Sonntag, 27. Mai 2012

Sonntags-Matinée: Affector - Harmageddon

Metal-Matinée: Früher hab ich mal Dream Theater verehrt. Wer diese Band mag, sollte sich das Debüt von Affector geben. Allerdings nix für Gitarrenschüler. Wer zuhört, wie sich Gitarrero Daniel Fries hier die Finger verknotet, könnte leicht Depressionen bekommen - oder aber den ultimativen Motivationsschub. Dann also doch hinhören.

Obwohl Metalmucker (und Fans) gerne so tun, als hätten sie weder Angst vor Tod noch Teufel, müssen sie im Grunde doch sehr religiöse Menschen sein. Zumindest ist sehr auffällig, wie oft und intensiv sich diese Szene mit Themen wie Religion, Gott und Satan auseinandersetzt. So gesehen sind Black Metaller vielleicht gläubiger als mancher Weihnachts-Kirchgänger, denn wer dem Höllenfürst huldigt, impliziert damit ja im Grunde, dass es einen himmlischen Gegenspieler gibt. Buy one - get one free sozusagen. Affector sind ebenfalls fasziniert von dieser Spielwiese. Warum sonst sollten sie sich für ihr Debüt an der Bibel und speziell der Offenbarung bedienen? Ok, wir haben 2012 und mancher glaubt vielleicht, dass Silverstereinladungen dieses Jahr unnötig sind wie noch nie zuvor. Aber man hört eben anders hin, wenn eine Metal-Band "Halleluja" singt und nicht "Hail Satan".

Kein Wunder, dass Neal Morse (Ex-Spock's Beard) die Band mit Lob überschüttet. Morse kehrte seiner Band Spock's Beard den Rücken, weil Gott ihm das befohlen habe. Aha. Morse ist denn auch Gastmusiker auf "Harmageddon" zu hören. Da ist er nicht alleine: Unter anderem sind die Keyboarder Derek Sherinian (Black Country Communion, Planet X, Ex-Dream Theater) und Jordan Rudess (Dream Theater) für diverse Tastenorgien verantwortlich. Ach ja, Namen sind Nachrichten: Affector sind Drummer Collin Leijenaar (Neal Morse), der deutsche Gitarrist Daniel Fries, Sänger Ted Leonard (Enchant, Spock’s Beard, Thought Chamber) und Bassist Mike LePond (Symphony X).

Und so klingt das dann auch: Wer auf verspielt-abgefahrenes Gefrickel, rasende Double-Bass und die volle Ladung Progressive Metal kann, wird hier sicher glücklich. Auch, wer gerne mal Rush auflegt, dürfte sich über die ausufernden Kompositionen freuen, die handwerklich einfach nur zum Niederknien sind. Wer sich am Bibel-Überbau stört, kann ja einfach diese großartig gemachte Musik konzentrieren. Bei der "Ouverture pt. 1 Introduction" übrigens kommen auch Filmmusik-Fans auf ihre Kosten: Wie die Sinfonietta Consonus aus Polen hier Orchesterbombast auffährt - da werden alle Klassik-Metal-Gourmets ausrasten. Ein Debüt ist diese Platte - aber das heißt gar nichts. Denn die Musiker sind eben nicht irgendwelche Newbies, sondern ziemlich ausgefuchste Proggies. Wenn dies denn der Soundtrack zur Apokalpyse sein soll - wenigstens macht der Weltuntergang dann Spaß.

"Harmageddon" von Affector ist am 18. Mai bei Inside Out Music erschienen. Mehr: www.affector.netEinen Album Teaser Compilation gibt's auf Youtube
Den Titelsong könnt Ihr hier hören:

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