Mittwoch, 11. April 2012

The Young and The Hopeful: The Sensitives lassen die Punkrock-Puppen tanzen

Seit Kurzem gibt es bei Tinnitus Attacks eine neue Rubrik: Sie nennt sich "The Young and The Hopeful". Darin soll es um Bands gehen, die noch nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Dieses Blog will Musiker unterstützen, die Herzblut und Zeit investieren, aber ohne Label dastehen oder noch am Anfang sind. Heute mit einem Trio aus Schweden, das aus liebenswert simple Weise Punkrock, Ska und Folk zum Tanzen bringt.

Da ist die Stimme von Martin Bäck, die ein wenig an Köfte von Mad Sin erinnert und auch mal das blökende Timbre von Roger Chapman hat. Da ist Paulina Hjertton, die von Bands wie Blondie geprägt ist und sich mit Martin das Mikrofon teilt. Da sind die denkbar einfach gestrickten Riffs, die immer wieder von Rockabilly-kompatiblen Läufen und Ska-Offbeats aufgemischt werden. Und dann die Drums von Anton Bäck, die lässlig-locker nach vorne gehen. Das ist alles nicht neu, aber sympathisch, ehrlich, ungekünstelt und so unbekümmert vorgetragen, dass es einfach Spaß macht. Aus Schweden kommen offenbar nicht nur großartiger melodischer Death Metal und perfekterRotzrock, sondern auch cooler Punkrock.

Das Trio aus Falun hat sein Debütalbum in trockene Tücher gebracht und musste dabei doppelt Arbeit leisten: Bei einem Computercrash ging das Album komplett verloren, als es quasi fertig war, die Aufnahmen gingen von Neuem los. Im Folgenden seht Ihr ein Video-Interview, das die Band für Tinnitus Attacks gegeben hat.



Hörtest: The Sensitives - "Poetry As Hollow As It Can Be"


Ein Punkrock-Song ist dann gut, wenn er trotz simpelster Zutaten im Ohr hängen bleibt und Dich mitten am Tag einholt, wenn Dir die Melodie ins Hirn zuckt. Demnach haben The Sensitives eine ganze Latte von guten Songs geschrieben. Denn so einfach die 14 Stücke auf "Poetry As Hollow As It Can Be" auch gestrickt sind - sie bleiben hängen, machen gute Laune und dürften live extrem tanztauglich sein. Mit Rockabilly-Einflüssen flirtet das cool swingende "Wasted Again" ebenso, während der Opener "Kill You Another Day" mit Ska-Trompeten daherkommt. Greaser dürften da ebenso auf ihre Kosten kommen wie Pogotänzer.

Das Schöne an diesem Album ist: Sie wollen nicht mehr sein als sie sind. Against Me! sind zwar ein Einfluss, aber keiner, den man penetrant raushört, sondern eher am drahtigen Gitarrensound wahrnimmt. Ton schief? Egal, weiter im Takt. Gesangstalent nicht auf Maria-Carey-Niveau? Darum ging's Punk nie. Es geht darum, selber eine Vision von Sound zu erschaffen. The Sensitives werden jetzt nicht die Musikwelt aus den Angeln heben, aber wie sie The Bones-Feeling in "My Baby" und "Hey Johnny" erzeugen, wie sie in "Thank You For The Drinks" die Akustische zum Rocken bringen, das hat schon viel Schönes. Und der eigenironische Hidden Track "Don't Care Anymore" freut mit unverhofften Einsichten über Songwriting, Sarah Palin und Sorglosigkeit.


Eine Platte wie ein Dosenbier: ein einfaches Vergnügen, dass Laune macht und das man niemals gegen eine Dose Prosecco tauschen würde.


"Poetry As Hollow As It Can Be" erscheint am 28. April. Mehr Infos: Die offizielle Internetseite der Band bietet neben News und Video ein Bandtagebuch. Auf Facebook sind die drei Musiker ebenso vertreten wie auf Twitter, wo sie dringend noch ein paar Follower bräuchten. Live: 22.4.: Tiki Heart, Berlin; 26.4.: Engel, Daugendorf; 28.4.: Hemperium, Ulm; 30.4.: Ballonfabrik, Augusburg. 


Tinnitus Attacks hat jetzt übrigens auch einen Youtube-Kanal. Mal sehen, was da als nächstes passiert. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen