Sonntag, 13. Mai 2012

Sonntags-Matinée: All The Young – Welcome Home

Das drängt sich natürlich auf: Zwei britische Brüder und ihre Rockband. Da kommen die Oasis-Vergleiche schneller als der nächste Royal-Tratsch. Aber Oasis haben sich selber mit ihrem Bruderzwist ins Aus katapultiert und der Rock’n’Roll-Thron auf der Insel ist verwaist. All The Young – ein Quartett um die Brüder Ryan und Jack Dooley - hätten sicher nichts dagegen, darauf Platz zu nehmen. Dafür mag es noch zu früh sein, aber: Dass das hier ein Debütalbum sein soll – darauf wäre man beim Hören nicht gekommen.

Nun erliegt man dem Charme von britischen Rockbands ja ohnehin schneller, allein weil der britische Akzent wesentlich sexier ist als alles andere. Siehe Maximo Park. Aber dieses Quartett hier aus Stoke-On-Trent hat auch die passenden Songs dazu. Wie das schon losgeht mit „Another Miracle“. Gitarren galore. Die dominieren hier alles – aber auch die anderen Musiker haben etwas zu sagen.

Der warm wallende Bass von Jack Dooley und die knackigen Drums von Will Heany – dann die Stimme von Ryan Dooley, von der man sich gerne morgens gute Nachrichten  vorlesen lassen würde, wenn es denn welche zu vermelden gäbe. „Today“ fängt tanzbar an, kippt dann aber doch in Richtung Stampfrock. Dann der erste Hit, der sich „The First Time“ nennt. „Thank You For Coming Round, Thank You For Taking The Time and Thank You For Listening To Me.“ Ja kein Ding, wenn die Platte so großartig ist. Britisches Understatement? Hier finden sich hallende Gitarrenscapes, wie sie die Editors vor ihrem Elektro-Schwenk so wunderbar hinbekamen, donnernde Riff-Riesenräder von Gitarrist David Cartwright und Melodien, bei denen man nicht denkt, dass man sie schon hundertmal anderswo gehört hat. Glanzstück auch „New Education“ mit seiner Akustikgitarre und dem Anlauf nehmenden Songaufbau. Das Titelstück schwingt sich langsam auf und steigert sich gegen Ende in einen wahren Rausch. Sieht alles nach einer neuen Lieblingsband im Plattenschrank aus. Apropos Aussehen: Schick sind sie auch noch. Die Insel hat einfach schon immer Stil gehabt.

Die massive Produktion hat Garth Richardson (Rage against The Machine, Biffy Clyro) besorgt. Diese Platte zelebriert die Kunst, simpel, aber nicht einfallslos zu sein, wuchtig, aber nicht hohl, melodiös, aber nicht kitschig. Keine Frage: Mit dieser Platte bewirbt sich die Band um die großen Bühnen. Auf Festivals dürfte das richtig gut werden. Wer zufällig zum Southside geht: Da spielen sie. Wir sehen uns dort.

„Welcome Home“ von All The Young erscheint am 18. Mai via Rykodisc (Warner). Auf der offiziellen Internetseite der Band kann man sich ein Live-Album kostenlos herunterladen.  Hier seht Ihr noch die Videos zu „The First Time“ und "Welcome Home".

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