Samstag, 30. Juni 2012

Konzertkritik: Singer/Songwriter Night in der Hoki Weingarten


Stumfol. Ben J. Marx. Gabriel Alex.
Singer/Songwriter Night.
Hoki Weingarten.
Freitag, 29. Juni 2012. 
Text und Fotos: Daniel Drescher

Der Mann kann sogar Justin Bieber covern – und man ist ihm nicht böse. Dafür klingt der Song dann doch zu gut, wenn ihn Christian Stumfol covert. „Never Say Never“ heißt das Lied, es hat als Gag angefangen, inzwischen hätte er den Song (in seiner Version) aber liebgewonnen, sagt der Mittzwanziger mit der Akustikgitarre, der in einer Studentenkneipe in Weingarten auf der Bühne steht. In der „Holzkiste“ hat er eine Singer/Songwriter-Nacht organisiert, außer ihm stehen noch Ben J. Marx und Gabriel Alex auf der Bühne.

Rockt: Stumfol in Weingarten.    Foto: TA
Man kennt ihn als Sänger der schwäbischen Punkrocker von „Clap Your Hands Twice“, solo lebt Christian Stumfol seine Vorliebe für ehrliche Gitarrenarbeiter wie Chuck Ragan und Frank Turner aus. Und auch wenn er zu seinen Einflüssen steht: Abgekupfert wirkt hier nichts, eine eigene Persönlichkeit scheint durch. Man kann sich vorstellen, was für Ereignisse der junge Musiker in Songs wie „Final Drive“ verarbeitet hat, einem melancholischen Stück über abgefuckte Situationen und letzte Heimfahrten. Erstaunlich ist bei Stumfols Performance zum einen seine Stimme. Wenn er will, kann er richtig laut werden und mit kräftigem Volumen die Boxen zum Beben bringen. Klingt auch nicht wie ein 24-Jähriger, sondern irgendwie wie jemand mit der Lebenserfahrung von noch mehr Jahrzehnten. Schön daran, dass man das Gefühl hat, jemandem zuzuhören, der nicht zur Gitarre gegriffen hat, um Rockstar zu werden, sondern: „Ich bin in einem winzigen Dorf aufgewachsen, da gab's nichts. Also haben wir uns mit Gitarren ans Lagerfeuer gesetzt.“ Da soll nochmal jemand sagen, die Ödnis von kleinen Käffern sei zu nichts nutze. Der Birmingham-Effekt. Wer weiß, was Black Sabbath gemacht hätten, wenn sie zufrieden mit ihrer Situation gewesen wären. Sicher keine Klassikeralben. Nur so ein Gedanke. „Moonshiner“ ist so ein Song, der am Lagerfeuer damals oft erklungen ist, ein Folkstück, das auch Bob Dylan mal aufgenommen hat. Stumfol beherrscht sein Strumming und langt ganz schön zu: Nach wenigen Minuten ist die erste Saite gerissen. „Frisch gekauft, der Händler meinte, die hält ewig“, beschwert sich der Gitarrenarbeiter. Am Ende des Gigs ist auch die Leihgitarre von Ben J. Marx um eine Saite ärmer. So muss das sein. Rock'n'Roll!

Bevor Stumfol die Bühne entert, sorgt Ben J. Marx mit seinem lässigen Gitarrensound für viel Applaus. Zwei Sidekicks – ein Bassist/Gitarrist und eine Cellistin – sogen für zusätzliche Klangfacetten. Er hat schon Recht, der Marx, wenn er sagt, dass man Cellistinnen viel zu selten auf der Bühne sieht. Wer Murder By Death zu schätzen weiß, kennt die Vorzüge, die warme Cellotöne einem Song verleihen.

Gabriel Alex zeigt eine nochmal andere Herangehensweise. Das ist Folk, das ist fast schon Chanson-artig und sehr emotional bis leidenschaftlich, wie er seine Stücke darbietet.

Stumfol hat Recht: Es gibt zu wenig Live-Musik in Weingarten. Als er zu dieser Einschätzung kommt, applaudieren die vielen Studenten, die da sind. Wäre sicher kein Fehler, diese Nacht nicht als einmalige Sache dastehen zu lassen.

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