Sonntag, 13. Mai 2012

Laura Jane Grace: Das Interview im Rolling Stone unter der Lupe

Tom Gabel ist Vergangenheit. Die Zukunft gehört Laura Jane Grace. Die Nachricht verbreitete sich vergangene Woche in Windeseile: Im Interview mit dem Rolling Stone machte Tom Gabel öffentlich, dass sie ihr Leben künftig als Frau leben wird. Kurios: Auf einmal ist eine Punkband aus den USA, die die meisten Massenmedien vorher komplett ignoriert haben, Thema. Von Spiegel online über Welt online bis zur Bild-Zeitung (die das Thema auf gewohnt qualifizierte Weise behandelte...) - plötzlich schreiben alle über eine meiner absoluten Lieblingsbands.

Tom Gabel beim Pirate Satellite
Festival in Stuttgart.
                     Foto: Daniel Drescher

Am Freitag (11. Mai) erschien der komplette Artikel unter dem Titel „The Secret Life Of Tom Gabel“ in der US-Ausgabe des Rolling Stone. Die Geschichte ist richtig gut. Autor Josh Eells geht mit der gebotenen Sensibilität an das Thema heran, arbeitet Schlüsselmomente und Konsequenzen der schicksalhaften Erkenntnis heraus. Wir erfahren, dass Laura seit ihrer Kindheit das Gefühl hatte, im falschen Körper zu stecken. Zum ersten Mal kamen diese Gedanken, als sie vier oder fünf Jahre alt war. Auch die Textzeile aus „Searching For a Former Clarity“ erklärt sich nun besser: „Confessing Childhood Secrets/Of Dressing Up in Women’s Clothes/Compulsions You Never Knew The Reasons To.” Überhaupt beleuchtet der Artikel Dinge, die rückblickend mehr Sinn ergeben. Im Grunde kann man sogar den Bandnamen „Against Me!“ deuten. Auch, dass Laura mit der Rolle des aggressiven männlichen Punk-Fronters nicht viel anfangen konnte, wird klar. Vom Outing innerhalb der Band wird erzählt, ebenso, wie Heather Gabel – Lauras Frau – auf das Geständnis reagierte. Ziemlich cool übrigens.

Dann trifft sich der Autor zum ersten Mal mit Laura Jane Grace. Noch fühlt sie sich wie eine verkleidete Frau, aber zum Erscheinungszeitpunkt des Interviews nimmt Laura Hormone und bereitet sich mental auf eine Geschlechtsumwandlung vor, die schließlich und endlich folgen soll. Laura sähe aus wie Tommy, nur schöner, schreibt Josh Eells, und: „Pretty badass.“

Und auch die große Frage, wie es mit der Band weitergehen wird, ist nun beantwortet. Sie könne kaum abwarten, erstmals als Frau auf der Bühne zu stehen: „Wie wild unsere Band auch in der Vergangenheit war, stell Dir mich vor, 1,88 Meter groß, mit Absatzschuhen, wie ich verdammt nochmal jemandem ins Gesicht schreie", heißt es in dem Artikel.

Dass dieser Schritt sehr viel Mut erfordert und es sicher nicht ganz einfach wird, zeigen die Kommentare unter dem Vorab-Artikel über das Interview. Neben Unterstützung gibt es dort auch sehr viele User, die aus ihrem geistigen Kleingärtnertum keinen Hehl machen.

Sehr schön deshalb auch die letzte Passage der Stone-Story, in der es um einen eventuellen Umzug nach LA oder New York geht – weil das derzeitige Umfeld der Familie Gabel eher konservativ ist. Laura möchte mit ihrer Frau und ihrer Tochter an einem Ort leben, wo die Leute keine „AIDS kills Fags dead“-Aufkleber auf den Autos haben. Es gäbe bereits Leute, die ihre Frau für eine Satanistin halten und in der Öffentlichkeit für sie gebetet hätten – weil sie schwarz trägt. Laura: „Warte nur, bis sie mich sehen.“

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