Dienstag, 7. August 2012

Hörtest: The See See – Fountayne Mountain

Dann und wann kommt sie vorbei, diese eine. Sie verdreht Dir den Kopf, lässt Dich in den unmöglichsten Situationen grinsen, alles leichter ertragen, das Universum bejubeln. Ihr dachtet, es geht um eine Frau? Nein, diese eine Platte ist gemeint, die „Occupy“ mit Deiner Stereoanlage spielt und mit Deinem Hirn eh. 

Diesmal kommen die Schuldigen aus dem schwedischen Malmö, der US-Motor City Detroit, dem britischen Leeds und Auckland im Land der langen weißen Wolke. The See See sind in London ansässig und geben uns das Gefühl zurück, wie es ist, sich in großen Psychedelic-Momenten zu verlieren. Nicht umsonst in den wichtigsten Platten der Woche bei Spiegel online aufgetaucht.

Was sonst ist das hier bitte als ein großes Sahnebonbon, dessen Konsum einen Farben am Himmel sehen lässt? Wenn die vielzitierten Westcoast-Einflüsse sich darin bemerkbar machen, dass das hier klingt wie San Francisco in den 60ern, umso besser. Das trägt Blumen im Haar und die Hosen mit weitem Schlag. Was kann man hier alles raushören...Donovan, die Byrds, man meint Lucy mit ihren Diamanten am Himmel zu sehen und erkennt Dylan in seinen weniger verschrobenen Momenten...aber lasst uns nicht vergessen: Das hier ist eine neue Band, wir haben 2012 und ihr Debütalbum ist ein Jahr alt. Das hier ist Nummer zwei. Nicht umsonst haben Jack Whites und Brendan Bensons The Raconteurs und das Brian Jonestown Massacre sie schon mit auf Tour genommen. Je öfter ich hinhöre, desto fester steht:  Richard Olson und seine Sidekicks sind verantwortlich für eines meiner jetzt-schon-Lieblingsalben 2012.

Was macht das Spaß, in das „Automobile“ einzusteigen, das einen mit seinen hawaiigen betrunkenen „Big Wheels“  vorwärtsbringt? Oder „Open Up Your Door“, das einem erst das große Gitarrenriff vormacht, um dann in schönste Folkpopgrandezza abzudriften? Die geniale Leistung der 60ies-Barden war ja, einem die schöne Illusion zu vermitteln, dass jetzt wirklich alles anders werden könnte, alles gut. Sie konnten ja auch nicht ahnen, dass wenige Dekaden später Dokusender die Protestsongs benutzen sollten, um Szenen aus Studentenrevolten damit zu untermalen. Jedenfalls: Das hier ist ganz groß, mag angeschrammte Gitarren, seltsame Flöten, quäkige Orgeln und sollte in jedem Plattenschrank stehen, der sich gutsortiert schimpft. Und wenn dann im abschließenden „The Day That Was The Day“ wieder das Thema aus dem Opener „Waltz“ auftaucht, kann man ja genauso gut die Repeat-Taste drücken. Solange, bis man Songtitel wie „Painted Blue“ oder „Sunbleached“ wörtlich nimmt.

„Fountayne Mountain“ von The See See ist am 22. Juni bei Dellorso erschienen. Mehr: http://theseesee.360degreemusic.com und http://soundcloud.com/theseeseefree. Das Video zu „Gold and Honey“ gibt’s hier zu sehen: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen