Mittwoch, 11. Juli 2012

Hörtest: Make Do And Mend - Everything You Ever Loved

Ein flammendes Plädoyer für die Höhen und Tiefen des Lebens. Das Durchhaltevermögen. Die Beharrlichkeit. Drängend vorgetragen, aber weniger heftig als noch ein Album zuvor. Trotzdem ein Fall für den Plattenshop-Einkaufszettel. 

Es war Liebe auf den ersten Blick. Als Make Do And Mend im Sommer 2011 für Hot Water Music eröffneten, hatten sie mich innerhalb eines Songs. Direkt am Merchstand "End Measured Mile" von James Carroll signieren lassen und gekauft. War auch klar, dass das generell was Größeres werden würde. Nicht nur wegen der Schützenhilfe von Hot Water Music. Make Do And Mend sind echt.

 Auch wenn sie sich auf diesem Album leicht vom Post-Hardcore des Vorgängers freischwimmen und etwas massenkompatibler vorgehen. Studioalbum Nummer zwei schafft es, der Anbrüll-Facette ein Gefühl von Heimeligkeit an die Seite zu stellen. Weniger Hardcore, mehr Melodie. Aber nicht so, dass man abwinkt und die Band des Kommerzkacks bezichtigt. Make Do And Mend, das sind die Typen, mit denen man einen drauf machen möchte. Mit denen man sich typische Bro-Aktivitäten vorstellen kann. Und die Typen, die man an seiner Seite haben möchte, wenn's hart auf hart kommt. Da haben wir sie wieder, die Parallele zu Hot Water Music. Aber wie diese mir schon beim Interview letztens sagten: Make Do And Mend machen ihr eigenes Ding. Vielleicht ist es ja auch die Stimme von James Carroll, die mich so fesselt. Die hebt das Ganze meiner Ansicht nach auf ein anderes Level.

Die Songs sind extrem gut geworden. "Blur" eröffnet den Reigen und ist Quasi-Titelsong zugleich. "Count" macht Druck, legt aber zusätzliche Facetten frei. Die cleanen Gitarren tauchen dann auch noch öfter auf. Streicher sind nicht mehr verboten. Auch wenn "Everything..." zugänglicher ist als "End...": Die Trefferquote war damals schon hoch, jetzt ist sie einfach noch höher. Selbst eine mit Indie-Gitarren strahlende Ballade mogelt sich dazwischen, aber "St. Anne" ist einwandfrei. "Lucky" macht ganz schön auf dicke Hose, kippt aber rechtzeitig ins Gute. Wie sich die Gitarren nicht nur in Riffs erschöpfen, sondern clever ausgeklügelte Figuren zocken, wie der Bass drückt, die Drums bollern - schon schön. 

Ich muss zugeben, dass ich skeptisch war. Und nach dem ersten Höreindruck schon dachte, Make Do And Mend würden ohne Rücksicht auf Verlust auf die große Masse schielen. Aber der Spagat ist den vier Musikern aus Connecticut gelungen. Sie wollten ein Album machen, auf das man stolz sein kann. Können sie.

"Everything You Ever Loved" ist am 19. Juni bei Rise Records erschienen und bisher nur als Import erhältlich. Offizielle Internetseite: www.makedoandmend.me. Song-Kostprobe: "Disassemble" bei Spinner. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen