapitalismus ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Also machen The Movement auf dem ersten Album seit dem Neustart das, was sie am besten können: Zum Protestmarsch auf der Straße rufen – dabei aber stilvoll rocken wie es sich für Mods gehört. 

Die Revolution geht weiter. The Movement sind zurück und haben zehn Protestsongs im Gepäck. Naja, nicht ganz zehn. Ein paar davon sind Liebeslieder. Alles wie immer also? Im Grunde schon, obwohl Lukas Sherfey das einzig verbleibende Gründungsmitglied ist.  2007 hatte sich Sänger Lukas Scherfej von seinem Power-Trio getrennt, um solo weiterzumachen. Diese Erfahrung hat Spuren hinterlassen. Das hört man gleich beim ersten Song, dem akustisch gehaltenen „Monday Morning“. Die Melodie kommt einem bekannt vor – und das bleibt nicht das einzige Déjà Vu. Gutes Stichwort: Der gute Marx – Gott hab ihn selig – kommt natürlich auch wieder zu Ehren. „We Got Love, We Got Hope, We Got Marx“ heißt es da, und was soll einem da schon passieren, wenn man den auf seiner Seite hat?

Lukas Sherfey hat sein Kapital gut verinnerlicht, das merkt man den Lyrics an. Was The Movement aus der Masse an Punkbands hervorstechen lässt, die ähnliches im Schilde führen, ist dieser unglaublich coole Sound. Als sei Louis Armstrong im Probenraum von The Jam gelandet klingt das hier. Lukas Sherfey hat eine ähnlich kehlige Stimme, und seine Rickenbacker-Gitarre ist wie geschaffen für groovig-twangige Rifforgien. Bass und Drums gehen in Ordnung, man muss aber ehrlicherweise sagen, dass The Movement eben Sherfeys Baby sind und hier Musiker mit an Bord sind, die aufs Songwriting keinen großen Einfluss haben.

Und so stehen fast schon bittere Anpranger-Songs wie „The Won't Help You“ oder der Titeltrack neben gefälligen Stücken, in denen es um Gefühle und Liebe geht, „I Can Hardly Live Wothout You“. Warum ausgerechnet dieser Song allerdings nicht so überzeugend klingt wie in der Fassung, die auf der EP „Still Living The Dream“ (April 2011) vertreten war, ist mir nicht ganz klar. Als dieses Lebenszeichen 2011 über uns hereinbrach, war der Jubel schließlich riesig. Abgesehen davon gibt’s nix zu meckern hier, The Movement bleiben eine Konstante, greifen zwischendurch zum Schellenkranz und machen einfach da weiter, wo sie nach „Revolutionary Sympathies“ aufgehört haben. Was will man mehr?

Ein Interview mit Lukas Sherfey gibt's hier zu lesen, einen Konzerbericht von letztem Jahr an dieser Stelle. Hier seht Ihr noch einen Clip zu "Put The Lights On" vom aktuellen Album.

„Fools Like You“ von The Movement erscheint am Freitag, 28. September, via The movement Records. Mehr Infos unter www.themovement.dk

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