Samstag, 14. Juli 2012

Konzertkritik: Turbo A.C.'s im Kulturladen Konstanz

Turbo A.C.'s.
Support: Robots Of Next Tuesday.
Kulturladen Konstanz. 
Donnerstag, 12. Juli 2012.
Text und Fotos: Daniel Drescher

Vorhersehbar, aber hey, wenn man so ein arschcooles Spaghetti-Western-Intro ersonnen hat, dann muss man es auch an prominenter Stelle platzieren. "Sonora" ertönt, dieses staubtrockene Morricone-Tribut mit den dengelnden Gitarren und dem Reit-Rhythmus. Auf der aktuellen Platte "Kill Everyone" haben sie es als Intermezzo etwas versteckt. In jedem Fall bringt das Instrumental gut auf den Punkt, was die Turbo A.C.'s ausmacht: Coolness und dieses etwas Abgehangene, aus der Zeit gefallene.

Vollgas: Kevin Cole.                  Foto: Daniel Drescher
Wenn irgendein hippes elitäres Musikmagazin die Gretchenfrage nach Weiterentwicklung, Relevanz und zeitgemäß stellen würde - die Turbo A.C.'s würden die Frage mit breitbeinigem Posing, shreddernden Riffs und einem Topf Pomade beantworten. Live fällt verdammt eindrucksvoll auf, welche Granaten sie auf dem aktuellen Album geparkt haben. Dabei sind nicht Songs wie "Into The Vortex" mit seinem bedrohlich wabernden Rhythmus die Überraschung, sondern etwa das simpel gestrickte Mitsing-Fest "Black Lipstick" oder auch das fast schon bubblegum-artige "Anna". 

Den Kunstgriff, seinen Stil zwar zu verfeiern, aber die Essenz nicht aus den Augen zu verlieren, ist den New Yorkern ja gelungen. Live kommt das Surf-Element nicht mehr so sehr zur Geltung. Aber Hauptsache laut. Skalen dudeln? Fich Dick. Prog Rock finden die Turbo-Rocker vermutlich zum Gähnen. Dann lieber schnell Gitarre einstöpseln, Gaspedal, ähm, Distortion-Pedal durchtreten, und noch kurz einen Zweiminüter rauskotzen. Und immer posen wie die Weltmeister. Turbo A.C.'s spielen, wie man nie im Leben Auto fahren dürfte: Viel zu schnell, ohne Sicherheitsgurt, arg auf und mit Vollgas in die Kurven. Ach genau, und zwischendurch ein Burnout. An den Musikern kleben Schweiß und Öl vom Selberschrauben. Manchmal muss es einfach simpel und ohne doppelten Boden sein. Arcade Fire können wir später wieder hören. 

Posen wie die Weltmeister:
Jer  Duckworth.   
Das sehen auch die Konzertgänger im Kula so. Zwar muss man sich fragen, warum zur Hölle so eine weitgereiste Band wie die Turbo A.C.'s vor so wenigen Gästen spielen muss, aber guter Musikgeschmack ist eben nichts, womit die breite Masse gesegnet ist. Da reicht ja wöchentlich ein Blick auf die Charts oder die Einschaltquoten oder was weiß denn ich noch. Die, die da sind, tragen "Turbojugend"-Jacken, mancher die Haare akkurat gestylt wie Kevin Cole - dem die Strähnen nach ein paar Songs düster ins Gesicht hängen - und einige am Ende kein Shirt mehr. Cole macht's vor. "Hated and proud" hat er sich auf den - extrem durchtrainierten - Bauch tätowieren lassen. Aber wir hassen Dich doch gar nicht, Mr. Cole. Im Gegenteil. Dafür sind die Songs zu gut. Vor allem, wenn Assi-Parolen wie "1-800-EAT-SHIT" oder der Straßenfeger "Hit The Road" durch die Boxen geröhrt kommen. 

Und bitte: Weitermachen. Nach dem Ende der Hellacopters, dem Ableben von Gluecifer, der Bandpause der Backyard Babies und dem Sängerwechsel bei  Turbonegro sind die Turbo A.C.'s die einzige konstante Band. Krallt euch den Rockthron, es ist noch nicht zu spät. Andererseits: Egal. Thron, Schmon. Hauptsache, Ihr kommt bald wieder. 

Monika Krajka und Tomas Söchting von
Robots of Next Tuesday. 
Das gilt übrigens auch für die Robots of Next Tuesday, die vor den Turbo A.C.'s das komplette Kontrastprogramm auf die Bühne bringen. Mit ihrem hauptsächlich instrumental gehaltenen Sound irgendwo zwischen Wüste, Psychedelic-Plantage und Indie-Weiträumigkeit macht sich das Konstanzer Quartett sicher viele neue Freunde. Mehr bitte.

Mehr Fotos gibt's übrigens hier
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