Dienstag, 17. Juli 2012

Hörtest: Callin Tommy - s/t.

Von Vorsätzen, verkaterten Morgen und dem Wissen, dass man wohl nichts dazulernen wird: „I swear I'll never drink again“, singt Inga Stang, die man von Le Band kennt, in „The Day After“. Ein hehrer Vorsatz, der mit dem nächsten „Vodka Bim Bam“, so ein beinah schon dadaistischer Titel auf dieser Platte, vielleicht schon vergessen sein könnte.

Aber der Reihe nach: Ein Händchen für Melodien, Songs über Liebe und Alkohol, rotziger Rock'n'Roll mit dezentem Punk- und Ska-Einfluss – und das Ganze garniert mit einer Frauenstimme: Callin Tommy kommen aus Braunschweig und haben vor wenigen Wochen ihre selbstbetitelte EP veröffentlicht. Sechs Songs, 20 Minuten. Seit zwei Jahren erst existiert die Band, von ihren Gitarristen Marco (Ex-Benz Laden- und Tatsache-Gitarrist) und Andree gegründet. Neben Szymmi am Bass sorgt Anja (Ex-Moon:Patrol) an den Drums für den richtigen Rhythmus. Inga Stang am Mikrofon, und wüsste man nicht, dass sie erst dieses Jahr zur Band gestoßen ist, könnte man sie für den Dreh- und Angelpunkt halten. Die Gitarren sind zwar nicht unauffällig, aber mit ihrer Stimme steht sie doch im Vordergrund.

Die Melodien sind teils albern wie bei „Emma“, wo ein Kazoo den Ska-Rhythmus mitbestimmen darf. Teils episch wie beim balladesken „Lost in Love“ mit seinem schönen Gitarreneffekten. Manchmal sind die Tonfolgen auch schön überraschend wie bei „Jealousy“. Ska-Einflüsse hört man nochmal bei „Evil Creatures“ raus. Auffällig ist, wie gleichberechtigt in der Produktion die Instrumente nebeneinander stehen. So kommen die agilen Bassfiguren in „The Day After“ schön zur Geltung. Die Gitarren zeigen sich riffgeladen und auch solistisch versiert. Inga Stang erinnert stimmlich leicht an Patricia Day von den Horrorpops, was gut zum Stil der Band passt. Eine gefällige Mischung aus Abgehnummern und relaxteren Rock'n'Roll-Momenten. Fragt sich nur, welchen Tommy wir anrufen sollen. Gottschalk? Jaud? Den von The Who?
Egal. Hauptsache Wählscheibe.

Die selbstbetitelte EP von Callin Tommy ist am 5. Juni erschienen. Mehr unter www.callintommy.de

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