Sonntag, 1. Juli 2012

Sonntags-Matinée: Arkells – Jackson Square

Hat definitiv Potenzial, auch wenn nicht jeder Song ein Volltreffer ist: Die Arkells machen auf ihrem Debütalbum „Jackson Square“ schon mal vieles richtig. Gefällig ist dieser Mix aus unbeschwertem Drauflosrocken und hemmungslosem Zitieren von Einflüssen schon. Und man hat den Eindruck, dass jemand will, dass das hier auch in unseren Breitengraden groß wird. 

Beim Southside fiel mir das extrem auf: In den Umbaupausen flimmern ja immer dieser Werbefilmchen über die Videoleinwände neben den Bühnen. Der neue Madagascar-Teil. Die neue Platte von soundso. Und immer wieder erklang „Deadlines“, der hitverdächtige Opener dieser Platte hier. 55000 Leute auf einem Festival erreicht man so schonmal, nicht jeden, klar, aber wenn  ein Prozentsatz x die Band entdeckt und weiterempfiehlt, ist das schon mal was. Aber ganz am Ende entscheiden die Songs über den Erfolg (ok, Modern Talking mal außen vor...und auf die Chartslandschaft kann man diese Formel sicher auch nicht anwenden). Die Musik passt bei den Arkells – mit Abstrichen. Aber der Reihe nach.

In ihrer Heimat Kanada sind die Arkells schon ziemlich erfolgreich. Sie haben zweimal den kanadischen Musikpreis, den Juno Award, gewonnen, können auf Touren mit Pearl Jam und Them Crookes Vultures verweisen. „Jackson Square“ ist ihr Debütalbum, erschien bereits 2008 – und soll mit vier Jahren Verspätung nun auch den europäischen Markt knacken.

Den Reigen eröffnet „Deadlines“, ein Song, den sich auch die späten Against Me! hätten einfallen lassen können. Zeit ist Geld, nur nicht bummeln, es geht um wirtschaftlichen Fortschritt. Cooler Text. Hier spürt man Feuer und Spielfreude. Das lässt sich auch über „Pulling Punches“ sagen, das klingt ja fast nach den kleinen Brüdern der Foo Fighters. Und noch mehr Namedropping: „Oh, The Boss Is Coming“ tönt ein bisschen nach den Kings of Leon und greift nochmal die Kritik aus „Deadlines“ auf. Arkells haben was gegen die Dinge, die auf dem Arbeitsmarkt schieflaufen. Das Gitarrenrock-Quintett aus Hamilton, Ontario, widmet dem venezolanischen Staatschef die „Ballad of Hugo Chavez“, noch so ein Schachzug, über dessen niedliche Frechheit man grinsen muss. Das klingt dann allerdings schon beschaulicher und fast schon britisch. „No Champagne Socialist“ zollt mit seinem entspannten Rhythmus und der Mundharmonika Tom Petty Tribut.

Und dann geht der Platte leider etwas die Puste aus. Das wird diejenigen nicht weiter stören, die ohnehin den Shuffle-Modus im MP3-Player angeschaltet haben. Wer Sternchen für Songs verteilt, bekommt ja ohnehin nur seine Faves zu hören. Trotzdem etwas schade. Wer weiterhören will: 2011 erschient „Michigan Left“, ist hierzulande aber nur als Import erhältlich.

Hängengeblieben ist übrigens noch eine coole Textzeile: „You Want To Stay For The Night Tonight? Well I Know Everything About Platonic.“ Zitierfähig.

„Jackson Square“ von den Arkells ist am 29. Juni bei The Organisation erschienen. Mehr unter www.arkells.ca. Hier noch das Video zu „Oh, The Boss Is Coming“.

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